GDSG/Vokalismus
Aller Laute einfache Grundlage erscheinen die Vokale und erst an ihnen entfaltet sich die macht der Konsonanten. Der Vokal tönt von selbst, der Konsonant, um deutlich vernommen zu werden, bedarf einer gemeinschaft mit dem Vokal; es sind in der stimme alle Ansätze zum Konsonantlaut da, die an den Vokal gefügt Klarheit erlangen. Der Vokal ruht, der Konsonant schwebt und ergreift jenen.
Wie in der Sprache überall[1] waltet auch für den Vokalismus trilogie. Aus drei Vokalen stammen alle übrigen.
Es ist ein gewaltiger satz, den uns sanskrit und gothische sprache zur schau tragen, dasz es ursprünglich nur drei kurze vocale gibt: A I U.
Auf dem verhältnis dieser drei laute beruht nicht nur ihre eigne erhaltung oder abänderung so wie die zeugung der längen und diphthonge, sondern auch bildsamkeit, flexion und wollaut aller wörter.
Wiederum ist von den drei vocalen A der edelste, gleichsam die mutter aller laute, aus dem zunächst I und U hervorgegangen sind, 275 so dasz diese dreiheit, gleich jeder andern, auf anfängliche einheit zurückweist.
A wird mit ofnem vollem mund, I mit innerem halbem, U mit schlieszendem gesprochen.
Nicht umsonst beginnt A in allen alphabeten, deren anordnung überhaupt beachtenswerth scheint; es sei hier blosz bemerkt, dasz das lateinische, wie mit A anhebt, mit U schlieszt (da v x y z unwesentliche jüngere zusätze), folglich I beinahe die mitte einnimmt, zwischen A und I ist E, zwischen I und U ist O geschaltet. geradeso gelangt das organ von A auf E zu I, von I auf O zu U.
- ↑ Drei Geschlechter: masculinum femininum neutrum, drei numeri: singularis dualis pluralis, drei personen: erste zweite dritte, drei genera: activum medium passivum, drei tempora: praesens praeteritum futurum, drei declinationen durch A I U.