oder
Erscheinungsbild
zur Verknüpfung einander ausschließender (nachdrücklich entweder … oder) Abk./bzw. zur Wahl stehender Wortwandlungen;
- weist ferner auf eine mögliche Folge hin (‘sonst, andernfalls’)
- und leitet Fragesätze ein,
- die einen zu erwartenden Einwand vorwegnehmen (umgangssprachlich oft verkürzt,
- z. B. Er kommt doch. Oder (meinst du nicht) ?).
- Ahd. oder (10. Jh.), odar (11. Jh.),
- mhd. oder ist (wohl in Analogie zu den Formen von aber, weder)
- umgebildet aus ahd. odo (8. Jh.), oda (9. Jh.) ‘oder, und’,
- mhd. ode, od, ‘oder, oder sonst, es sei denn’,
- das seinerseits wohl
- (mit einem auf überwiegend unbetonter Verwendung des Wortes im Satz beruhenden Lautwandel)
- aus ahd. edo, eddo (8. Jh.) hervorgeht
- (falls nicht bereits eine andere Grundform vorauszusetzen ist.
Dem ahd. eddo, edo,
entsprechen anord. eða ‘oder, aber, sonst’,
mit Doppelmittlaut
asächs. ettha, ettho,
aengl. oþþe, eþþa,
got. aíþþau,
mhd. odder (15. Jh.)
deren erster Bestandteil selbständig in got. iþ ‘aber, wenn’ erhalten
und mit
lat. et ‘und’,
griech. éti (ἔτι) ‘überdies, ferner, noch’
auf uig. *eti ‘darüber hinaus, ferner, und, auch’ zurückzuführen ist;
zum zweiten Teil s. doch.
Auf eine mitlaufende Bildung,
- wahrscheinlich mit dem unter ob2 Bdw. behandelten Wort als erstem Bestandteil,
- deuten
- asächs. eftha, eftho, ofthe,
- mnl. ofte, of, jof, nl. of,
- afries. jeftha, jeft, jef, joftha, oftha, oft, of ‘oder’;
- weniger einleuchtend ist es, diese Formen mit den oben angegebenen unmittelbar zu verbinden und eine Lautangleichung von fþ zu þþ anzunehmen.