GULR/Einleitung/11/8
▷8) Bei Wörtern wachsender Declination muss nicht der Nominativ, sondern der Genitiv als Stamm angesehen werden. Die Lateiner behielten nicht den Reichthum germanischer Sprachen, in den Endungen des Nominativs, sondern warfen meist die Consonanten fort. So ist der, Stamm
- von homō, ho – min,
- von vēritās – veri – tat;
- von virtūs m vir - tut,
- von mēns, ment,
- von dēns, dent,
- von ōrdō – ordinj – ording.
Das g hatte man aufgelöst in i, wie es die Italiener heut mit vielen Consonanten machen, die piacere schreiben statt placēre, pitt statt plus. So wurden also Consonanten am Ende weggelassen und in Vocale oder s verwandelt. Weg war via, doch in der röm. Bauernsprache blieb es reha. Varro de R. R. 1, 2. 14. Tag war diēs.
Die ganze fünfte Declination besteht aus Wörtert, die am Eode den Gaumenlaut g oder ch hatten, der sich im Genitiv zeigt; denn dies i ist nichts anders als das in einen Vocal aufgelöste g, das so mit j , wie j mit i nahe verwandt ist,
- so ist diēs –diei – diej –dieg – Tag.
- scabiēs – scabiei – scabiej, scabieg – Schabung; Krätze.
- superficiēs – ficici – ficiej – ficieg – Oberfläche. das l war, wie so oft, (z. B. in vīs statt vils) herausgefallen.
- spēs – spei – speh – Spähung - Hoffnung,
- perniciēs – perniciei - ej - pernikieg - Vernichtung.
- requiēs - requiei – ej – requieg – Erquickung.