ü
Erscheinungsbild
ü
Phö.
Ara.
Gri.
Rune
Lat.
Dt. 29 Ü, ü
ü, Ü [1]
[2] ü, ein einfacher Selbstlaut,
- welcher die achte Stelle unter den Deutschen Selbstlauten verdienet,
- ob er gleich, so wie seine Brüder ä und ö,
- von den meisten Sprachlehrern davon ausgeschlossen worden, [3]
- die sie bald Halb-Vocale, bald unreine Selbstlaute, bald gar Doppellaute nennen,
- ohne mit einer von diesen Benennungen einen bestimmten und deutlichen Begriff zu verbinden.
- Er ist, wie das Französische u,
- ein Mittellaut zwischen dem i und u,
- wird aber in den Provinzen bald wie ein völliges i ausgesprochen,
- wie das Minze, ibel, fir, Minch, hibsch der Schlesier und Pfälzer;
- bald aber auch wie das tiefere u,
- in dem Schuler, Zeugnuß, Rucken u.s.f.
- vieler Oberdeutschen, deren rauhere Mundarten statt des Hochdeutschen ü gern ein tiefes u hören lassen.
- in dem Schuler, Zeugnuß, Rucken u.s.f.
- wird aber in den Provinzen bald wie ein völliges i ausgesprochen,
- Daß er ein einfacher Selbstlaut und kein Doppellaut ist,
- erhellet unter andern auch daraus,
- weil er bald gedehnt, bald geschärft ist;
- ersteres in Mühe, Büßen, süß, trübe u.s.f. letzteres aber in müssen, Flüsse, Güsse, kürzer, Küche u.s.f.
- weil er bald gedehnt, bald geschärft ist;
- erhellet unter andern auch daraus,
- ein Mittellaut zwischen dem i und u,
Da
- das Deutsche von den Lateinern erborgte Alphabet
- kein Schriftzeichen hatte, diesen Laut auszudrucken,
- so mußte man seine Zuflucht zu einem zusammen gesetzten nehmen.
- Man wählte das u und setzte das i darneben,
- kein Schriftzeichen hatte, diesen Laut auszudrucken,
- Alle diese Schreibarten
- haben den großen Haufen der Sprachlehrer,
- die über das Äußere hinweg zu sehen nicht im Stande waren,
- verleitet, diesen Selbstlaut für einen Doppellaut auszugeben,
- weil sein Zeichen aus zwey Zeichen zusammen gesetzt war.
- Sie haben aber auch noch die Unbequemlichkeit,
- daß sie Ausländern und Unkundigen die Aussprache ungewiß machen,
- weil Ui leicht wie der Schwäbische Doppellaut ui, z.B. uich für euch,
- welchen doch die Hochdeutschen nicht kennen,
- gelesen werden kann.
- haben den großen Haufen der Sprachlehrer,
- Am schicklichsten wäre es daher,
- wenn das ü mit zwey Puncten sowohl in der größern als kleinern Schrift allgemeiner gemacht würde,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 730-731. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478857; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 730 | 731; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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