GULR/Einleitung
Seitenversionsstatus
Die Seite wurde nicht überprüft
Denn die Schreibekunst ist nicht alt und zu vielen besonders den nördlichen Völkern spät erst gedrungen; die Sage selbst, sonst von Bedeutung, ist jetzt verstummt; andere Denkmale sind theils verwittert, theils schwer zu deuten. Dennoch steigt der wissbegierige Mensch selbst in die Gräber und macht von den Urnen des Todes Schlüsse auf das Leben der Völker.
Aber es giebt ein Erzeugniss des menschlichen Geistes, welches an Deutlichkeit und Sicherheit alle überstrahlt, an Alter hinausreicht nicht nur über alle in Stein und Erz gegrabene Denkmale, sondern über alle Werke der bauenden und bildenden Künste, es ist die Sprache. Dies göttliche Geschenk, durch welches die innerste Tiefe des menschlichen Geistes sich aufschliesst, der Mensch so hoch über alle andere Wesen gestellt ist, durch welches Mensch vom Menschen und Volk vom Volke sich unterscheidet und in seiner Eigentümlichkeit sich darstellt, führt ihn zurück bis in die fernsten Zeiten, lässt ihn das Vaterland der Planzen und Thiere und die Verwandschaft von Völkern erkennen, welche durch weite Länder und Meere von einander getrennt sind. Wunderbar ist es daher, wenn heute noch sonst geistreiche und verdienstvolle Geschichtschreiber meinen, aus der Ähnlichkeit einer Sprache lasse sich nicht die Verwandschaft der Nationen, sondern nur die Ähnlichkeit des menschlichen Geistes beweisen.
Wie die Natur so reich ist, Millionen Wesen hervorzubringen, von denen keins dem andern vollkommen gleich ist, so vermag auch der Mensch Millionen Wörter zu bilden, welche von einander verschieden sind, und nicht Zufall kann es sein, wenn bei verschiedenen durch weite Räume und Zeiten getrennten Völkern dieselben Töne dieselbe Bedeutung haben. Blosse Ähnlichkeit des Tons aber will nichts sagen, und bouche und Busch, choux und Schuh haben, ohnerachtet der Ähnlichkeit des Tons, keine Verwandschaft, da sie verschiedene Gegenstände bezeichnen.
Wenn aber die Zahl gleichlautender und gleiche Bedeutung habender Wörter in verschiedenen Sprachen gross ist, so muss entweder eine Stammverwandschaft, eine Unterwerfung des einen Volks durch das andere, eine Vermischung oder ein lebhafter Verkehr und eine geistige Einwirkung durch Mittheilung von Wissenschaften, Künsten und Religion Statt gefunden haben.
Die Besetzung Englands durch Sachsen, die Eroberung Spaniens, Galliens durch die Römer, die Einwanderung der Gothen, Burgundier und Franken in Frankreich, die Mittheilung der Künste und Wissenschaften von Griechen an Römer und andere Völker, die Einführung der christlichen Religion in den verschiedenen Ländern sind Belege dazu.
Bezeichnen die ähnlichen Wörter die ersten Stuffen der Verwandschaft, die Theile des Körpers, die ersten Bedürfnisse und Verrichtungen und überhaupt die Elemente des Lebens, so weiset dies auf eine Stammverwandschalt; daher wir auch, selbst wenn die Geschichte davon schwiege, aus der Ähnlichkeit der englischen Sprache mit der deutschen gerade in diesen Gegenständen die Stammverwandschaft beider Völker erkennen müssten.
Findet sich die Ähnlichkeit in Wörtern der Kunst, Wissenschaft, Religion und Gegenständen des gebildetern Lebens, so zeigt dies von einen spätern nicht so mit dem innern Kern des Daseins zusammenhangenden Einwirkung.
Die grössere Ähnlichkeit oder Verschiedenheit in Zusammensetzung, Biegung, Ableitung und Wortfolge lässt uns gleichfalls die Verwandschaft und die frühere oder spätere, kürzer oder länger dauernde Einwirkung des einen Volkes auf das andere erkennen.
Oft jedoch ist die Verwandschaft der Sprache schwer zu erkennen, da durch Einschieben, häufiger jedoch durch Ausstossen von Buchstaben und Sylben, durch Zusammenziehung und Betonung die Wörter sehr verändert werden, so dass man beim ersten Anblick jeudi und Jovis dies, noël und nātālis, étranger, stranger und extrāneus wohl schwerlich für dasselbe Wort halten würde.
Oft giebt eine Sprache der andern ein Wort und nimmt es verändert dann zurück; so erhielten die Franzosen von den Deutschen warten – wardan – (Burgwart) garder, und wir nahmen Garde von ihnen zurück; eben so ist es mit Beiwache und bivouac.
Bisweilen wird es daher zweifelhaft, welcher Sprache eigentlich ein Wort angehöre, und nur wenn wir den Hauptstamm, die eigentliche bedeutungsvolle Wurzel nebst einer Menge Ableitungen davon in der einen, in der andern dagegen nur diesen vereinzelt dastehenden, blos einen Gegenstand bezeichnenden Ausdruck finden, wird es uns gelingen das Anrecht der einen Sprache unwiderleglich darzuthun.Nun giebt es aber andere, welche die ersten schon dem Kinde bekannten und dem Menschen unenthehrliche Gegenstände, so wie die ersten Grade der Verwandschaft, die Theile des Körpers, die ersten Regungen des Geistes bezeichnen, – pater Vater, frāter Bruder, nāsus Nase, auris Ohr, habeō haben, velle wollen, esse essen, und tausend andere, welche nicht durch ein Spiel des Zufalls gleich lauten, nicht erst von den Römern zu den Deutschen gebracht sein können bei den ersten feindlichen Berührungen beider Völker, oder gar erst bei den kurzen und schnell vorübergehenden Einfällen der Römer in Deutschland. Wo sollen wir den Grund dieser Ähnlichkeit suchen? Drei Fälle nur sind möglich:
- Diese gleichlautenden Wörter stammen von einer gemeinschaftlichen Ursprache;
- sie sind aus dem Latein in das Deutsche;
- sie sind aus dem Germanischen in die lateinische Sprache übergegangen.
Der Untersuchung, ob das Deutsche vom Englischen oder das Englische vom Deutschen abstamme, überhebt uns die Geschichte. Aber wie verhält es sich mit den Ursachen der Ähnlichkeit zwischen dem Latein und Deutschen, worüber sie nichts sagt. Sollen die lateinischen Wörter zu den deutschen durch die Römer gekommen sein, so müsste dies entweder in den Zeiten der Kämpfe der Germanen und Römer oder in einer über die Geschichte hinaus liegenden Zeit geschehen sein.
Sollten die Deutschen erst in einer so späten Zeit, etwa in Cäsars Jahrhunderte, Ausdrücke für die Theile ihres Körpers, der Verwandschaften, die Begriffe des Wollens, Habens etc. bekommen haben, so müssten sie das roheste Volk der Erde gewesen sein, nicht über das Thier erhaben, welchem ihr Auftreten in der Geschichte widerspricht, da sie zu keiner Zeit als geistlose und rohe Wilde erscheinen.
Oder sollen die altdeutschen Ausdrücke durch römische verdrängt worden sein? Aber wie wäre dies möglich gewesen, da Deutschland nie von den Römern auf die Dauer in Besitz genommen wurde, und sie eine Liebe zu ihrem Lande und ihrer Sprache zeigten, wie kein ander Volk? Auch würden sich dann für jene Dinge Synonyme finden, die aber grade hier meist fehlen. Und wie drangen denn diese Wörter zu den nördlichen Sachsen oder gar nach Scandinavien? Ja wie drangen in dies nördliche, fern jenseit des Meeres liegende, nie von einem römischen Fusse betretene Land eine Menge von Ausdrücken, die nicht nur mit dem Lateinischen gleichen Ton und gleiche Bedeutung haben, sondern sogar diesseits der Ostsee, in dem eigentlichen Deutschland sich nicht finden? Sollen etwa die Scandinavier aus einer lateinischen Lexicon im 9ten Jahrhundert erst es gelernt haben, dass der hell leuchtende und wärmende Körper, dem sie in ihrem kältern Lande gewiss mit Freuden stets entgegen sehen, Sol hiess und die ersehnte Zeit der erwachenden Natur wäär? Ja woher finden sich in der gemeinen Volkssprache vieler Provinzen mehrere in der Büchersprache nicht übliche und doch mit dem Latein gleich lautende Wörter? Oder sollen wir annehmen, dass lange Jahrhunderte vorher italische Völker eine Wanderung nach Deutschland unternahmen?
Aber so früh bestand die römische Sprache selbst noch nicht einmal, die, wie schon von Vielen gezeigt worden ist, sich aus einem Gemisch mehrer Völker bildete. Denn wie die Römer selbst kein Urvolk waren und deshalb auch von den Athenern σύγχλυδες genannt wurden, so war auch ihre Sprache keine Ursprache, sondern eine Mischsprache. Dies war den Römern selbst auch wohl bekannt, daher auch Varro in seinem Werke, de lingua latina sagt: multās vōcēs Graecōrum et Latīnōrum orīgine esse barbarās et etymologiae vetustāte obtrītās[1]. Und was hätte auch Völker antreiben können, nach einem nördlichern, rauhern Himmelsstrich zu ziehen, zumal aus einem glücklichen, fruchtbaren und keinesweges übervölkerten Lande, was immer noch Raum genug für viele zur See herbeikommende Colonisten hatte? ja, wie wäre eine solche Einwanderung möglich gewesen, da andere Stämme sich zwischen die germanischen und Italien gezogen hatten?
Endlich sollen wir, da ein grosser Theil dieser Wörter zugleich in der persischen und Sanscritsprache sich findet, glauben, dass sie von den Lateinern zu den Germanen und von diesen zu Persern und Indern wanderten? Dies hiesse doch den ganzen Gang der Völkerwanderungen umkehren, der Natur und allen geschichtlichen Überlieferungen Hohn sprechen!
Es bleibt uns also nur übrig anzunehmen, dass diese Wörter von den Germanen zu den Römern wanderten. Und dagegen wird sich nichts Erhebliches einwenden lassen. Die deutsche Sprache ist keine Misch-, sondern eine Ursprache von grosser Eigenthümlichkeit, ausgezeichnet durch die Art, den Ton auf die Stammsylbe zu legen, durch Biegungen, Zusammensetzungen und Wortfolge, Sprache eines zahlreichen Volkes; von dem die Einwohner der meisten andern europäischen Länder abstammen, das nie einen Eroberer lange in seinem Lande sah, und das, wenn auch mancherlei Volksstämme an, und hie und dort innerhalb seiner Gränzen wohnten, doch dieses geistige Element so treu bewahrte, dass der grosse britische Sprachforscher Murray sagt, er kenne von allen Sprachen, die vom indischen bis atlantischen Meere gesprochen würden, keine reinere als die deutsche.
Durch Ton, Beugung, Mangel an Fähigkeit zusammengesetzte Wörter zu bilden, verräth sich auch das ausländische Wort leicht, und der Wortreichthum der deutschen Sprache, wie die Fähigkeit immer Neues zu bilden, welche auch in den frühesten gothischen Denkmälern schon sich zeigt, macht ihr alles Fremde leicht entbehrlich. Warum sollte der Reichthum zur Armuth betteln gehen? Ihre Formen sind die reinsten und vollsten, und haben sich behauptet, während die Südländer, sei es aus Streben nach Wohlklang auf Kosten der Deutlichkeit, oder aus Bequemlichkeit mangelhaftere, verstümmelte haben, wie wir weiter unten zeigen werden.
Ist es nun denkbar, dass eine Ursprache mit ihren vollern, reinern Formen von der Mischsprache abstammen sollte, oder scheint es nicht jedem natürlich, dass der umgekehrte Fall eingetreten sei und daher das Latein vom Deutschen hergeleitet werden müsse. Aber auch Erdkunde und Geschichte spricht für eine solche Abstammung. Sei es auch, dass die Griechen die thörichte Meinung von Autochthonen hatten, wo in jedem Lande die Menschen wie Pilze gewachsen sein sollen, so könnten wir heute nach so viel geistvollen Untersuchungen über die persische und indische Sprache ihr doch keinesweges mehr huldigen.
Denn wollte man auch der Meinung mancher Philosophen folgen, welche das menschliche Geschlecht nach den verschiedenen Stämmen von verschiedenen Urältern ableiten; so würde man doch keinesweges so weit gehen dürfen, jedem einzelnen Lande ein besonderes Menschengeschlecht zu geben, sondern wenigstens die Völker caucasischen Stammes, zu dem alle Europäer gehören, von Asien aus, wohin Sagen, Geschichte, Planzen- und Thiernamen, und besonders die Sprachen zeigen, durch deren Studium ein neues Licht für die Geschichte aufgegangen ist, einwandern lassen müssen.
Wenn nach den Untersuchungen von Wahl, Herrn von Hammer und Frank, über persische Sprache eine solche Menge ähnlicher Wörter im Persischen und Deutschen sich zeigt, dass fast der 3te Theil des persischen Sprachschatzes germanisch ist, und die grösste Ähnlichkeit in den Infinitivendungen – griften, greiffen, porsidan, forschen etc. Statt findet, wenn man nicht übersieht, dass die Trennung dieser germanischen Völker vom asiatischen Mutterlande an 4000 Jahre her sein mag, dass in Persien viele Wörter durch die mannigfaltigen Eroberungen, Umwälzungen und Einwanderungen verloren oder verändert worden sein müssen, so darf man wohl die Verwandschaft beider Völker nicht abläugnen, wenn auch die historischen Werke der Alten davon schweigen.
Die Germanoí des Herodot, wie gering man dies auch, in neuerer Zeit hat auschlagen wollen, sind also gewiss eben so wenig bedeutungslos, als der Name Armenien, in welchem Lande die Kreuzfahrer Friedrichs Barbarossa zu ihrem Erstaunen Einwohner fanden, die eine der baierschen ähnliche Sprache redeten. Auch zeigen die von Busbeck in seinen Briefen angeführten Wörter der Alanen[2] in der Krimm, welche man für mösogoethische hielt, die Spuren der alten Wanderung, und deutlicher hat sie der tief forschende Ritter nachgewiesen.
Alle jene frühen Wanderungen aber erfolgten zu Lande, da die Schifffahrt, selbst 4 und 3 Jahrhunderte vor Christo, so in ihrer Kindheit war, dass an eine Colonisation zu Wasser kaum zu denken ist. Wir können also annehmen, dass sehr früh, vielleicht 2 Jahrtausende vor unserer Zeitrechmung, germanische Stämme aus Asien aufbrachen und nach Westen wanderten, wahrscheinlich längere Zeit mi Norden der Donau wohnten, bis nach stärkerer Vermehrung ein Theil sich nördlich, der andere sich südlich wandte, ein dritter zurückblieb.
Der nach Norden wandernde setzte wahrscheinlich, vielleicht nach und nach, über die dänischen Inseln zur See nach Schweden. Denn ohnerachtet manche ihn unmittelbar aus Persien zu Lande einwandern lassen wollen, so ist es doch nicht wahrscheinlich, dass Völker gleich bei ihrer Trennung aus Aien sich so sehr gegen den unfreundlichen Norden sollten gewendet haben und über Finnland und Nordland hinunter nach Gothland gedrungen wären, vielmehr deutet die Ähnlichkeit der dänischen mit der schwedischen Sprache und der Name Gothenburg und Gothland auf den natürlichern Weg über die dänischen Inseln.
Der nach Süden wandernde Stamm ging über die Donau und Alpen, und gelangte so in das fruchtbare und milde Italien, welches er nicht wieder verliess. Freilich die Geschichte sagt nichts davon. Aber sie schweigt auch von der Berölkerung Scandinaviens durch germanische Stämme, welche doch niemand läugnet. Und wenn wir nun wissen, dass auch Brittanien, Gallien und Hispanien von Deutschland aus bevölkert worden sind, warum will man mit Italien eine Ausnalme machen, da der Landweg dahin eben so über Deutschlaud fülirt, wie in jene Länder.
Dass römische Geschichtsschreiber diese Abstammung nicht erwähnen, will nichts sagen, da die Schreibekunst ers spät nach Italien kam und zwar durch Griechen, welche, wohin sie kamen, aus Nationalstolz überall griechische Abkömmlinge suchten, man auch die nördlichen Völker nicht kannte, und durch das Völkergemisch und Gedränge in Italien die Sage grösstentheils verhallt war. Dennoch erhielt sich noch mancher Anklang, dass die Ureltern aus einem mit Eichen besetzten Lande gekommen wären, wovon folgendes Distichon zeigt:Τηλόθῐ δίσκε δρυός πέλεκυν, κοκὺαι γὰρ
Fern von dem Eichbaum wirfst du die Axt, denn es sagten die Väter, Dass als Mutter zuerst, einst uns die Eiche gebahr.
Allein man vergisst, sowohl dass der Name Kelten bei den Römern ein so allgemeiner war, wie bei den Griechen Scythen, und eigentlich 'Waldbewohner' bedeutet, von coille, Wald[4], daher auch den Germanen beigelegt werden konnte, als auch, dass dieser Stamm selbst ein wiewohl früher getrennter Theil des germanischen zu sein scheint, wohin nicht nur eine grosse Auzahl gleich lautender Wörter ähnlicher Bedeutung in beiden Sprachen, sondern auch die von den Römern bemerkte Ähnlichkeit weiset, daher man auch wach Strabo das Wort Germani – zwar unrichtig – durch Verwandte und Brüder der Kelten erklärte. Auch haben mehrere Gelehrte, wie Scrickkius Cluverus, die Stammeinheit beider Völker nachzuweisen versucht. Pelloutier macht die Germanen zu Kelten; insofern mit Unrecht, als der germanische Stamm der grössere, seine Sprache die reinste, unvermischteste und Grundsprache der meisten europäischen Völker geworden ist.
Endlich ist zu erwägen, dass der Name Germani nach Tacitus ein recens additum war, der 'Wehr-Kriegsmannen' bedeutet, und den sich die nach Gallien vorgedrungenen deutschen Heere zuerst gaben. Dass Kelten und Germanen in den frühesten Zeiten zusammenfallen, sieht man auch bei Arrian. exp. Aler. 1, 3 etc., der erzählt, Alexander sei an dem Ister auf Kelten gestossen, dieser Fluss entspringe bei den Kelten, und Quaden und Markomannen seien die äussersten Kelten, dass aber Quaden und Markomannen Germanen sind, ist wohl eben so gewiss, als die Donau in Deutschland entspringt. Gothen wohnten auch Jahrhunderte lang an der Donau; wie aber wären zu Alexanders Zeit Gallier dahin gekommen?
Die Wörter, welche die Römer keltische nennen, sind meist ächt germanisch; so nannten die Römer folgende Wörter gallisch: Festus, sparum den 'Speer'; Gellius, lancea die 'Lanze'; Varro bei Gellius XV, 30. petōritum, ein vierrädriges Fahrwerk, und doch ist es zusammengesetzt aus dem teutonischen fedwōr oder sächsischen feothor, vier – und rid – das Rad; rheda soll nach Quinct. I, 5. 57. 69. gallisch sein, und doch heisst im Altdeutschen raida der Wagen, ebenfalls von Rad. Plin. h. n. XVIII, 18. sagt, dass die Gallier dem Plluge 2 Räder hinzufügten und ihn plānarātum nannten; man sieht, es ist unser Pflugrad; Plin. h. m. IUI, 17. heisst es, die Gallier heissen Pferdebändiger, Eporedicas. Hoppe heisst aber schwedisch, Happel und Hampel schlesisch das Pferd, reda – rida – ist reiten; es heisst also Pferdereiten. Auch balga, Balg (Fell) und merga, Mergel, werden gallisch genannt, und sind doch deutsch. Berg-amo sollen nach Plin. h. n. III, 17. Gallier gegründet haben, und doch deutet der Name Amberg oder Bergheim, so wie der von Arminium auf deutschen Ursprung.Ordo – Ordinj – ōrdināre – Ordnung und ordnen stammen ab von dem in allen germanischen Dialecten befindlichen Wort Ort, und bezeichnen das Streben, jedem seinen Ort anzuweisen. Die Wurzel kennt also die lateinische Sprache nicht.
Fenestra, Fenster bedentet mi Latein und Deutschen amfangs nicht die Öffnung des Hauses, durch welche das Licht fällt, denn diese heisst Lucke, sondern den Laden, der verschliesst (daher anch Horat. 1,25: junctas quatiunt fenestras) und der, da man das Glas nicht kennt, verfinstert; es kommt also von finster, einem deutschen Worte.
Urbs (wahrscheinlich mit dem Digamma gesprochen) kommt von dem altdeutschen huuarban, hwarban Kero, im Kreise herumgehen, einen Kreis machen. Bei Erbauung einer Stadt[5] machte man nämlich mit dem Pfluge einen Kreis Teut. – warbes – urbes – urbs (daher auch orbis, wir haben noch Wirbel, Wirbelwind) wo ein Thor sein sollte, wurde der Pflug getragen – daher vom alten bürden (portāre) Bürde - porta - Pforte.
Vir, isländisch ver, teutonisch war, waer, stammt vom gothischen vair, Wehr, englisch war, der Krieg; es bedeutet also vir und ver, Wehrmann – Krieger.
Virtus, = vir – tut heisst daher Wehrthat, Kriegsthat, Tapferkeit. Noch haben wir Wehrwolf, welches einen in einen Wolfverwandelten Menschen bedeutet.
Cāpō, = cap-on, Kapaun, richtiger Kaphahn; zusammengesetzt aus Hahn und kappen. Kappa, schwed. – abschneiden; das Ankertau kappen. Nur aus dem Germanischen erklärt sich der Name.
Mulgēre, melken; von Milch, milchen – Milch geben – melken das Causat, die Milch abziehen. Den Lateinern fehlt der Stamm – Milch.
Andere Wörter stehen im Latein vereinzelt oder mur in wenigen Formen, während sie bei uns vollständig und in mancherlei Zusammensetzungen sich finden.
Herus, Herr, steht dort vereinzelt, bei uns Herrscher, Herrschaft, herrschen, herrlich etc. und hängt mit Ehrezusammen.
Libet, es (beliebet, libitum sind vereinzelte Formen, die deutsche Sprache hat lieben vollständig.
Praesāgīre – praesāgit mēns und sāgus – vorhersagen, Wahrsager, sehr alte lateinische Worte, die vereinzelt dastehen, während im deutschen sagen ein vollständiges verbum mit mancherlei Zusammensetzungen – ver – ent – vorsagen ist. Auch persisch heisst es sachun.
Mūscipula, Mäusefalle. Das Wort Falle hat in dieser Bedeutung die lateinische Sprache sonst nicht, auch sind ihr Zusammensetzungen dieser Art später fremd.
Esse – velle haben eine der lateinischen Sprache ganz ungewöhnliche Infinitivform, und deuten, da sie die ersten Begriffe des Menschen ausdrücken, auf ein hohes Alter. In vielen Gegenden Deutschlands hört man auch heute noch esse – wolle, statt essen und wollen. Auch die Dänen bilden den Infinitiv auf e.
Sum – sunt, sim bis sint stehen im Latein vereinzelt, während die deutsche Sprache, wenn auch nicht alle, doch bei weiter mehr Formen von dieser Stamme und den Infinitiv sein hat.
Je älter das Latein ist, desto näher ist es mit dem Deutschen verwandt. In der lex Numae findet sich das Wort loebesom. Sei quips homonem loebesom mortei duit[6] etc. So heisst es im Lied der arvalischen Brüder: Nere luervem, Marmar, sins incurrere in pleores.[7] Lasse, Mars, keine Pest – Verderben – auf unsre Fluren kommen. Man erklärte pleores bald durch plūrēs, bald durch flores, und doch passt hier keins, wohl aber das alte Flor oder Flur, Boden, Acker. Somner Dict. Anglos. und Stiler Thesaur. L. Germ. – Wir haben Stadtflur, Dorfllur, Flurschütz, Hausflur, was keinesweges vom latein. flores kommt.
Lingua und Zunge haben wenig Ähnlichkeit. Aber Marius Victorinus sagt: Antiquos dixisse dinguam pro lingua[8]. Des Ulphilas Tugga, das schwedische tunga, das angelsächsische tung haben also wit dem altlateinischen dingua die grösste Ähnlichkeit.
Mittō und līs scheinen keine Verwandschaft mit dem Deutschen zu haben; aber die ältern Formen waren smilto (noch in der Zusammensetzung cōsmittō) und stlīs = stlit (Fest. et Paul. stlitem antiqui pro litem dicebant[9]. Conr. Schneiders Grammat. I, 493) und zeigen die Verwandschaft mit schmeissen -– engl. to smite, schwed. smita – und Streit.
A. Die Lippenbuchstaben
- b. p. f. v, der sanfte Blasehauch w (qu), seltener die Lippenliquida m. Die Verwechslung des b und p ist bei den Sachsen, die des f bei den Plattdeutschen bekannt. Schipp statt Schiff etc. so treiben – Trift – binseln – pinseln und winseln.
- Das v, welches, welches wir erst mit einem besondern Buchstaben schreiben, da die Alten nur u hatten, wurde wohl wahrscheinlich meist nur als Vocal gesprochen, und lag unseren u näher als dem w. Daher drücken es auch die Griechen durch ού aus, Valens durch Οὐαλεν𝞻. Es könnte daber scheinen, alsob der Chosesont W den Lateinern gefehlt hätte. Allein dem ist nicht so; er findet sich dort, doch in einem andern Buchstaben, als wo man ihn suchte. Es ist bekannt, dass wenn man im Latein des Mittelalters, im Französischen und Italienischen unser W bezeichnen wollte, man g voraussetzte, wie in Gothen h, wo war aus Wehr guerra und guerre, aus WillhelmGuilielmus, Guglielmus und Guillaume, aus Vieweide Figuaida, aus Wald Gualdus, und allgemein bekannt sind Guelfen und G(v)ibelinen. Grade so scheinen die Lateiner dem u, um es zum Consonat zu machen, das qvorgesetzt, und dies dann gar nicht, sondern nur u wie wausgesprochen zu haben.
- So sagt Scaurus p. 2253. Q littera aeque retenta. est, quia cum illa V liltera conspirat, quoties Consonantis loco ponitur, id est pro Vau littera ut: Quis qualis.[15] Das heisst, es soll nicht q mit, sondern nur u wie ogelesen werden, also vis, valis? Auffallend wird dann die Ähnlichkeit mehrerer lateinischen Wörter mit alt- und neudeutschen. Quatuor wird nun (q) Vatuor, das Teutonische fedwor, das Gothische fidur, vier, Quinque wird ( q ) Vin(q)re – vinze, das alte fynf und unser fünfe. Quis wird (q) Vis = vis, das Gothische Hwas, und quid = (q) Vid – Goth. hwato, plattdeutsch Wat? Denkt man, dass auf der Inschrift der tarpejischen Burg quirquir = (q) Vir(q)Virsteht, so ergiebt sich die nahe Verwandschaft mit unserm Wer und Was? Quando wird (q) Vando = Wann, curfrüher (q) Uur War–um? Quo = vo Wo und aqua = ava Goth. ahwos. Erst später mag qu als c (k)ausgesprochen worden sein. Q war ursprünglich wohl g oder c; daher steht auf der Bantischen Tafel Pequnia statt pecunia.
- Was die Verwandlung der Lippenbuchstaben betrifft, wollen wir nur baeren und ferre, Bruder und frater, wellebullio, Fell pellis, warm formas, Wabe favus anführen. Seltner zeigt sich der Uebergang des b p f w in moder ungekehrt, und z. B. in folgenden Wörtern: mit, Engl. with, Win der Freund von minnen, in straffund stramm, in prōmulgāre und provulgare, Vulcānus statt Mulciber, in facio und vito, statt mache und meide, in multi und milefür viele.
- qu als w. licet im alten Latein li(q)vet = liwet – es ist (er)laubet. li(q)vere entspricht ganz dem Isländ. leifa, Schw. lofwa, Engl. to leave, Ulphil. oslobjan, erlauben. di(q)uor walrscheinlich früher li(q)uos – li(q)uid – Luft. Angels. Lyft. Im Latein also nur aufgelöst in Livid; li(q)vid – us luftig.
- relinquo. li(q)vi. liv. Altd. s, leiben, Fränk, leiban, Schwed, lifwa, Isl. lifa, Eagl, to leave zurücklassen, auch ganz dem Griech. λείπω entsprechend. Durch Zufügung von be entstand des Kero piliben, Isidor beleiphan, unser bleiben. leibenhaben wir verloren, die Schwestersprachen haben es behalten. reli(q)uum - ist das rück(b)leibende – oder rückgelassene. Ottfr. L. .V CXI. 85.
- m und b. so turba und turma; so ging der altdeutsche Dat. und Abl. in m im Latein in b über: so ward aus Sturm, Angels. storm, im Lat. turbō. So ist bal Altd, φαῦλος Griech. im Latein malus.
- ↑ dass viele griechische und lateinische Wörter barbarischen Ursprungs sind und ihre Etymologie durch die Antike abgenutzt ist
- ↑ *) Brot, Stul, Hus, Reghen, Silver, Holz, Salt, Sonne, Stern, Tag, Handa, Bogu, Schlieten.
- ↑ "Aborigines appellati sunt, quod errantes convenerint in agrum, qui nunc est populi Romani; fuit enim gens antiqussima Italiae."Sie wurden Ureinwohner genannt, weil sie umhergewandert waren und sich in dem Gebiet versammelt hatten, das heute das römische Volk ist; denn es war die älteste Nation Italiens.
- ↑ *) Thiercy histoire des Gaulois.
- ↑ •) "Cato in originibus. Qui urbem novam condit, tauro et racca aret: ubi araveris murum faciat: ubi portam vult esse aratrum sustollat et portet et portam vocet." (Cato in den Ursprüngen. Wer eine neue Stadt baut, pflügt einen Stier und einen Pflug. Wo er pflügt, baut er eine Mauer) Serv, ad Aen. Nach Festus hiess das Furcheziehen vom urvum aratri, dem Kümmel, urvare. Aber es stammt wold urvare wie urvum von hwarban ab.
- ↑ Er ist schnell dabei, einen ehrenwerten Mann zu töten
- ↑ Marmar, habe keine Angst davor, in die Menge zu stürzen. Enos, Lases, iuvate! Ne velue rue, Marmar, sins incurrere in pleores! Satur fu, fere Mars! limen sali! sta! berber! Semunis alternei advocapit conctos! Enos, Marmar, iuvato! Triumpe!
- ↑ Die Alten sagten, dass ich Dingo als Sprache verwenden würde
- ↑ Die Alten sagten dasselbe für einen Anzug
- ↑ Die Lieder, die im Geistlichen nach der alten Formel gesungen wurden, wurden von nur sehr wenigen verstanden
- ↑ Es ist natürlich in jeder Stimme scharf, aber nie mehr als eine und auch nie die letzte.
- ↑ Im Lateinischen hat das Akute nur zwei Stellen, die letzte und die vorletzte.
- ↑ * ) Dies ist auch die Meinung Maratori's. Antiq. Ital. vol. VI. 571.
- ↑ * ) So sagt auch Leibnitz in s. Celticis. Cwrw. Cwrwf cerevisia, quibusdam apud Plinium Ceria. "Cercrisiam a vi Cereris derivare hominum est mescientium, Latina plurima a Celtico esse petenda, et maxime in rebus, quae erant apud Celtas. Putanus non inepte Ceriam derivat a gären seu a fermentando."Cercrisia aus der Macht von Ceres abzuleiten, ist eine Frage der Menschen, denn das meiste Latein ist auf die Kelten zurückzuführen, und zwar besonders in Angelegenheiten, die bei den Kelten lagen. Putanus gewinnt Ceria nicht unklugerweise aus gären oder fermentando.
- ↑ Der Buchstabe Q bleibt ebenfalls erhalten. ist, weil es mit diesem 5. Buchstaben verschworen ist, wann immer er an die Stelle eines Konsonanten gesetzt wird, also für den Buchstaben Vau, als: Wer ist was?
- g c k ch, der Hauch h und x. G und K kann der Sachse nicht unterscheiden, und in ziehen, zog, Zucht sieht man den leichten Übergang dieser Buchstaben. Auch in der Mitte ging das h in c über; so Fluth, wahrscheinlich früher Fluht – fluct, so spare – sparhe parco.[1] Auch spricht das Volk heute noch in Florenz statt c gewöhnlich h; so il hapo st. capo, il hane st. cane, la hasa st. casa, hanapa st. canapa, huse st. cute, eduhare st. educare.[2] Noch merke man folgendes: C aus dem griechischen Γ entstanden, wurde bei den alten Lateinern vielleicht mit Ausnahme vor i, früher als g, später als kausgesprochen. Erst spät mochte es in einzelnen Provinzen in z übergehen. Der Hanch h, den die Griechen durch den Spiritus asper bezeichnen, konnte von den spätern Römern wahrscheinlich wie heut von Italienern und Franzosen nicht gut mehr ausgesprochen werden, daher trat häufig c (k) an seine Stelle. Wie man also im Deutschen Reiher und Reigerschreibt und λέλυἁ in λέλυκα im Griechischen verwandelte, so ward aus hehle celo, aus höhle coelo, aus Halm, alt Halam – calam-as, aus Haup(i)t caput, aus hana (gothisch) cano, aus Haut cut-is, und umgekehrt, aus Garten (von gürten) ward hortus, aus Gast host-is. Der leichte Übergang zeigt sich in traho – veho – xi – ct – in Hessen und Chatti. Das X am Ende ward vielleicht wie das griechische χ, das spanische X ausgesprochen. So werden die alten gallischen und germanischen Namen, die sich auf rich = reich enden, meist mit x geschrieben; so Orgetorix = Orgelorich, vielleicht Ortreich; Eporedorix Pferdereich, Dumnorix etc. Uxellodunum von Uchel hoch und dun (town Zaun) Stadt: Hochstadt–, redix Rettich, rex Recke.
C. Die Zungenbuchstaben
- d e th g ss z. D und T können Sachsen nicht unterscheiden, Plattdeutsche sagen det für das, Water für Wasser, tehn für zehn; eben so tritt bei Scandinaviern und Engländern grösstentheils t an die Stelle von s, besonders aber von z; denn bei ihnen ist dieser Buchstabe eben so selten, wie bei den Lateinern, wo er nur in griechischen Wörtern gebraucht wurde. Auch scheint im Ober- und Hochdeutschen ein zu starkes Streben t in z zu verwandeln sichtbar, oft, gegen die Etymologie. So ward also messen, goth. mitan, lat. mētīrī. Z wurde verwandelt, wie μοιχίζω in moechissor, so sitzen, Schwed. sitta in sedeo, (er)götze in gaudeo, (ver)letze in laedo, Platz in platea; oder es wurde durch Einschiebung eines Vocals in seine Theile zerlegt, so ward Sitz sedes, Maass, Metze; modus. Doch kann auch die aufgelöste Form die frühere gewesen und unsere zusammengezogene später eingetreten sein; der Verwandschaft der Sprache thut dies keinem Eintrag. Das s der Lateiner ist bei uns oft d; so lind – wahrscheinlich linid == lenis, mild – mollis; – gesund, Schwed. sund, sanus; Hunid, Hund canis; infens – us anfeind – end, vom verlornen infendo (jetzt findet sich nur offendo, defendo). st nach einem Consonant ward d, so ward aus Gerste hordeum, wie Pallatium aus Pallast, bei Notker Falanza, bei andern Pfalz, richtiger von palus Pfahl – Pfallast - Plahlwerk abgeleitet, als vom palatinischen Hügel. Das Sch – Schw – Schl findet sich bei den andern germanischen Nationen nicht, wo man slaffen, smecken, syster schreibt, und man kann es also auch im Latein, nicht erwarten.
D. Auch l n r s werden, wie von Kindern, oft unter einander vertauscht. Wenn auch R nicht eine Erfindung des Appius Claud. coecus (447. a. u. c.) war, indem es in den Gesetzen der Könige oft vorkommt, so scheint es doch einige Zeit durch sverdrängt worden zu sein. Wie daher ein Schwanken im Angelsächsischen zwischen isen und iren, im deutschen Wer, Goth. Hwas, und Gen. Wessen, küren und kiesen sich zeigt, so im Latein zwischen lases und lares, quaero und quaeso, honor und honos, dorsum und dossum, quis und guir, und in den abgeleiteten Wörtern, wie honestus, audio von auris, statt aurio – höre, dem Goth. Auso, Ohr entsprechend. Viele Wörter wurden durch den sich eindringenden Rhotacismus sehr verändert; so wurde aus Asena –Saud –arena. In flos – Blüthe – trat im Ge. r zu floris – und davon ward floreo und flora gebildet. gloria stammt von Glanz, Im Oberd, Glass, Glast – Glis, vom alten Stammwort glo – lo, Licht – gloaleuchten. lases später lares von Lad - Land.[3] Das Streben, den Nominativ in a zu verwandeln, war so gross, dass nicht nur d und t in s überging, sondern auch r, so ward corpor, lepor, decor, corpus, lopus, decus. Eben so faden sich Vertauschungen mit r und l; fratellus statt fraterlus, im Französischen averon und avoine avena Hafer, so stlit für Streit, vertō für wende.
- der Lippen- oder Blaselaut w,
- der Zungen-oder Sauselaut s (das lateinische s entspricht unserm scharfen ß)
- und der Kehl- oder Hauchlaut h
- wurde in der einen Sprache gesetzt, in der andern weggelassen, oft wahrscheinlich gar nicht bezeichnet.
- Im Griechischen wurden alle 3 durch den Spiritus asper bezeichnet, so war
- so ist also
- (be) wege agō;
- aeol: Fἄγω, frage, rogō, Frogo;
- auswirken ex–Ferceo,
- urbs ist wurbs – warbes.
- sch–lüpfrig ist lūbricus,
- Specht pīcus,
- Stier taurus,
- s–chliesse claudō,
- s-chreiten, Schwed. scrida, s – gredi
- spanne pandō –
- scheide cedo, ab–scēdō, Ulphil. skaidan;
- Halle oder Saal – und umgekehrt;
- über super,
- Zinn Plattd. Tinn – stannum,
- grabe, scrībō.
- Auch werden die Laute verwechselt
- Bei manchen Wörtern mochte der Zischlaut später eintreten, vielleicht im Deutschen, wie im Italienischen und Französischen:
Das Streben, einen Zischlaut zuzusetzen, zeigt sich in mehrern Sprachen; denn daher kommt es, dass c j g vor e i im Französischen die eigenthümliche Aussprache erhielt, und im Italienischen e und g wie tschi und dschi ausgesprochen werden. Im Latein ward der Zischlaut s oft vor das t oder d gesetzt, im Deutschen hinter dasselbe, so dass dort st – hier ts oder z entstand; so ward aus dem Britischen tinn bei den Lateinern stannum, bei den Deutschen tsinn, oder Zinn; das Wort Het - Engl. Heat – ward im Lateinischen aestus – im Oberdeutschen Hitse == Hitze. So ward im Deutschen aus tegul – Schwed. tegel, Ziegel; aus taihend – zehend – zehn; beides gegen die Etymologie, da jenes von tego decke, dieses von: die Hände = 10 Finger, stammt.
Auch im Lateio mochte j schon zum Theil mit Zischlaut ausgesprochen sein, wahrscheinlich in juvo – jut schütze, jacio, jec schicke, jam schon, Die neuern Völker haben auch von vielen aus dem Deutschen stammenden Wörtern diese Hauche weggeworfen; so ward bei den Franzosen aus schreien escrier jetzt ecrier, aus Scheuer Escurie – Ecurie, aus staunen estonner – etonner, aus Forst forest –, aus Herberge Auberge, aus wallen aller, aus wandern Ital. andare, bei andern hinzugenommen, so ward aus Garten jardin etc.[4]
- nātus für gnātus (cognātus),
- nōtus für gnōtus, (ignōtus, )
- arāre für agrare, von ager,
- mitto für smitto (committō),
- locus für stlocus,
- ūrō für buro, combūrō von Feuer, durch Feuer vertilgen,
- rogō für Frogo,
- laetus für glaetus; Schwed. glaede, Engl. glad.
- So wird aus volis – du willst, vis, und invītus steht für inviltus, unwillig,
- īnfestus für in-fensus, von infend - anfeinden.
- Karol–us Karl,
- Am-sium Ems,
- Theotisci Teutische, Teutsche.
Ebenso
- Senap – Senapi – Senf,
- kalit, gelidus, kalt;
- ferōx frech,
- valid (ge)walt-ig,
- calamus Halam - Halm,
- fluvius Fluss.
- von homō, ho – min,
- von vēritās – veri – tat;
- von virtūs m vir - tut,
- von mēns, ment,
- von dēns, dent,
- von ōrdō – ordinj – ording.
Das g hatte man aufgelöst in i, wie es die Italiener heut mit vielen Consonanten machen, die piacere schreiben statt placēre, pitt statt plus. So wurden also Consonanten am Ende weggelassen und in Vocale oder s verwandelt. Weg war via, doch in der röm. Bauernsprache blieb es reha. Varro de R. R. 1, 2. 14. Tag war diēs.
Die ganze fünfte Declination besteht aus Wörtert, die am Eode den Gaumenlaut g oder ch hatten, der sich im Genitiv zeigt; denn dies i ist nichts anders als das in einen Vocal aufgelöste g, das so mit j , wie j mit i nahe verwandt ist,
- so ist diēs –diei – diej –dieg – Tag.
- scabiēs – scabiei – scabiej, scabieg – Schabung; Krätze.
- superficiēs – ficici – ficiej – ficieg – Oberfläche. das l war, wie so oft, (z. B. in vīs statt vils) herausgefallen.
- spēs – spei – speh – Spähung - Hoffnung,
- perniciēs – perniciei - ej - pernikieg - Vernichtung.
- requiēs - requiei – ej – requieg – Erquickung.
Rache die Sache, so auch bei Kero rēs racho, rērum rachono. Ottfr. C. III. L. XXV, 3. thuruh thesa racha; propter hanc rem.
Denkt man, dass durch den Rhotacismus Lases – und Asena in Lares und arena etc. verwandelt waren, so konnte es auch im Altlat, sej – Sache geheissen haben.
trete – zermalme, von haurio – haust, –
Bei der 1stren, 2ten und 4ten Conjugation ist das lange a, e, i wie im Griechischen bei den verbis perispomenis durch eine Zusammenziehung entstanden. Stō von stao stehe, zum Theil durch die Verwandlung eines Consonanten, der sich im Supinum wiederfindet, in einen Vocal und dann freilich auch durch Zusammenziehung in einzelen Formen, so
- An der Aussprache, besonders des C. Zentner, Zelle, Zeder, Zins, Karzer stammen von centēnārius, cella, cedrus, cēnsus, carcer, was durch die später entstandene Aussprache sich ergiebt. Dagegen sind cella und carcer selbst aus Keller und Kerker entstanden, und waren auch früher so ausgesprochen worden. Ebenso cent, was weiter unten erklärt werden wird.
- Aus dem Tone. Wörter, die den Ton auf der Stammsylbe haben, können wir als ächt deutsche betrachten. Die es nicht sind, verrathen, auch wenn sie noch so verbreitet sind, durch den Ton, ihre fremde Abkunft, so Musik und Natur, denn ohnerachtet das letztere Wort von einer germanischen Wurzel stammt, ist diese Form uns doch durch die Lateiner gegeben worden.
- Durch die Form des Infinitiv. Sind sie aus dem Latein, so machen sie gewöhnlich iren, so contribuiren, spazie-ren, referiren. Wo dagegen die rein deutsche Infinitivform sich findet, wie bei haben und mahlen, ist gewiss das Deutsche das ältere, selbst wenn wir die Kunst durch die Römer bekamen, wie z. B. Schreiben; denn aus unserm graben – an manchen Orten Schaben und Schraben – war das lateinische scrībō entstanden, was uns nur wieder zurückgegeben wurde; so poliren von polīre, dagegen poliō selbst von feilen; imprimiren von imprimere, aber primo – press – selbst von pressen, Notker hressen, Holländisch parsen und Schwedisch prässa, so auch ferō von bären (noch im Niedersächsischen), im Allemannischen peran, im Gothischen bairan, im Schwedischen baera, im Dänischen bäre. Der unregelmässige und dem Dänischen ähnliche Infinitiv ferre zeigt das hohe Alter des Worts im Latein, daher auch nicht alle Formen desselben sich erhalten haben. So stammen auch regieren und Regent aus dem Latein; das Lateinische regō aber kommt vom Deutschen regen, richten, so dass wir die Wurzel, sie die Form uns geben. Ebenso Siegel von sigillum; allein dies ist ein Diminutiv von signum, dessen Stamm signō, ich zeichne, ist.