„Normalisiertes Mittelhochdeutsch“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „= Normalisiertes Mittelhochdeutsch = <p>Für die Textausgaben der wichtigen mittelhochdeutschen Dichtungen, für [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6rterbuch Wörterbücher] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatik Grammatiken] wird heute das im Wesentlichen auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lachmann Karl Lachmann] zurückgehende normalisierte Mittelhochdeutsch verwendet, das im Grundsatz die Formen der staufischen höfischen Literatur verwend…“ |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[normalisiert|normalisiertes]] [[Mittelhochdeutsch]]<p><ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsche_Sprache#Das_normalisierte_Mittelhochdeutsch; Stand 8. Dezember 2023 um 18:56 Uhr </ref>Für die Textausgaben der wichtigen mittelhochdeutschen Dichtungen, für [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6rterbuch Wörterbücher] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatik Grammatiken] wird heute das im Wesentlichen auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lachmann Karl Lachmann] zurückgehende normalisierte Mittelhochdeutsch verwendet, das im Grundsatz die Formen der staufischen höfischen Literatur verwendet, aber die oft vielfältigen Schreibungen der damaligen sprachlichen Realität nicht wiedergibt.</p> | |||
<p>Für die Textausgaben der wichtigen mittelhochdeutschen Dichtungen, für [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6rterbuch Wörterbücher] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatik Grammatiken] wird heute das im Wesentlichen auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lachmann Karl Lachmann] zurückgehende normalisierte Mittelhochdeutsch verwendet, das im Grundsatz die Formen der staufischen höfischen Literatur verwendet, aber die oft vielfältigen Schreibungen der damaligen sprachlichen Realität nicht wiedergibt.</p> | |||
=== <span id="Aussprache">Aussprache</span> === | === <span id="Aussprache">Aussprache</span> === | ||
<p>Die Betonung eines Worts liegt stets auf der ersten Haupttonsilbe. [https://de.wikipedia.org/wiki/Vokal Vokale] mit einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumflex Zirkumflex] (ˆ) – in anderer Orthographie mit einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Makron Makron] (¯) – werden lang gesprochen, Vokale ohne Zirkumflex werden kurz gesprochen. Aufeinanderfolgende Vokale werden getrennt betont. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ligatur_(Typografie) Ligaturen] ''æ'' und ''œ'' werden wie ''ä'' (IPA: [ɛː]) und ''ö'' ([øː]) gesprochen.</p><p>Das ''s'' wird als [https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmloser_alveolarer_Frikativ [s]] ausgesprochen, wenn ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsonant Konsonant] folgt, außer bei ''sch'' und ''sc'' und spätmittelhochdeutsch bei anlautendem ''s'' vor ''l, n, m, p, t, w''; dort wird es als [https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmloser_postalveolarer_Frikativ [ʃ]] ausgesprochen.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsch#cite_note-10 [10]]</sup><sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsch#cite_note-11 [11]]</sup> Ein ''z'' im Wortanlaut oder nach einem Konsonanten wird wie das neuhochdeutsche ''z'' als [t͡s] ausgesprochen. Ein ''z'' oder ''zz'' in der Mitte und am Ende des Worts wird ausgesprochen wie ''ß'' bzw. [s] (zur besseren Unterscheidung oft geschrieben als ''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C8%A4 ȥ]'' oder ''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C6%B7 ʒ]''). Das ''v'' wird am Wortanlaut als [f] gesprochen.</p><p>Der Buchstabe ''h'' wird im Wort- und Silbenanlaut als [h] gesprochen (Beispiel: ''hase'', ''hûs'', ''gesehen''), im Auslaut und den Verbindungen ''lh'', ''rh'', ''hs'', ''ht'' dagegen als <span class="IPA">[[https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmloser_velarer_Frikativ x]]</span> (''hôch'', ''naht'', ''fuhs''); er dient niemals als [https://de.wikipedia.org/wiki/Dehnungs-h Dehnungszeichen].<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsch#cite_note-12 [12]]</sup></p> | <p>Die Betonung eines Worts liegt stets auf der ersten Haupttonsilbe. [https://de.wikipedia.org/wiki/Vokal Vokale] mit einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumflex Zirkumflex] (ˆ) – in anderer Orthographie mit einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Makron Makron] (¯) – werden lang gesprochen, Vokale ohne Zirkumflex werden kurz gesprochen. Aufeinanderfolgende Vokale werden getrennt betont. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ligatur_(Typografie) Ligaturen] ''æ'' und ''œ'' werden wie ''ä'' (IPA: [ɛː]) und ''ö'' ([øː]) gesprochen.</p><p>Das ''s'' wird als [https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmloser_alveolarer_Frikativ [s]] ausgesprochen, wenn ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsonant Konsonant] folgt, außer bei ''sch'' und ''sc'' und spätmittelhochdeutsch bei anlautendem ''s'' vor ''l, n, m, p, t, w''; dort wird es als [https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmloser_postalveolarer_Frikativ [ʃ]] ausgesprochen.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsch#cite_note-10 [10]]</sup><sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsch#cite_note-11 [11]]</sup> Ein ''z'' im Wortanlaut oder nach einem Konsonanten wird wie das neuhochdeutsche ''z'' als [t͡s] ausgesprochen. Ein ''z'' oder ''zz'' in der Mitte und am Ende des Worts wird ausgesprochen wie ''ß'' bzw. [s] (zur besseren Unterscheidung oft geschrieben als ''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C8%A4 ȥ]'' oder ''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C6%B7 ʒ]''). Das ''v'' wird am Wortanlaut als [f] gesprochen.</p><p>Der Buchstabe ''h'' wird im Wort- und Silbenanlaut als [h] gesprochen (Beispiel: ''hase'', ''hûs'', ''gesehen''), im Auslaut und den Verbindungen ''lh'', ''rh'', ''hs'', ''ht'' dagegen als <span class="IPA">[[https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmloser_velarer_Frikativ x]]</span> (''hôch'', ''naht'', ''fuhs''); er dient niemals als [https://de.wikipedia.org/wiki/Dehnungs-h Dehnungszeichen].<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsch#cite_note-12 [12]]</sup></p> | ||
=== <span id="Vokalismus">Vokalismus</span> === | === <span id="Vokalismus">Vokalismus</span> === | ||
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable noprint Vorlage_Belege_fehlen hatnote"><div class="noviewer noresize" role="presentation" aria-hidden="true" | <div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable noprint Vorlage_Belege_fehlen hatnote"><div class="noviewer noresize" role="presentation" aria-hidden="true">Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege Belegen] (beispielsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Einzelnachweise Einzelnachweisen]) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. | ||
Abschnitt ist unbelegt, und dass <uo> [uə] und nicht [uɔ̯] sein soll, sieht fragwürdig (vgl. "mittelhochdeutschen öffnenden Diphthonge [iə yə '''uə'''] entsprechen den neuhochdeutschen Langvokalen [iː yː uː]").<br>In [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_K%C3%BCrschner Wilfried Kürschners] Grammatischem Kompendium (6. Aufl., S. 57, [https://books.google.de/books?id=cP52BwAAQBAJ&pg=PA57 GB]) heißt es: "Neuhochdeutsche Monophthongierung: Ersetzung der mhd. Diphthonge [i͜ə], [u͜ɔ], [y͜ə] durch die Monophthonge [iː], [uː], [yː]."<br>Im übrigen sollte Diphthonge vielleicht mit einem darunter gesetzten Bogen gekennzeichnet werden also [iə̯] (bei Kürschner [i͜ə]) oder nhd. [aɪ̯] statt nur [iə] und [aɪ]. | |||
</div></div><p>Die folgende Übersicht zeigt das Vokalsystem des (Normal-)Mittelhochdeutschen:</p> | |||
:Kurzvokale: '''a, ë, e, i, o, u, ä, ö, ü''' | :Kurzvokale: '''a, ë, e, i, o, u, ä, ö, ü''' | ||
:Langvokale: '''â, ê, î, ô, û, æ, œ, iu''' (langes ''ü'') | :Langvokale: '''â, ê, î, ô, û, æ, œ, iu''' (langes ''ü'') | ||
Aktuelle Version vom 7. Januar 2024, 09:44 Uhr
normalisiertes Mittelhochdeutsch
[1]Für die Textausgaben der wichtigen mittelhochdeutschen Dichtungen, für Wörterbücher und Grammatiken wird heute das im Wesentlichen auf Karl Lachmann zurückgehende normalisierte Mittelhochdeutsch verwendet, das im Grundsatz die Formen der staufischen höfischen Literatur verwendet, aber die oft vielfältigen Schreibungen der damaligen sprachlichen Realität nicht wiedergibt.
Aussprache
Die Betonung eines Worts liegt stets auf der ersten Haupttonsilbe. Vokale mit einem Zirkumflex (ˆ) – in anderer Orthographie mit einem Makron (¯) – werden lang gesprochen, Vokale ohne Zirkumflex werden kurz gesprochen. Aufeinanderfolgende Vokale werden getrennt betont. Die Ligaturen æ und œ werden wie ä (IPA: [ɛː]) und ö ([øː]) gesprochen.
Das s wird als [s] ausgesprochen, wenn ein Konsonant folgt, außer bei sch und sc und spätmittelhochdeutsch bei anlautendem s vor l, n, m, p, t, w; dort wird es als [ʃ] ausgesprochen.[10][11] Ein z im Wortanlaut oder nach einem Konsonanten wird wie das neuhochdeutsche z als [t͡s] ausgesprochen. Ein z oder zz in der Mitte und am Ende des Worts wird ausgesprochen wie ß bzw. [s] (zur besseren Unterscheidung oft geschrieben als ȥ oder ʒ). Das v wird am Wortanlaut als [f] gesprochen.
Der Buchstabe h wird im Wort- und Silbenanlaut als [h] gesprochen (Beispiel: hase, hûs, gesehen), im Auslaut und den Verbindungen lh, rh, hs, ht dagegen als [x] (hôch, naht, fuhs); er dient niemals als Dehnungszeichen.[12]
Vokalismus
Die folgende Übersicht zeigt das Vokalsystem des (Normal-)Mittelhochdeutschen:
- Kurzvokale: a, ë, e, i, o, u, ä, ö, ü
- Langvokale: â, ê, î, ô, û, æ, œ, iu (langes ü)
- Diphthonge: ei, ie, ou, öu, uo, üe
Es ist zu beachten, dass ei als [] zu sprechen ist (also nicht [] wie im Neuhochdeutschen, sondern wie ej oder äi, vgl. ay in Englisch day); ie ist nicht ein langes [iː], sondern [].
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch betreffen den Vokalismus:
- Die mittelhochdeutschen Langvokale [] entsprechen den neuhochdeutschen Diphthongen [] (neuhochdeutsche Diphthongierung). Beispiele: mîn – mein, liut – Leute, hûs – Haus
- Die mittelhochdeutschen öffnenden Diphthonge [] entsprechen den neuhochdeutschen Langvokalen [] (neuhochdeutsche Monophthongierung). Beispiele: liep – lieb, müede – müde, bruoder – Bruder
- Die mittelhochdeutschen Diphthonge [] entsprechen den offeneren neuhochdeutschen Diphthongen [] (neuhochdeutscher Diphthongwandel). Beispiele: bein – Bein, böume – Bäume, boum – Baum
- Die meisten mittelhochdeutschen Kurzvokale in offenen Silben entsprechen neuhochdeutschen gedehnten Langvokalen (Dehnung in offener Tonsilbe). Beispiele ligen – liegen, sagen – sagen, nëmen – nehmen. Diese Dehnung ist im Neuhochdeutschen jedoch in der Regel ausgeblieben vor -t sowie vor -mel und -mer. Beispiele geriten – geritten, site – Sitte, himel – Himmel, hamer – Hammer.
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsche_Sprache#Das_normalisierte_Mittelhochdeutsch; Stand 8. Dezember 2023 um 18:56 Uhr