sch
Erscheinungsbild
[1]sch, Sch
[2]sch,
- der volle oder grobe Zischlaut,
- welcher vornehmlich Oberdeutschen, Mundart,
- und auch hier manchen Provinzen mehr als andern eigen ist,
- obgleich die Niederdeutschen ihn auch nicht ganz vermissen.
- Indessen gebrauchen ihn diese nur vor einem Selbstlaute und vor dem r,
- dagegen sie sich vor dem l, m, n und w,
- wie ihre Nachbarn,
- die weiter gegen Norden wohnenden Völkerschaften,
- mit einem bloßen einfachen f begnügen,
- und um deßwillen in dem Wohlklange vieles vor den Oberdeutschen voraus haben;
- smecken für schmecken,
- swart für schwarz,
- sniden für schneiden.
- Auch da,
- wo die Oberdeutschen das einfache s wie ein sch hören lassen,
- besonders vor dem p und t,
- sprechen die Niederdeutschen nur ein einfaches s;
- wo die Oberdeutschen das einfache s wie ein sch hören lassen,
- Die Westphalen
- haben nebst den Holländern
- und einigen nördlichen Völkerschaften
- dieses Besondere,
- daß sie auch da, wo sie ein sch haben,
- es doch nicht zischend aussprechen können,
- sondern das s und den Gaumenlaut besonders hören lassen;
- Sgall für Schall, Fleisg für Fleisch, Sginken für Schinken.
- daß sie auch da, wo sie ein sch haben,
- haben nebst den Holländern
- Ottfried und seine Zeitgenossen
- schreiben das sch gleichfalls häufig durch sg,
- frenkisga zungun, Fränkische Sprache.
- schreiben das sch gleichfalls häufig durch sg,
Dieser Zischlaut
- ist sehr oft unmittelbar aus der Natur entlehnet; r
- auschen ist ein anderer und stärker zischender Schall als rausen und brausen.
- In diesem Falle ist es freylich sehr unbequem,
- daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben s, c und h ausdrucken müssen,
- welches bey dem Buchstabiren sehr viele Unbequemlichkeit hat.
- Es haben daher schon mehrere ein eigenes[3] Schriftzeichen für diesen Laut in Vorschlag gebracht,
- welches desto mehr zu billigen wäre,
- da uns unter andern auch schon die Hebräer mit ihrem ש Schin, darin vorgegangen sind.
- Allein,
- so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den jetzt gedachten Fall seyn würde,
- da dieser Laut wirklich einfach und aus der Natur entlehnet ist,
- so würde es doch in einer andern Betrachtung wieder seine Unbequemlichkeit haben.
- So ist Schall allem Ansehen
- so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den jetzt gedachten Fall seyn würde,
- daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben s, c und h ausdrucken müssen,
In der Comparation solcher Beywörter,
- welche sich auf -sch und -isch endigen,
- wird im gemeinen Leben,
- und selbst bey vielen Sprachlehrern
- nicht genug für das Ohr gesorgt;
- närrischste, bübischste, keuschste, klingen überaus rauh und widrig.
- Die sich auf ein bloßes -sch endigen,
- nehmen daher zu Milderung dieses Übelklanges ein -e vor der Endsylbe an,
- welches auch die auf -ß, -st und -z thun;
- keuscheste, gewissester Aichinger und andere
- wollen dieses -e auch bey denen auf -isch eingeführet wissen;
- närrscheste, hämischeste u.s.f.
- wo aber bloß ein Übelklang durch den andern ersetzet wird.
- Am sichersten vermeidet man diese Superlativen;
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1309-1310. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000397547; Lizenz: Gemeinfrei
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