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„Der Begriff des Geistes“ – Versionsunterschied

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== <span id="Belege">Belege</span> ==
[https://de.wikipedia.org/wiki/Geist#Der_Begriff_des_Geistes Der Begriff des Geistes]


#<span class="reference-text">Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">πνέω</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">pnéo</span> oder <span class="Grek" lang="grc-Grek">πνείω</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">pneío</span> „wehen, blasen, hauchen, aushauchen, atmen“. „pneuma“ bedeutet demnach „Hauch, Luftstrom“ (auch „Fahrwind“, sogar „Duft“) sowie „Atem“ und „Leben“ wie bei ''psyche'' (siehe unten), ähnlich wie dort auch „Mut“, aber auch „Feuer“ (wohl „inneres“ wie in „feuriges Temperament“ oder „feuriger Mensch“).&nbsp;– Bemerkenswerter noch erscheint der Ausdruck <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἱερόν πνεῦμα</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hieròn pneuma</span> (wörtlich „''heiliges'' pneuma“). Nach dem „Griechisch-Deutschen Schul- und Handwörterbuch“ von [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Gemoll Wilhelm Gemoll] bedeutet er nicht, wie naheliegen würde, „Heiliger Geist“, sondern „Verzückung“ („[https://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung Entrückung]“) und „[https://de.wikipedia.org/wiki/Besessenheit Besessenheit]“, der Ausdruck <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐν πνεύματι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">en pnéumati</span> denn auch „in [https://de.wikipedia.org/wiki/Ekstase Ekstase]“ (oder „außer sich“ bzw. „in [https://de.wikipedia.org/wiki/Trance Trance]“). Der christliche Ausdruck „[https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Geist Heiliger Geist]“ wird nach Gemoll mit <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἅγιον πνεῦμα</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hágion pneúma</span> oder <span class="Grek" lang="grc-Grek">πνεῦμα τὸ ἅγιον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">pneûma tò hágion</span> wiedergegeben mit „hágion“ für das ''Heilige, Heiligste, Allerheiligste'', wobei in christlich-religiösen Zusammenhängen „pneuma“ auch ''Engel'' heißen kann.</span>
=== Etymologie ===
#<span class="reference-text">Oder <span class="Grek" lang="grc-Grek">νόος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">nóos</span> (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Noologie Noologie])&nbsp;– von [https://de.wikipedia.org/wiki/Indogermanische_Ursprache indogermanisch] *''snó[w]os''für „(Gesichts-)''Sinn''“ (vergleiche [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] <span lang="la-Latn">sensus</span>) aus *''sent-'' für „gehen“ (und „reisen, fahren“). ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Duden Der große Duden]'' gibt in Band&nbsp;7 des ''Herkunftwörterbuchs der Deutschen Sprache'' im Eintrag „Sinn“ für die Wurzel ''*sent-'', auf die auch lateinisch „<span lang="la">sentire</span>“ („wahrnehmen, fühlen empfinden“) zurückgeht, die noch ältere Bedeutung „eine Fährte suchen“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Scil sc.] mit den Augen) an. <span class="Grek" lang="grc-Grek">νοέειν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">noéein</span> bedeutet daher (im Unterschied zum mehr ''gefühlsmäßigen'' Wahrnehmen, das mit lateinisch <span lang="la">''sentire''</span> gemeint ist) offensichtlich „per Sehsinn wahrnehmen, bemerken“ und „erkennen“, auch „geistig erkennen“ sowie&nbsp;– selbst im Deutschen&nbsp;– „''ein''-sehen“ (sc. mittels ''visueller Vorstellungen''&nbsp;– siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Colin_McGinn Colin McGinns] Abhandlung „Mindsight/Das geistige Auge“ 2004/2007), darüber auch „denken“ in allen Formen wie „an etwas denken, ausdenken, bedenken“ und „erdenken, ersinnen“, „nous“ oder „noos“ dann also „Aufmerksamkeit“ („auf etwas richten“&nbsp;– wie die Augen!), sodann „''Rück''-Sicht, in den Sinn (kommen)“&nbsp;– etwa in Form eines „vor das innere Auge Tretens“ u.&nbsp;ä.; deshalb dann vor allem das „Vermögen geistiger Wahrnehmung“ (siehe „Über-blick“!), „''Ein''-Sicht, ''An''-Sicht“ und „Verstand, [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft]“ (von „vernehmen“!), sogar „Vermögen des Wollens, ''Ab''-Sicht“ bis hin zu „Empfindungsvermögen, Gesinnung, Sinnesart, Gemüt“ und „Herz“ bis zu „Seele“ (ganz ähnlich wie bei ''psyche''; siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Jaynes Julian Jaynes] ''Noos'' in seiner psychohistorischen Studie ''Die Entstehung des Bewußtseins'' 1993, S. 327–329)</span>
[[Datei:220px-Johann_Gottfried_Herder.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Johann_Gottfried_Herder.jpg|mini|274x274px|Johann Gottfried Herder]]
#<span class="reference-text">Von dem Verb <span class="Grek" lang="grc-Grek">ψύχειν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">psýchein</span> für „atmen, hauchen, blasen“, auch „(ab)kühlen, erkalten, trocknen“. ''Psyche'' bedeutet demnach zuerst „Atem, (Atem-)Hauch“, dann aber auch „Atem als Lebensprinzip“, „(Zeichen von) Lebenskraft“, ja „Leben“ überhaupt. Weiterhin stand ''psyche'' bei den Griechen auch für den „Schatten“ von Toten nach dem „Verlust des Lebens“ (eine Vorstellung, die später mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Animismus_(Religion) animistischen][https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Seelenvorstellungen] vermengt wurde, so dass ''psyche'' heute auch „Seele“ bedeuten kann). Im Einzelnen steht ''psyche'' für folgende, überwiegend oder ausschließlich der Eigen- oder Selbstwahrnehmung zugängliche Lebenserscheinungen wie „Denkvermögen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand Verstand]“ und „Klugheit“, sodann „Gemüt, Herz(haftigkeit)“ sowie „Mut, Sitz der Leidenschaften, Begehrungsvermögen, Lust“ und „Appetit“ bis hin zur Bezeichnung oder Umschreibung der (ganzen) [https://de.wikipedia.org/wiki/Person Person], des „Wertvollsten“ und „Kostbarsten“, womit die Grundlage moderner [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie Psychologie] recht gut angegeben wäre. (vergleiche zum Ganzen auch Julian Jaynes: ''Psyche.'' In: ''Die Entstehung des Bewußtseins.'' 1993, S. 329–331 u. 350–356; zu der an verschiedenen Stellen im WWW online gestellten PDF-Fassung des deutschen Textes siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist#Jaynes-PDF Anmerkung unten])</span>
Die modernen heterogenen Konzeptionen des Geistes haben ihren Ursprung zum einen in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike antiken Philosophie] und zum anderen in der Bibel.<ref><span class="reference-text">Hellmut Bock: Anglo-American Common Sense and German Geist, in: ''American Quarterly'', 1956, S. 155–165</span></ref> Während sich in den meisten [https://de.wikipedia.org/wiki/Romanische_Sprache romanischen Sprachen]ein entsprechender Begriff aus dem lateinischen ''spiritus'' entwickelte, leitet sich der Begriff des Geistes aus der indogermanischen Wurzel ''*gheis-'' für erschaudern, ergriffen und aufgeregt sein ab.<ref><span class="reference-text">Zu dem weitreichenden psychoevolutionären Hintergrund der hier (auch) ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Etymologie sprachhistorisch]'' aufscheinenden Zusammenhängen s. Julian Jaynes' [http://gedankenfrei.files.wordpress.com/2009/02/julian_jaynes_zdsgfzuweqwer.pdf „''Der Ursprung des Bewusstseins''“] (komplett als PDF-Datei; 2,4&nbsp;MB; Achtung: Die Seitenangaben hier sind mit dem Originaldruck ''nicht'' identisch!)</span></ref> Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Westgermanische_Sprachen westgermanische] Wort ''*ghoizdo-z'' bedeutete wohl „übernatürliches Wesen“ und wurde mit der Christianisierung der Germanen christlich umgedeutet, so dass der Begriff in [https://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsche_Sprache althochdeutschen] (''geist'') und [https://de.wikipedia.org/wiki/Altenglische_Sprache altenglischen] (''gást'') Schriften als Übersetzung für den biblischen ''Spiritus Sanctus'' diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die Gegenwart, so dass „Geist“ auch als Synonym für „[https://de.wikipedia.org/wiki/Gespenst Gespenst]“ verwendet wird.
#<span class="reference-text">Von <span lang="la">''spirare''</span> für „wehen, hauchen, seufzen, brausen, schnauben, ausatmen, leben, (aus)duften, ausatmen, aushauchen, erfüllt, beseelt sein, dichten“&nbsp;– (siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Spirometer Spirometer]); <span lang="la">''spiritus''</span> steht darum für „Luft, Hauch, Atem“ und „Atmen, Atemzug, Lebenshauch, Seufzer, Leben, Anhauch, Mut, Hochmut, Übermut, Stolz“ und „Sinn“ sowie „Gesinnung, Begeisterung“&nbsp;– oder „Geist“&nbsp;– bis hin zu „dichterischem Schaffen“ und den [https://de.wikipedia.org/wiki/Quintessenz_(Philosophie) ätherischen] ''„-geist“'' genannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Spirituosen#Brand,_Wasser_oder_Geist Spirituosen] (wie in [https://de.wikipedia.org/wiki/Himbeergeist Himbeergeist]) oder ebenso ätherisch dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ammoniakwasser Salmiakgeist].</span>
 
#<span class="reference-text">''Einerseits'' „Denk''kraft''“ (oder „Denkvermögen, Verstand, Vernunft, Einsicht“) und „Geist, Denkart“ sowie „Sinnesart“, ''andererseits'' aber auch „Gemüt“ mit allen ''Gemütsaffekten'' (wie Zorn, Leidenschaft oder Mut); ''davon abgeleitet'' auch für „das Gedachte, die Gedanken“, aber auch „Erinnerung“ auf der einen sowie „Meinung“ und „Absicht“ auf der anderen Seite.&nbsp;– Bemerkenswerte und vielsagende [https://de.wikipedia.org/wiki/Etymologie ''etymologische''Beziehungen] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie psychologisch weitreichende sachliche Zusammenhänge] bestehen zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] <span lang="la-Latn">memini</span> („sich erinnern, gedenken, daran denken“) sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">μένος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ménos</span> („heftiges Verlangen, Eifer, Zorn, Kampfesmut, Schwungkraft, Lebenskraft“ wie überhaupt „(Helden-)Kraft“ und „Stärke“) sowie schließlich auch zu altgriechisch <span class="Grek" lang="grc-Grek">μαίνομαι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">maínomai</span> für „rasend machen/werden“ oder „in Raserei versetzt werden“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Manie Manie]!), „wüten, toben“, aber auch „begierig/verzückt/weintoll/betrunken sein“ oder „liebestoll sein“.&nbsp;– Auch bei <span lang="la">''mens''</span>, von dem sich unsere Fremdwörter ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Mental mental]'' und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Mentalit%C3%A4t Mentalität]''herleiten, zeigt sich demnach derselbe historische Bedeutungswandel von ''Emotionalem'' zu ''Geistigem'' wie bei ''Geist'' (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist#GeistEtym entsprechende Anmerkung]).</span>
Eine weitere Bedeutungsebene, die heute jedoch nicht mehr offensichtlich ist, stellt „Geist“ in einen Zusammenhang mit „Atem, Windeshauch“ als Ausdruck der Belebtheit. So findet sich noch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Luthers]Übersetzung der Bibel die Formulierung „der himmel ist durchs wort des herrn gemacht und all sein heer durch den geist seines munds“.<ref><span class="reference-text">[http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=geist Übersetzung des Ps. 33, zitiert im ''Deutschen Wörterbuch'' von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm]</span></ref> Auch das lateinische ''spiritus'' weist diese Bedeutung auf; es ist mit ''spirare'' „atmen“ verwandt.
#<span class="reference-text">Im Unterschied zur davon weit abweichenden Verwendung der Wörter „[https://de.wikipedia.org/wiki/Animus_und_Anima Animus und Anima]“ bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung C. G. Jung] geht lateinisch <span lang="la">''animus''</span> auf den Atem als solchen zurück&nbsp;– und weniger wie <span lang="la">''spiritus''</span> sowie ''pneuma''und ''psyche'' auf die Bezeichnung der Aktivität ''Atmen''; etymologisch steht „animus“ mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἄνεμος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ánemos</span> für „Wind“ und „Sturm“ im Zusammenhang.</span>
 
#<span class="reference-text"><span id="GeistEtym"></span>Nach ''Der große Duden'' geht „Geist“ etymologisch auf die indogermanische Wurzel *''gheis-'' zurück. Interessanterweise wird damit ursprünglich auch hier ''nichts im heutigen Sinn Geistiges'' gemeint, sondern in diesem Fall eine ''emotionale''(!) Reaktion, und zwar die des&nbsp;– psychologisch gesehen bemerkenswerten und für uns Menschen wortwörtlich „eigenartigen“&nbsp;– ''Erschauderns'' oder ''Ergriffenseins'', des ''Erregt-'' oder ''Aufgebrachtseins''. Der historische Wandel der Bedeutung von „Geist“, nach dem es ''heute'' möglich ist, von „geistigen Vorgängen“ wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung Wahrnehmen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Erinnerungsverm%C3%B6gen Erinnern], [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung Vorstellen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Traum Träumen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Phantasie Phantasieren] und anderen Formen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Denken Denkens] zu sprechen, dürfte mit Umständen und Zusammenhängen zu tun haben, die Julian Jaynes in seinem epochalen Werk ''Der Ursprung des Bewusstseins'' schildert (siehe dort vor allem II/5 „Das intellektuelle Bewußtsein der Griechen“ S.&nbsp;311–356; zu der an verschiedenen Stellen im WWW online gestellten PDF-Fassung des deutschen Textes siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist#Jaynes-PDF Anmerkung unten]). Nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosoph Philosophen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheoretiker Wissenschaftstheoretiker] [https://de.wikipedia.org/wiki/Dirk_Hartmann Dirk Hartmann] (in „''Philosophische Grundlagen der Psychologie''“ S.&nbsp;80f.) wird „Geist“ heute ähnlich wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit Zeit], [https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Physik) Raum], Stoff oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie Materie] u.&nbsp;ä. Allgemeinbegriffe am besten als sogenannter „[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reflexionsterminus&action=edit&redlink=1 Reflexionsterminus]“ verstanden: ein Wort, „mit dem eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft) Kategorisierung] bestimmter Aussagen“ angezeigt werden soll; er schlägt daher vor, „Geist“ im ''wissenschaftlichen''Sprachgebrauch auf die Kennzeichnung von „Aussagen über [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition Kognitionen]“ zu beschränken (und damit von ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Emotion Emotionen]'', den umgangssprachlich sog. „gefühlsmäßigen Reaktionen“ oder dem „Gefühlsleben“ der Alltagspsychologie zu unterscheiden).</span>
In verschiedenen Theorien, gelegentlich auch im Alltag, wird der Ausdruck zur Charakterisierung überindividueller Phänomene, Objekte, Eigenschaften oder Prozesse eingesetzt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Herder Johann Gottfried Herders] Werk ''Vom Geist des Christentums'' prägte diese Begriffsverwendung entscheidend mit. Ein zentrales Konzept der deutschsprachigen Kultur wurde „Geist“ spätestens mit dem Werk [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Georg Wilhelm Friedrich Hegels]. Nach Hegel manifestiert sich in Gemeinschaften ein objektiver Geist, während der absolute Geist Kunst, Philosophie und Religion auszeichnet. Auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialwissenschaften Sozialwissenschaften]benutzen den Begriff des Geistes, um auf Merkmale von Gemeinschaften hinzuweisen. In dem Sinne ist etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Webers] Rede vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_protestantische_Ethik_und_der_%E2%80%9EGeist%E2%80%9C_des_Kapitalismus „Geist“ des Kapitalismus] zu verstehen.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Weber]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Die_protestantische_Ethik_und_der_%27Geist%27_des_Kapitalismus Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus]'' 1904</span></ref> Dieser „Geist“ ergibt sich durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Norm Normen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wert_(Philosophie) Werte] kapitalistischer Gemeinschaften. Im allgemeinen Sprachgebrauch findet sich beispielsweise die Formulierung: „Hier herrscht ein Geist der Eintracht“.
#<span class="reference-text">Hellmut Bock: Anglo-American Common Sense and German Geist, in: ''American Quarterly'', 1956, S. 155–165</span>
 
#<span class="reference-text"><span id="Jaynes-PDF"></span>Zu dem weitreichenden psychoevolutionären Hintergrund der hier (auch) ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Etymologie sprachhistorisch]'' aufscheinenden Zusammenhängen s. Julian Jaynes' [http://gedankenfrei.files.wordpress.com/2009/02/julian_jaynes_zdsgfzuweqwer.pdf „''Der Ursprung des Bewusstseins''“] (komplett als PDF-Datei; 2,4&nbsp;MB; Achtung: Die Seitenangaben hier sind mit dem Originaldruck ''nicht'' identisch!)</span>
=== Übliche Begriffsverwendung in moderner Philosophie und Wissenschaft ===
#<span class="reference-text">[http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=geist Übersetzung des Ps. 33, zitiert im ''Deutschen Wörterbuch'' von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm]</span>
[[Datei:220px-Pferdeauge_mit_Fliege.jpeg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pferdeauge_mit_Fliege.jpeg|mini|220x220px|Ein Mensch ''weiß'', dass er wahrnimmt, fühlt und denkt. Wie sieht das Pferd den Fotografen? Nehmen die Fliegen das Pferd wahr?]]
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Weber]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Die_protestantische_Ethik_und_der_%27Geist%27_des_Kapitalismus Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus]'' 1904</span>
[[Datei:220px-Into_the_sun_(13044240813).jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Into_the_sun_(13044240813).jpg|mini|220x220px|Spüren Pflanzen das Sonnenlicht, zu dem sie sich hinwenden?]]
#<span class="reference-text">Samuel R. Nüesch: ''Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen.'' Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S.&nbsp;6–7.</span>
Geist ist ein unscharfer Sammelbegriff für alle Formen [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiv subjektiver] Innerlichkeit. Dies umfasst [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein bewusste] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbewusst unbewusste] Vorgänge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Empfinden Empfindens], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmen Wahrnehmens] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Erleben Erlebens] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Emotion Emotionen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition Kognition]und [https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition Intuition]), wie sie jeder Mensch direkt und unmittelbar erfährt. Dies umfasst die alltägliche Erkenntnis, dass (zumindest) das bewusste geistige „[https://de.wikipedia.org/wiki/Abbildrelation Abbild]“ der [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Erinnerung_(Psychologie) Erinnerung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung Vorstellung]aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Information Informationen] stammen, die uns von den [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnesorgan Sinnesorganen]aus der Umwelt vermittelt werden.
#<span class="reference-text">Michael Pauen und Gerhard Roth: ''Geist und Gehirn.'' Essay im Lexikon der Neurowissenschaft auf spektrum.de, [https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/geist-und-gehirn/4140 online] abgerufen am 22. Februar 2024.</span>
 
#<span class="reference-text">Thomas Diekwisch: ''Biologische Beiträge zum Leib-Seele-Problem.''Inauguraldissertation, Philipps-Universität Marburg, Bielefeld 2004, [https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0124/pdf/dtd.pdf PDF], abgerufen am 25. Februar 2024, S.&nbsp;259–260, 275, 290.</span>
==== Prinzipielle Unbeweisbarkeit ====
#<span class="reference-text">Ralph Adolphs und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ant%C3%B3nio_R._Dam%C3%A1sio Antonio R. Damasio]: ''Bewusstsein und Neurowissenschaft.'' [https://doi.org/10.1515/9783110525601-010 DOI:10.1515/9783110525601-010], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;77–78, 83, 90–93.</span>
Es ist prinzipiell unmöglich, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Psyche Psyche] eines ''anderen'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch Menschen], die wahrscheinliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Johann_von_Uexk%C3%BCll#Innenwelt Innenwelt] verschiedener [https://de.wikipedia.org/wiki/Tiere Tiere], die mögliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Sensibilit%C3%A4t_(Neurowissenschaft) Sensitivität] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflanzen Pflanzen] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Hypothetisch hypothetische], nicht physikalische „innere Zustände“ unbelebter [https://de.wikipedia.org/wiki/System Systeme][https://de.wikipedia.org/wiki/Qualitativ qualitativ] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Analyse untersuchen], zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Deskription beschreiben] oder zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Beweis_(Logik) beweisen].
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_St%C3%B6ckler Manfred Stöckler]: ''Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.'' [https://doi.org/10.1515/9783110525601-011 DOI:10.1515/9783110525601-011], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;97–100.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Patrick_Sp%C3%A4t Patrick Spät]: ''Panpsychismus: ein Lösungsvorschlag zum Leib-Seele-Problem.'' Dissertation, FreiDok der Universität Freiburg, Freiburg 2010, [https://freidok.uni-freiburg.de/data/7608 PDF], abgerufen am 17. Juni 2023, S.&nbsp;5, 11–14.</span>
Während die [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie Psychologie] mittlerweile ein weitreichendes Modell der ''menschlichen Psyche'' entwickelt hat, beschränken sich die allgemeinen Aussagen zum Mentalen, die von den meisten Naturwissenschaftlern und Philosophen weitgehend akzeptiert werden, im Wesentlichen auf die folgenden Punkte:<ref><span class="reference-text">Samuel R. Nüesch: ''Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen.'' Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S.&nbsp;6–7.</span></ref><ref><span class="reference-text">Michael Pauen und Gerhard Roth: ''Geist und Gehirn.'' Essay im Lexikon der Neurowissenschaft auf spektrum.de, [https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/geist-und-gehirn/4140 online]abgerufen am 22. Februar 2024.</span></ref><ref><span class="reference-text">Thomas Diekwisch: ''Biologische Beiträge zum Leib-Seele-Problem.''Inauguraldissertation, Philipps-Universität Marburg, Bielefeld 2004, [https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0124/pdf/dtd.pdf PDF], abgerufen am 25. Februar 2024, S.&nbsp;259–260, 275, 290.</span></ref><ref name=":0"><span class="reference-text">Ralph Adolphs und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ant%C3%B3nio_R._Dam%C3%A1sio Antonio R. Damasio]: ''Bewusstsein und Neurowissenschaft.'' [https://doi.org/10.1515/9783110525601-010 DOI:10.1515/9783110525601-010], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;77–78, 83, 90–93.</span></ref><ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_St%C3%B6ckler Manfred Stöckler]: ''Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.''[https://doi.org/10.1515/9783110525601-011 DOI:10.1515/9783110525601-011], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;97–100.</span></ref><ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Patrick_Sp%C3%A4t Patrick Spät]: ''Panpsychismus: ein Lösungsvorschlag zum Leib-Seele-Problem.'' Dissertation, FreiDok der Universität Freiburg, Freiburg 2010, [https://freidok.uni-freiburg.de/data/7608 PDF], abgerufen am 17. Juni 2023, S.&nbsp;5, 11–14.</span></ref>
#<span class="reference-text">Stichwort: ''Intentionalität'' im Lexikon des Magazins philosophie auf philomag.de, [https://www.philomag.de/lexikon/intentionalitaet online] abgerufen am 23. Februar 2024.</span>
 
#<span class="reference-text">Gerhard Roth: ''Neurale Mechanismen des Bewusstseins.''[https://doi.org/10.1515/9783110525601-009 DOI:10.1515/9783110525601-009], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;59.</span>
* Das Phänomen ''Geist'' hat immer mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Information Informationsverarbeitung] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexes_System Komplexen Systemen] zu tun,
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hampe_(Philosoph) Michael Hampe]: ''Philosophie.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Sarasin Philipp Sarasin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Sommer_(Kulturwissenschaftlerin) Marianne Sommer](Hrsg.): ''Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch''. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476022745 ISBN 978-3-476-02274-5], S.&nbsp;273–286.</span>
* die wie die materielle Welt einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution_(Begriff)#Evolution_des_Geistes Evolution] unterliegen.
#<span class="reference-text">Ansgar Beckermann: ''Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.'' 2. Aufl. De Gruyter, Berlin u. a. 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110170655 ISBN 3-11-017065-5], S. 115.</span>
* Geistige Vorgänge werden von (quantitativ) messbarer [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuronal neuronaler] Aktivität (vor allem im [https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn Gehirn]) [https://de.wikipedia.org/wiki/Korrelation begleitet],
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_St%C3%B6ckler Manfred Stöckler]: ''Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.'' [https://doi.org/10.1515/9783110525601-011 DOI:10.1515/9783110525601-011], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;102–103, S.&nbsp;97–106.</span>
* während ein stark vereinfachtes (bei Lebewesen von der Art der Sinnesorgane abhängiges) inneres Abbild der Welt entsteht,
#<span class="reference-text">Samuel R. Nüesch: ''Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen.'' Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S.&nbsp;56–58.</span>
* dessen (qualitativer) „Inhalt“ jedoch nicht aus den physischen Vorgängen hergeleitet werden kann und von Person zu Person unterschiedlich erlebt wird:
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Stenzel Julius Stenzel]: ''Zur Entwicklung des Geistbegriffs in der griechischen Philosophie'' (1956), abgedruckt in ''Um die Begriffswelt der Vorsokratiker''/ (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Riezler Kurt Riezler] u.&nbsp;a.); hrsg. von [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer Hans-Georg Gadamer]. – Darmstadt&nbsp;: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1968. (Wege der Forschung&nbsp;; 9)</span>
* Dieses Erleben ist [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiv subjektiv], das heißt, den objektiven Tatsachen werden persönliche Zutaten hinzugefügt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Assoziation_(Psychologie) Assoziationen], Emotionen, Erinnerungen).
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Anaximenes Anaximenes]: [https://de.wikipedia.org/wiki/Diels-Kranz DK 13 B 2]</span>
* Das Ergebnis sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Qualia Erlebniseindrücke], die in der physischen Außenwelt nicht existieren bzw. sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht erfassen lassen (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Farbe Farben], [https://de.wikipedia.org/wiki/Geruch Gerüche], [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChlen_(Psychologie) Gefühle], [https://de.wikipedia.org/wiki/Schmerz Schmerz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Freude Freude] usw.),
#<span class="reference-text">G. Verbeke, ''Geist. II. Pneuma'', in: Joachim Ritter u.&nbsp;a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 3, Basel 1974, Sp. 154–166</span>
* und kann daher vom Erleber nur unzureichend beschrieben und von Dritten weder beobachtet, noch logisch begründet, gemessen, berechnet oder allgemeingültig bewiesen werden ''(Privatheit)''.
#<span class="reference-text">Francesco Moiso: ''Geist. 2. Begriffsgeschichte. 2.1 'Pneuma' und die anderen griechischen Wörter'', in: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie, Hamburg 1999, S. 434 f.</span>
* Geist ist somit nicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz gegenständlich] und hat keinen [https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalit%C3%A4t_(Physik) klar umrissenen Ort] (Beispiel: Man spürt einen Wespenstich nicht im Gehirn), ist aber direkt oder indirekt immer auf Objekte oder Ereignisse der Welt bezogen ''(siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Intentionalit%C3%A4t Intentionalität]).''<ref><span class="reference-text">Stichwort: ''Intentionalität'' im Lexikon des Magazins philosophie auf philomag.de, [https://www.philomag.de/lexikon/intentionalitaet online] abgerufen am 23. Februar 2024.</span></ref>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles]: ''De An.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Bekker-Z%C3%A4hlung III, 4, 429 a 22 f.]</span>
* So folgt zumindest der unteilbare, homogene „Strom“ des Bewusstseins anderen [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisches_Gesetz Gesetzmäßigkeiten als physische Dinge] – oder unterliegt (für sich genommen) möglicherweise gar keinen Gesetzmäßigkeiten.
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Horn Christoph Horn]/[https://de.wikipedia.org/wiki/Christof_Rapp Christof Rapp]: ''Vernunft/Verstand. II. Antike'', in: Joachim Ritter u.&nbsp;a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 11, Basel 2001, Sp. 749–764</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus Augustinus]: ''De animae quantitate ''13.</span>
Diese Aussagen gelten für den menschlichen Geist. Je geringer die [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Biologie) Artverwandtschaft] zum Menschen, desto spekulativer ist ihre Übertragung. Vor allem die oben skizzierte „Privatheit“ des psychischen Erlebens gilt als fundamentale Erklärungslücke der Naturwissenschaften.<ref><span class="reference-text">Gerhard Roth: ''Neurale Mechanismen des Bewusstseins.''[https://doi.org/10.1515/9783110525601-009 DOI:10.1515/9783110525601-009], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;59.</span></ref> So werden etwa die Fragen, „welche Farbe das [https://de.wikipedia.org/wiki/UV-Licht UV-Licht]im Geist einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Bienen Biene] hat?“, „wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Flederm%C3%A4use Fledermäuse] kurzwellige [https://de.wikipedia.org/wiki/Schall Schallwellen] ‚hören‘ (oder besser ‚sehen‘?)“, oder „wie Fische mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrische_Orientierung Elektrorezeptoren] [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrisches_Feld elektrische Felder] fühlen?“, niemals beantwortet werden können.<ref name=":0" />
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Summa_theologiae Summa theologiae]'' I, 76, 2.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes]: ''Meditationes de prima philosophia'', 1641</span>
==== Verhältnis zur Materie ====
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saul_Kripke Saul Kripke], ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Name_und_Notwendigkeit Naming and Necessity]'', Blackwell Pub., Oxford, 1981 [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0631128018 ISBN 0-631-12801-8]</span>
Bei welchen Lebewesen mentale Fähigkeiten erstmals entstanden oder ob Geist eine fundamentale Eigenschaft der [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie Materie] ist, die beim Menschen nur ihre höchste [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexit%C3%A4t Komplexität] erreicht hat, ist nicht bekannt und Gegenstand etlicher [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes philosophischer Theorien] zur „Natur des Geistes“ bzw. zum „[https://de.wikipedia.org/wiki/Leib-Seele-Problem Leib-Seele-Problem]“. Umstritten ist dabei das Verhältnis von Geist und Gehirn: Während die [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie]und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] in der Tradition [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes]’ davon ausgehen, dass sich der Begriff „Geist“ auf ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Ding_an_sich immaterielles Ding] bezieht, postulieren viele Naturwissenschaftler und Philosophen, der Geist sei nichts anderes als [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuron neuronale] Aktivität. In diesem Fall beziehe sich der Terminus letztlich auf das Gehirn bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Nervensystem Nervensystem].
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/David_Chalmers David Chalmers]: ''The conscious Mind'', Oxford, Oxford University Press, 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0195117891 ISBN 0-19-511789-1]</span>
 
#<span class="reference-text">Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort. MEW 13, S. 9, 1859.</span>
Während diese Denkmodelle früher von den Extrempositionen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Epiph%C3%A4nomenalismus Epiphänomenalismus] ''(Geist als Begleiterscheinung des Körpers)'' bis hin zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Animismus_(Religion) Animismus (Religion)] ''(Alles ist Geist)'' reichten, konzentrieren sie sich heute vornehmlich auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenschaftsdualismus eigenschaftsdualistische] Ansätze, die am ehesten mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionstheorie Evolutionstheorie] vereinbar sind:
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Heinrich_du_Bois-Reymond Emil Heinrich du Bois-Reymond]: ''Über die Grenzen des Naturerkennens'', Vortrag, 1872</span>
 
#<span class="reference-text">Wilhelm Dilthey: ''Einleitung in die Geisteswissenschaften'', 1863</span>
Die gängige Vorstellung im herrschenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalismus_(Ontologie) physikalistischen] Paradigma ist der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtreduktiver_Materialismus Moderne Emergentismus]'' (bzw. ''Nicht-reduktiver Physikalismus),'' nach dem Geist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Emergent emergente] – d.&nbsp;h. eine gänzlich neue, nicht allein aus den Einzelteilen herzuleitende – [https://de.wikipedia.org/wiki/System Systemeigenschaft] [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexes_System hochkomplexer lebender Systeme] ist, die bei bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernetzung Vernetzungsstrukturen](z.&nbsp;B. von Nervenzellen) spontan auftritt. Aufgrund der weitreichenden Eigenschaften und Alleinstellungsmerkmale geistiger Vorgänge und der Unmöglichkeit, mentale Eindrücke quantitativ zu erfassen (Beispiel: [https://de.wikipedia.org/wiki/Farbe#Philosophische_Aspekte Farbwahrnehmung]: „Was ist rot?“), gibt es ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Panpsychismus panpsychistische] Gegenentwürfe'', die dem Geistigen eine „unphysikalische“, eigene Existenz als „zweite Seite“ der Materie zusprechen, die immer schon Teil der Welt war und die zusammen mit den materiellen Dingen von primitiven zu hochkomplexen Formen evolviert ist.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hampe_(Philosoph) Michael Hampe]: ''Philosophie.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Sarasin Philipp Sarasin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Sommer_(Kulturwissenschaftlerin) Marianne Sommer](Hrsg.): ''Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch''. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476022745 ISBN 978-3-476-02274-5], S.&nbsp;273–286.</span></ref>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl Edmund Husserl]: ''Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. Erstes Buch: Allgemeine Einführung in die reine Phänomenologie'' 1913</span>
 
#<span class="reference-text">Klassiker sind: [https://de.wikipedia.org/wiki/Ullin_Place Ullin Place]: ''Is Consciousness a Brain Process?'' in: ''British Journal of Psychology'', 1956 und [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Jamieson_Carswell_Smart John Jamieson Carswell Smart]: ''Sensations and Brain Processes'' in: ''Philosophical Review'', 1956.</span>
Der größten Widerspruch zum Physikalismus bildet die so genannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Mentale_Verursachung Mentale Verursachung]: Nach dem Prinzip der ''Geschlossenheit der physikalischen Welt'' können physikalische Objekte nur durch andere physikalische Objekte im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisches_Gesetz physikalischen Gesetze] verursacht werden.<ref><span class="reference-text">Ansgar Beckermann: ''Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.'' 2. Aufl. De Gruyter, Berlin u. a. 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110170655 ISBN 3-11-017065-5], S. 115.</span></ref> Die Alltagserfahrung, das etwa Gedanken oder Gefühle körperliche Handlungen in Gang setzen können, muss sich nach diesem Grundsatz auf rein physische Ursachen zurückführen lassen können. Selbst [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurobiologie Neurobiologen] gehen heute aufgrund von Erkenntnissen aus der Schmerzforschung davon aus, dass mentale Zustände zwar immer mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurophysiologisch neurophysiologischen] Aktivitäten verbunden sind, aber nicht auf diese reduziert werden können: Es ist nicht möglich, aus einem bestimmten Gehirnzustand einen bestimmten Bewusstseinszustand herzuleiten. Um den Widerspruch zur physikalischen Geschlossenheit aufzulösen, werden vor allem [https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_(Philosophie) funktionalistische Ansätze] favorisiert. Geist wird hier als Funktion des Gehirns betrachtet. Funktionen sind nach dieser Theorie Abläufe, die aufgrund ihrer hohen Komplexität und als emergente Phänomene nicht in physikalischen Begriffen beschrieben werden können, so wie auch chemische und biologische Theorien in eigenen Begrifflichkeiten beschrieben werden, obwohl all diese Phänomene auf unterster Ebene physikalische Objekte sind ''(siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_(Philosophie)#Grundprinzip Grundprinzip des Funktionalismus]).'' Aus der Erkenntnis, dass alle biologischen Prozesse zwangsläufig auch physische Prozesse sind und demnach physische Veränderungen verursachen – die jedoch nur biologisch beschrieben werden können –, wird hergeleitet, dass dies ebenfalls auf psychische Prozesse zutrifft. Gegner dieser Vorstellung argumentieren, dass diese Erklärung nur [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalstruktur kausale Relationen] erfassen würde, nicht aber den Erlebnischarakter unseres Bewusstseins. Anders ausgedrückt: Warum bildet sich die Welt mit großem Energieaufwand in unserem Kopf ab, wenn unbewusste [https://de.wikipedia.org/wiki/Reiz-Reaktions-Modell Reiz-Reaktionen] ausreichen würden?<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_St%C3%B6ckler Manfred Stöckler]: ''Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.''[https://doi.org/10.1515/9783110525601-011 DOI:10.1515/9783110525601-011], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S.&nbsp;102–103, S.&nbsp;97–106.</span></ref><ref><span class="reference-text">Samuel R. Nüesch: ''Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen.'' Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S.&nbsp;56–58.</span></ref>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Nagel_(Philosoph) Thomas Nagel]: ''What is it like to be a bat?'' In: ''The Philosophical Review'', 1974, S. 435–450</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_D%C3%B6rner Klaus Dörner]: ''Bürger und Irre''. Zur Sozialgeschichte und Wissenschaftssoziologie der Psychiatrie. (1969) Fischer Taschenbuch, Bücher des Wissens, Frankfurt am Main 1975, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3436021016 ISBN 3-436-02101-6]; S. 263, 270</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Spitzer Manfred Spitzer]: ''Geist im Netz'', Modelle für Lernen, Denken und Handeln. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3827401097 ISBN 3-8274-0109-7]. S. 10</span>
#<span class="reference-text">Schon der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Soziologie#Protosoziologie Protosoziologe] [https://de.wikipedia.org/wiki/Montesquieu Montesquieu] benutzte „''esprit''“ in seinem ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Geist_der_Gesetze Vom Geist der Gesetze]'' von 1748 in diesem Sinne.</span>
#<span class="reference-text">Günter Bierbrauer. (2005), Sozialpsychologie, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170182137 ISBN 3-17-018213-7]</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/John_R._Anderson John R. Anderson] / [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christian_Lebiere&action=edit&redlink=1 Christian Lebiere]: ''The atomic components of thought'', Erlbaum, 1998, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0805828168 ISBN 0-8058-2816-8]</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud Sigmund Freud]: ''Das Ich und das Es'', 1923</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Paret Rudi Paret]: <cite>Der Koran</cite>. Übersetzung. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1985, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170089943 ISBN 3-17-008994-3], S.&nbsp;213.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_van_Ess Josef van Ess]: ''Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam.'' Band V. Berlin-New York 1993. S. 111.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. dazu Josef van Ess: ''Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam.'' Band III. Berlin-New York 1992. S. 115.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. van Ess III 369f.</span>
#<span class="reference-text">So etwa bei Augustinus, „''De vera religione''“ 39.</span>
#<span class="reference-text">So anscheinend bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart Meister Eckhart], ''Von der Stadt der Seele''</span>
#<span class="reference-text">In diese Tradition lassen sich auch Texte einreihen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Angelus_Silesius Angelus Silesius], ''Erstes Buch'' 6. Kap.</span>
#<span class="reference-text">M. de Certeau: Art. Mystique in: ''Encyclopédie Universalis; ders: Le corps folié: mystique et folie aux XVIe et XVIIe siècles'', in ''La Folie dans la psychanalyse'', Payot, 1977, 189–203 hat dies zu analysieren und erklären versucht.</span>

Aktuelle Version vom 10. April 2024, 16:38 Uhr

Der Begriff des Geistes

Etymologie

Johann Gottfried Herder

Die modernen heterogenen Konzeptionen des Geistes haben ihren Ursprung zum einen in der antiken Philosophie und zum anderen in der Bibel.[1] Während sich in den meisten romanischen Sprachenein entsprechender Begriff aus dem lateinischen spiritus entwickelte, leitet sich der Begriff des Geistes aus der indogermanischen Wurzel *gheis- für erschaudern, ergriffen und aufgeregt sein ab.[2] Das westgermanische Wort *ghoizdo-z bedeutete wohl „übernatürliches Wesen“ und wurde mit der Christianisierung der Germanen christlich umgedeutet, so dass der Begriff in althochdeutschen (geist) und altenglischen (gást) Schriften als Übersetzung für den biblischen Spiritus Sanctus diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die Gegenwart, so dass „Geist“ auch als Synonym für „Gespenst“ verwendet wird.

Eine weitere Bedeutungsebene, die heute jedoch nicht mehr offensichtlich ist, stellt „Geist“ in einen Zusammenhang mit „Atem, Windeshauch“ als Ausdruck der Belebtheit. So findet sich noch in LuthersÜbersetzung der Bibel die Formulierung „der himmel ist durchs wort des herrn gemacht und all sein heer durch den geist seines munds“.[3] Auch das lateinische spiritus weist diese Bedeutung auf; es ist mit spirare „atmen“ verwandt.

In verschiedenen Theorien, gelegentlich auch im Alltag, wird der Ausdruck zur Charakterisierung überindividueller Phänomene, Objekte, Eigenschaften oder Prozesse eingesetzt. Johann Gottfried Herders Werk Vom Geist des Christentums prägte diese Begriffsverwendung entscheidend mit. Ein zentrales Konzept der deutschsprachigen Kultur wurde „Geist“ spätestens mit dem Werk Georg Wilhelm Friedrich Hegels. Nach Hegel manifestiert sich in Gemeinschaften ein objektiver Geist, während der absolute Geist Kunst, Philosophie und Religion auszeichnet. Auch die Sozialwissenschaftenbenutzen den Begriff des Geistes, um auf Merkmale von Gemeinschaften hinzuweisen. In dem Sinne ist etwa Max Webers Rede vom „Geist“ des Kapitalismus zu verstehen.[4] Dieser „Geist“ ergibt sich durch die Normen und Werte kapitalistischer Gemeinschaften. Im allgemeinen Sprachgebrauch findet sich beispielsweise die Formulierung: „Hier herrscht ein Geist der Eintracht“.

Übliche Begriffsverwendung in moderner Philosophie und Wissenschaft

Ein Mensch weiß, dass er wahrnimmt, fühlt und denkt. Wie sieht das Pferd den Fotografen? Nehmen die Fliegen das Pferd wahr?
Spüren Pflanzen das Sonnenlicht, zu dem sie sich hinwenden?

Geist ist ein unscharfer Sammelbegriff für alle Formen subjektiver Innerlichkeit. Dies umfasst bewusste und unbewusste Vorgänge des Empfindens, Wahrnehmens und Erlebens (Emotionen, Kognitionund Intuition), wie sie jeder Mensch direkt und unmittelbar erfährt. Dies umfasst die alltägliche Erkenntnis, dass (zumindest) das bewusste geistige „Abbild“ der Realität sowie Erinnerung und Vorstellungaus Informationen stammen, die uns von den Sinnesorganenaus der Umwelt vermittelt werden.

Prinzipielle Unbeweisbarkeit

Es ist prinzipiell unmöglich, die Psyche eines anderen Menschen, die wahrscheinliche Innenwelt verschiedener Tiere, die mögliche Sensitivität der Pflanzen oder hypothetische, nicht physikalische „innere Zustände“ unbelebter Systemequalitativ zu untersuchen, zu beschreiben oder zu beweisen.

Während die Psychologie mittlerweile ein weitreichendes Modell der menschlichen Psyche entwickelt hat, beschränken sich die allgemeinen Aussagen zum Mentalen, die von den meisten Naturwissenschaftlern und Philosophen weitgehend akzeptiert werden, im Wesentlichen auf die folgenden Punkte:[5][6][7][8][9][10]

  • Das Phänomen Geist hat immer mit der Informationsverarbeitung in Komplexen Systemen zu tun,
  • die wie die materielle Welt einer Evolution unterliegen.
  • Geistige Vorgänge werden von (quantitativ) messbarer neuronaler Aktivität (vor allem im Gehirn) begleitet,
  • während ein stark vereinfachtes (bei Lebewesen von der Art der Sinnesorgane abhängiges) inneres Abbild der Welt entsteht,
  • dessen (qualitativer) „Inhalt“ jedoch nicht aus den physischen Vorgängen hergeleitet werden kann und von Person zu Person unterschiedlich erlebt wird:
  • Dieses Erleben ist subjektiv, das heißt, den objektiven Tatsachen werden persönliche Zutaten hinzugefügt (Assoziationen, Emotionen, Erinnerungen).
  • Das Ergebnis sind Erlebniseindrücke, die in der physischen Außenwelt nicht existieren bzw. sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht erfassen lassen (z. B. Farben, Gerüche, Gefühle, Schmerz, Freude usw.),
  • und kann daher vom Erleber nur unzureichend beschrieben und von Dritten weder beobachtet, noch logisch begründet, gemessen, berechnet oder allgemeingültig bewiesen werden (Privatheit).
  • Geist ist somit nicht gegenständlich und hat keinen klar umrissenen Ort (Beispiel: Man spürt einen Wespenstich nicht im Gehirn), ist aber direkt oder indirekt immer auf Objekte oder Ereignisse der Welt bezogen (siehe Intentionalität).[11]
  • So folgt zumindest der unteilbare, homogene „Strom“ des Bewusstseins anderen Gesetzmäßigkeiten als physische Dinge – oder unterliegt (für sich genommen) möglicherweise gar keinen Gesetzmäßigkeiten.

Diese Aussagen gelten für den menschlichen Geist. Je geringer die Artverwandtschaft zum Menschen, desto spekulativer ist ihre Übertragung. Vor allem die oben skizzierte „Privatheit“ des psychischen Erlebens gilt als fundamentale Erklärungslücke der Naturwissenschaften.[12] So werden etwa die Fragen, „welche Farbe das UV-Lichtim Geist einer Biene hat?“, „wie Fledermäuse kurzwellige Schallwellen ‚hören‘ (oder besser ‚sehen‘?)“, oder „wie Fische mit Elektrorezeptoren elektrische Felder fühlen?“, niemals beantwortet werden können.[8]

Verhältnis zur Materie

Bei welchen Lebewesen mentale Fähigkeiten erstmals entstanden oder ob Geist eine fundamentale Eigenschaft der Materie ist, die beim Menschen nur ihre höchste Komplexität erreicht hat, ist nicht bekannt und Gegenstand etlicher philosophischer Theorien zur „Natur des Geistes“ bzw. zum „Leib-Seele-Problem“. Umstritten ist dabei das Verhältnis von Geist und Gehirn: Während die Theologieund die Philosophie in der Tradition René Descartes’ davon ausgehen, dass sich der Begriff „Geist“ auf ein immaterielles Ding bezieht, postulieren viele Naturwissenschaftler und Philosophen, der Geist sei nichts anderes als neuronale Aktivität. In diesem Fall beziehe sich der Terminus letztlich auf das Gehirn bzw. Nervensystem.

Während diese Denkmodelle früher von den Extrempositionen des Epiphänomenalismus (Geist als Begleiterscheinung des Körpers) bis hin zum Animismus (Religion) (Alles ist Geist) reichten, konzentrieren sie sich heute vornehmlich auf eigenschaftsdualistische Ansätze, die am ehesten mit der Evolutionstheorie vereinbar sind:

Die gängige Vorstellung im herrschenden physikalistischen Paradigma ist der Moderne Emergentismus (bzw. Nicht-reduktiver Physikalismus), nach dem Geist eine emergente – d. h. eine gänzlich neue, nicht allein aus den Einzelteilen herzuleitende – Systemeigenschaft hochkomplexer lebender Systeme ist, die bei bestimmten Vernetzungsstrukturen(z. B. von Nervenzellen) spontan auftritt. Aufgrund der weitreichenden Eigenschaften und Alleinstellungsmerkmale geistiger Vorgänge und der Unmöglichkeit, mentale Eindrücke quantitativ zu erfassen (Beispiel: Farbwahrnehmung: „Was ist rot?“), gibt es panpsychistische Gegenentwürfe, die dem Geistigen eine „unphysikalische“, eigene Existenz als „zweite Seite“ der Materie zusprechen, die immer schon Teil der Welt war und die zusammen mit den materiellen Dingen von primitiven zu hochkomplexen Formen evolviert ist.[13]

Der größten Widerspruch zum Physikalismus bildet die so genannte Mentale Verursachung: Nach dem Prinzip der Geschlossenheit der physikalischen Welt können physikalische Objekte nur durch andere physikalische Objekte im Rahmen der physikalischen Gesetze verursacht werden.[14] Die Alltagserfahrung, das etwa Gedanken oder Gefühle körperliche Handlungen in Gang setzen können, muss sich nach diesem Grundsatz auf rein physische Ursachen zurückführen lassen können. Selbst Neurobiologen gehen heute aufgrund von Erkenntnissen aus der Schmerzforschung davon aus, dass mentale Zustände zwar immer mit neurophysiologischen Aktivitäten verbunden sind, aber nicht auf diese reduziert werden können: Es ist nicht möglich, aus einem bestimmten Gehirnzustand einen bestimmten Bewusstseinszustand herzuleiten. Um den Widerspruch zur physikalischen Geschlossenheit aufzulösen, werden vor allem funktionalistische Ansätze favorisiert. Geist wird hier als Funktion des Gehirns betrachtet. Funktionen sind nach dieser Theorie Abläufe, die aufgrund ihrer hohen Komplexität und als emergente Phänomene nicht in physikalischen Begriffen beschrieben werden können, so wie auch chemische und biologische Theorien in eigenen Begrifflichkeiten beschrieben werden, obwohl all diese Phänomene auf unterster Ebene physikalische Objekte sind (siehe Grundprinzip des Funktionalismus). Aus der Erkenntnis, dass alle biologischen Prozesse zwangsläufig auch physische Prozesse sind und demnach physische Veränderungen verursachen – die jedoch nur biologisch beschrieben werden können –, wird hergeleitet, dass dies ebenfalls auf psychische Prozesse zutrifft. Gegner dieser Vorstellung argumentieren, dass diese Erklärung nur kausale Relationen erfassen würde, nicht aber den Erlebnischarakter unseres Bewusstseins. Anders ausgedrückt: Warum bildet sich die Welt mit großem Energieaufwand in unserem Kopf ab, wenn unbewusste Reiz-Reaktionen ausreichen würden?[15][16]

  1. ↑ Hellmut Bock: Anglo-American Common Sense and German Geist, in: American Quarterly, 1956, S. 155–165
  2. ↑ Zu dem weitreichenden psychoevolutionären Hintergrund der hier (auch) sprachhistorisch aufscheinenden Zusammenhängen s. Julian Jaynes' „Der Ursprung des Bewusstseins“ (komplett als PDF-Datei; 2,4 MB; Achtung: Die Seitenangaben hier sind mit dem Originaldruck nicht identisch!)
  3. ↑ Übersetzung des Ps. 33, zitiert im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
  4. ↑ Max Weber: Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus 1904
  5. ↑ Samuel R. Nüesch: Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen. Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S. 6–7.
  6. ↑ Michael Pauen und Gerhard Roth: Geist und Gehirn. Essay im Lexikon der Neurowissenschaft auf spektrum.de, onlineabgerufen am 22. Februar 2024.
  7. ↑ Thomas Diekwisch: Biologische Beiträge zum Leib-Seele-Problem.Inauguraldissertation, Philipps-Universität Marburg, Bielefeld 2004, PDF, abgerufen am 25. Februar 2024, S. 259–260, 275, 290.
  8. ↑ a b Ralph Adolphs und Antonio R. Damasio: Bewusstsein und Neurowissenschaft. DOI:10.1515/9783110525601-010, in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): Von der Freiheit, Schmerz zu spüren. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-052351-5, S. 77–78, 83, 90–93.
  9. ↑ Manfred Stöckler: Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.DOI:10.1515/9783110525601-011, in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): Von der Freiheit, Schmerz zu spüren. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-052351-5, S. 97–100.
  10. ↑ Patrick Spät: Panpsychismus: ein Lösungsvorschlag zum Leib-Seele-Problem. Dissertation, FreiDok der Universität Freiburg, Freiburg 2010, PDF, abgerufen am 17. Juni 2023, S. 5, 11–14.
  11. ↑ Stichwort: Intentionalität im Lexikon des Magazins philosophie auf philomag.de, online abgerufen am 23. Februar 2024.
  12. ↑ Gerhard Roth: Neurale Mechanismen des Bewusstseins.DOI:10.1515/9783110525601-009, in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): Von der Freiheit, Schmerz zu spüren. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-052351-5, S. 59.
  13. ↑ Michael Hampe: Philosophie. In: Philipp Sarasin, Marianne Sommer(Hrsg.): Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02274-5, S. 273–286.
  14. ↑ Ansgar Beckermann: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes. 2. Aufl. De Gruyter, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-11-017065-5, S. 115.
  15. ↑ Manfred Stöckler: Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.DOI:10.1515/9783110525601-011, in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): Von der Freiheit, Schmerz zu spüren. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-052351-5, S. 102–103, S. 97–106.
  16. ↑ Samuel R. Nüesch: Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen. Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S. 56–58.