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Werk:Compendium/11

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▷Oportet autem, ut advertas quomodo signum sensibile est prius confusum et genericum quam proprium et specificum. Sicut signum verbi est prius signum soni, dum vox a remotis auditur; deinde dum propinquius auditur, fit signum soni articulati, quod vox dicitur; post adhuc propinquius fit signum vocis alicuius linguae; ultimo fit signum specialis verbi; sic de omnibus. Et licet intervalla temporis saepe non sentiantur propter miram celeritatem, non tamen potest signum perfectum esse, nisi de confuso ad speciale perveniat. Unius igitur et eiusdem immultiplicabilis rei notae et signa sunt varia, per quae innotescit, scilicet generica atque specifica, inter quae media alia magis generica et alia magis specifica cadunt. Cum autem perfectio signorum recipiat magis aut minus, nullum signum umquam erit ita perfectum et speciale, quin possit esse perfectius. Singularitatis igitur, quae non recipit magis et minus, nullum est dabile signum. Et ideo tale non est per se cognoscibile, sed per accidens, puta Plato, qui non recipit magis et minus, non videtur nisi per accidens in signis visibilibus, quae ei accidunt.

Du mußt darauf achten, daß das sinnliche Zeichen zuerst eher verschwommen und gattungshaft-allgemein ist als eigentümlich und eigengestaltlich. So ist das Wortzeichen zuerst nur das Zeichen für einen Ton, wenn man ein Wort von fern hört; dann, wenn man es näher hört, wird es Zeichen eines artikulierten Tones, den man Wort nennt; kommt es noch näher, wird es das Zeichen des Wortes einer bestimmten Sprache; und zuletzt wird es das Zeichen eines bestimmten Wortes. Und das gilt für alles. Wenn man auch oft die Zwischenräume der Zeit wegen der erstaunlichen Schnelligkeit nicht empfindet, so kann das Zeichen doch nicht vollständig sein, wenn es nicht vom Gestaltlosen zum Eigengestaltlichen gelangt. Für eine und dieselbe nicht vervielfältigbare Sache gibt es also mannigfache Zeichen, d. h. gattungshafte und eigengestaltliche, mit denen sie bezeichnet wird, und unter diesen solche, die eher gattungshaft und solche, die eher eigengestaltlich sind. Da aber die Vollkommenheit der Zeichen mehr oder weniger aufnimmt, wird kein Zeichen jemals so vollkommen und eigengestaltlich sein, daß es nicht vollkommener sein könnte. Daher ist es nicht möglich, ein Zeichen für die Einzigkeit zu geben, die kein mehr oder weniger aufnimmt. Und darum ist derartiges nicht durch sich selbst erkennbar, sondern nur durch das Hinzukommende, wie z. B. Platon, der nicht mehr oder weniger annimmt, nur durch das Hinzukommende in sinnlich-sichtbaren Zeichen, die zu ihm hinzutreten, erkannt wird.◀▷