Reis
Reis2 | rei + -s | n. ‘junger Trieb, dünner Zweig, Schößling’, auch Kurzform für Pfropfres, Setzreis, Senkreis. Ahd. hrīs, rīs (8. Jh.), mhd. mnd. rīs, asächs. aengl. hrīs, mnl. nl. rijs, afries. rīs ‘Reis, Zweig’, anord. hrīs ‘Gesträuch, Gestrüpp, Wald’, norw. schwed. ris (ger.*hreisa-) ist verwandt mit asächs. hrissian ‘zittern, beben’, aengl. hrisian ‘schütteln, bewegen, erschüttert werden, klirren’, got. afhrisjan, ushrisjan ‘abschütteln’ und bedeutet demnach etwa ‘was sich schüttelnd, schwingend, vibrierend bewegt’, so daß man darin zunächst den ‘schwingenden, sich biegenden Zweig’ zu sehen hat.
Reis gehört mit Rispe und lat. crīnis (aus *crisnis) ‘(Haupt)haar’, crista ‘Kamm am Tierkopf, Helmbusch’ (deren ursprüngliche Bedeutung etwa ‘sich Schüttelndes, Zitterndes, Wallendes’), apreuß. craysi ‘Halm’, crays Plur. ‘Heu’, mir. cressaim ‘schüttle, schwinge’ zu uig. *(s)kreis-, besonders ‘in vibrierender Bewegung sein, (sich) schütteln’, einer s-Erweiterung von uig. *(s)krei-, seinerseits Erweiterung der Wurzel uig.*(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ (wozu mit anderen Erweiterungen schräg, Schrank, Schranke, Ring, Runge, schreiten, Rücken, s. d.; s. auch Reisig).