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„DG1G/Einleitung/01“ – Versionsunterschied

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[[DG1G/Einleitung/01|▷]]Wenn es sich von der Sprache<ref>1) In sofern [[γλῶσσα|''γλῶσσα'']], [[lingua|''lingua'']], [[sermō|''sermō'']] die eigentümliche Ausdrucksweise eines Individuums, Stammes oder Volkes bezeichnen, wird dafiir golh. [[wikt:𐍂𐌰𐌶𐌳𐌰#Gothic|''razda'']] gebraucht (Rom. 14, 11. I Cor. 12, 10. 13, 8. 14, 21. 23. 26 = [[γλῶσσα|''γλῶσσα'']], Matth. , 73. Marc. 14, 70 = [[λᾰλῐᾱ́|''λᾰλῐᾱ́'']]); ebenso ags. [[wikt:reord|''reord'']] in den alten gediebten (''reord väs þâ gieta eorðbûendum an gemæne'' Cædm. 98, 25. ''torhtan reorde, vèregan reorde'' Cædm. 248, 10. 267, 9. ''cearegan reorde'' Andr. 2215), in der jüngeren Prosa aber spræc; ahd. ehmals gewis auch ''[[rarta]]'', wie noch aus ''elirartèr'' (''[[aliēnigena]]'', goth. aljarazdja?) folgt, doch später galt ''rarta'' fiir das engere [[modulātiō]] (Graff 2, 535); für [[sermō|''sermō'']] [[loquela]] [[sprāhha]] (schon fragm., theot und T. Matth. 26, 73. spràcha O. IV. 18,27) auch zungā (O. I. 1, 31. 53. 122.) mhd. sprāche, zuweilen zunge (Mar. 148, 12. Aw. 2, 10.) und Rede (mit dütisker rede Mar. 148, 41.) altn. tūnga; das schwed. sprak, dän. sprog (beide neutral) scheinen aus hochd. Einfluß zu erklären, nnl. spraak gewöhnlich aber ''taal'' (was ursprünglich Zahl oder erzählung bedeutet) Heutzutage bedienen wir uns auch der Ausdrücke Mundart und Dialect in etwas eingeschränkterem Sinn, aber schwankendem.</ref> des Volks handelt, welches in unserm Weltteil den Raum zwischen [[Kelten]], [[Römer|Römern]], [[Slawen|Slaven]], [[Letten]] und [[Finnen]] erfüllt und behauptet hat; so steht die Wahl nur unter zwei beinahe gleich treffenden Benennungen.
[[DG1G/Einleitung/01|▷]]Wenn es sich von der Sprache<ref>1) In sofern [[γλῶσσα|''γλῶσσα'']], [[lingua|''lingua'']], [[sermō|''sermō'']] die eigentümliche Ausdrucksweise eines Individuums, Stammes oder Volkes bezeichnen, wird dafür golh. [[wikt:𐍂𐌰𐌶𐌳𐌰#Gothic|''razda'']] gebraucht (Rom. 14, 11. I Cor. 12, 10. 13, 8. 14, 21. 23. 26 = [[γλῶσσα|''γλῶσσα'']], Matth. , 73. Marc. 14, 70 = [[λᾰλῐᾱ́|''λᾰλῐᾱ́'']]); ebenso ags. [[wikt:reord|''reord'']] in den alten gediebten (''reord väs þâ gieta eorðbûendum an [[wikt:gemæne|gemæne]]'' Cædm. 98, 25. ''torhtan reorde, vèregan reorde'' Cædm. 248, 10. 267, 9. ''cearegan reorde'' Andr. 2215), in der jüngeren Prosa aber ''spræc''; ahd. ehmals gewiß auch ''[[rarta]]'', wie noch aus ''elirartèr'' (''[[aliēnigena]]'', goth. aljarazdja?) folgt, doch später galt ''rarta'' für das engere [[modulātiō|''modulātiō'']] (Graff 2, 535); für [[sermō|''sermō'']] ''[[loquela]] [[sprāhha]]'' (schon fragm., theot und T. Matth. 26, 73. ''spràcha'' O. IV. 18,27) auch ''zungā'' (O. I. 1, 31. 53. 122.) mhd. ''sprāche'', zuweilen ''zunge'' (Mar. 148, 12. Aw. 2, 10.) und ''rede'' (mit ''dütisker rede'' Mar. 148, 41.) altn. ''tūnga''; das schwed. ''sprak'', ''dän''. ''sprog'' (beide neutral) scheinen aus hochd. Einfluß zu erklären, nnl. ''spraak'' gewöhnlich aber ''taal'' (was ursprünglich Zahl oder Erzählung bedeutet) Heutzutage bedienen wir uns auch der Ausdrücke Mundart und Dialekt in etwas eingeschränkterem Sinn, aber schwankendem.</ref> des Volks handelt, welches in unserm Weltteil den Raum zwischen [[Kelten]], [[Römer|Römern]], [[Slawen|Slaven]], [[Letten]] und [[Finnen]] erfüllt und behauptet hat; so steht die Wahl nur unter zwei beinahe gleich treffenden Benennungen.


Man darf sie die [[Germanisch|''Germanische'']] heißen, weil schon den Römern dieser Name nicht allein von den Stammen des eigentlichen Deutschlands galt, sondern auch, so weit ihre Kunde reichte, von den [[Skandischen]]. Nur ist uns ''[[Germani]]''vielleicht ein fremdes Wort, das ich bei allgemeineren Forschungen über [[Slavogermanisch|slavogermanische]] oder [[Indogermanisch|indogermanische]]Sprache nicht verwerfen würde, dessen ich mich aber für der heimischen Sprache eignen Kreis lieber enthalte.
Man darf sie die [[Germanisch|''Germanische'']] heißen, weil schon den Römern dieser Name nicht allein von den Stammen des eigentlichen Deutschlands galt, sondern auch, so weit ihre Kunde reichte, von den [[Skandischen]]. Nur ist uns ''[[Germani]]''vielleicht ein fremdes Wort, das ich bei allgemeineren Forschungen über [[Slavogermanisch|slavogermanische]] oder [[Indogermanisch|indogermanische]]Sprache nicht verwerfen würde, dessen ich mich aber für der heimischen Sprache eignen Kreis lieber enthalte.


Diesen umschreibt am genausten der Ausdruck ''[[Deutsch]]'', der, wie ''[[Germanisch]]'', keinen bestimmten Stamm bezeichnend nirgend eintrag tut. Zugleich ist er althergebracht, gewährt den lautersten Sinn und die bequemsten Einteilungen.<noinclude>
Diesen umschreibt am genausten der Ausdruck ''[[Deutsch]]'', der, wie ''[[Germanisch]]'', keinen bestimmten Stamm bezeichnend nirgend eintrag tut. Zugleich ist er althergebracht, gewährt den lautersten Sinn und die bequemsten Einteilungen.
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Aktuelle Version vom 21. Juni 2024, 11:13 Uhr

▷Wenn es sich von der Sprache[1] des Volks handelt, welches in unserm Weltteil den Raum zwischen Kelten, Römern, Slaven, Letten und Finnen erfüllt und behauptet hat; so steht die Wahl nur unter zwei beinahe gleich treffenden Benennungen.

Man darf sie die Germanische heißen, weil schon den Römern dieser Name nicht allein von den Stammen des eigentlichen Deutschlands galt, sondern auch, so weit ihre Kunde reichte, von den Skandischen. Nur ist uns Germanivielleicht ein fremdes Wort, das ich bei allgemeineren Forschungen über slavogermanische oder indogermanischeSprache nicht verwerfen würde, dessen ich mich aber für der heimischen Sprache eignen Kreis lieber enthalte.

Diesen umschreibt am genausten der Ausdruck Deutsch, der, wie Germanisch, keinen bestimmten Stamm bezeichnend nirgend eintrag tut. Zugleich ist er althergebracht, gewährt den lautersten Sinn und die bequemsten Einteilungen.

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  1. ↑ 1) In sofern γλῶσσα, lingua, sermō die eigentümliche Ausdrucksweise eines Individuums, Stammes oder Volkes bezeichnen, wird dafür golh. razda gebraucht (Rom. 14, 11. I Cor. 12, 10. 13, 8. 14, 21. 23. 26 = γλῶσσα, Matth. , 73. Marc. 14, 70 = λᾰλῐᾱ́); ebenso ags. reord in den alten gediebten (reord väs þâ gieta eorðbûendum an gemæne Cædm. 98, 25. torhtan reorde, vèregan reorde Cædm. 248, 10. 267, 9. cearegan reorde Andr. 2215), in der jüngeren Prosa aber spræc; ahd. ehmals gewiß auch rarta, wie noch aus elirartèr (aliēnigena, goth. aljarazdja?) folgt, doch später galt rarta für das engere modulātiō (Graff 2, 535); für sermō loquela sprāhha (schon fragm., theot und T. Matth. 26, 73. spràcha O. IV. 18,27) auch zungā (O. I. 1, 31. 53. 122.) mhd. sprāche, zuweilen zunge (Mar. 148, 12. Aw. 2, 10.) und rede (mit dütisker rede Mar. 148, 41.) altn. tūnga; das schwed. sprak, dän. sprog (beide neutral) scheinen aus hochd. Einfluß zu erklären, nnl. spraak gewöhnlich aber taal (was ursprünglich Zahl oder Erzählung bedeutet) Heutzutage bedienen wir uns auch der Ausdrücke Mundart und Dialekt in etwas eingeschränkterem Sinn, aber schwankendem.