Die Entstehung der Deutschen Sprache - Münzer
angelegt 05.01.2021
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Die Entstehung der Deutschen Sprache
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Aus dem Handbuch der Rhetorik von Holger Münzer Begleitmaterialzum Seminar / Übungsreihe:
“Präsentation: Rhetorik - Moderation“
Fakultät 02
Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation GWK an der Universität der Künste Berlin (UdK)
Seminare an der Rhetorikakademie Berlin
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Redaktion und Layout: Holger Münzer
Inhalt
Die Deutsche Sprache
2 Die deutsche Sprache
3 Der Baum der deutschen Sprache
4 Die Entstehung der deutschen Sprache
5 Die Perioden der deutschen Sprachgeschichte
6 Althochdeutsch (750-1100)
9 Mittelhochdeutsch (1100-1500)
13 Neuhochdeutsch (etwa seit 1500/1600)
16 Das heutige Deutsch
17 Aus der Geschichte des südwestdeutschen Sprachgebiets
18 Drüben hinter dem Schwarzwald
18 „Schwaben“ sind nicht nur die Schwaben
20 Die Ostsee - das „schwäbische Meer“
21 Von den Sueben
22 Von den Alemannen
23 Unbekannt aber wirkungsvoll
24 Suebischer Kern
24 Sueben - Alemannen
24 Die Eigenart der deutschen Sprache
26 Die Entwicklung des deutschen Wortschatzes
29 Rechtschreibreform
30 Das scharfe „ß“
30 Algorithmus
31 Sinnveränderung
32 Widersprüchlichkeiten
33 Beispiele für Willkürlichkeit
34 Falschschreibreform
Die deutsche Sprache
Die deutsche Sprache ist eine der wichtigsten Kultur-, Wissenschafts- und Verkehrssprachen. Mehr als 100 Millionen Europäer sprechen Deutsch, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen deutschsprachigen Ländern wie Österreich, dem grössten Teil der Schweiz, in Liechtenstein, Luxemburg, Teilen Norditaliens, (Südtirol) Ostbelgiens wird Deutsch gesprochen. In Frankreich bestätigen im Jahr 2014 noch 43% der Befragten im Elsass, dass Ihre Umgangssprache der Deutsche Dialekt "Elsässisch" sei. Zählte man, wie das viele Sprachwissenschafler tun, das Niederländische als einen niedergeschriebenen platt-deutschen Dialekt noch dazu, wären es noch ein Land mehr.
Deutsch ist (neben Russisch) die am meisten gesprochene Muttersprache in Europa und gehört zu den zehn am häufigsten gesprochenen Sprachen der Welt. Dazu kommen viele Millionen Deutsche, die außerhalb Europas leben oder ausgewandert sind (z.B. Pennsylvania: Pennsylvaniadeutsch), Außerdem müsste man noch die "Mennoniten" im Norden der USA hinzurechnen (weltweit etwa 1Mio) , da die meisten von ihnen auch heute noch deutsch sprechen. Daneben gibt es deutsche Sprachinseln in Rumänien, in der Slowakei, in Russland und in Argentinien. Sodaß bis zu 140 Millionen Menschen (Schätzung) auf der ganzen Welt deutsch sprechen. Hinzukommt, daß z.B. in den slawischen Ländern (auch in der Türkei) Deutsch als Fremdsprache meist mehr gesprochen wird als Englisch.
Mehrere Organisationen (Institut für deutsche Sprache, Goethe Institut usw) kümmern sich darum, das Interesse für die deutsche Sprache im Ausland zu wecken.
Der Baum der deutschen Sprache
Das Bild zeigt deutlich, daß die Sprachgeschichte des Deutschen ziemlich verwickelt ist. Außerdem ist das nur eine Möglichkeit, es gibt durchaus andere Darstellungen, aber das zu erklären, würde zu weit führen.
Die Grafik braucht noch ein kleines Glossar:
Kentum/Satem-Sprachen - Das bezieht sich auf die Art wie das Wort Hundert gebildet wird.
- Ae. - Altenglisch
- Me. - Mittelenglisch
- Ne. - Neuenglisch
- Fries. - Friesisch (Anglo-Teutonisch)
- Nfries. - Neufriesisch
- As. - Altsächsisch
- Mnd. - Mittelniederdeutsch
- Nnd. - Neuniederdeutsch
- Anfr. - Altniederfränkisch
- Mnfr. - Mittelniederfränkisch
- Rhfr. - Rheinfränkisch
- Ostfr. - Ostfränkisch
- Ostmd. - Ostmitteldeutsch
- Obd. - Oberdeutsch
- Ahd. - Althochdeutsch
- Mhd. - Mittelhochdeutsch
- Frühnhd. - Frühneuhochdeutsch (=> Goethes Sprache?)
- Nhd. - Neuhochdeutsch
Das Bilde (nächste Seite) stammt aus: Heinz Mettke. Mittelhochdeutsche Grammatik. Leipzig 1989.
Marron Fort: Das Saterfriesische ist eine Sprache. Sie ist weder für Hochnoch Niederdeutsche verständlich. Das Saterfriesische ist der letzte Rest der ostfriesischen Ursprache, die bis ins späte Mittelalter an der Nordseeküste vom heutigen Lauwersmeer bis an die Weser gesprochen wurde. Die Ostfriesen von heute sprechen Niederdeutsch.
Beispiel:
Hochdeutsch: Ich habe mit ihm gesprochen, aber er hat mir gesagt, daß er mir den Schlüssel nicht geben könne.
Oldenburger Niederdeutsch: Ik heb mit em/üm snackt, man he het mi seggt, dat he mi den Slöädel nich gäven kunn.
Ostfriesisches Niederdeutsch (Emden): Ik heb mit hum proot‘t, man he het an mi seggt, dat he mi de Slötel neet geven kunn.
Saterfriesisch: Iek häbe mäd him boald, man hie häd mie toukweden, dat hie mie dän Koai nit reke kude
Die Entstehung der deutschen Sprache

Der Baum der deutschen Sprache zeigt drei Hauptgebiete im Süd- oder Westgermanischen von Ost nach West gegliedert:
- Elbgermanen (Ermionen, Sueben): Elbegebiet bis Ostsee
- Rhein-Weser-Germanen (Istwäonen: Franken): Rhein bis zur Weser (Bremen), im Norden etwa bis zur Nordsee und
- Niederlande Nordseegermanen (Ingwäonen: Angelsachsen, Friesen, Chauken): ein Streifen von südlich von Dänemark, Nordseeküste und Nordseeinseln bis Friesland.
Als Streifen von Ost nach West liegt im Norden darüber das Nordgermanische: Schweden, Dänemark, Norwegen, Island
Das Englische (angelsächsische) ist laut Elisabeth Fraser also das Bindeglied zwischen Niederdeutsch (Platt) und Englisch. Daher rührt die heutige übergangslose krasse Trennung zwischen Niederdeutsch Schleswig-Holstein) und Dänisch.
Die germanischen Stämme kamen ursprünglich aus dem Ural. Die Sueben siedelten zu Cäsars Zeiten rund um die Ostsee („mare suebicum“ = das „Schwäbische Meer“) und das Elbegebiet, auch Dänemark, Norwegen und Schweden, die Alamanni dagegen siedelten um 100 n.Chr. etwa in der Höhe des Mains (genau: Fulda) und begannen von dort aus in den Süden vorzudringen. Sie überstiegen den Limes, wurden aber von den Römern verjagt. Sie überstiegen den Limes jedoch ein zweites Mal und verdrängten die Römer (213 - 260 n.Chr.). Bereits anno 280 n.Chr. drangen sie bis an den Rhein vor. Der erste Nachweis der Alamanni findet sich in den römischen Annalen im Jahr 213 n.Chr. Ausführlicheres dazu finden Sie im Kapitel der Geschichte der Alemannen und Schwaben - „Aus der Geschichte des südwestdeutschen Sprachgebiets“. Da das Alemannische einen - wie im Folgenden ersichtlich wird – großen Einfluß auf die Entwicklung der deutschen Sprache hatte, wird hier diesem Volk besondere Aufmerksamkeit zuteil (außerdem ist nebenbei der Autor Alemanne, besser: „Allemane“).
Wie aus dem Baum der deutschen Sprache weiter ersichtlich wird hat sich das Oberdeutsch aus den Ermionen (Elbgermanen / Sueben) entwickelt, dabei vorwiegend durch die Alemannen und Baiern. Die Alemannen überstiegen den Limes, sie sind in den römischen Annalen erstmals im Jahr 213 n.Chr. erwähnt. Sie waren über den Limes, der ungefähr am Ostrand des Schwarzwalds über Donaueschingen zur Donau entlanglief, in die römisch beherrschten Gebiete Süddeutschlands eingedrungen (Näheres siehe Abschnitt „Aus der Geschichte des südwestdeutschen Sprachgebiets“).
Im Zeitraum bis zum Jahr 750 n.Chr. wurden jahrhundertelang nur lateinische Texte abgefaßt oder abgeschrieben. Die Germanen sprachen eben ihr Urgermanisch, vermutlich auf sehr unterschiedliche Weise, jedoch übernahmen sie zunehmend lateinische Wörter. Über diesen ersten Abschnitt der Entwicklung gibt es also keine Urkunden und Texte, jedoch hilft uns die Linguistik ein bißchen weiter. Deutsch entstand – vereinfacht ausgedrückt – aus germanischen Wörtern und Silben (Siluben), an welche lateinische Endungen gehängt wurden, dazu wurde lateinische Grammatik eingesetzt, wurden lateinische Wörter (Lehnwörter) für alles, wofür es keine germanischen Wörter gab, übernommen (Fenster, Keller, Kaiser usw.). Das zeigt ein schönes Beispiel, das „Vater unser“ aus der Zeit bis zu Karl der Große: „Ata unsa es in himinam...“ Die germanischen Kerne sind: „Ata“, „uns“ und „Himi“, der Rest sind lateinische Anfügungen. Die Zeit vor 750 n.Chr. kann man sprachlich noch nicht als irgendwie „deutsch“ bezeichnen, es war Germanisch, jedoch entstand Deutsch quasi „fragmentarisch“ (nebenbei: in derselben Zeit entstand das Altfranzösische in Gallien aus dem Soldatenlatein).
Es ist auffallend, daß „Cäsar“ im Italienischen zu „Cesare“ (phon: „Dschesare“), im französischen zu „César“ (phon: „Ssesaar“) und im russischen zu „Zar“ wurde, im deutschen dagegen nicht zu „Zaisar“ sondern zu „Kaisar“. Linguistisch läßt sich aber daraus ablesen, daß die romanischen Länder, die von römischen Truppen besiedelt wurden, sprachlich eher vom „Soldatenlatein“ oder „Vulgärlatein“ geprägt wurden, welche für „Ce...“ eben „Dsche...“ und nicht „Ke...“ sagten. Dagegen sprach man in Germanien nicht die „Lingua romana“, die Behörden sprachen aber lateinisch, auch die Urkunden und Erlasse Karls des Großen waren in Latein geschrieben, so mußten sich die Germanen also nach der Aussprache des „Behördenlateins“ richten. In Rom war es schick gewesen, „Käsar“ und „Kikero“ (kiker=lächeln, kichern, Kikero=der Lächelnde) zu sagen, die Aussprache im Behördenlatein war also „Kaesar“. So entstand eben nicht „Zaisar“ sondern „Kaisar“. Geradezu witzig mutet an, wie „cellar“ (lat. für Keller, Zelle) zweimal in die deutsche Sprache Einzug hielt: erstens als „Keller“ (die Behörde bezeichnet den Ort, wo böse Soldaten eingesperrt werden, als „Kellar“) und zweitens als „Zelle“ (der Soldat sitzt im Keller, sagt aber „Zellar“ und leidet sehr).
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