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sch

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 29. Dezember 2023 um 17:30 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

s- + -c- + -h | Nf. g

[1]sch, Sch

[2]sch,

  • der volle oder grobe Zischlaut,
    • welcher vornehmlich Oberdeutschen, Mundart,
    • und auch hier manchen Provinzen mehr als andern eigen ist,
    • obgleich die Niederdeutschen ihn auch nicht ganz vermissen.
      • Indessen gebrauchen ihn diese nur vor einem Selbstlaute und vor dem r,
      • dagegen sie sich vor dem l, m, n und w,
        • wie ihre Nachbarn,
        • die weiter gegen Norden wohnenden Völkerschaften,
      • mit einem bloßen einfachen f begnügen,
      • und um deßwillen in dem Wohlklange vieles vor den Oberdeutschen voraus haben;
        • smecken für schmecken,
        • swart für schwarz,
        • sniden für schneiden.
    • Auch da,
      • wo die Oberdeutschen das einfache s wie ein sch hören lassen,
        • besonders vor dem p und t,
      • sprechen die Niederdeutschen nur ein einfaches s;
        • ob es gleich auch gröbere Mundarten unter ihnen gibt,
        • welche sogar das s vor der verkleinernden Endung -chen, in ein sch verwandeln;
          • Röschen für Röschen.
          • Siehe S, wo von dieser Aussprache mehr gesagt worden.
    • Die Westphalen
      • haben nebst den Holländern
        • und einigen nördlichen Völkerschaften
      • dieses Besondere,
        • daß sie auch da, wo sie ein sch haben,
          • es doch nicht zischend aussprechen können,
          • sondern das s und den Gaumenlaut besonders hören lassen;
            • Sgall für Schall, Fleisg für Fleisch, Sginken für Schinken.
  • Ottfried und seine Zeitgenossen
    • schreiben das sch gleichfalls häufig durch sg,
      • frenkisga zungun, Fränkische Sprache.

Dieser Zischlaut

  • ist sehr oft unmittelbar aus der Natur entlehnet; r
    • auschen ist ein anderer und stärker zischender Schall als rausen und brausen.
  • In diesem Falle ist es freylich sehr unbequem,
    • daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben s, c und h ausdrucken müssen,
      • welches bey dem Buchstabiren sehr viele Unbequemlichkeit hat.
    • Es haben daher schon mehrere ein eigenes[3] Schriftzeichen für diesen Laut in Vorschlag gebracht,
      • welches desto mehr zu billigen wäre,
      • da uns unter andern auch schon die Hebräer mit ihrem ש Schin, darin vorgegangen sind.
    • Allein,
      • so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den jetzt gedachten Fall seyn würde,
        • da dieser Laut wirklich einfach und aus der Natur entlehnet ist,
      • so würde es doch in einer andern Betrachtung wieder seine Unbequemlichkeit haben.
        • Denn in vielen Wörtern ist dieses sch
          • wirklich aus zwey verschiedenen Lauten zusammen geschmolzen,
            • nähmlich aus dem Gaumenlaute ch oder g,
            • und aus dem vorgesetzten Zischer s,
              • welcher entweder die Bedeutung verstärket,
              • oder auch nur ein bloßes Eigenthum der Mundart ist.
      • So ist Schall allem Ansehen
        • nach aus Gall, gällen,
        • und dem verstärkenden s gebildet,
        • schehen in geschehen aus gehen u.s.f.
          • wovon im folgenden häufige Beyspiele vorkommen werden.
          • In diesem Falle würde es die Ableitung erschweren,
            • weil man alsdann das s nicht so leicht von dem Gaumenlaute würde absondern können.
            • Daß unsere Ableitungssylbe -isch auf eben diese Art,
              • nähmlich durch den Zusatz des Zischlautes aus -ig oder -icht, entstanden,
              • ist schon an seinem Orte bemerket worden.

In der Comparation solcher Beywörter,
  • welche sich auf -sch und -isch endigen,
  • wird im gemeinen Leben,
    • und selbst bey vielen Sprachlehrern
  • nicht genug für das Ohr gesorgt;
    • närrischste, bübischste, keuschste, klingen überaus rauh und widrig.
    • Die sich auf ein bloßes -sch endigen,
      • nehmen daher zu Milderung dieses Übelklanges ein -e vor der Endsylbe an,
      • welches auch die auf -ß, -st und -z thun;
        • keuscheste, gewissester Aichinger und andere
        • wollen dieses -e auch bey denen auf -isch eingeführet wissen;
          • närrscheste, hämischeste u.s.f.
          • wo aber bloß ein Übelklang durch den andern ersetzet wird.
        • Am sichersten vermeidet man diese Superlativen;
          • ist solches aber nicht möglich,
            • so läßt sich der Übellaut sehr dadurch vermindern,
            • daß man von der Endung -ste das -s verbeißet;
              • närrischte, bübischte, hämischte, parteyischte, schelmischte, höhnischte, knechtischte u.s.f.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1309-1310. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000397547; Lizenz: Gemeinfrei
  2. ↑ [1309]
  3. ↑ [1309]