ö
Erscheinungsbild
Phö.
Ara.
Gri.
Etr.
Rune
Lat.
Dt. 28 Ö,ö
o, O [1]
[2] o, der funfzehente Buchstab des Deutschen Alphabetes,
- und der vierte unter den Selbstlautern,
- welcher mit einer runden Öffnung des Mundes ausgesprochen wird.
- Es hat im Hochdeutschen
- nur einen einzigen Laut,
- welcher aber bald gedehnt ist,
- wie in Tod, roth, schon,
- bald geschärft,
- wie in Post, Sonne, Stock.
- welcher aber bald gedehnt ist,
- nur einen einzigen Laut,
- In den Mundarten
- aber gehet es fast in alle andere Selbstlauter,
- das i ausgenommen,
- und oft in die widrigsten Doppellauter über.
- Saun für Sohn,
- Pust für Post,
- grauß, groaß,
- gruß, für groß
- u.s.f.
- So wie in eben diesen Mundarten andere Selbstlauter in diesen übergehen.
- aber gehet es fast in alle andere Selbstlauter,
- Die Doppellauter oi und ou
- finden sich,
- außer einigen eigenthümlichen Nahmen,
- nur noch in den gemeinen gröbern Mundarten.
- Für auch spricht der Schweizer ouch,
- für Eimer Oimer,
- und statt Voigt schreibt und spricht man im Hochdeutschen beständig Vogt.
- finden sich,
Ehedem
- druckte man das gedehnte o oft durch ein angehängtes -e aus,
- welche Schreibart sich noch in einigen eigenthümlichen Nahmen erhalten hat.
- So schreibt man Soest und Coesfeld, und spricht Sooft und Coosfeld.
- In den neuern Zeiten fing man an,
- in einigen Wörtern das gedehnte o mit einem oo zu schreiben,
- und dieses Zeichen des gedehnten Selbstlauters gar für einen Doppellaut auszugeben,
- welches es doch auf keine Weise seyn kann, S. Aa.
- So wollte Gottsched Boot, und Room (besser Rahm, denn Room ist Niederdeutsch)
- zum Unterschiede von der Stadt Rom, geschrieben wissen.
- Allein die Verdoppelung der Selbstlauter
- ist unter allen möglichen das unschicklichste Zeichen der Dehnung,
- und die seltsame Neuerung,
- verschiedene gleichlautende Wörter auch durch die Schreibart zu unterscheiden,
- hat zu wenig Beyfall gefunden,
- als daß man noch Rücksicht darauf nehmen könnte,
- zumahl da sie sich unter hundert Fällen kaum in Einem anwenden lässet.
- Von dem h, so fern es gleichfalls das Zeichen eines gedehnten o ist,
- S. H.
- welche Schreibart sich noch in einigen eigenthümlichen Nahmen erhalten hat.
Ein sehr nahe mit o verwandter Selbstlaut
- ist das ö,
- welches eben so wohl bald gedehnt bald geschärft ist,
- und daher von den meisten Sprachlehrern irrig für einen Doppellaut gehalten worden,
- da es doch vielmehr ein eigener Selbstlaut ist,
- welchen man nur aus Armuth an Schriftzeichen durch ein oe, \eo\, oder ö ausdruckt, S. Ä.
- In der Ableitung und Beugung der Wörter pflegt das o gern in diesen Selbstlaut überzugehen.
- Groß, größer, Größe;
- Tod, tödten, tödtlich;
- Ochs, Öchschen;
- Wort wörtlich, Wörter;
- roth, Röthel, röthlich, röthen, u.s.f.
- Regeln lassen sich davon nicht geben, sondern der Gebrauch entscheidet hier alles.
Das o
- druckt vermöge seiner Natur etwas Großes, Hohes, Erhabenes, Weites aus,
- und ist der natürliche Ausdruck der staunenden Verwunderung.
- S. den folgenden Empfindungslaut.
- Man findet es daher gemeiniglich in denjenigen Wörtern,
- welche diese Eigenschaft bezeichnen;
- groß, grob, hoch, Ochs, empor, ori, u.s.f.
- obgleich
- durch die Länge der Zeit,
- durch die natürliche Unbeständigkeit der Menschen,
- und durch das Eigenthümliche der Mundarten,
- dieses ursprüngliche o in vielen Wörtern in andere verwandte Selbstlauter übergegangen ist.
- Indessen haben wir doch noch Wörter,
- welche diese Eigenschaft bezeichnen;
In
- den nördlichen Mundarten
- ist das o zu Anfange der Wörter oft aus unserm un entstanden,
- wo es sich denn dem a privativo der Griechen nähert.
- Im Schwed. ist otrogen ungetreu, osinaklig unschmackhaft, abgeschmackt, Ofall Unfall, Osoidein schädliches Thier, u.s.f.
- Hingegen ist es im Schwedischen auch eine intensive Partikel;
- omycken, sehr stumm.
- Im Deutschen wird es manchen Wörtern, welche sich auf ein -r endigen,
- oft müßig angehängt;
- dero, ihro, nunmehro, dahero u.s.f.
- wo es aber die reinere Hochdeutsche Mundart,
- einige wenige Fälle ausgenommen,
- wieder weggeworfen hat. S. Dero.
- oft müßig angehängt;
- ist das o zu Anfange der Wörter oft aus unserm un entstanden,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 551-552. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000341843; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 551 | 552; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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