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Universalienproblem Moderne

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Q: Universalienproblem Moderne

Das Universalienproblem der Moderne wird überwiegend mit den Begriffen des (wissenschaftstheoretischen) Platonismus und des Essentialismus verbunden. Stets wird noch diskutiert, ob Begriffe wie Klasse oder NaturgesetzNamen oder Entitäten sind.

Vorstellungen von verallgemeinernden Ursprüngen oder Gesetzen, die unabhängig von ihrer Wahrnehmung existieren und zu entdecken seien, stehen dem Universalienrealismus oder Konzeptualismus nahe. Dies zeigt sich seit dem späteren 19. Jahrhundert in Strömungen der Psychologie (vgl. Archetypus), der Anthropologie („anthropologische Konstante“), oder der Ästhetik (siehe etwa Universalien der Musikwahrnehmung). Der philosophische Naturalismusund zahlreiche Begriffe mit dem Wortbestandteil „Natur“ wie Naturzustand, Naturrecht oder Naturgesetz sind mit realistischen Vorstellungen verbunden. – Gegen solche Festlegungen wandten und wenden sich u. a. unterschiedlichste Varianten des Konstruktivismus.

Realistische Positionen der Moderne

Charles Peirce

Charles Sanders Peirce

Einen ausdrücklichen Universalienrealismus vertrat Charles S. Peirce. Seinen Realitätsbegriff kann man mit der kurzen Formel beschreiben: Real ist, was nicht fiktiv ist. Insofern haben Naturgesetze Realität, da sie „eine entschiedene Tendenz sich zu erfüllen“ (CP 1.26) haben. Weil man mit Naturgesetzen Prognosen stellen kann, gilt, dass die „zukünftigen Ereignisse in einem bestimmten Maß tatsächlich durch eine Gesetzmäßigkeit beherrscht sind“ (ebd., vgl. auch CP 5.100). Insbesondere hatten auch die Gesetze der Logik und der Mathematik für Peirce Realität. Er knüpfte seine Vorstellung der Realität von Universalien eng an den Begriff des Kontinuums. Eine der Begründungen sah er in dem Theorem des Mathematikers Georg Cantor, „dass die über eine Menge gebildete Potenzmenge stets größer ist als diese.“[1]

„Es ist absurd anzunehmen, dass eine beliebige Ansammlung wohlunterschiedener Individuen, wie es ja alle Ansammlungen von überabzählbaren Mächtigkeiten sind, eine ebenso große Mächtigkeit haben kann wie die der Ansammlung der möglichen Ansammlungen ihrer individuellen Elemente“[2] „Damit ist das Kontinuum, in welcher Dimension es auch kontinuierlich sein mag, alles was möglich ist. Aber das Allgemeine oder Universale der gewöhnlichen Logik umfasst ebenfalls alles Mögliche, zu welcher bestimmten Art es auch gehören mag. Und so ist das Kontinuum das, was sich in der Logik der Relative als wahre Universale erweist.“[3]

Peirce hielt es für eine besondere Disposition des menschlichen Geistes, in der Form eines Kontinuums zu denken, wie beispielsweise im Fall des Begriffs der Zeit. Ideen sind nicht selbständig, sondern kontinuierliche Systeme und zugleich Fragmente eines großen kontinuierlichen Systems. „Verallgemeinerung, das Ausgießen von kontinuierlichen Systemen im Denken, im Fühlen und im Tun ist der wahre Zweck des Lebens.“[4] Wirklichkeit bedeutete damit für Peirce, „dass es etwas im Sein der Dinge gibt, das dem Prozess des Schlussfolgerns, dass die Welt lebt und sich bewegt und ihr Sein hat, in der Logik der Ereignisse entspricht.“[5] Einer solchen Vorstellung kann sich, postuliert Peirce, auch der „mechanistische Philosoph“, der einen grundlegenden Nominalismus vertritt, nicht entziehen.

Edmund Husserl

Edmund Husserl übernahm von seinem Lehrer Franz Brentano zwar die erkenntnistheoretischen Konzepte von Evidenzund Intentionalität, sah jedoch den Zugang zum Allgemeinen in der kantischen Unterscheidung von Anschauung und Begriff:

„Daß die allgemeinen Vorstellungen aus den individuell-anschaulichen genetisch erwachsen sind, wird allgemein angenommen. Wenn sich aber das Bewußtsein des Allgemeinen an der individuellen Anschauung immer wieder entzündet, aus ihr Klarheit und Evidenz schöpft, so ist es darum nicht aus dem einzelnen Anschauen entsprungen. Wie sind wir also dazu gekommen, über die individuelle Anschauung hinauszugehen und, statt der erscheinenden Einzelheit, etwas anderes zu meinen, ein Allgemeines, das sich in ihr vereinzelt und doch nicht reell in ihr enthalten ist?“[6]

Husserl formulierte in Hinblick auf die Wesensanschauung eine realistische Position: „Das Wesen (Eidos) ist ein neuartiger Gegenstand. So wie das Gegebene der individuellen oder erfahrenden Anschauung ein individueller Gegenstand ist, so das Gegebene der Wesensanschauung ein reines Wesen.“[7] Mit Kant unterschied Husserl empirisch Allgemeines und rein Allgemeines. Während Begriffe bei Kant als spontane Handlungen im Urteil gebildet werden, versucht Husserl durch Analyse des Bewusstseins die logische Konstitution allgemeiner Begriffe zu erfassen. Empirische Begriffe erhält man durch Vergleich und Variation von Anschauungen, indem man das Verschiedene ausscheidet und das absolut Identische als eine unveränderliche Größe (Invariante) festhält. Das konkrete Erschaute ist zwar kontingent, es enthält aber invariant das reine Wesen als oberste Kategorie des Gegebenen. Reine (a priorische) Begriffe geben die Regeln für die Erfahrung vor. Sie werden nicht durch Erfahrung ermittelt, vielmehr umfassen sie die „Unendlichkeit des Fortlaufens“. Die Sätze der Logik sind zeit- und raumunabhängige Wesenheiten, die ideelle Realität haben.

Nicolai Hartmann

Für Nicolai Hartmann ist die Wirklichkeit in allem Seienden:

„Das Sein des Seienden ist eines, wie mannigfaltig dies auch sein mag. Alle weiteren Differenzierungen des Seins sind aber nur Besonderungen der Seinsweise.“[8]

Realität und Idealität schließen einander aus. Ein Daseiendes ist entweder real oder ideal. Ideales ist nicht etwas nur Gedachtes, sondern nicht-gegenständliches Seiendes. Hierzu zählte Hartmann Mathematisches, Wesenheiten, Logisches und Werte. Ideales Seiendes ist zeitlos, allgemein und unveränderlich. Reales Seiendes ist dagegen zeitlich, konkret und vergänglich. Realität ist aufdringlich. Man erfährt sie in einem Widerstandserlebnis. Ideales ist in Realem als Struktur oder Gesetzmäßigkeit enthalten. So ist eine geometrische Kugel ein ideales Gebilde, das die Struktur einer materiellen Kugel beschreibt. Empirische Urteile beziehen sich stets auf reale Entitäten, mathematische Urteile auf ideales Seiendes. Beide Arten von Urteilen sind ein Erfassen von etwas An-sich-Seiendem (Kritischer Realismus).

Das Seiende und seine Eigenschaften sind unabhängig vom Subjekt. Das Ideale ist im Realen enthalten („universalia in rebus“). „Das allgemeine eben besteht keineswegs jenseits der Fälle (ante res) für sich, aber auch keineswegs in mente als von ihnen abstrahiertes (post rem), sondern durchaus in rebus.“ (GdO, 259) Das An-sich-sein des Idealen begründete Hartmann damit, dass man nicht erklären könne, dass die Natur mathematisch geformt ist, wenn es keine idealen Beziehungen gebe. (GdO, 265) Diese Auffassung entspricht dem aristotelischen Universalienrealismus. Logische Sätze gelten, weil sie mit Seinstrukturen übereinstimmen (GdO, 302). Das reale Sein ist demnach das höhere Sein, das auf dem in ihm enthaltenen idealen Sein aufbaut (GdO, 291).

Bertrand Russell

Logiker wie Bernard Bolzano und später zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gottlob Frege, Alfred North Whitehead oder Bertrand Russell bekannten sich eindeutig zum Platonismus. Willard Van Orman Quine nannte diese Haltung „ontological commitment“. Nachdem Russell die Paradoxien der Mengenlehre entdeckt hatte, bemühte er sich um eine zurückhaltendere Analyse. Dennoch „setzt jede Erkenntnis von Wahrheiten die Bekanntschaft mit Universalien voraus.“[9]

Er unterschied drei Arten von Entitäten, für die Begriffe gebildet werden:

  • Sinnesdaten als einfache Inhalte und konkrete Individuen;
  • Daten der Introspektion (Selbstbeobachtung), die bei der Reflexion von Wahrnehmung entstehen (die Wahrnehmung, dass wir wahrnehmen);
  • Universalien.

Jede Aussage über einen Sachverhalt enthält mindestens eine Universalie und eine Relation. Universalien können nicht als Individuen aufgefasst werden: „Weil es viele schwarze Dinge gibt, muss eine Ähnlichkeit zwischen vielen verschiedenen Paaren zu vergleichender schwarzer Dinge bestehen, und gerade das ist ein charakteristisches Merkmal von Universalien. Es hat keinen Zweck, wenn man sagt, dass es für jedes Paar eine andere Ähnlichkeit gibt; denn dann müssten wir zugeben, dass sich diese Ähnlichkeiten ähnlich sehen, und so kommen wir wieder darauf, dass die Ähnlichkeit eine Universalie sein muss.“[10]

Russell diskutierte das Universalienproblem aus erkenntnistheoretischer Sicht am Beispiel des Begriffs der Bewegung.[11] Wahrnehmungen beziehen sich auf Objekte; logische Aussagen hingegen setzen andere Aussagen voraus. Zwischen „Wahrnehmungstatsachen“ und „Gesetzesaussagen“ bestehen Relationen, die man als real ansehen muss, wenn man Aussagen als wahr anerkennen will.

Für Nominalisten wie Wilhelm von Ockham war Bewegung ein Wort, mit dem die Menge der Positionen bezeichnet wird, die ein bewegter Körper einnimmt. Für Isaac Newton war Bewegung demgegenüber eine eigenständige Form mit einer eigenständigen Qualität. Anhand des Pfeil-Paradoxons von Zenon von Elea untersuchte Russell den mathematischen Charakter von Bewegung. Eine gleichförmige Bewegung ist als lineare Funktion darstellbar, sodass eine Quantifizierung für jede Position des Pfeils während des Fluges möglich ist. Bewegung wäre danach eine Qualität (Eigenschaft) zweiten Grades und könnte nominalistisch interpretiert werden. Berücksichtigt man jedoch zusätzlich Beschleunigung, ergibt sich eine nichtlineare Beziehung, in der die Kräfte als Vektoren zusätzlich zu berücksichtigen sind. Die mathematische Darstellung dieses Sachverhalts erfordert eine Funktion, in der die Stetigkeit als Axiomvorausgesetzt wird. Stetigkeit setzt aber die Dichtheit rationaler Zahlen voraus, bei denen zwischen zwei noch so kleinen Werten eine unendliche Anzahl von Zwischenwerten liegt. Danach wäre Bewegung nicht nur ein Sammelbegriff, sondern eine eigene Entität.

Russell beschäftigte sich ähnlich wie Peirce mit der Frage des Kontinuums, kam aber zu dem Schluss, dass ein Kontinuum aus der Sinnenwelt nicht ableitbar ist, weil es nur Korrelationen verschiedener (partikularer) Sinneseindrücke gibt. Als Schüler von Peirce wandte John Dewey hiergegen ein, dass die Annahme einzelner Sinneseindrücke bereits eine Realität voraussetze und einzelne Wahrnehmungen zu einer höheren umfassenderen Ebene eines Kontinuums zu rechnen sind.

Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno wollte das Universalienproblem nicht von der Rechtsphilosophie trennen und setzte es aus der Perspektive einer „gescheiterten Aufklärung“ in der Zeit des Nationalsozialismus in einen sozialgeschichtlichen Zusammenhang: Der Nominalismus sei der „Prototyp bürgerlichen Denkens“, bei dem äußerliche Formen die Oberhand über Inhalte bekämen und das Unrecht geschehen könne, wenn es nur formaljuristisch korrekt sei. Die „selbsterhaltende List“ der Beamten sei es, die „zwischen Wort und Sache“ unterscheiden wolle.[12]

Gegenwartsphilosophie

Ein bekannter Vertreter des Universalienrealismus in der Gegenwartsphilosophie ist David Armstrong. Wie bei Aristoteles gibt es Universalien nur in Verbindung mit den Einzeldingen. „Das Allgemeine ist im Einzelnen.“ Armstrong vertritt zugleich einen strengen physikalistisch begründeten naturwissenschaftlichen Realismus. Naturgesetze bezeichnet er als Universalien, die die objektiven Strukturen der Natur beschreiben. Sie sind Relationen einer höheren Ordnung, die den Zusammenhang zwischen universellen Eigenschaften beschreiben.[13]

Im Gegensatz zu Armstrong vertrat Roderick Chisholm in der Erkenntnistheorie eine idealistische Position. Dennoch hielt er Universalien für real. Anknüpfend an die Auffassung von Franz Brentano über die Intentionalität war Chisholm der Meinung, dass alles real ist, worauf sich Intentionen richten können.[14]

Als wichtiges Argument für den Universalienrealismus wird in der modernen Philosophie häufig vorgebracht, dass Aussagen, in denen Universalien vorkommen, „wahr“ oder „falsch“ sein können. Als „Wahrmacher“ (truth maker) werden Universalien daher benötigt.

Nominalistische Positionen der Moderne

Analytische Sprachphilosophie

Mit dem Linguistic Turn und der Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts setzte sich eine stark nominalistische Position durch. Insbesondere im Neopositivismus des Wiener Kreises wurde Erkenntnis auf die sinnlich wahrnehmbaren Einzeldinge beschränkt. Entsprechend war man der Auffassung, dass die Bedeutung von Begriffen und Aussagen ausschließlich auf die Erfahrung zurückzuführen ist. Vor allem Carnap und der frühe Wittgenstein wollten alle Begriffe auf phänomenalistische Grundbegriffe zurückführen und hieraus eine rein nominalistische Sprache entwickeln. Aus dieser Sicht gibt es für Allgemeinbegriffe außerhalb des Bewusstseins keine Bezugsgrößen (Designate). Klassen sind nichts Reales, sondern Zusammenfassungen in Gedanken.

Gesetzesaussagen werden deshalb als bloße syntaktische Regeln ohne Wahrheitswerte (bei Hermann Weyl, Frank Plumpton Ramsey u. a.) oder als bloße Hypothesen (bei Moritz Schlick, Karl Popper u. a.) aufgefasst.

Ludwig Wittgenstein

Wittgenstein hat in den Philosophischen Untersuchungen einen Teil seiner früheren Auffassungen zwar verändert, hielt aber weiterhin an einem Nominalismus fest. Begriffe beruhen auf Regularitäten im menschlichen Handeln. Ihre Bedeutung ergibt sich aus ihrem Gebrauch. Allgemeinheiten kann man als Familienähnlichkeiten bezeichnen. So zeigt die Analyse des Gebrauchs für den Begriff „Spiel“, dass es nicht möglich ist, das Allgemeine dieses Begriffs auf einen exakten, einheitlichen Punkt zu bringen. Sprache versuchte er als ein Sprachspiel bestehend aus einer Vielzahl unterschiedlicher Sprachspiele zu beschreiben.

Diese sprachbezogene Auffassung Wittgensteins ist eine moderne Formulierung des reinen Nominalismus von Berkeley, die man als Ähnlichkeitsnominalismus bezeichnen kann. Andere Interpreten sehen darin eine Ablehnung des Universalienproblems als Scheinproblem, ähnlich wie Carnap dies getan hatte. Wittgenstein sah die Familienähnlichkeiten auch im Zahlbegriff: „Wir dehnen unseren Begriff der Zahl aus, wie wir beim Spinnen eines Fadens Faser an Faser drehen. Und die Stärke des Fadens liegt nicht darin, dass irgendeine Faser durch seine ganze Länge läuft, sondern dass viele Fasern einander übergreifen.“[15]

W. V. O. Quine

Quine untersuchte das Universalienproblem mit den Mitteln der Quantorenlogik.[16] So muss man für eine präzise Handhabung den Satz „Dies ist eine rote Rose“ in der Weise lesen:

Es gibt ein X, für das gilt: X ist eine Rose und X ist rot.

X wird als gebundene Variable bezeichnet. Durch die Umformulierung erreicht man, dass Begriffe nur als Namen eines Gegenstandes verwendet werden. Quines These lautet, dass auch Prädikate grundsätzlich als logische Subjekte formulierbar und als Variablen in die logische Aussageform überführbar sind. Doch entscheidend ist, welcher Begriff als Wert für die Variable einsetzbar ist. Der Nominalist wird fordern, dass der Gültigkeitsbereich der Variablen auf Begriffe beschränkt wird, die auch tatsächlich als Namen umformulierbar sind. Der Platoniker wird hingegen die Formel für Begriffe wie „Wert“, „Seiendes“, oder „Variable“ in Anspruch nehmen wollen.

Die analytisch formulierte Weise des Universalienproblems bringt zwar Präzisierung, liefert aber weiterhin kein Entscheidungskriterium für das Problem. Der Platoniker kann weiter sagen, dass mit dem Sprechen über Universalien deren Existenz bereits anerkannt ist. Ebenso kann der Nominalist darauf verweisen, dass Allgemeines kein Gegenstand sein kann, weil ein solcher Begriff ja bis zum infiniten Regress wieder Teil eines anders gearteten Allgemeinen sein kann. Quine zog die Schlussfolgerung, dass in bestimmten Anwendungsbereichen der Mathematik und der Logik „Klassen“ nicht verzichtbar sind. Solche Begriffsebenen entstehen aber durch menschliche Konstruktionen und werden nicht etwa entdeckt. Er bezeichnete seine Position als konzeptualistisch im Gegensatz zum platonischen Realismus.[17]Nominalismus bezeichnete er als Agnostizismus gegenüber einer Unendlichkeit von Entitäten.

Peter Strawson, Nelson Goodman

Eine kritische Position gegenüber Quine entwickelte Peter Frederick Strawson, der auf einen aus seiner Sicht wesentlichen Funktionsunterschied zwischen Begriffen für Einzelnes und Besonderes hinwies.[18] Singuläre Begriffe haben die Aufgabe, konkrete Objekte zu identifizieren. Allgemeine Begriffe werden in Aussagen verwendet, in denen die Existenz bereits unterstellt wird. Sie haben keine „identifizierende Referenz“.

Prädikate in Aussagesätzen können sich auf verschiedene Subjekte beziehen, je nachdem, was der Fall ist. Prädikate sind daher immer allgemeiner als Subjekte. Deshalb ist eine konsequente Ersetzung von Prädikaten durch „logische Subjekte“ nicht möglich. Aussagen über Einzelnes sind nur aufgrund empirischer Tatsachen möglich. Die Auffassung von Allgemeinem als „logischem Subjekt“ setzt voraus, dass es Identifikationssysteme gibt, in denen Bezüge zu raum-zeitlichen Einzeldingen hergestellt werden können.

Nelson Goodman vertritt einen so genannten mereologischen Nominalismus, nach dem es nicht zulässig ist, aus individuellen Grundelementen unendliche Ketten neuer Entitäten zu bilden. Nach dieser Auffassung sind die Möglichkeiten der Mengenlehre formal eingeschränkt. Dies ergebe sich aus dem Prinzip, dass von mehreren zutreffenden Theorien die einfachste zu bevorzugen ist (Ockhams Rasiermesser).

Vilém Flusser

Vilém Flusser sah das Universalienproblem kulturkritisch im Zusammenhang mit der Entwicklung der Informationstechnologie. Der Buchdruck habe den Universalienstreit zu Gunsten der Realisten entschieden, denn er habe bewusst gemacht, dass Schrift aus Typen bestehe und diese Typen greifbar gemacht. Das spekulative Denken sei in der Folge zu einem handfesten Manipulieren von Zeichen geworden, und die modernen Universalien hätten sich von der Ebene des Begrifflichen auf diejenige der praktisch geformten Typen verlagert, weil man an „Atompartikel“, „Gene“, „Völkertypen“ oder „Gesellschaftsklassen“ glaube. Positivisten und Phänomenologen seien dagegen die modernen Nominalisten.[19]

Philosophie der Mathematik

Die klassische Auffassung in der Philosophie der Mathematik ist ein Universalienrealismus, nach dem die Gegenstände der Mathematik eine eigenständige Existenz besitzen und nicht erfunden, sondern entdeckt werden. Die Realisten sind sich allerdings nicht einig darüber, wie und wie weitgehend der Mensch fähig ist, zu diesen Universalien vorzudringen. Aus der Sicht des Formalismus, der von Hilbert begründet wurde, oder des Logizismus von Frege (siehe auch: Begriffsschrift) ist eine systematische Annäherung möglich. Für Gödel ist es dagegen die Intuition, die es den Mathematikern erlaubt, ihren Universalien näher zu kommen.

Als Gegenbewegung im 20. Jahrhundert entstehen nominalistische Auffassungen: Die Konstruktive Mathematikbeschränkt den Existenzbegriff auf konstruierbare Objekte. Der Intuitionismus vertritt die Ansicht, dass Wahrheit erst im Prozess der Verifizierung entsteht. Diese Ansätze wurden von L.E.J. Brouwer begründet und unter anderen von Paul Lorenzen ausgearbeitet. Sie gehen davon aus, dass die Gegenstandsbereiche der Mathematik durch schrittweise Entwicklung von Theorien erfunden werden. Die Gewohnheit bestätigt dann, dass die Voraussetzungen sinnvoll sind.

Gödel vermittelte zwischen klassischen und intuitionistischen Standpunkten. Wenn mit der Entwicklung von Theorien die Vorstellung verbunden wird, dass die durch menschliche Leistungen entstandenen Allgemeinbegriffe eine semantische Existenz haben, wird auch hier der Begriff des Konzeptualismus verwendet. So Quine in seinem Aufsatz Was es gibt. Diese Terminologie wird später von Wolfgang Stegmüller aufgenommen.

Theologische Positionen in der orthodoxen Theologie

Die orthodoxe Theologie des frühen 20. Jahrhunderts, die beherrscht wurde von der Auseinandersetzung um die Imjaslavie-Bewegung, die Verehrung des Namens Gottes, lässt sich auch vor dem Hintergrund des Universalienstreits der Scholastik verstehen. Michael Hagemeister[20] benutzt jedenfalls diese Terminologie, um die Position des Imjaslavcy Pavel Florenskij zu charakterisieren.

  1. ↑ Charles S. Peirce: Naturordnung und Zeichenprozess, hrsg. und eingeleitet von Helmut Pape, Suhrkamp, Frankfurt 1998, S. 378–399 (MS 439 von 1898), hier: Fußnote von Pape, S. 393
  2. ↑ Peirce, ebd.
  3. ↑ Peirce, ebd. S. 395
  4. ↑ Peirce, ebd. S. 399
  5. ↑ Peirce, ebd. S. 396
  6. ↑ Husserl, Logische Untersuchungen, Band II, 1. Teil, Halle 1928, S. 189
  7. ↑ Husserl, Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, erstes Buch 1913, S. 14
  8. ↑ Nicolai Hartmann: Zur Grundlegung der Ontologie, Berlin 1935, S. 38.
  9. ↑ Bertrand Russell: Probleme der Philosophie, Suhrkamp, Frankfurt 1967
  10. ↑ Bertrand Russell: Probleme der Philosophie, Suhrkamp, Frankfurt 1967, S. 85
  11. ↑ Bertrand Russell: Unser Wissen von der Außenwelt (nach den Lowell Lectures von 1914), hrsg. und eingeleitet von Michael Otte, Meiner, Hamburg 2004
  12. ↑ Theodor W. Adorno, Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, in: Adorno: Gesammelte Schriften, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997, Bd. 3 S. 79.
  13. ↑ Vgl. David M. Armstrong: Universals – An Opinionated Introduction, Westview Press, Boulder 1989, S. 139
  14. ↑ Vgl. Roderick Chisholm: A Realistic Theorie of Categories – An Essay on Ontology, Cambridge University Press, Cambridge 1996
  15. ↑ Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, § 67
  16. ↑ Vgl. die grundlegenden Aufsätze Quines in Wolfgang Stegmüller (Hrsg.): Das Universalien-Problem: „Über Universalien“ (1947), „Was es gibt“ (1948), „Semantik und abstrakte Gegenstände“ (1951), „Logik und die Verdinglichung von Universalien“ (1953) und „Bezeichnung und Modalität“ (1953)
  17. ↑ Quine in Stegmüller, Logik und Verdinglichung von Universalien, S. 158
  18. ↑ Strawson: Einzelding und logisches Subjekt, insbesondere Kapitel 8 (Logische Subjekte und Existenz)
  19. ↑ Vilém Flusser: Die Schrift. Hat Schreiben Zukunft?, Göttingen: European Photography, 5. Aufl. 2002, S. 51
  20. ↑ Michael Hagemeister. Florenskij Rezeption. Abgerufen am 4. Januar 2022.