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Lutherdeutsch

aus AufEinWort, der freien Forschung
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Luther + Deutsch als auch Jesuitendeutsch, sind vor dem Hintergrund der damaligen konfessionellen Konflikte als gegenseitig abwertende Termini (Stigmawörter) zu verstehen.

Sprachwissenschaftlich unterschieden sich beide Varianten vor allem durch ihren regionalen Schwerpunkt und auch dadurch, dass man in den katholischen Regionen neue deutsche Wortschöpfungen eher ablehnte und an den lateinischen, französischen und italienischen Fremdwörtern festhielt.

Der an die Niederlande anschließende niederdeutsche Sprachraum wurde durch die Bibelübersetzung von Martin Luther sprachlich so stark beeinflusst, dass man Ende des 16. Jahrhunderts die niederdeutsche Sprache als Schriftsprache aufgab und das ostmitteldeutsche Lutherdeutsch übernahm, zuerst in gedruckten Schriften und einige Jahrzehnte später auch in handschriftlichen Texten, während sie in der gesprochenen Sprache weiterlebte.

Im süddeutschen Raum hingegen hatte die Sprache der Lutherbibel zunächst weniger Einfluss. Immerhin wurde hier Luthers Neues Testament deutsch, das sogenannte Septembertestament, sofort nachgedruckt, zuerst im Dezember 1522 in Basel von Adam Petri in 4°-Format. Luthers Text wurde wort-, aber nicht laut- oder buchstabengetreu übernommen um das Lesen und Verstehen in Süddeutschland und der Eidgenossenschaft zu erleichtern. Der gleiche Drucker publizierte im folgenden Jahr 1523 eine Oktavausgabe des neuen Testaments in Luthers Übersetzung mit Beigabe eines Glossars, das in alphabetischer Reihenfolge über 200 ungebräuchliche oder unverständliche Wörter Luthers ins Oberdeutsche übersetzte. Mit dieser Übersetzungshilfe begann auf der Grundlage des Lutherdeutsch der Einbezug des Oberdeutschen in die frühneuhochdeutsche Sprache und in deren weiteren Entwicklung.