Normalisiertes Mittelhochdeutsch
normalisiertes Mittelhochdeutsch
[1]Für die Textausgaben der wichtigen mittelhochdeutschen Dichtungen, für Wörterbücher und Grammatiken wird heute das im Wesentlichen auf Karl Lachmann zurückgehende normalisierte Mittelhochdeutsch verwendet, das im Grundsatz die Formen der staufischen höfischen Literatur verwendet, aber die oft vielfältigen Schreibungen der damaligen sprachlichen Realität nicht wiedergibt.
Die Betonung eines Worts liegt stets auf der ersten Haupttonsilbe. Vokale mit einem Zirkumflex (ˆ) – in anderer Orthographie mit einem Makron (¯) – werden lang gesprochen, Vokale ohne Zirkumflex werden kurz gesprochen. Aufeinanderfolgende Vokale werden getrennt betont. Die Ligaturen æ und œ werden wie ä (IPA: [ɛː]) und ö ([øː]) gesprochen.
Das s wird als [s] ausgesprochen, wenn ein Konsonant folgt, außer bei sch und sc und spätmittelhochdeutsch bei anlautendem s vor l, n, m, p, t, w; dort wird es als [ʃ] ausgesprochen.[10][11] Ein z im Wortanlaut oder nach einem Konsonanten wird wie das neuhochdeutsche z als [t͡s] ausgesprochen. Ein z oder zz in der Mitte und am Ende des Worts wird ausgesprochen wie ß bzw. [s] (zur besseren Unterscheidung oft geschrieben als ȥ oder ʒ). Das v wird am Wortanlaut als [f] gesprochen.
Der Buchstabe h wird im Wort- und Silbenanlaut als [h] gesprochen (Beispiel: hase, hûs, gesehen), im Auslaut und den Verbindungen lh, rh, hs, ht dagegen als [x] (hôch, naht, fuhs); er dient niemals als Dehnungszeichen.[12]
Die folgende Übersicht zeigt das Vokalsystem des (Normal-)Mittelhochdeutschen:
- Kurzvokale: a, ë, e, i, o, u, ä, ö, ü
- Langvokale: â, ê, î, ô, û, æ, œ, iu (langes ü)
- Diphthonge: ei, ie, ou, öu, uo, üe
Es ist zu beachten, dass ei als [] zu sprechen ist (also nicht [] wie im Neuhochdeutschen, sondern wie ej oder äi, vgl. ay in Englisch day); ie ist nicht ein langes [iː], sondern [].
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch betreffen den Vokalismus:
- Die mittelhochdeutschen Langvokale [] entsprechen den neuhochdeutschen Diphthongen [] (neuhochdeutsche Diphthongierung). Beispiele: mîn – mein, liut – Leute, hûs – Haus
- Die mittelhochdeutschen öffnenden Diphthonge [] entsprechen den neuhochdeutschen Langvokalen [] (neuhochdeutsche Monophthongierung). Beispiele: liep – lieb, müede – müde, bruoder – Bruder
- Die mittelhochdeutschen Diphthonge [] entsprechen den offeneren neuhochdeutschen Diphthongen [] (neuhochdeutscher Diphthongwandel). Beispiele: bein – Bein, böume – Bäume, boum – Baum
- Die meisten mittelhochdeutschen Kurzvokale in offenen Silben entsprechen neuhochdeutschen gedehnten Langvokalen (Dehnung in offener Tonsilbe). Beispiele ligen – liegen, sagen – sagen, nëmen – nehmen. Diese Dehnung ist im Neuhochdeutschen jedoch in der Regel ausgeblieben vor -t sowie vor -mel und -mer. Beispiele geriten – geritten, site – Sitte, himel – Himmel, hamer – Hammer.
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsche_Sprache#Das_normalisierte_Mittelhochdeutsch; Stand 8. Dezember 2023 um 18:56 Uhr