Perainonta
Erscheinungsbild
- Philolaos Apeira-Harmonia-Perainonta
- Bei Philolaos ist die Struktur tatsächlich am ehesten triadisch zu lesen: nicht bloß Begrenzer und Unbegrenzte, sondern diese sind durch Harmonia zusammengefügt. Die SEP formuliert das knapp so, daß bei Philolaos die Dinge aus limiters and unlimiteds held together by harmony bestehen; also ist Harmonia nicht bloß Schmuck oder Folge, sondern das verbindende Dritte, durch das überhaupt Kosmos zustande kommt
- Bei Platon findet sich dazu eine nahe Analogie, aber nicht einfach dieselbe Triade unter demselben Namen. Im Philebos baut Platon nicht nur zwei Prinzipien auf, sondern eine Vierheit: τὸ πέρας (das Begrenzende / Maß), τὸ ἄπειρον (das Unbegrenzte), τὸ μεικτόν (das Gemisch aus beiden) und ἡ αἰτία (Atia)bzw. die Ursache dieses Gemischs. Das ist also mehr als eine Triade: Das „Dritte“ ist bei Platon zunächst nicht Harmonia, sondern das Gemisch; dazu tritt noch eigens die Ursache der Mischung
- Platon hat nicht einfach Philolaos’ Triade „Begrenzer – Unbegrenzte – Harmonia“ übernommen. Er hat vielmehr im Philebos eine verwandte, aber umgebildete Struktur: Grenze – Unbegrenztes – Gemisch – Ursache. Man kann sagen, daß Platons τὸ μεικτόν funktional teilweise dort steht, wo bei Philolaos die durch Harmonia geeinte Ordnung steht; aber terminologisch und systematisch ist es nicht identisch.
- Zur zweiten Frage, ob Platon die Harmonia als Bindung verstanden habe: Im Philebos steht nicht harmonia als technischer Name des dritten Gliedes im Vordergrund, sondern die Idee der Mischung unter Maß und Ordnung. Gute Mischungen sind dort durch Maß, Proportion und Ordnung bestimmt. Das kommt der philolaeischen Harmonia sachlich nahe, aber Platon spricht in diesem Grundschema eher von μίξις / μεικτόνund von der Ursache, welche die rechte Mischung hervorbringt.
- Im Timaios kommt Platon deiner Formulierung noch näher: Dort wird die Welt durch Proportion und Bindung zusammengefügt; der einschlägige Ausdruck ist δεσμός (Desmos „Band“, „Bindung“), und diese Bindung wird durch mathematische Proportion vermittelt. In diesem Sinn kennt Platon sehr wohl die Vorstellung, daß ein verbindendes Mittleres die Vielheit zur geordneten Einheit macht. Das ist dem Gedanken der Harmonia als Bindung deutlich verwandt, auch wenn der Terminus und die Ausarbeitung bei Platon anders sind als bei Philolaos