j
Erscheinungsbild
j (Jod)
j, J[1]
[2]J, welches
- wenn es das Zeichen eines Mitlautes ist, Jod genannt wird,
- ist, wenn man den vorigen Selbstlaut j besonders zählet,
- der zehente Buchstab des Deutschen Alphabetes.[Anm. KF 1]
- ist, wenn man den vorigen Selbstlaut j besonders zählet,
- Man unterscheidet ihn in der kleinern Schrift von dem vorigen
- durch den nach unten zu verlängerten Strich j,
- #in der größern aber ist zwischen ihm und dem vorigen Selbstlaute noch kein Unterschied eingeführet,
- obgleich solches sehr leicht seyn würde.
- Man hat daher hier einen Versuch gemacht, den Consonant J von dem Vocal I zu unterscheiden.
- Vermuthlich ist dieser Unterschied darum unterlassen worden,
- weil man glaubte, das Jod sey durch seinen Stand hinlänglich von dem I unterschieden,
- weil es zu Anfange eines Wortes
- alle Mahl einen Vocal, der Selbstlaut I
- aber alle Mahl einen Consonanten nach sich hat.
- weil es zu Anfange eines Wortes
- Um diesen Unterschied durch nichts zu unterbrechen,
- pflegt man auch das selbstlautende lange I zu Anfange eines Wortes niemahls ie zu schreiben,
- weil es sonst je lauten würde;
- Isopp, nicht Iesopp.
- In ihm, ihn, ihr, ihnen ist statt des ie ein ih angenommen worden.
- weil es sonst je lauten würde;
- pflegt man auch das selbstlautende lange I zu Anfange eines Wortes niemahls ie zu schreiben,
- weil man glaubte, das Jod sey durch seinen Stand hinlänglich von dem I unterschieden,
- Vermuthlich ist dieser Unterschied darum unterlassen worden,
Hieraus erhellet zugleich,
- daß diejenigen Unrecht haben,
- welche je, jeder, jemahls, jemand, jetzt u.s.f.
- ie, ieder, iener, iemahls, iemand, itzt schreiben,
- und ih, ihder, ihner, ihmahls, ihmand, itzt, sprechen;
- eine Sprechart,
- welche den Oberdeutschen eigen ist,
- aber in Obersachsen wirklich nicht so häufig angetroffen wird,
- als uns manche Sprachlehrer bereden wollen.
- Herr Rector Heinz hält diese Sprechart für die richtige,
- und glaubt, das j stamme von der unrichtigen Schreibart der Mönche her.
- Aber ist es wohl wahrscheinlich,
- daß ein Paar Mönche im Stande seyn sollten,
- die herrschende Aussprache einer ganzen großen Nation zu bestimmen?
- daß ein Paar Mönche im Stande seyn sollten,
- Die schmelzendere Aussprache mit dem Jod
- stammet in diesen und andern Fällen zunächst aus Niedersachsen her,
- und ist im Hochdeutschen allgemein.
- Im Oberdeutschen hat das ie und i den Vorzug.
- welche je, jeder, jemahls, jemand, jetzt u.s.f.
Was die Aussprache dieses Buchstabens betrifft,
- so ist er der weichste unter den Gaumenbuchstaben,
- welcher entstehet, wenn sich die Zunge hinten an den Gaumen leget;
- ein Laut, welcher ganz natürlich entstehet,
- wenn der Selbstlaut i mit einem andern Selbstlaute zusammen schmelzet;
- daher Lilie, Petersilie, Linie, Pinie u.s.f.
- im geschwinden Sprechen häufig Lilje, Petersilje, Linje, Pinje lauten.
- Die Franzosen sprechen das Jod wie sch, die Engländer aber wie dsch aus. Journal, Schirrnal, James, Dschemes.
- wenn der Selbstlaut i mit einem andern Selbstlaute zusammen schmelzet;
Die Niedersächsische Mundart,
- welche unter allen die weichste und zärtlichste ist,
- macht von diesem Laute einen vorzüglich starken Gebrauch.
- Besonders schiebt sie ihn dem h und den stärkern Gaumenlauten g und ch unter.
- Glöjen, glühen, bröjen, brühen, jähnen, Jäscht, jälfern, jappen, jegen, Jegene, Jicht, jähren, für gähnen, Gäscht, gälsern, gaffen, gegen, Gegend, gähren;
- dagegen sie gunnen für jener, und gunsiet für jenseit spricht und schreibt.
- Viele Niedersachsen bringen diesen weichen Laut mit in das Hochdeutsche,
- und daher rühret es auch,
- daß Herr Heynatz, ein Märker, jähnen, jäschen und Jäscht geschriehen haben will,
- welches wider die reine Hochdeutsche Aussprache streitet.
- Jähe ist zweifelhaft, oder vielmehr,
- es ist gleichgültig, ob man gähe oder jähe schreibet,
- weil beydes gleich üblich ist,
- obgleich das erstere den Vorzug zu verdienen scheinet.[3]
- daß Herr Heynatz, ein Märker, jähnen, jäschen und Jäscht geschriehen haben will,
- und daher rühret es auch,
Die Hochdeutschen Abstracta auf e und ey,
- endigen sich in Niedersachsen gern auf ije und je;
- Gachelije, Gaukeley, Horije, Hurerey, Koopfaardije, Kauffahrdey, Kibbelije, Kampeley, Häpje, Hoffnung, gleichsam Hoffe.
- So wie auch einige Diminutiva
- statt des Hochdeutschen -chen daselbst auf -ja gemacht werden.
- Götje, Gottfriedchen,
- Greetje, Gretchen,
- Kliitjes, Klößchen,
- Grapjes, Grillen, Holtjes, Holzäpfel;
- obgleich das -ken in andern Fällen üblicher ist.
- Eben so häufig wird es den Selbstlautern zu Anfange einer Sylbe müßig vorgesetzt.
- Hötjer, Hüter, Hutmacher, jik, euch, jummer, immer, ju, ji, ihr, Jidder, Guter.
- statt des Hochdeutschen -chen daselbst auf -ja gemacht werden.
Das letztere ist mehrern so wohl ältern als neuern mitternächtigen Sprachen und Mundarten eigen.
- Jup stehet bey dem Ulphilas für up, auf,
- für aeta, sagen die Schweden jaeta,
- für efa, zweifeln, jefa,
- für Earl Jarl u.s.f.
- Auch die Hoch- und Oberdeutsche Mundart ist nicht frey davon;
- denn in Jahr, Joch, jung, je u.a.m. ist das j ein bloßer müßiger Vorsatz,
- so wie es in vielen andern in die härtern Gaumenlaute g, ch und k übergegangen ist.
- S. diese Buchstaben.
- denn in Jahr, Joch, jung, je u.a.m. ist das j ein bloßer müßiger Vorsatz,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1405-1406. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000249807; Lizenz: Gemeinfrei;Faksimiles: 1405 | 1406; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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