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aus AufEinWort, der freien Forschung
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ü

ü, Ü[1]

[2]ü, ein einfacher Selbstlaut,
  • welcher die achte Stelle unter den Deutschen Selbstlauten verdienet,
  • ob er gleich, so wie seine Brüder ä und ö,
    1. von den meisten Sprachlehrern davon ausgeschlossen worden,[3]
    2. die sie bald Halb-Vocale, bald unreine Selbstlaute, bald gar Doppellaute nennen,
    3. ohne mit einer von diesen Benennungen einen bestimmten und deutlichen Begriff zu verbinden.
  • Er ist, wie das Französische u,
    • ein Mittellaut zwischen dem i und u,
      • wird aber in den Provinzen bald wie ein völliges i ausgesprochen,
        • wie das Minze, ibel, fir, Minch, hibsch der Schlesier und Pfälzer;
      • bald aber auch wie das tiefere u,
        • in dem Schuler, Zeugnuß, Rucken u.s.f.
          • vieler Oberdeutschen, deren rauhere Mundarten statt des Hochdeutschen ü gern ein tiefes u hören lassen.
    • Daß er ein einfacher Selbstlaut und kein Doppellaut ist,
      • erhellet unter andern auch daraus,
        • weil er bald gedehnt, bald geschärft ist;
          • ersteres in Mühe, Büßen, süß, trübe u.s.f. letzteres aber in müssen, Flüsse, Güsse, kürzer, Küche u.s.f.

Da

  • das Deutsche von den Lateinern erborgte Alphabet
    • kein Schriftzeichen hatte, diesen Laut auszudrucken,
      • so mußte man seine Zuflucht zu einem zusammen gesetzten nehmen.
    • Man wählte das u und setzte das i darneben,
      • oder auch wohl darüber, anzudeuten, daß das ü ein Mittellaut zwischen beyden wäre;
      • andere aber bedienten sich statt des i zu eben dem Ende des e,
        • und daher schrieb man das ü bald ui, iu, u, bald ue, bald ů,
        • und in der größern Schrift bald Ui, bald Ue.
  • Alle diese Schreibarten
    • haben den großen Haufen der Sprachlehrer,
      • die über das Äußere hinweg zu sehen nicht im Stande waren,
      • verleitet, diesen Selbstlaut für einen Doppellaut auszugeben,
        • weil sein Zeichen aus zwey Zeichen zusammen gesetzt war.
      • Sie haben aber auch noch die Unbequemlichkeit,
        • daß sie Ausländern und Unkundigen die Aussprache ungewiß machen,
        • weil Ui leicht wie der Schwäbische Doppellaut ui, z.B. uich für euch,
          • welchen doch die Hochdeutschen nicht kennen,
        • gelesen werden kann.
  • Am schicklichsten wäre es daher,
    • wenn das ü mit zwey Puncten sowohl in der größern als kleinern Schrift allgemeiner gemacht würde,
      • welches durch die Schriftgießereyen sehr leicht geschehen könnte.
      • Schon in dem zu Ulm 1483 gedruckten Buche Kelila und Dimma ist das ü mit zwey Strichlein über dem u angedeutet.
      • Siehe auch, was schon bey dem ä und ö von diesen Selbstlauten gesagt worden.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 730-731. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478857; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 730 | 731; Kategorien: Lexikalischer Artikel
  2. ↑ [730]
  3. ↑ [730]