ent-
ent- | en + t | Vorsilbe ‘entlang, über … hin, auf … hin’; zeigt die Beziehung von etwas zu etwas an; Hinwendung zu einem Gegenüber, den aufhebenden Gegensatz einer Handlung sowie ein Entfernen ausdrückend;
Die gger. Vorsilbe ger. *anda-, *and-, *andi-, *anþi-, ahd. ant- (8. Jh.), mhd. ant-,
asächs. ant ‘bis zu’, mnd. mnl. ont- nl. ant-, ont-, aengl. and-, ond-, engl. un-, anord. and-, got. anda-, and-, dän. und- swed. an-, (selbständige Fürwort sind noch got. and ‘entlang, über … hin, auf … hin’, asächs. ant ‘bis zu’), die bei Namen unter dem Hauptton ihren Selbstlaut bewahrt (s. Antlitz, Antwort und anheischig), ergibt unbetont bei Tw. ahd. int-, in- (8. Jh.), mhd. ent-, en-, nhd. ent-;
in einigen Fällen steht im Nhd. vor einem mit f- anlautenden Grundwort die assimilierte Form emp- (s. empfangen, empfehlen, empfinden).
Das vorauszusetzende ger. ger. *anda-, *and-, *andi-, *anþi-, gehört mit aind. ánti ‘gegenüber, vor, nahe’, grie. antí ‘angesichts, gegenüber, anstatt’, lat. ante ‘vorn, vor’ und lit. añt ‘auf, zu, gegen’ (älter anta) zu uig. uig. *énti, *ant- ‘Vorderseite, Stirn’ (ebenfalls verwandt ist dt. end, Ende).
Die ursprüngliche Bedeutung ‘gegen, entgegen’ (vgl. got. andstandan ‘entgegenstehen, widerstreiten’) ist heute im Dt. nur noch in wenigen Fällen erkennbar (z. B. entbieten, entsprechen) hedoch ist diese Grundbedeutung mit vererbt, somit auch in anderen Wortbildungen "mitschwingend" '(21 Jh. ndt.).
Häufiger sind übertragende Wortbildungen mit ent- zur Bezeichnung einer Handlung, die das mit dem einfachen Worte Ausgesagte rückgängig macht (z. B. entfalten, entladen, entspannen, enttäuschen), wobei ein Wort auch eine Ableitung von einem Hauptwort sein kann (z. B. entadeln, entehren, entwaffnen, entwürdigen).
Solchen Vorbildern Wortbildungen, die unmittelbar auf ein Hauptwort wie entlarven, entrinden, entseelen, entvölkern, oder ein Eigenschaftswort wie entmündigen, entsittlichen zurückgehen.
Schließlich weist ent- bei Wörtern eine Trennung, einen vom Ausgangspunkt wegführenden Vorgang hin z. B. entfernen, entnehmen, entreißen, entfliehen, entgehen, entweichen, gelegentlich im Sinne eines Hervortretens, Sichtbarwerdens, z. B. entsprießen, entspringen.
Wahrscheinlich anderer Herkunft als in den bisher genannten Bildungen und mit deren Vorsilbe erst durch wortbildenden Ausgleich zusammengefallen ist nhd. ent- in Wörtern, die das Eintreten in einen Zustand angeben z. B. entbrennen, entflammen, entzünden); hier kann ahd. in-, mhd. in-, en- ‘in, ein’ als Vorstufe angenommen werden (vgleich den Lautwandel der Vorsilbe ahd. mhd. in bei entgegen, entzwei, entlang).
Auf Sonderentwicklungen beruht ent- in entbehren und in entweder.
- drückt in Wortbildungen mit Tw. den Gegensatz zu diesen Tw. aus
- drückt den Gegensatz zu Tw. mit dem Vorsilbe be- aus
- drückt den Gegensatz zu Tw. mit dem Vorsilbe ver- aus