Zum Inhalt springen

Sache

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 7. April 2024 um 13:34 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

sach-e Vorlage:ahdt.-dt. Wrtdtng: 'Ding einer Suche'

Anm. KF: verwandt in der Abfolge mit sagen, Sache, suchen; das was gesucht, untersucht, von dem eine Wirkung ausging ausgeht oder ausgehen soll;

  • Sache f.
    • ‘Gegenstand, Ding, Angelegenheit, Aufgabe’,
    • –
      • ahd. sahha (8. Jh.),
      • mhd. sache ‘Rechtssache, Rechtsstreit, Angelegenheit, Ursache, Ding’,
      • asächs. saka, auch ‘Gericht, Feindschaft, Schuld’,
      • mnd. mnl. sāke,
      • nl. zaak ‘Sache, Angelegenheit, Handlung, Geschäft’,
      • afries. seke, sake,
      • aengl. sacu ‘Verfolgung, Streit, Krieg, Prozeß’,
      • engl. sake ‘Ursache, Grund’,
      • anord. sǫk ‘Rechtshandel, Klage, Grund, Veranlassung’,
      • swed. sak ‘Ding, Rechtsangelegenheit’ (germ. *sakō)
    • sowie (mit anderer Stammform)
      • got. sakjō ‘Streit’ (germ. *sakjōn-),
      • ahd. seck(e)a (8. Jh.),
      • aengl. sæcc ‘Streit’ (germ. *sakjō)
    • sind Bildungen zu einem in
      • ahd. sahhan ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.),
      • asächs. sakan,
      • aengl. sacan ‘streiten, klagen, leugnen’,
      • got. sakan ‘streiten, schelten, Vorwürfe machen’
    • bezeugten starken Verb, das in den germ. Sprachen bald (bis auf wenige Reste) untergegangen ist.
    • In dem ursprünglichen Sinne von ‘Rechtsangelegenheit, Rechtsstreit vor Gericht’
      • ist Sache mit seinen Verwandten ein altes Wort der Rechtssprache,
      • dessen Bedeutung sich (wie bei Ding, s. d.) mehr und mehr verallgemeinert.
    • Es steht schwundstufig neben
      • griech. hēgé͞isthai (ἡγεῖσθαι) ‘vorangehen, führen’, dann auch ‘meinen, glauben’,
      • lat. sāgīre ‘spüren, wittern’, sāgus ‘wahrsagend, prophetisch’,
      • air. saigim ‘suche, gehe einer Sache nach’
    • und gehört mit diesen zu der auch für suchen (s. d.) geltenden Wurzel uig. *sāg-, *səg- ‘(witternd) nachspüren’,
      • ¦√¦ uig. *seg- "suchen, heraussuchen";
        • ¦↵¦ uig. *sakaną (“streiten"); uig. *sāg-,*səg- ‘(witternd) nachspüren’; uger. *sakō, ger. *sakjōn-, uwger. *saku, ger. *sakō,
      • so daß für das oben genannte starke Verb eine Bedeutungsentwicklung
        • von ‘witternd suchen, nachspüren’
        • über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’
        • zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’
      • anzunehmen ist.
    • Dazu formelhafte Wendungen wie
      • in Sachen (‘in der Rechtsangelegenheit’) X gegen Y (16. Jh.),
      • allgemeiner in Sachen (X) ‘betreffs, bezüglich’ (17. Jh.);
      • in eigener Sache ‘in einer persönlichen Angelegenheit’,
      • Richter in eigener Sache (eigentlich ‘Rechtsangelegenheit’) sein (17. Jh.);
      • gemeinsame Sache mit jmdm. machen ‘mit jmdm. zusammen etw. (Fragwürdiges) unternehmen’ (18. Jh.);
      • das ist Sache (‘Angelegenheit, Aufgabe’) des X (18. Jh.);
      • nichts, etw. zur Sache tun ‘(keinen) Einfluß haben’ (17. Jh.);
      • zur Sache! ‘ohne Umschweife zum Wesentlichen!’ (18. Jh.);
      • seine sieben Sachen ‘alles, was man (nötig) hat’ (19. Jh.; s. auch Siebensachen).
      • – sachlich Adj.

Sache[1] Allein, wenn man die Bedeutungen dieses Wortes aufmerksam erwäget, so wird man nicht in Abrede seyn können, daß es das Intensivum von Sage und sagen ist, und ursprünglich Wortgeräusch, Streit, Zank, und in weiterm Verstande eine jede Rede und deren Gegenstand bedeutet, ob es gleich durch die Länge der Zeit auf mancherley Art bestimmet worden. Im Nieders. ist saken noch jetzt klagen. Die gleichbedeutenden Wörter im Deutschen so wohl als in andern Sprachen bestätigen diese Ableitung. Unser Ding, welches im weitesten Verstande alles bedeutet, was da ist, bezeichnet ursprünglich auch Wortstreit, Wortgeräusch, und Rede überhaupt. Das Lat. Caussa, Ursache, stammet von cusare, klagen, in accusare, ab, welches wie unser kören und kösen ehedem reden überhaupt bedeutet hat. Dessen Töchter, das Italiänische Cosa und Französische Chose, bedeuten eine jede Sache, ein jedes Ding. Das gleichfalls Lat. Res gehöret zu dem Stamme unsers Rede, Recht, rauschen u.s.f. und noch Kero übersetzt res durch Rachono, welches jetzt veraltete Wort zu rechen, reden, gehöret, wovon unser rechnen abstammet. Das Schwed. Sak bedeutet auch Verbrechen und Strafe, und im Tatian kommt Sahha gleichfalls von einem Verbrechen vor.