reichen
reich + en | ‘sich erstrecken, eine bestimmte räumliche Ausdehnung haben, in genügender Menge vorhanden sein, mit etw. auskommen, jmdm. etw. (zum Nehmen) hinhalten, geben’, ahd. reihhōn ‘anbieten, sich auf etw. beziehen’ (10. Jh.), reihhen ‘sich erstrecken’ (um 1000), mhd. reichen ‘(er)langen, holen, bringen, darreichen, sich erstrecken, ausdehnen’, mnd. rēken, mnl. reiken, rēken, nl. reiken, afries. rēka, aengl. rǣcan, engl. to reach ‘(er)reichen’ (wger. *raikjan) sind verwandt mit anord. reik ‘Scheitellinie, Kopf’.
Außergerm. vergleichen sich lit. réižti ‘(Körperteile) recken, straffen, stolzieren, stolz einhergehen’, reflexiv réižtis ‘sich recken, sich straffen, sich brüsten’, air. riag ‘Tortur (durch Recken der Glieder)’,ringid ‘foltert, peinigt’, mir. rēimm (aus *reig̑smi-) ‘Possenreißer’. Erschließbar ist eine Ww. uig. *rēig̑- ‘recken, ausstrecken, mit ausgestreckter Hand langen oder darreichen’, die lautliche und semantische Berührung mit der unter recht angeführten Ww. uig. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’ zeigt; s. auch Reich.
Vgl. die Wendung jmdm. nicht das Wasser reichen (können) ‘an jmds. Fähigkeiten, Leistungen nicht heranreichen’ (16. Jh.), wohl aus dem alten Brauch, durch einen Diener den Gästen vor und nach dem Essen Wasser zum Händewaschen zu reichen, also eigentlich ‘nicht wert sein, jmdm. das Wasser zu reichen’.