Negationen
Negation-en Mz. —Nwf. z. Negation
negātio-n lat.-deu. 'Leugnung, Verneinung, Ablehnung'
- Negation f.‘Verneinung, Ablehnung’ (2. Hälfte 16. Jh.),
- lat. negātio (Genitiv negātiōnis); in der Grammatik (wie schon spätlat. negātio) ‘Verneinungswort’ (um 1700).
- Gegensatz: Affirmation
Negation
Negation (von lateinisch negare ‚verneinen‘) ist Ablehnung, Verneinung oder Aufhebung; verneint werden können zum Beispiel Aussagen, abgelehnt werden können zum Beispiel moralische Werte, aufgehoben werden können zum Beispiel Konventionen.
Inhaltsverzeichnis
Philosophie
In der Philosophie bedeutet Negation die Aufhebung von etwas durch etwas Entgegengesetztes (Beispiel: der Tod als Negation des Lebens). Durch die Negation entsteht eine andere Qualität. Durch die Negation der Negation entsteht wieder eine neue Qualität, die sich möglicherweise stark vom Ausgangszustand unterscheidet. Bei dieser Art der Negation spielt die Zeit eine große Rolle. Sie ist eine Darstellung jeder Entwicklung. Bei der Empfängnis wird der Tod negiert, Leben entsteht. Das Lebewesen entwickelt sich, wird geboren und stirbt wieder. Dabei ist aber nicht der Ausgangszustand wieder erreicht. In der Zwischenzeit hat das Lebewesen sich bewegt, gehandelt, eventuell Nachwuchs erzeugt (somit seine Gene weitergegeben) und die Umwelt verändert.
Negation im Sinne der philosophischen Dialektik (Hegels)
In Hegels Dialektik ist die Negation ein Aspekt der kritischen Antithese. Dabei stellt sie auch eine der drei Bedeutungsaspekte des Begriffs Aufhebung dar. Negation ist die kritische Ablehnung eines positiven philosophischen Systems. Im Anschluss an Hegel postulierte Engels das Gesetz von der Negation der Negation.
Keineswegs hat man sich in diesem Zusammenhang die Antithese bzw. die Entgegensetzung als bloße logische Verneinung vorzustellen. Vielmehr werden zwei Begriffe einander gegenübergestellt und in ihrer Beziehung zueinander betrachtet. Die Negation ist dabei der Übergang von einem zum anderen Begriff und auch umgekehrt. Dieser Übergang setzt nicht nur am ursprünglichen Begriff an, sondern wird aus diesem selbst entwickelt und dabei so vollständig durchgeführt, dass der jeweilige Ursprungsbegriff aber in der Umkehrung auch der Gegensatz argumentativ umfassend zurückgewiesen wird.
Für konkrete Beispiele siehe den Artikel zur Wissenschaft der Logik.
Anthropologie
Das „Wunder der Negation“
In anthropologischer Perspektive wird mitunter die Negation als spezifisch für den Menschen und seine Geistigkeit angesehen. Das Urteil sei etwas „Paradoxes“ als die Verknüpfung zweier Begriffe auch dann erhalten bleibt, wenn der verneinende Satz formuliert werden kann.[6] „Dieses Wunder einer Verknüpfung, die ihre eigene Aufhebung besagt, unterscheidet die menschliche Sprache von allen anderen Formen der Kommunikation im Tierreich: Nichtmenschliche Tiere können nicht verneinen und auch nicht bejahen, also nicht urteilen. Damit gibt es für sie kein `wahr´ oder `falsch´.“[6]
Der Mensch als Lebewesen, das Nein sagen kann
Auch in der philosophischen Anthropologie wird u. a. von Max Scheler das „Nein-Sagen-Können“ des Menschen als spezifisch menschlich erachtet.[7]
Ethik
In der Ethik bedeutet Negation die Ablehnung eines moralischen Wertes.
Kunst
In der Kunst gibt es verschiedene Aspekte der Negation: So wird eine Kunstrichtung durch eine andere abgelöst und damit negiert. Neue Methoden treten an die Stelle der alten. L’art pour l’art verneinte die Zweckgebundenheit von Kunst.
Während vor der Erfindung der Fotografie lange Zeit eine detailgetreue realistische Darstellung das Ziel in der Malerei war, verlegte sich die Malerei danach auf abstrakte, impressionistische, expressionistische, kubistische und andere Darstellungen einer Wirklichkeit, die nicht von der Kamera gesehen wurde. Oftmals hatten diese Kunstrichtungen auch Programme, die vieles bisherige, dagewesene zurückwiesen.
Der Dadaismus verneinte die gesamte bis dahin gültige Kunst und verspottete sie. In Richard Huelsenbecks Dadaistischem Manifest heißt es: „Das Wort Dada symbolisiert das primitivste Verhältnis zur umgebenden Wirklichkeit, mit dem Dadaismus tritt eine neue Realität in ihre Rechte. Das Leben erscheint als ein simultanes Gewirr von Geräuschen, Farben und geistigen Rhythmen, das in die dadaistische Kunst unbeirrt mit allen sensationellen Schreien und Fiebern seiner verwegenen Alltagspsyche und in seiner gesamten brutalen Realität übernommen wird.“
Kunst versucht, die Wirklichkeit zu beschreiben, oder versucht, sie zu negieren, wie die situationistische Künstlerbewegung der 60er, die die Arbeit, den Kapitalismus und schließlich die Kunst selbst durch Überführung in den Alltag negieren, also aufheben wollte.
In Form der virtuellen Realität versucht sie, die Wirklichkeit zu ersetzen oder sich ihr anzunähern, Raum und Zeit zu überwinden. Auch Negativmaterial und Falschfarben negieren die gewohnte Welt im visuellen Bereich.
In der Musik spielen die Pause und die Stille – die Negation des Tones – eine große Rolle. Negation als Zerstörung: Jimi Hendrix zerfetzte musikalisch die amerikanische Nationalhymne und zündete seine Gitarre an. Die Punk-Bewegung negierte mit ihrer Rebellion alle Sitten und Werte der gutbürgerlichen Gesellschaft.
Ethnologie
Im Fest und im Ritual ist der Alltag aufgehoben (negiert).
Siehe auch
- Nein
- Komplement-Gatter
- Aussagenlogik
- Negationspartikel im Französischen
- Doppelte Verneinung
- Unäres Minus, liefert das Negative einer Zahl (arithmetische Negation)
Weblinks
- Negating art (englischer Artikel über Negation in der Kunst)
- Laurence R. Horn & Heinrich Wansing: Negation. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
Einzelnachweise
- F. Bross (2020): The why-how alternation and a new test for sentential negation—on negated how-questions. In: Glossa. A Journal of General Linguistics, 5(1), 63.
- Frege, Gottlob: Die Verneinung: eine logische Untersuchung. In: Beiträge zur Philosophie des deutschen Idealismus I. 3/4 (1919), S. 143. In: Frege, Logische Untersuchungen. 3. Auflage. 1986, ISBN 3-525-33518-0, S. 54 ff.
- Tugendhat, Wolf: Logisch-semantische Propädeutik. 1983, S. 214.
- Frege, Gottlob: Die Verneinung: eine logische Untersuchung. In: Beiträge zur Philosophie des deutschen Idealismus I. 3/4 (1919), S. 143. In: Frege: Logische Untersuchungen. 3. Auflage. 1986, ISBN 3-525-33518-0, S. 54(67).
- Stefan Roski: Einführung in die Sprachphilosophie und Logik. Universität des Saarlandes 2022.
- Reinhardt Brandt: Philosophie: eine Einführung. Reclam, Stuttgart 2001, S. 53.
- Referierend Rehfus: Einführung in das Studium der Philosophie. 2. Auflage. 1992, ISBN 3-494-02188-0, S. 117.