-ung
ung | un + ge | -ung, -unge, -ungen; "nicht gehn", "fortbestehend"; von einem Dasein oder Daseinszustand ausgehend zu einem anderen hinführend, hinleitend, wandelnd, verändernd …; eher auf fortbestehendes Tun, Tätigkeit beruhender Umstand; Umstand der ein Tun, eine Tätigkeit bedingt, im Gegensatz zu bspw. - heit, welches eher ein Sein bedingt, wie in Angelegenheit, Weisheit … und -keit, welches eher ein Sein, wie in Aufmerksamkeit, Sparsamkeit … bedingt (21. Jh. ndt.);
Wortwandel
ger. -inga und -unga, engl. -ing
Im Gegensatz zur Hauptwortbildung mittels Grundwort verdeutlichen auf -ung endende Wörter häufig Fortbestehen eines Dasein oder Daseinszustand aufgrund einer Tätigkeit; Beispielsweise Grundwort leit im Wort leiten mit -ung zu Leitung wird, dem Dasein, dass ein leiten fortbestehend ist, ein Leiter als Leitung fortbestehendes leiten ermöglicht; setzt man um- davor erhalten wir umleit, umleiten, Umleiter, Umleitung, eine Leitung, die nicht den eigentlichen, unmittelbaren Weg für eine unbestimmte oder bestimmte Zeitdauer fortbestehend beibehält; (21. Jh. ndt.).
Im Althochdeutschen fand sich -ing bei Gegenständen und -unga (eher) bei Begriffen;
Als Wortanhang zur lateinischen Nachsilbe -tion ersetzt die Endung -ung dieses bei der Übersetzung von Fremdwörtern, die oft als lateinischstämmige, griechischstämmige Fachbegriffe im wissenschaftlichen und technischen Bereich verwendet werden und keine allgemeine Verbreitung in der Alltagssprache haben (16. Jh. adt.)
Im Mittelhochdeutschen wird von -unga zu -unge reduziert, wird es hauptsächlich zur Ableitung von Worten (wortableitende Begriffsbildung) eingesetzt, steht aber als Mitläufer zu anderen Wortbildungsmustern.
Die Endsilbe
- ahd. -unga,
- mhd. -ung, -unge
- entwickelte sich aus den im Germanischen beilaufenden vorkommenden Endungen -inga und -unga,
- uger. *-ingō, *-ungō,
- uwger. -ingu, -ungu,
- aengl. -ing, -ung,
- engl. -ing,
- sfris. -enge,
- wfris. -ing,
- nl. -ing,
- nd. -ing, -ink,
- swd. -ing,
- isl. -ing
- uger. *-ingō, *-ungō, *-ōngō, gleich zu *-ōną "-en" + *-gō; "-ge"; möglicherweise verwandt mit lat. undus
-ung
Bedeutungen:
- häufig benutztes Suffix zur Bildung von Substantiven vorwiegend aus Verben
- [1] Nomen Actionis: Geschehen, Vorgang des verbalen Wortstammes
- [2] Nomen Acti: tatsächlich/oft physisch existierendes Ergebnis des Vorganges [1], bei transitiven Verben das grammatische Objekt des Verbs nach vollzogener Handlung
Herkunft:
- Das Suffix -ung entwickelte sich aus den im Germanischen parallel vorkommenden Endungen -inga und -unga (einen Sonderweg schlug von dort die Entwicklung des Englischen ein, die zur Verlaufsform der Verben, Bildung mit -ing, führte);
- im Althochdeutschen fand sich -ing bei Konkreta und -unga (eher) bei Abstrakta;
- im Mittelhochdeutschen zu -unge reduziert, wird es hauptsächlich zur Ableitung von Verben (deverbale Abstraktbildung) eingesetzt, steht aber in Konkurrenz zu anderen Wortbildungsmustern.[1]
- Als Pendant zum lateinischen Suffix -tion ersetzt die Endung -ung dieses bei der Übersetzung von Fremdwörtern, die oft als griechisch-/lateinischstämmige Fachbegriffe im wissenschaftlichen und technischen Bereich verwendet werden und keine allgemeine Verbreitung in der Alltagssprache haben.[Quellen fehlen]
- Im Gegensatz zur Substantivierung mittels Infinitivform des Stammverbums betonen auf -ung endende Wörter häufig das Kontinuierliche, Bestehende einer Bedeutung.[Quellen fehlen]
Sinnverwandte Wörter:
-ung[1]
- eine sowohl in der Deutschen, als den damit verwandten Sprachen,
- sehr alte Ableitungssylbe,
- welche an verschiedene Wörter gesetzet wird, Hauptwörter daraus zu bilden.
- Diese Wörter sind,
1. Nennwörter, und zwar,
- Beywörter,
- deren Anzahl doch die kleinste ist,
- wo -ung
- theils eine Gegend zu bezeichnen scheinet,
- wie in Freyung, von frey, eine befreyete Gegend,
- theils einen Zustand,
- wie Theurung, von theuer,
- theils ein Ding, ein Individuum,
- wie Quittung, von quitt.
- theils eine Gegend zu bezeichnen scheinet,
- wo -ung
- Indessen können auch diese und die ihnen ähnlichen Wörter dieser Art
- von den Zeitwörtern freyen, theuren, quitten u.s.f. abstammen.
- deren Anzahl doch die kleinste ist,
- Hauptwörter, und hier bezeichnet sie.
- (a) Eine Gegend, einen Raum.
- Waldung, eine mit Wald bewachsene Gegend;
- Holzung, eine mit Holz bewachsene Gegend;
- Hutung, ein zur Hut bestimmter Raum;
- Feldung, eine aus Feldern bestehende Gegend;
- Stallung, ein mit Ställen bebaueter Ort;
- die Markung, eine zur Mark oder Flur gehörige Gegend;
- das bergmännische Losung, ein leerer Raum, S. 1. Losung.
- (b) Ein Ding, Individuum,
- von welchem die erste Hälfte der Zusammensetzung gesagt wird;
- Hornung, Mastung, was Mast gibt;
- die Mündung, wenn dieses nicht von einem veralteten Zeitworte münden abstammet;
- das Oberdeutsche Mehrung, ein Canal, welches aber auch die Ableitung von einem Zeitworte mehren leidet,
- u.s.f.
- von welchem die erste Hälfte der Zusammensetzung gesagt wird;
- (a) Eine Gegend, einen Raum.
2. Zeitwörter, und zwar
- deren Infinitiv, Abstracta daraus zu bilden,
- d.i. eine Handlung und den darin gegründeten Zustand zu bezeichnen.
- Der Wörter dieser Art
- ist eine große Menge,
- indessen lassen sich doch nicht von allen Zeitwörtern solche Hauptwörter auf -ung bilden.
- Die Abkürzung, Änderung, Anfechtung, Anführung, Bändigung, Befestigung, Befreyung, Begnadigung, Bekräftigung, Belohnung, Bemäntelung, Bestellung, Bestrafung, Entschuldigung, Erziehung, Eroberung, Handlung, Krönung, Prüfung, Salbung, Warnung
- u.s.f.
- von abkürzen, ändern, anfechten, anführen, bändigen
- u.s.f.
- Es wird in solchen Fällen
- nur die eigenthümliche Sylbe des Infinitivs -en oder -n weggeworfen,
- und dafür -ung angehänget.
- Einige wenige haben noch einige andere Veränderungen erlitten;
- wie Nahrung von nähren,
- oder vielmehr von einem veralteten Zeitworte nahren,
- Handlung für Handelung,
- Löhnung von lohnen.
- wie Nahrung von nähren,
- Der Sprung gehöret nicht hierher, zumahl da es, wider die Natur aller dieser Wörter, männlichen Geschlechtes ist.
- Die nächste und eigentliche Bedeutung dieser von Zeitwörtern gebildeten Hauptwörter
- ist die Handlung des Zeitwortes, als ein Individuum zu bezeichnen.
- Es scheinet aber, daß diese Bedeutung
- wiederum eine Figur der Bedeutung eines Dinges, eines Individui ist,
- welche noch in vielen Wörtern dieser Art die herrschende ist.[3]
- Es scheinet aber, daß diese Bedeutung
- ist die Handlung des Zeitwortes, als ein Individuum zu bezeichnen.
Anm.
Alle diese mit -ung zusammen gesetzte Wörter
- sind weiblichen Geschlechtes;
- denn der Sprung gehöret, wie schon bemerket worden, nicht hierher.
- Diese Ableitungssylbe -ung
- ist mit der Sylbe -ing sehr nahe verwandt,
- und allem Ansehen nach von derselben nur in der Mundart verschieden.
- Daher werden -ing und -ung noch jetzt in einigen Mundarten häufig verwechselt.
- Was die Böttcher in einigen Gegenden die Kimmung nennen, heißt in andern die Kimming.
- Die Nahrung heißt im Dänischen Näring.
- Doch findet sich in den Ableitungen
- von Zeitwörtern
- die Form -ing nur selten, am häufigsten -ung,
- dagegen Nennwörter
- eben so oft -ing, als -ung an sich nehmen.
- von Zeitwörtern
- Siehe -ing,
- ist mit der Sylbe -ing sehr nahe verwandt,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 850-851. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000486566; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 850 | 851; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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