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j

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. Dezember 2023 um 14:15 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

j (Jod)

j, J[1]

[2]J, welches

  • wenn es das Zeichen eines Mitlautes ist, Jod genannt wird,
    • ist, wenn man den vorigen Selbstlaut j besonders zählet,
      • der zehente Buchstab des Deutschen Alphabetes.[Anm. KF 1]
  • Man unterscheidet ihn in der kleinern Schrift von dem vorigen
    • durch den nach unten zu verlängerten Strich j,
    • #in der größern aber ist zwischen ihm und dem vorigen Selbstlaute noch kein Unterschied eingeführet,
      • obgleich solches sehr leicht seyn würde.
    • Man hat daher hier einen Versuch gemacht, den Consonant J von dem Vocal I zu unterscheiden.
      • Vermuthlich ist dieser Unterschied darum unterlassen worden,
        • weil man glaubte, das Jod sey durch seinen Stand hinlänglich von dem I unterschieden,
          • weil es zu Anfange eines Wortes
            • alle Mahl einen Vocal, der Selbstlaut I
            • aber alle Mahl einen Consonanten nach sich hat.
        • Um diesen Unterschied durch nichts zu unterbrechen,
          • pflegt man auch das selbstlautende lange I zu Anfange eines Wortes niemahls ie zu schreiben,
            • weil es sonst je lauten würde;
              • Isopp, nicht Iesopp.
              • In ihm, ihn, ihr, ihnen ist statt des ie ein ih angenommen worden.

Hieraus erhellet zugleich,

  • daß diejenigen Unrecht haben,
    • welche je, jeder, jemahls, jemand, jetzt u.s.f.
      • ie, ieder, iener, iemahls, iemand, itzt schreiben,
      • und ih, ihder, ihner, ihmahls, ihmand, itzt, sprechen;
      • eine Sprechart,
        • welche den Oberdeutschen eigen ist,
        • aber in Obersachsen wirklich nicht so häufig angetroffen wird,
          • als uns manche Sprachlehrer bereden wollen.
      • Herr Rector Heinz hält diese Sprechart für die richtige,
        • und glaubt, das j stamme von der unrichtigen Schreibart der Mönche her.
        • Aber ist es wohl wahrscheinlich,
          • daß ein Paar Mönche im Stande seyn sollten,
            • die herrschende Aussprache einer ganzen großen Nation zu bestimmen?
        • Die schmelzendere Aussprache mit dem Jod
          • stammet in diesen und andern Fällen zunächst aus Niedersachsen her,
          • und ist im Hochdeutschen allgemein.
          • Im Oberdeutschen hat das ie und i den Vorzug.

Was die Aussprache dieses Buchstabens betrifft,

  • so ist er der weichste unter den Gaumenbuchstaben,
    • welcher entstehet, wenn sich die Zunge hinten an den Gaumen leget;
  • ein Laut, welcher ganz natürlich entstehet,
    • wenn der Selbstlaut i mit einem andern Selbstlaute zusammen schmelzet;
      • daher Lilie, Petersilie, Linie, Pinie u.s.f.
      • im geschwinden Sprechen häufig Lilje, Petersilje, Linje, Pinje lauten.
    • Die Franzosen sprechen das Jod wie sch, die Engländer aber wie dsch aus. Journal, Schirrnal, James, Dschemes.

Die Niedersächsische Mundart,

  • welche unter allen die weichste und zärtlichste ist,
    • macht von diesem Laute einen vorzüglich starken Gebrauch.
    • Besonders schiebt sie ihn dem h und den stärkern Gaumenlauten g und ch unter.
      • Glöjen, glühen, bröjen, brühen, jähnen, Jäscht, jälfern, jappen, jegen, Jegene, Jicht, jähren, für gähnen, Gäscht, gälsern, gaffen, gegen, Gegend, gähren;
      • dagegen sie gunnen für jener, und gunsiet für jenseit spricht und schreibt.
  • Viele Niedersachsen bringen diesen weichen Laut mit in das Hochdeutsche,
    • und daher rühret es auch,
      • daß Herr Heynatz, ein Märker, jähnen, jäschen und Jäscht geschriehen haben will,
        • welches wider die reine Hochdeutsche Aussprache streitet.
        • Jähe ist zweifelhaft, oder vielmehr,
          • es ist gleichgültig, ob man gähe oder jähe schreibet,
          • weil beydes gleich üblich ist,
          • obgleich das erstere den Vorzug zu verdienen scheinet.[3]
Die Hochdeutschen Abstracta auf e und ey,
  • endigen sich in Niedersachsen gern auf ije und je;
    • Gachelije, Gaukeley, Horije, Hurerey, Koopfaardije, Kauffahrdey, Kibbelije, Kampeley, Häpje, Hoffnung, gleichsam Hoffe.
  • So wie auch einige Diminutiva
    • statt des Hochdeutschen -chen daselbst auf -ja gemacht werden.
      • Götje, Gottfriedchen,
      • Greetje, Gretchen,
      • Kliitjes, Klößchen,
      • Grapjes, Grillen, Holtjes, Holzäpfel;
      • obgleich das -ken in andern Fällen üblicher ist.
    • Eben so häufig wird es den Selbstlautern zu Anfange einer Sylbe müßig vorgesetzt.
      • Hötjer, Hüter, Hutmacher, jik, euch, jummer, immer, ju, ji, ihr, Jidder, Guter.

Das letztere ist mehrern so wohl ältern als neuern mitternächtigen Sprachen und Mundarten eigen.

  • Jup stehet bey dem Ulphilas für up, auf,
  • für aeta, sagen die Schweden jaeta,
  • für efa, zweifeln, jefa,
  • für Earl Jarl u.s.f.
  • Auch die Hoch- und Oberdeutsche Mundart ist nicht frey davon;
    • denn in Jahr, Joch, jung, je u.a.m. ist das j ein bloßer müßiger Vorsatz,
      • so wie es in vielen andern in die härtern Gaumenlaute g, ch und k übergegangen ist.
      • S. diese Buchstaben.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1405-1406. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000249807; Lizenz: Gemeinfrei;Faksimiles: 1405 | 1406; Kategorien: Lexikalischer Artikel
  2. ↑ [1405]
  3. ↑ [1405]


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