Subjekt
sub-jekt Vorlage:lat.-dt. wrtl. 'Unterwurf, Unterworfene'; 'Untertan'
Anm. KF: das dem Objekt Unterworfene; das Objekt durch seine Eigenschaften hervorbringende; "Unter-Schrift, Beischrift, Unterlage" einer Schrift zu einer Schrift um deren Inhalte und Aussagen zu stützen; Person die ihren eigenen Vorstellungen unterliegt und daher nicht ausreichend erkennen könne, dass ist, was ist; Gegenbegriff zu Objekt;
Anm. KF: Philosophisch vermurkster Wortbegriff, der auf zweiwertiger Logik vielfältiger Lehren, Ansichten, Betrachtungen beruht;
Anm. KF: Im Sprachgebrauch und Wortbildungen der Gelehrten verdeutlicht zum einen die Ansicht, dass einer Erscheinung, Form, Gestalt eine Art darunter oder innen läge, aus der sie heraus entsteht oder besteht, dem Dasein etwas unterliegt einen Grund bildet aus dem es zustande kommt, sowie die Ansicht, dass etwas Übergeordnetes, erstes Gesetz, erste Regel (Prinzip) nach dem die Ausgestalt oder Erscheinung von Dasein erfolgt, oder als Weiteres etwas Vorausgehendes besteht, aus dem Dasein hervorgeht und aus diesen drei unterschiedlichen Ansichten heraus entstandenen Wortbildungen können insbesondere bei mit der Vorsilbe sub-, hypo- gebildeten Fachwörtern zu fehldeutungen führen, wie bspw. Subjekt an sich wörtlich "Unterworfener, Unterworfenes" zu Objekt, wörtlich "Gegenwurf" an sich wörtlich bedeutet, dass ein Objekt einem Subjekt entgegenwirft und es daher unterliegt, jedoch im Gebrauch, dass ein Subjekt seinen Meinungen und Ansichten Unterworfen ist und entsprechend ein Objekt dem unterwirft, sozusagen das Objekt entsprechend subjektiver Vorstellungen und Absichten wandelt und somit die Begriffe je nach Sichtweise entgegengesetzt anwendbar und damit Ungrundbegriffe sind.
- Subjekt n.
- ‘das Zugrundegelegte, Untergeordnete, Abhängige, Substanz, (Roh)stoff’ (1. Hälfte 16. Jh.),
- ‘Gegenstand der Erkenntnis, zugrundeliegender Begriff in einem Urteil’ (Ende 16. Jh.),
- in Kunst und Literatur ‘Gegenstand, Thema, Motiv’ (s. auch Sujet ‘Gegenstand künstlerischer Gestaltung, Thema, Stoff, Motiv’,
- Übernahme (1. Hälfte 18. Jh.) von gleichbed. frz. sujet m., das daneben nahezu dieselben Bedeutungen wie Subjekt aufweist und wie dieses auf lat. subiectum zurückgeht),
- in der Grammatik ‘Träger der Aussage, Satzgegenstand’ (Mitte 18. Jh.),
- in der Kanzleisprache ‘Person in abhängiger, untergeordneter Position’ (17. Jh.; später ‘anrüchige Person’, 19. Jh.),
- in der Philosophie (Kant) ‘mit Bewußtsein begabtes, erkennendes, handelndes Wesen, Ich, Individuum’ (18. Jh.),
- entlehnt aus spätlat. subiectum ‘das Daruntergelegte, Substanz, ursprünglich Gegebenes, grammatischer Satzgegenstand’,
- mlat. ‘Begriff, Gegenstand’,
- Substantivierung des neutralen Part. Perf. von lat. subicere ‘unter oder an etw. werfen, legen, setzen, stellen, fügen, unterlegen, unterbreiten, unterwerfen’,
- zu lat. iacere ‘werfen’.
- Lehnübersetzung v. ὑποκείμενον hypokéimenon wrtl. 'Unterliegende'; 'Unterlage, Grundlage' glhrt. ‚das Zugrundeliegende‘
- Die Anwendung des Ausdrucks auf Personen ist vorgeprägt in lat. subiectī m. (Plur.) ‘die Unterworfenen, die Untertanen’ (mlat. auch der Sing. subiectus), doch zeigt das Dt. auch in diesem Falle das sonst übliche neutrale Genus.
- ¦√¦ uig. *(H)yeh₁- werfen;
Subjekt (Philosophie)
Dem Begriff Subjekt (lateinisch subiectum ‚das Daruntergeworfene‘; griechisch ὑποκείμενον hypokéimenon ‚das Zugrundeliegende‘) wurden in der Philosophiegeschichte verschiedene Bedeutungen zugewiesen. Ursprünglich kennzeichnete der Begriff einen Gegenstanddes Handelns oder einen Sachverhalt, über den eine Aussage gemacht wird.
Mit der Reflexion auf das eigene Erkenntnisvermögen erfolgte in der Neuzeit ein Bedeutungswandel.
Der Begriff des Subjekts wurde nun eingeschränkt auf das erkennende Ich. Es entstand die Vorstellung eines Dualismus von einer (geistigen) Innenwelt und einer (materiellen) Außenwelt. Seitdem versteht man in der Philosophie unter Subjekt den menschlichen Geist, die Seele, das seiner selbst gewisse und sich selbst bestimmende Ich-Bewusstsein. Daraus ergibt sich allerdings ein philosophisches Problem, denn die Welt erscheint einem Subjekt nicht mehr zwangsläufig so, „wie sie wirklich ist“, vielmehr wird nunmehr alles Wahrgenommene subjektiv, indem es vom Erkenntnisapparat des Subjekts zurechtgeschnitten wird (Subjekt-Objekt-Spaltung). Indem es sich auf die Dinge in der Welt richtet, ist das Subjekt Träger sogenannter intentionaler Akte. Die intentionalen Gegenstände der Erkenntnis werden dann im Denken repräsentiert und als Objekte bezeichnet.
Diese erkenntnistheoretischen Positionen wurden in der Philosophie immer wieder kritisiert, und es wurde versucht, auf eine Überwindung des Subjekt-Objekt-Schemas hinzuarbeiten. Neben der erkenntnistheoretischen hat der Begriff Subjekt noch andere Bedeutungen: In der Handlungstheorie ist das Subjekt der Träger des freien Willens und der Entscheidungen. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Subjekt als Gegenstand ist noch in der Grammatik, in der Linguistik sowie im Bereich des Rechts als Rechtssubjekt erhalten. Während in der Philosophie auch der Körper einschließlich des kognitiven Apparates als Objekt betrachtet wird, bezieht sich der Begriff des Subjekts in den Sozialwissenschaften und in der Psychologie auf die ganze Person als Träger bewussten und unbewussten Handelns.
Begriffsinhalt
Der Subjektbegriff, der seinen Ursprung in der Philosophie hat, ist Gegenstand einer Vielzahl von Wissenschaften, die diesen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Hierzu gehören vor allem die Psychologie, die Rechts-, die Literatur- und die Geschichtswissenschaften, die Medizin, die Anthropologie und nicht zuletzt die Soziologie sowie Strukturfächer wie die Semiotik. Eine eindeutige Definition des Begriffs erscheint angesichts dieser Breite nicht sinnvoll und könnte auch der dynamischen Entwicklung in den einzelnen Fächern nicht folgen.[1]
Wesentlich, aber nicht hinreichend für ein Subjekt ist, dass es ein räumlich und zeitlich bestimmtes Wesen ist, das sich im Denken zu sich selbst verhält, also ein Selbstbewusstsein hat. Ursprünglich bezog sich der Begriff auf einzelne Individuen, die die materielle Grundlage eines Subjekts bilden. Der Übergang vom Individuum zum Subjekt ergibt sich aus der Zurechnung von geistigen Fähigkeiten und einer Seele sowie der Erwartung, dass das Individuum seine Handlungen aufgrund mehr oder weniger freier Entscheidungen selbst bestimmen kann. Das Subjekt kann zu eigenen ebenso wie zu fremden Handlungen und Meinungen zustimmend oder ablehnend Stellung beziehen.[2] Im 19. Jahrhundert erfolgte eine Erweiterung des Begriffsinhalts auf kollektive Subjekte, wie sie Marx für die Bezeichnung des Proletariats als revolutionäres Subjekt verwendete. In der Folge wird auch von Personengruppen (die Landbevölkerung, die Arbeitslosen, die Jugend) oder von Institutionen (die Regierung, die Partei, das Unternehmen, der Verein) als einem Subjekt gesprochen, wenn für diese Entitäten eine kollektive Handlungsfähigkeit angenommen wird. Schließlich findet man auch den Begriff des abstrakten oder mystischen Subjekts wie der Kunst, der Geschichte, der Wirtschaft, eines Systems oder Hegels Weltgeist, die zumindest als Antrieb gesellschaftlicher Entwicklungen betrachtet werden.[3]
Als nachhaltige Merkmale des Subjektbegriffs werden genannt:[4]
- die Personalpronomina (ich, du, er …) als grammatische Subjekte
- das selbstreferenzielle Ich (Selbstwissen, Selbstbewusstsein)
- das individuelle erkennende Bewusstsein (Singularität, Individualität, Sinnvermittlung)
- das verantwortliche Subjekt (Selbstbestimmung, Autonomie)
- das kommunikative Ich (Intersubjektivität, Unhintergehbarkeit von Sprache)
In Hinblick auf philosophische Disziplinen unterscheidet man das aktive, schöpferische und autonome Subjekt der Erkenntnistheorie vom Subjekt als ein Etwas, einem passiven Betrachtungsgegenstand in der Ontologie.[5] Einen metaphysischen Bezug haben beide Blickwinkel. Die erkenntnistheoretische Frage richtet sich auf das Unbedingte und Absolute als Letztbegründung von Erkenntnis, während die Ontologie sich mit der Existenz des Subjektes als Seienden im Verhältnis zum Sein an sich auseinandersetzt. Für den Erkenntnistheoretiker ist das Subjekt eher das Zugrundeliegende (hypokeimenon), für eher ontologisch ausgerichtete Lebens- und Existenzphilosophen, in der Psychoanalyse und in der Gesellschaftstheorie von Marx bis in die moderne Soziologie eher das Unterworfene (subiectum), das dem Problem der Fremdbestimmung, der sozialen Unterwerfung und gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt ist. In der Erkenntnis bestimmt das (erscheinende) Objekt das Subjekt, in der Handlung hingegen wird das Subjekt selbst aktiv und macht das Objekt zum Gegenstand seines Handelns.[6] Während in der Erkenntnistheorie von Descartes bis Kant die Funktion der Vernunft eines urteilenden Subjekts im Vordergrund stand, rückte vor allem bei Schopenhauer und Nietzsche der Wille eines handelnden Subjekts und damit die Frage der Willensfreiheit in den Vordergrund der Betrachtungen.
Die Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts hat gezeigt, dass der Mensch den Zugang zur Welt über die Sprache findet. Andererseits ist die Sprache an den Menschen gebunden. In jedem Sprechakt wird der Geltungsanspruch durch das Subjekt erhoben. Tiefengrammatisch ist jeder Satz auf die Form „Ich sage X“ zurückzuführen.[7] Es ist jeweils der Sprecher als handelndes Subjekt, der die Verantwortung für die Geltung des Satzes übernimmt. Diese Einsicht stimmt mit der These Kants überein, dass die logische Einheit „Ich“ in jeder Vorstellung enthalten ist. Die Vorstellung der Abhängigkeit eines Subjekts von einer Beziehung zu einer Kommunikationsgemeinschaft, seine notwendige Intersubjektivität, baut auf der bereits vorhandenen Idee eines Subjekts auf.[8] „Ich kann ein anderes Ego als ein anderes Ego nur bestimmen, wenn ich zuvor schon mit Subjektivität vertraut war.“[9]
Die Rede über das Subjekt ist wesentlich vorbestimmt durch den sprachlichen Rahmen, den Soziolekt, der sich aus dem zugrunde liegenden Paradigma der den jeweiligen Diskurs bestimmenden Theorie ergibt. Eine den Diskurs eingrenzende Subjektivität ist in jeder Rede und in jedem Text enthalten.[10] So ist die Gegenüberstellung von Proletariat und Bourgeoisie bei Marx gesellschaftskritisch orientiert, während Niklas Luhmann das Begriffspaar System und Umwelt verwendet, um eine konstruktivistische Gesellschaftstheorie zu beschreiben. Bei Kant ist die Rede vom völlig abstrakten transzendentalen Ich (s. u.) bestimmend für seine Analyse des Ausgangspunktes aller Erkenntnis, während Sigmund Freud sich auf der empirischen Ebene mit der Unterscheidung von Bewusstem und Unterbewusstem als das Ich bestimmenden Elementen befasste, um Einsichten für die Psychoanalyse zu gewinnen. Gerade über die Sprache ist auch das Selbstverständnis und die Rolle des Subjekts als Vertreter eines Geschlechts (Gender) oder einer sozialen Gruppe bestimmt.
Eine mit der Betrachtung des Subjekts verbundene Frage ist die nach der Identität insbesondere im Zeitablauf. Diskutiert wird einerseits, inwieweit ein Subjekt mit sich identisch bleibt, wenn sich die Bedingungen seines Lebens wesentlich wandeln. Dabei spielt der Weg vom Kind zum erfahrenen reifen Menschen ebenso eine Rolle wie Krankheit (z. B. Demenz) oder Brüche im Leben durch die Erfahrung von Grenzsituationen. Wandel im Leben bedeutet auch Wandel in der Identität des Subjekts, so dass man von einem einheitlichen Subjekt nur sprechen kann, sofern man die Einheit in der Vielfalt der Geschichte, der Rollen, der Interessen, Lebensentwürfe und der sich wandelnden Weltanschauungen eines Subjekts erfasst.[11] Andererseits besteht das Problem, wie das Subjekt als eigener Gegenstand im Bewusstsein mit sich selbst als identisch gedacht werden kann, ohne in einen gedanklichen Zirkel zu geraten. Der Gedanke einer unmittelbaren, intuitiven Evidenz, dass ich mit mir selbst identisch bin, ist tautologisch.[12] Einen möglichen Ausweg aus diesem Denkproblem zeigte Wittgenstein, der Begründungen zu Aussagen über unmittelbare Erfahrung als sinnlos bezeichnete (s. u.). Ein anderer Ansatz liegt darin, Selbstbewusstsein nicht als psychischen Akt der Reflexion eines Bewusstseins auf sich selbst als Objekt zu beschreiben, sondern als unmittelbare Vertrautheit mit dem psychischen Vorgang. Man muss das Phänomen des Hörens eines Tons von der Vorstellung über das Hören eines Tons unterscheiden. Die Vertrautheit mit sich selbst ist danach eine praereflexive, zeitlich identische Eigenschaft des Bewusstseins.[13]
Dem Zirkel, der aus der Vorstellung des Selbstbewusstseins als einer Reflexion des Bewusstseins auf sich selbst entsteht, entgeht auch die moderne Neurophilosophie, wenn sie anstatt von einer einheitlichen, punktuellen Vorstellung des Bewusstseins auszugehen, das Bewusstsein als einen Raum beschreibt, in dem es besondere Sphären für das Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Erinnern gibt und in diesem Raum auch eine Ebene für die Reflexion und die Identität vorhanden ist. Das Bewusstsein ist dann nicht mehr ein von sich selbst Verschiedenes. Man kann dann nicht mehr von einer Repräsentation des Bewusstseins im Bewusstsein reden, sondern Bewusstsein wird zu einem Prozess des Erlebens.[14]
Subjekt - Konzepte in der Geschichte
- Peter V. Zima: Theorie des Subjekts. Subjektivität und Identität zwischen Moderne und Postmoderne. Dritte Auflage, Francke, Tübingen und Basel 2010, S. x.
- Ernst Tugendhat: Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung. Suhrkamp, Frankfurt 1979, S. 30 f.
- Peter V. Zima: Theorie des Subjekts. Subjektivität und Identität zwischen Moderne und Postmoderne. Tübingen und Basel 2010, S. XI ff.
- Hans-Michael Baumgartner: Welches Subjekt ist verschwunden? Einige Distinktionen zum Begriff des Subjekts. In: Hermann Schrödter (Hrsg.): Das verschwundene Subjekt. Königshausen & Neumann, Würzburg 1994, S. 27.
- Erich Christian Schröder: Anthropologie als Grundwissenschaft. In: Perspektiven der Philosophie 4 (1978), S. 345–361, hier S. 352.
- Nicolai Hartmann: Ethik. Vierte Auflage, de Gruyter, Berlin 1962, S. 100.
- Hans-Dieter Klein: Subjektivitätstheorie im Ausgang von Kant. In: Reinhard Hiltscher, André Georgi (Hrsg.): Perspektiven der Transzendentalphilosophie im Anschluss an Kant. Alber, München 2002, S. 117–122, hier S. 120.
- Hans-Dieter Klein: Subjektivitätstheorie im Ausgang von Kant. In: Reinhard Hiltscher, André Georgi (Hrsg.): Perspektiven der Transzendentalphilosophie im Anschluss an Kant. Alber, München 2002, S. 117–122, hier S. 120.
- Manfred Frank: Subjekt, Person, Individuum. In: Ders., Gérard Raulet, Willem van Reijen (Hrsg.): Die Frage nach dem Subjekt. Suhrkamp, Frankfurt 1988, S. 7–28, hier S. 16.
- Peter V. Zima: Theorie des Subjekts. Subjektivität und Identität zwischen Moderne und Postmoderne. Tübingen und Basel 2010, S. 49.
- Peter V. Zima: Theorie des Subjekts. Subjektivität und Identität zwischen Moderne und Postmoderne. Tübingen und Basel 2010, S. 42.
- Ernst Tugendhat: Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung. Suhrkamp, Frankfurt 1979, S. 54–55, hier S. 60.
- Manfred Frank: Die Unhintergehbarkeit von Individualität. Reflexionen über Subjekt, Person und Individuum aus Anlaß ihrer 'postmodernen' Toterklärung. Suhrkamp, Frankfurt 1986, S. 45–47 mit Bezug auf Franz Brentano sowie S. 62–64 mit Bezug auf Dieter Henrich.
- Manfred Frank: Subjekt, Person, Individuum. In: Ders., Gérard Raulet, Willem van Reijen (Hrsg.): Die Frage nach dem Subjekt. Suhrkamp, Frankfurt 1988, S. 7–28, hier S. 12 f.