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Karl Lachmann

aus AufEinWort, der freien Forschung
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Karl Konrad Friedrich Wilhelm Lachmann (* 4. März 1793 in Braunschweig; † 13. März 1851 in Berlin) war ein deutscher germanistischer Mediävist und Altphilologe, der als Dozent und Professor an der Berliner Universität wirkte. Seine Methode der historisch-kritischen Edition antiker Texte wurde zum Vorbild für die moderne Textkritik.

Lachmann gilt auch als Erfinder des sogenannten normalisierten Mittelhochdeutschen. Dies ist eine künstliche, von der Germanistik des 19. Jahrhunderts entwickelte Sprachform, welche die Unterschiede der regional und diachron sehr variantenreichen Schreibformen der mittelalterlichen ober- und mitteldeutschen Literatur zu vereinheitlichen versucht. Das Normalmittelhochdeutsch basiert hauptsächlich auf der höfischen Schreibsprache der Stauferzeit, welche selbst wiederum stark vom schwäbisch/alemannischen und fränkischen Mittelhochdeutsch geprägt war. Das Normalmittelhochdeutsch erleichtert Laien und Germanistikstudenten das Verständnis dieser alten Texte.

Für die linguistische Forschung hat sich diese nachträgliche Vereinheitlichung jedoch als nachteilig erwiesen. Da fast alle Neueditionen mittelalterlicher Literatur in dieser „normalisierten“ Form erschienen sind, basiert auch ein großer Teil der älteren Sekundärliteratur auf den redigierten Texten. Dadurch wurden regionale und diachrone Unterschiede oft ignoriert oder zu wenig beachtet. Besonders Sprachforscher mit einer teleologischen Sichtweise der Geschichte der deutschen Sprache waren dadurch verleitet, schon im Mittelalter eine einheitliche deutsche Standardsprache erkennen zu können. Die moderne Germanistik ist deshalb gezwungen, die mittelalterliche Literatur in ihrem linguistischen Aspekt komplett neu zu evaluieren bzw. mühsam herauszuarbeiten, ob bestimmte Werke früherer Sekundärliteratur auf der Originalschreibweise oder auf dem Normalmittelhochdeutsch basieren.

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