Zum Inhalt springen

Reich

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 8. März 2024 um 10:22 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

reich Vorlage:dt.

  • Reich n. ‘Herrschaftsgebiet (eines Kaisers, Königs), Staat, Imperium’, übertragen ‘Bereich’.
    • Für das gemeingerm. Substantiv
      • ahd. rīhhi ‘Herrschaft, Reich, Gegend, Landschaft, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’ (8. Jh.),
      • mhd. rīch(e) ‘Herrschaft, beherrschtes Land, Reich, Regierung’,
      • asächs. anord. rīki ‘Reich, Herrschaft, Macht’,
      • mnd. mnl. rīke,
      • nl. rijk ‘Reich, Staat’,
      • afries. rīk(e),
      • aengl. rīce (erhalten in engl. bishopric ‘Bistum’),
      • swed. rike,
      • got. reiki ‘Reich, Herrschaft, Obrigkeit’
    • wird
      • (wie für got. reiks, aengl. rīca ‘Herrscher’ und das Adjektiv reich, s. d.)
    • Herkunft aus dem Kelt. angenommen.
    • In diesem Falle ist germ. *rīkja- ‘Herrschaft’
      • entweder als direkte Entlehnung (vor der germ. Lautverschiebung mit germ. k aus g)
        • aus kelt. *rīgiom (uig. *rēg̑i̯om;
          • vgl. mir. rīge ‘Königsherrschaft’ und Ortsnamen wie Icorigium)
        • oder als ja-Bildung zu germ. *rīk- ‘Herrscher, Obrigkeit’
          • (vgl. got. reiks, s. oben)
        • aufzufassen,
          • das seinerseits aus kelt. *rīgs (uig. *rēg̑s, lat. rēx ‘König’; vgl. air. rī, Genitiv rīg)
          • stammt.
    • Auszugehen ist (bei kelt. ī aus ie. ē)
      • von der unter recht (s. d.) angeführten Wurzel uig. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’.
    • Auf den Zusammenhang der Übernahme des Wortes als Herrschertitel und als Bestandteil von Personennamen aus dem Kelt. deutet de Vries Nl. 576 hin.
      • Er verweist
        • auf die zahlreichen
          • (zunächst latinisiert überlieferten)
        • germ. Namen wie Theuderīcus (nhd. Dietrich), Ermanarīcus, Childericus
          • nach dem Vorbild gall. Namen wie (in lat. Überlieferung) Vercingetorīx, Dumnorīx.
    • Echt germ. Bildungen zur oben genannten Wurzel liegen vor in
      • anord. -rekr, -reki ‘Herrscher, Fürst’
        • in den Zusammensetzungen folkrekr, landreki
        • und in Personennamen (Gautrekr).
    • Dagegen lehnt Trier in: Nachr. d. Akad. d. Wiss. Göttingen, Phil.-hist. Kl. (1943) 535 ff.
      • eine Entlehnung vor der germ. Lautverschiebung ab
      • und meint, daß das g der kelt. Formen durch Anlehnung an eine im Germ. bestehende Wortsippe der „Zaun- und Hege“-Basis (*rīk-) zu k geworden
      • und eine Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ aus dem Begriff der ‘Einhegung’ hervorgegangen sei.
      • v. Polenz in: ZfdPh 76 (1957) 80 ff. weist kelt. Herkunft der Wortgruppe ab.
        • Er macht geltend, daß Reich von ahd. Zeit an bis ins 19. Jh. nicht auf ‘Macht’ und ‘Herrschaft’ beschränkt sei,
          • es stehe in vornehmlich unpolitischer Verwendung als allgemeine Raumbezeichnung im Sinne von ‘Bereich’,
            • bezeichne also ‘Landschaft, Gegend, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’,
            • vgl. ahd. erdrīhhi ‘das Reich auf Erden, Erdreich, -oberfläche, -boden’ (um 800), woroltrīhhi ‘Welt(reich)’ (9. Jh.), himilrīhhi ‘Himmelreich’ (9. Jh.), ōstarrīhhi ‘Morgenland, Orient’ (8. Jh.).
        • Zugrundeliegendes germ.*rīkja- ‘Bereich’
          • stelle sich danach als ablautende Bildung zu dem unter reichen (s. d.) behandelten westgerm. jan-Verb,
            • das selbst, zur Ablautstufe germ. *raik- gebildet, zur Wurzel uig. *rēig̑- ‘recken, ausstrecken’ gehöre.
        • Die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ sei aus ‘Bereich, räumliche Erstreckung’ hervorgegangen,
          • eine Entwicklung, die semantisch
            • (auch angesichts der genannten Beispiele und der gesamten zu Reich gehörenden Wortgruppe, s. reich)
            • wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat.