„bitten“ – Versionsunterschied
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Version vom 8. Juni 2025, 05:59 Uhr
- bitten Vb.
- ‘höflich auffordern’,
- ahd. bitten ‘(er)bitten, flehen, (an)beten’ (8. Jh.),
- mhd. bitten, auch ‘(vor Gericht) laden, wünschen, heißen, befehlen’,
- asächs. biddian,
- mnd. mnl. nl. bidden,
- afries. bidda,
- anord. biðja,
- swed. bedja,
- got. bidjan (germ. *bedjan).
- Die Etymologie ist umstritten. Denkbar ist Verwandtschaft mit
- aind. bā́dhatē ‘drückt, drängt, zwingt’,
- für das unter Berufung auf aind. jñubā́dh- ‘die Knie beugend’ eine ältere Bedeutung ‘beugt (nieder)’ erschlossen wird.
- Dazu stellt man toch. B peti ‘Achtung, Verehrung’.
- Damit ergäbe sich für bitten Zugehörigkeit zu einer Wurzel uig. *bhedh- ‘krümmen, beugen, drücken, plagen’.
- Doch auch Zusammenhang mit
- ahd. mhd. beiten ‘vorwärtsdrängen, Zwang ausüben’,
- aengl. bǣdan ‘dringend bitten, drängen, zwingen’,
- anord. beiða ‘fordern, verlangen’,
- got. baidjan ‘antreiben, zwingen’
- ist möglich.
- Dann wäre mit
- aslaw. běditi ‘nötigen, zwingen’,
- russ. (älter) bedít’ (бедить) ‘Leid antun’,
- russ. pobedít’ (победить) ‘(be)siegen’,
- grie. pé͞ithein (πείθειν) ‘überreden, überzeugen’, medial ‘(ver)trauen, sich überreden lassen’
- an die Wurzel uig. *bheidh- ‘zureden, zwingen’, medial ‘sich einreden lassen, vertrauen’ anzuknüpfen.
- Dann wäre mit
- Die germ. Grundform von bitten gehört in diesem Fall zur Schwundstufe der Wurzel und wäre sekundär in die Ablautreihe anderer starker j-Präsentien (wie sitzen, liegen) übergetreten.
- Auf Grund der These, daß anlautendes uig. gṵh- zu b- geworden sei,
- tritt Seebold 93 für eine dritte Möglichkeit ein
- und geht von einer Kontamination der Wurzeln uig. *bheidh- (s. oben) und uig. *gṵhedh- ‘bitten, verlangen’ aus, wozu
- griech. pothé͞in (ποθεῖν, aus *gṵhodh-) ‘ersehnen’,
- air. guidid ‘bittet’,
- lit. gedáuti ‘wünschen, begehren, heischen’,
- aslaw. žędati ‘dürsten, verlangen, ersehnen’,
- russ. (älter) žadát’ (жадать) ‘begehren, dürsten, lechzen’,
- russ. žádnyj (жадный) ‘gierig, unersättlich, habsüchtig, geizig’.
- S. auch Gebet, betteln.
- Die adverbial gebrauchte Höflichkeitsformel bitte ist eine im 18. Jh. aufkommende (in gesprochener Sprache wohl ältere) Verkürzung aus ich bitte.
- aind. bā́dhatē ‘drückt, drängt, zwingt’,