„Intuition“ – Versionsunterschied
Erscheinungsbild
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 5: | Zeile 5: | ||
intuitio,intuērī | intuitio,intuērī | ||
* Intuition f. | * Intuition f. | ||
** ‘Eingebung, ahnendes Erfassen, Erkenntnis ohne wissenschaftliche Einsicht’, | ** ‘Eingebung, ahnendes Erfassen, Erkenntnis ohne wissenschaftliche Einsicht’, | ||
*** entlehnt (18. Jh.) aus lat. ''[[intuitiō]]'' (Genitiv intuitiōnis) ‘das Erscheinen des Bildes im Spiegel’, | *** entlehnt (18. Jh.) aus lat. ''[[intuitiō]]'' (Genitiv intuitiōnis) ‘das Erscheinen des Bildes im Spiegel’, | ||
**** spätlat. ‘geistiges Schauen’, | **** spätlat. ‘geistiges Schauen’, | ||
***** daher (in der scholastischen Philosophie) ‘durch Schauen (nicht durch Denken) erworbene Kenntnis’; | ***** daher (in der scholastischen Philosophie) ‘durch Schauen (nicht durch Denken) erworbene Kenntnis’; | ||
***** zu lat. ''[[intuērī]]'' ‘genau auf etw. hinsehen, etw. geistig betrachten’. – ''[[intuitiv]]'' Adj. | ***** zu lat. ''[[intuērī]]'' ‘genau auf etw. hinsehen, etw. geistig betrachten’. – ''[[intuitiv]]'' Adj. | ||
<div class="zenoCOMain"><p>[http://www.zeno.org/Eisler-1904/K/eisler-1904-001-0530 [530]] '''<span class="zenoTXHighlight0">Intuition</span>''': [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Anschauung Anschauung] (s. d.), [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Schauen Schauen], besonders geistiges, denkendes [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Schauen Schauen]. – Nach PLATO werden die [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Idee Ideen] (s. d.) in einem präexistentialen [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Leben Leben] geschaut (vgl. [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Anamnese Anamnese]). Nach ARISTOTELES besteht die [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Erkenntnis Erkenntnis] der letzten Principien, des Unvermittelten (der ''amesa'') in einem sicheren [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Schauen Schauen]. Vgl. [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Intellectuale+Anschauung Intellectuale Anschauung], [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Mystik Mystik], [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Contemplation Contemplation].</p></div><div class="zenoCOFooter"><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Quelle:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 530.</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Permalink:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/nid/20001792628 http://www.zeno.org/nid/20001792628]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Lizenz:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Faksimiles:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Eisler-1904/K/eisler-1904-001-0530 530]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Kategorien:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</div><div class="zenoCOFooterLineRight"></div><div class="zenoCOFooterLineRight"><div class="zenoCOMain"><p>[http://www.zeno.org/Mauthner-1923/K/mauthnerwbp-002-0203 [203]] '''<span class="zenoTXHighlight0">Intuition</span>''' – In dem Aufsatze: »''Über Philosophie und ihre Methode''« (Par. u. Paral. II. 7) hat [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Schopenhauer+(Wille) Schopenhauer], der doch als Kantianer alle [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Anschauung Anschauung] für intellektuell erklärte, wieder einmal die volle Schale seines Zornes über Fichte und Schelling ausgegossen, weil sie den Ausgang nehmen wollten (verkehrt, anstatt von der empirischen [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Anschauung Anschauung]) »vom Standpunkte einer angeblichen intellektualen [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Anschauung Anschauung] hyperphysischer Verhältnisse, oder gar Vorgänge, oder auch einer das Übersinnliche vernehmenden Vernunft, oder einer absoluten, sich selbst denkenden Vernunft«. Den Illuminismus freilich, die innere Erleuchtung, als das Geheimnis der Philosophenbrust, der seinen eigenen letzten Ahnungen ebenso zugrunde lag wie denen des Platon und des Spinoza, hat [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Schopenhauer+(Wille) Schopenhauer] in Schutz genommen. »Hingegen (S. II) das laute Berufen auf intellektuelle [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Anschauung Anschauung] und die dreiste Erzählung ihres Inhalts, mit dem Anspruch auf objektive Gültigkeit desselben, wie bei Fichte und Schelling, ist unverschämt und verwerflich.«</p><p class="zenoPLm4n0">Diese ''intellektuelle [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Anschauung Anschauung]'' heißt in der Sprache der philosophischen Romantik gern auch ''<span class="zenoTXHighlight0">Intuition</span>''. Wenn [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Schopenhauer+(Wille) Schopenhauer] beachtet hätte, wo dieses Wort herstammt, sein Abscheu wäre nur vermehrt worden. Ich finde diese Art der übermenschlichen <span class="zenoTXHighlight0">Intuition</span> beim heiligen Thomas. Da gibt es dreierlei Erkenntnis: [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Gott Gott], als die oberste essentia hat unmittelbar das Wissen von allen Essentien; die Engel und die vom Körper befreiten Seelen haben die unmittelbare ''intuitio'' der gegenwärtigen [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Ding Dinge] oder doch das Wissen der entfernten durch species expressae; die Seelen im Zustande der Sünde wissen nur, was ihnen[http://www.zeno.org/Mauthner-1923/K/mauthnerwbp-002-0203 [203]] durch species impressae zuteil geworden ist. Die Ausdrücke ''species impressa'' und ''expressa'' kommen aus einer uns nicht mehr faßbaren Psychologie her, welche die species als Bildchen auffaßt, die sich zuerst den Sinnen eindrücken und nachher in den Vorstellungen der Seele ausdrücken. Man sieht, die Bezeichnungen dieser Scholastik lassen sich übersetzen, auch wenn sie keinen Sinn mehr geben; mitunter läßt sich, wo die Scholastik in [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Mystik Mystik] übergeht, der Sinn besser fühlen als definieren. Wir glauben alle zu wissen, was wir bei des Spinoza Worten ''sub specie aeternitatis'' fühlen; aber wir können das viel mißbrauchte Schlagwort weder übersetzen, noch definieren, noch diskursiv verstehen.</p></div><div class="zenoCOFooter"><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Quelle:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. Leipzig <sup>2</sup>1923, Band 2, S. 203-204.</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Permalink:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/nid/20006180892 http://www.zeno.org/nid/20006180892]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Lizenz:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Faksimiles:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Mauthner-1923/K/mauthnerwbp-002-0203 203] | [http://www.zeno.org/Mauthner-1923/K/mauthnerwbp-002-0204 204]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Kategorien:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</div></div></div></div></div></div> | |||
Version vom 29. März 2024, 15:12 Uhr
intuitio-n intueor + tionf. eigentlich bildungssprachlich "durch Schau erwirkte Erkenntniß" 20.Jh. ndt;
intuitio,intuērī
- Intuition f.
- ‘Eingebung, ahnendes Erfassen, Erkenntnis ohne wissenschaftliche Einsicht’,
- entlehnt (18. Jh.) aus lat. intuitiō (Genitiv intuitiōnis) ‘das Erscheinen des Bildes im Spiegel’,
- ‘Eingebung, ahnendes Erfassen, Erkenntnis ohne wissenschaftliche Einsicht’,
[530] Intuition: Anschauung (s. d.), Schauen, besonders geistiges, denkendes Schauen. – Nach PLATO werden die Ideen (s. d.) in einem präexistentialen Leben geschaut (vgl. Anamnese). Nach ARISTOTELES besteht die Erkenntnis der letzten Principien, des Unvermittelten (der amesa) in einem sicheren Schauen. Vgl. Intellectuale Anschauung, Mystik, Contemplation.