„DG1G/Geschichte der Schrift/01“ – Versionsunterschied
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Aktuelle Version vom 22. Juni 2024, 14:41 Uhr
▷Selbst die Geschichte der Schrift ergibt einiges. Daß unsere Vorfahren schon bevor noch die Goten Hand an Übersetzung der heiligen Bücher legten, der Schreibkunst pflagen, ist aus der Beschaffenheit des gotischen Alphabets wahrscheinlich, in welchem griechische und lateinische Buchstaben unter runische genommen werden, trügt nicht vieles, so war der Gebrauch der Runen wenigstens einzelnen deutschen und auch slavischen Stämmen vor ihrer Bekehrung aus dem Heidentum kund. Bei den Slaven trägt die ältere Glagoliza noch Spuren dieses Zusammenhange mit der Runenschrift an sich; auf die Kyrilliza wirkte das griechische Alphabet stärker ein als auf das gotische. Den übertriebnen Vorwurf der Roheit und Barbarei der Deutschen in den ersten Jahrhunderten, wie ihn schon die Beschaffenheit der alten Sprache abwendet, tilgt auch das frühe Vorhandensein der Runen. dabei muß nicht übersehn bleiben, daß Verschiedenheiten der nordischen, sächsischen, markomannischen und gotischen Runschrift eintraten, und eben diese Ausdehnung ihr höheres Alter mit erbürgt. Wenn in alliterierenden Liedern, namentlich dem wessobrunner Denkmal, dem ags. Beovulf und der Elene noch einzelne Runen geschrieben stehn[1]; so scheint mir das merkwürdig auf ihre Anwendung in heidnischen Gedichten zu weisen. Mehrere Runenalphabete überliefern uns Namen der Buchstaben in abweichenden für die Untersuchung der Laute lehrreichen Formen. Nicht weniger lassen sich aus der verschiednen Anordnung der Alphabete, der davon mit abhängigen Bestimmung der Buchstaben für den Zahlwert, wie aus den Richtungen der Runen nach der rechten, oder linken Seite Folgerungen ziehen, die ein höheres Alter dieser Schrift bezeugen und ihren Zusammenhang mit der griechischen und lateinischen auf andere Weise, als bisher zu geschehn pflegt, ermitteln.
- ↑ 1) Im Norden auch später, z. B. in einer hs. der Olaf Tryggvasonar Saga.