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GDSG/Vokalismus

aus AufEinWort, der freien Forschung

Auf dem verhältnis dieser drei laute beruht nicht nur ihre eigne erhaltung oder abänderung so wie die zeugung der längen und diphthonge, sondern auch bildsamkeit, flexion und wollaut aller wörter.

Wiederum ist von den drei vocalen A der edelste, gleichsam die mutter aller laute, aus dem zunächst I und U hervorgegangen sind, so dasz diese dreiheit, gleich jeder andern, auf anfängliche einheit zurückweist.

A wird mit ofnem vollem mund, I mit innerem halbem, U mit schlieszendem gesprochen.

Nicht umsonst beginnt A in allen alphabeten, deren anordnung überhaupt beachtenswerth scheint; es sei hier blosz bemerkt, dasz das lateinische, wie mit A anhebt, mit U schlieszt (da v x y z unwesentliche jüngere zusätze), folglich I beinahe die mitte einnimmt, zwischen A und I ist E, zwischen I und U ist O geschaltet. geradeso gelangt das organ von A auf E zu I, von I auf O zu U.

Die veränderung, welcher die drei kürzen unterliegen, ist eine dreifache, entweder wechseln sie rein bleibend, oder es zeugen sich gemischte, gleichwol kurz verharrende laute, oder sie gehn über in längen.

Als ursache solches wechsels musz entweder ein nachfolgender vocal oder ein nachfolgender consonant betrachtet werden, oder endlich die vocaländerung ergeht ohne äuszeren anlasz.

Sie kann sich zutragen entweder im verhältnis zweier urverwandten sprachen nebeneinander, oder in einer und derselben sprache zwischen zwei dialecten, oder in demselben dialect für verschiedne wörter und formen.

Bei dem wechsel reiner kürzen scheint mir als oberster grundsatz zu gelten, dasz A nach zwei seiten in I oder U überschlagen könne, I und U untereinander aber sich nie vertreten, sondern immer auf A zurückzuführen seien.

Das sanskrit reicht eine fülle von Alauten dar, die in den übrigen sprachen zu I und U geworden sind: skr. aham goth. ik, skr. asti goth. ist, skr. santi goth. sind, skr. saptan goth. sibun, skr. madhu goth. mibus, skr. mahat lat. magnus goth. mikils, skr. agnis lat. ignis, skr. antas lat. intus; skr. agnis litth. ugnis goth. auhns, skr. dantas litth. dantis goth. tunpns, skr. pari goth. faur ahd. furi, skr. -as lat. -us, skr. saptan navan goth. sibun niun, skr. santi lat. sunt, skr. dschan goth. kuni. zuweilen ist aber auch im skr. die geschwächte form und in den andern sprachen A geblieben z. b. skr. pitṛ, lat. pater gr. ang goth. fadar, wie neben lat. pater die verdünnungen Jupiter Dispiter Marspiter gelten, deren laute gleichstehn denen in cano concino, habeo inhibeo, capio incipio, caput occiput, salio resilio, tango attingo. wie hier die ableitungen I für A, zeigen andere U für A: calco conculco, taberna contubernium, salsus insulsus. dieser parallelismus zwischen I und U weist nothwendig auf A zurück. lat. simul vergleicht sich dem goth. sama, gr. qua. im goth. stehn giba nima brika truda, wahrscheinlich auch knuda struda, auf einer reihe; im ahd. kipu nimu prihhu tritu chnitu stritu geht I durch. das goth. nahts ahd. naht mindert sich in ags. niht engl. night, wie goth. mahts ahd. maht in ags. miht engl. might und goth. gahts (framgahts innagahts) in ahd. giht (sungiht), ahd. witu altn. viðr steht neben ags. vudu, lat. lingua dingua neben goth. tuggô, doch die franz. sprache hat sogar langue aufzuweisen. neben litth. naktis findet sich gr. vis lat. nox ir. nochd welsch. nos sl. noschtsch. einzelne wörter laufen durch alle drei vocale[5], wie skr. ka ku ki (Bopp s. 558), ahd. ar ur ir, anti unti inti, -nassi nussi nissi, oder in verschiednen sprachen, wie das privative gr. ἀ- ἀν- lat. in-, goth. un- lautet. der goth. dat. pl. -am in dagam fiskam wird ahd. zu -um in takum fiscum, aber der goth. dat. pl. sunum zu ahd. sunim. die lat. superlative -imus entsprechen den skr. -amas, doch neben optimus maximus galt früher optumus maxumus und die dat. pl. verubus currubus scheinen ursprünglicher als die sie ersetzenden veribus curribus. die rechte abstufungoft will der zufall, dasz verdünnung eintrat oder nicht, z. b. während lat. caper ags. häfer altn. hafr, wahrscheinlich ahd. habar blieb, wurde lat. aper zu goth. ibrs ibrus, welches aus ags. eofor, altn. iöfur, ahd. ëpar zu folgern ist. Βαλαὰμ und Σαμψών der I.XX, Balaam und Samson der vulgata heiszen bei Luther Bileam und Simson.

Ich erläutere diesen wechsel reiner kürzen nicht länger, da mir mehr anliegt der trüben vocale ursprung, wie ihn unsere sprache deutlich enthüllt, ins auge zu fassen.

E und O scheinen aus einer verbindung zwischen A und I, A und U dergestalt hervorgegangen, dasz das entspringende AI und AU, gegen die natur des diphthongs, kürze festhielt und darum bald durch das einfache zeichen E und O ausgedrückt werden konnte.

Kurzes E und O kommen weder im sanskrit noch in der gothischen sprache vor, gleichwol hat letztere zwar keinen umlaut entfaltet, dennoch brechungen des I und U vor H und R in AI und AU zugelassen. Viel weiter schreitet die ahd. sprache, ihr entsteht E auf zweifache weise aus A durch I, aus I durch A, hingegen O nur einmal aus U durch A. das erste E nenne ich das umgelautete, das andere das gebrochene, und beide müssen in der aussprache merklich abgestanden haben, da ihr unterschied mhd. und selbst nhd. noch nicht verwischt ist. Von der goth. brechung kann die ahd. häufig abweichen, indem zwar goth. saihvan fauho bairan bauran zu ahd. sëhan fohâ përan poran stimmen, allein goth. faihu saihvis bairis þaurneins baurgs verschieden sind von ahd. fihu sihis piris durnîn puruc und wiederum goth. giban vigs itan von ahd. këpan wëc ëzan.

Parallel dem umlaut des A durch I sollte ahd. auch einer des A durch U entsprungen sein. diese lücke der theorie ist in altn. sprache ausgefüllt, wo bei nachfolgendem U wurzelhaftes A in AU gewandelt wird, z. b. maugr = goth. magus, daugum = ahd. tacum goth. dagam; die jetzt übliche schreibung und aussprache setzt aber mögr dögum für mogr dogum = maugr daugum; altnorwegische handschriften, z. b. die nunmehr erwünscht herausgegebnen Gulaþingslog gewähren richtiges 0: ol oll born monnom statt öl öll börn mönnum = alu allu barnu mannum.

Mhd. und nhd. vervielfachen sich die umlaute, indem von den längen abgesehn, neben A auch U und das gebrochne O in Ü und Ö umlautbar geworden sind. ich kenne keine sprache, die sich des umlauts in solcher masze bedient hätte, wie die hochdeutsche. mnl. und nnl. ist er weit eingeschränkter geblieben, dagegen die brechung des I und U über das hochdeutsche ziel hinausgegangen, so dasz alle heutigen deutschen sprachen eine überlast von unreinen, sowol gebrochnen als umgelauteten vocalen an sich tragen.

Auszerdem hat die reinheit des A und U noch in andern fällen einbusze gelitten, ohne dasz dabei irgend einflusz nachfolgender vocale oder consonanzen wirksam erscheint. so gilt ahd. O für A in holôn arcessere, fona de, giwon suetus, zumal häufig aber ags. Ä (fries. E) in wörtern wie dag dies, fät vas, gen. däges fätes, wo jedoch A erstattet wird, sobald die flexion A oder U zutreten läszt: dagas daga dagum, fatu fata fatum; solche dat. pl. dagum fatum stehn daher ab von den altn. dögum fötum.

Hat man den getischen dakischen eigen und pflanzennamen E und O einzuräumen oder, nach gothischem gesetz, abzusprechen? sie sind uns nur in griechischer fassung überliefert, welcher E und O allgeläufig waren. Γεβελείζες Οὐεζίνας Δεκέβαλος Δρομιχαίτης lassen sich leicht zurückführen auf Gibaleisis Vasins Dakibalus Trumihaitis; man erwäge, dasz für Dions Ζερμιζεγέθουσα schon Ptolemaeus das bessere Ζαρμιζεγέθουσα vorbringt; noch unverlegner wird auszerhalb der wurzel O in Ζάλμοξις machen, es gleicht vollkommen dem in Αρπόξαις Aιπóξaïs (s. 234) und dem lat. in nox mox. irrt meine deutung von Ζαρμιζε nicht, so hätte griechisch sogar Ζάρμιζη geschrieben werden sollen. Im volksnamen Γέται selbst haftete bei den Griechen von uralter zeit her E, welches aus A entsprungen sein musz, da sich -γέτος -γένος lat. -getes genus (oben s. 179) auf die skr. wurzel dschan führen lassen, wofür dem goth. idiom U gemäsz war, wie in kuni = genus, un- = ά-, us = ἐκ, so in GuÞai = Getae = Γέται = Γάται. ob nun die mit Griechen verkehrenden Geten in ihrem namen U oder I vernehmen lieszen, ist kaum zu sagen, A mögen sie längst aufgegeben haben, doch aus dem I ist das goth. U leichter als aus E zu begreifen, das freilich griechischem mund gerecht war, wie später O in Γότϑοι, seitdem die form GuÞai oder GuÞans übertragen wurde. aus γένος in γόνος gelangte das organ der Griechen ohne mühe. Dasz wir über den namen Bessi Bɛσσoi nicht im reinen sind lehrt schon die herodotische form Bησσoi (s. 198) und so mag anderwärts ein oder ein vertreten, die Κρηστωναίοι dürfen beides Κρεστωναίοι oder Κροστωναίοι werden (vgl. s. 206.) ähnlicher gesichtspunct musz für die pflanzennamen gerecht sein. das E in phthethela ist dem ersten in πέταλον gleich, das fur πάταλον steht, wie litth. patalas, federbett, bestätigt. in den endungen -ela schwächte sich der vocal noch leichter, das -ηλa in tulbela priadela mag vielmehr -ila sein. sahsa setzte das gr. ohr leicht um in σɛξέ, wie ihm skr. schasch śaptan zu έπτά geworden waren, doch seba scheint entsprungen aus siba. den vocallaut in pegrina halte ich zu dem in μέγας lat. magnus, denn der Gothe behauptet A in fagrs. reine vocale walten in salia dacina dacisca aprus radabida. die O in dochela kotiata prodiorna gonolita olma mozula sind entweder aus A und U entstanden, oder langem O zu überweisen.

Viel weniger auf liegt es mir in einigen der angeführten skythischen wörter E und O anzufechten oder zu vertheidigen, da der weite umfang und die manigfaltigkeit skythischer idiome diese laute schon gestattet haben kann, wie sie in benachbarten alten sprachen eintraten, wobei es gar nicht auf eine besonderheit getischer oder gothischer zunge ankommt. in Temerinda mag das erste E lang, das andere umgelautetes A sein und die zogazot lassen sich auch ohne dasz man κάρακοι lese mit harugâ zusammenstellen. in den meisten übrigen skythischen eigennamen erklingt voller und ungebrochner vocal.

Aber schon dem alten zend waren auszer den buchstaben für A I U noch zwei andere eigen, die, scheint es, den laut eines kurzen E und O haben und ursprüngliches A und U ersetzen, z. b. in azem ego skr. aham, puthrem filium skr. putram, hentem praesentem skr. santam, erezata argentum skr. radshatam, mâo luna skr. mâs und verflüchtigt mâu. vermutlich walten consonanteinflüsse. aber es tritt auch bei nachfolgendem i î oder ê den kurzen oder langen vocalen vorausgehender 280 silben I zu, z. b. in nairja homo, maidhja medium skr. madhja, welches AI sowohl der goth. brechung AI = I als dem ahd. umlaut E, den die älteste zeit noch mit AI EI bezeichnet, vergleichbar stände.

Noch weit häufiger sind lateinische und griechische E und O an stelle der ursprünglichen A I U gerückt.

In vielen lat. wörtern treten sich A und E zur seite: arma inermis, barba imberbis, annus perennis, ars iners, aptus ineptus, captus inceptus, fastus profestus, fallo refello, farcio confercio. nach den drei ersten beispielen würde man, auf ahd. weise, umlaut annehmen, den jedoch die übrigen widerlegen. in perennis lautet A nicht um, weil es dann auch in anni annis umlauten würde, sondern die ableitung schwächt den vocal, wie in ineptus, wo die endung des I ermangelt. Gewähren nun aber andere ableitungen I neben dem E der stämme, z. b. in lego diligo, teneo retineo, tenax pertinax, so scheint die ableitung bereits erfolgt, als der stamm noch ungeschwächtes A hatte, so dasz taneo zu retineo wie habeo zu cohibeo sich verhielten. diese lat. E gleichen also nicht unserm gebrochnen E, weil sie nicht aus I entspringen, und auch nicht unserm umgelauteten E, weil ihnen die bedingung des umlauts unnöthig ist. die. lat. ego est edo sedeo medius sex septem dens führen unmittelbar auf skr. aham asti ad .. sad.. madhja schasch saptan dantas und es liegt kein I oder U dazwischen, wie in den goth. formen ik ist ita sita midjis saihs sibun tunþus. aber zuweilen ist auch lat. I für skr. A eingetreten, z. b. mihi quinque skr. mahjam pantschan, weshalb E in me goth. mik eher auf mi als ma zu bringen wäre. über gr. v Evróg (skr. antas) kann lat. in intus nicht entscheiden.

Unter den romanischen zungen hat zumal die italienische, nächstdem die spanische, am wenigsten die französische den laut der lat. AIU ausgehalten; die letzte wimmelt von geschwächten und gebrochnen vocalen [besonders auffallend I in OI, frigidus froid, mihi moi, tibi toi. ja sie entsagt sogar völlig der reinheit des U, welches sie wie mhd. nhd. Ü ausspricht, und ihr einflusz scheint auch die nnl. gleiche aussprache des U nach sich gezogen zu haben. Hierin sticht das nnl. idiom von allen deutschen, wie das franz. von allen romanischen ab, wiewol auch altn. U heutzutage auf Island wie Ü klingt.

Gleicherweise geht der Grieche des reinen U verlustig; da aber in wurzeln und ableitungen sein Y dem U der lat. litth. und goth. sprache gleichsteht, wird ihm ursprünglich auch deren ungetrübter laut gebührt haben und ich zweifle nicht, dasz im höhern alterthum σύ ὑπό ὑπέρ πολύ θρασύς, was diesen vocal angeht, nicht anders klangen als lat. tu sub super, goth. þu uf ufar filu, litth. drasus.

Den ursprung der gr. E und O sollte man einmal ausführlich untersuchen. ἄνεμος σκόπελος stimmen zu lat. animus scopulus, deren flexion us überall dem gr. og und skr. as begegnet und sich wie das O in ahd. hano zu goth. hana verhält. gieng nun animus aus anamas, wie septimus aus skr. saptamas gr. ἕβδομος hervor? und hat sich die folge A I U wie in unserm ablaut darin erzeugt? alle lat. superlative haben -imus -umus statt des skr. -ama und zu anamas stimmt noch das irische anam anima. Jene lat. schwächungen cano occino, calco conculco sind der gr. sprache fremd, eine menge gr. E stellt sich unmittelbar neben skr. A: ἐγώ ἐστί περί πέντε ἕξ έπτα δέκα μέσος μέγας μέθυ neben aham asti pari pantschan schasch saptan dasan madhja mahat madhu und in diesen hat auch das lat. dem A entsagt, auszer in magnus und setzt I nur in quinque, der Gothe aber in ik ist fimf saihs sibun taihun midja mikils und wahrscheinlich miþus. sibun steht zu saptan wie animus zu einem älteren anamas, also darf auch ahd. piru, goth. baira = fero φέρω auf bhara weisen.

O für A entwickeln gr. und lat. sprache in novem novus ovis όϊς, folglich läszt sich auch E in νέος σπέος lat. specus, νέκυς lat. nex auf ursprüngliches A bringen, was uns goth. naus gen. navis bestätigt. anderemal schwanken beide zwischen O und A, z. b. in domo δauάω, goth. tamja. wie lat. nox dem goth. nahts scheint mir auch mox dem mahts verwandt, eigentlich potenter, hernach celeriter auszudrücken.

Die litthauische, rein lautendes A I U noch genugsam besitzende sprache hat gleichwol E und O auf eine unserer deutschen ähnliche weise entwickelt, da sich nemlich aus E in den ableitungen I ergibt: gemu nascor giminně genus, gerru bibo girrauju poto, so gleicht dies E mehr dem I als A, und szirdis mehr dem goth. hairtô, als gr. καρδία, wenn schon ich nicht wage zu entscheiden, ob esmi sum, edmi edo, sedmi sedeo, medus uέϑν dem skr. A oder goth. I näher treten. auch in den zahlwörtern keturi penki szeszi septyni deszimt waltet E, doch in asz ego A, und dem litth. esti steht preusz. ast zur seite; errelis aquila ist sl. or'l'', poln. orzeł, ahd. aro. wabalas scarabaeus klingt voller als ahd. wibil, ugnis schwächer als agnis, voller als ignis und stimmt zum goth. auhns fornax, sl. ogn' ignis. in sunus begegnet lauteres U dem goth. sunus, ahd. ags. sunu, wie in durrys porta dem ags. duru, ahd. turi; das goth. daur ist gebrochen, wie goth. dauhtar ahd. tohtar neben dem reinen litth. duktě. für A zieht diese sprache verschiedentlich O vor, z. b. in obolys, ahd. apfal epfili, welsch afall pl. efyll, sl. jabloko, rojus paradisus sl. rai, ponas dominus sl. pan.

Aber viel öfter trübt sich der Slaven A zu 0: nos" nasus litth. nosis, rosa lat. ros roris litth. rasa, os'l" goth. asilus, bos" nudipes litth. basas, noschtsch' goth. nahts poln. noc, moschtsch' goth. mahts poln. moc, grob" sepulcrum litth. grabas, rog" cornu litth. ragas, oko oculus litth. akis, orati arare litth. árti, more mare litth. marès, gost' hospes goth. gasts, vosk" cera litth. vaskas ahd. wahs, voda aqua goth. vatô. einzelne dialecte, zumal der polnische, sind diesem O noch geneigter: proch pulvis sl. prach" litth. parakas, prog limen sl. prag", chłop servus sl. chlap" litth kalps, broda barba sl. brada litth. barzda, krowa vacca sl. krava litth. karwě, mrowka formica sl. mravii, grod urbs sl. grad" goth. gards, wohin auch die untrennbare partikel roz gehört, die nur den Böhmen ebenso, allen übrigen Slaven raz lautet. die Russen pflegen, nach ahd. art, den vocal durch zwei silben zu führen: porog" cholop" boroda korowa gorod".

Was nun I und U betrift, so scheint in deren verflüchtigung die sl. sprache weiter gegangen als eine der übrigen urverwandten, indem sie sie häufig ganz ausstöszt oder blos jeriert, d. h. besondere zeichen eintreten läszt, in welchen der alte vocal nachhallt. es gibt zweierlei jer, ein dünnes oder mildes, welches ich hier durch ausdrücke, und ein dickes hartes, wofür ich setze; jenes, dünkt mich, ist an die stelle von I, dieses an die von U getreten [Miklos. lautl. 71], wie auch im russischen inlaut jenes durch E, dieses durch O bezeichnet zu werden pflegt. st'klo vitrum poculum entspricht dem litth. stiklas, goth. stikls, altn. stikill, ahd. stihhil aculeus apex, weil die alten trinkhörner spitz waren; die Böhmen schreiben sklo, die Polen szkło. nicht anders ist sr'd'tze, böhm. srdce das litth. szirdis, goth. hairtô, ahd. herza. pr'st" digitus, böhm. prst, russ. perst", litth. pirsztas, lett. pirksts. m'gla nebula, poln. mgła, böhm. mhla, litth. migla, gr. ὸμίχλη. vl'k” böhm. wlk mildern die Polen in wilk, die Litthauer in wilkas, die Russen haben volk" hergestellt, es ist das gr. λúκος, wie goth. vulfs das lat. lupus; Miklosich bringt zu vl"k" das skr. vṛka (oben s. 56), welchem noch genauer sl. vrag" goth. vargs antwortet. pl"k" acies agmen ist das böhm. pluk, poln. połk pulk, russ. polk", litth. pulkas, ahd. folh, ags. folc, altn. fôlk. pl"n" böhm. plny, poln. pełny, russ. polnyi, litth. pilnas, lat. plenus; ableitendes N erscheint erst im goth. fulnan fullnan impleri, nicht in den einfachen adj. fulls, ahd. fol, man wolle denn LL aus NL leiten. Beide jer zeigen sich zumal auslautend am platz des älteren U und I: os'l" gleicht genau dem goth. asilus, med" dem altn. miöðr, ags. medu, tr'n" dem goth. þaurnus, s"in" dem litth. goth. sunus, wogegen gost' dem goth. gasts pl. gasteis, noschtsch' dem goth. nahts, ogn' dem lat. ignis, wenn schon, wie I und U tauschen, einzelne dieser jer die stelle gewechselt haben mögen. Von beiden, dem dünnen wie dem dicken jer sind aber in den heutigen sl. sprachen eindrücke auf die vorausgehenden, zumal liquiden consonanten übrig, z. b. poln. koń equus entspringt aus kon', orzeł aus or'l", wierzch vertex aus vr'ch" böhm. wrch, łza lacrima aus s''za böhm. slza serb. suza, poln. sły malus aus z"l". da nun den Slaven wurzelhaftes G vor I in Z übergeht (bog pl. bozi), so scheint mir auch az" ego, iz" ex litth. asz, isz eigentlich az' iz' = azi izi für agi igi, und az' ganz dem zend. azem = skr. aham vergleichbar, so wie gr. μέσος μέσσος aus medius erklärlich wird, vgl. sl. meshdou, böhm. mezy, poln. między, serb. medju = inter, in medio. Allerdings wirkt auf die vorausgehenden cons. I stärker ein als U (wie bei uns jenes die vorausgehenden vocale umlautet, nicht dieses); dennoch wohnt sie auch dem U, nicht dem A bei und ich kann Bopps ansicht nicht theilen, welcher (vgl. gramm. s. 339) das harte jerr aus jedem der drei kurzen grundvocale leiten will.

Weniger bedeutet dabei das schwanken der neueren mundarten, wenn sie den entflohnen laut wieder herstellen; so verwendet der Pole bald O und U (połk pułk), bald E oder I (serce pełny wilk), auch IE (cierń wierzch), am seltesten A (tarú neben ciern = böhm. trn.) Wechsel zwischen I und E bietet, dünkt mich, zumeist das böhm. organ dar: hřebec equus hřjbě pullus equi, lépe ljpe melius, klec cavea kljcka caveola, klecati kljceti claudicare, lepnuti ljpnuti haerere und viel dergleichen.

Darin kommt aber die slavische sprache mit der griechischen und französischen überein, dasz auch sie des reinen kurzen U entbehrt und es stets durch jery, d. h. ein dem harten jer nachgesetztes I ausdrückt, beide zeichen zusammen aber wie y oder ü lauten läszt, z. b. s"in" filius = goth. litth. sunus, r'iba piscis, m'isch mus, wo die Polen syn ryba mysz schreiben. man unterscheide davon das immer lange U der heutigen Slaven, welches aus altem OU erwächst, z. b. in 'rozum ratio, russ. razum, altsl. razoum", vgl. litth. umas. weil aber das auslautende kein solches I hinter sich hat, so folgt, dasz es auf lauteres U zurückgeführt werden müsse.

Den keltischen sprachen stehn neben reinem A IU auch E und O, auszerdem aber viele diphthonge zu, die sich als kürzen umlaute und brechungen auffassen lassen, d. h. für das verständnis des E und O wichtig werden. kein andrer vocalismus scheint dem ahd. ags. und altn. so verwandt wie dieser keltische.

Zumal klangreich und voll ist der irische und auf die art und weise unsrer gebrochnen laute fällt erwünschtes licht dadurch, dasz neben langem ái éa éi éo ío íu ói úi ausdrücklich kurzes ai ea ei eo io iu oi ui anerkannt werden. In der flexion verdienen besonders die einsilbigen nomina aufmerksamkeit, die den kurzen vocal des nom. sg. im gen. sg. und nom. pl. diphthongisieren, oder wenn der kurze diphthong schon im nom. sg. ist, ihn mit einem andern laut vertauschen. neart virtus (welsch nerth) bildet den gen. neirt oder nirt, fear vir fir, ceann caput cinn, sean senex seine senior, each equa eich, corp corpus cuirp, torc aper tuirc, crann arbor croinn, fonn terra fuinn. was kann dem ahd. anst gen. enstî pl. enstî (nach alter weise geschrieben einstî) näher kommen als dies neart gen. neirt, pl. neirt? es gibt aber andere, die im nom. sg. kurzes U, im gen. sg. und pl. kurzes O empfangen: ucht pectus gen. ochta, lus herba gen. losa, gul ejulatio gen. gola. U wird in O gebrochen, O in UI. Die flexion der langen vocale ergeht analog z. b. bárd poeta hat den gen. und pl. báird. Auszerhalb der flexion sind mir einzelne schwächungen des A in U aufgestoszen: abhal malus, ubhal malum, was dem litth. obolys gleicht, wie ugh dem lat. O in ovum.

Auch die welschen plurale zeigen besonders bei einsilbigen wörtern einen unserm deutschen ähnlichen umlaut, A pflegt El, O aber Y anzunehmen; mab filius pl. meib, bardd poeta beirdd, sarff serpens seirff, gwalch falco gweilch, corf corpus cyrf, corn cornu cyrn, ffon baculus ffyn, fford via ffyrd, welches Y dem irischen UI gleicht. naf creator, talch fragmen bilden den pl. neifion teilchion. hen alt bildet hyn hynach älter, ser stella den pl. syr. geht bei zweisilbigen der vocal letzter silbe in Y über, so wandelt sich das A der ersten in E: afall malum, aber refugium, maneg manica erhalten efyll ebyr menyg, was zum ahd. umlaut des A in E stimmt, das zweisilbige dafad ovis macht den pl. defaid. anderes weicht ab, von dant dens finde ich den pl. daint (nicht deint) angesetzt, von maen lapis meini, von nain avia neinoedd, von brân corvus brain, von troed pes (ir. troidh) traed, von gwr vir gwyr, von dwfr aqua deifr, von croen cutis crwyn u. s. W., was genauere forschung wol erklären wird. ich bin im welschen der quantität der vocale unsichrer als im irischen.

Aus diesem vortrag über die kurzen vocale der urverwandten sprachen ziehe ich,

1) dasz sich an die trilogie A I U nur die indische und gothische binden, da sie zwar A in I und U abstufen, nicht aber in trüben laut schwächen. daraus erklärt sich der grosze umfang dieser vocale in beiden sprachen.

2) I und U bricht die gothische, sobald ihnen H und R folgen, indem sie dann A vorschiebt, so dasz aih auh air aur, ohne beeinträchtigung der kürze, entspringen. das skr. guna erscheint analog, es schiebt gleichfalls A vor I und U und bewirkt AI AU, die jedoch länge empfangen und ê ô ausdrücken. dennoch lehren sie, wie der goth. brechung die ahd. E und O gleichen, und kürze wahren.

3) recht im gegensatz zum skr. und goth. schädigt das zend den Alaut, für skr. madhjas maidhjas, für skr. bhrâtaram bhrâtarem schreibend. hierzu stimmt das lat. medius und fratrem, welche zugleich zeigen, dasz AI und E zusammentreffen, wie die goth. brechung des I AI mit der schreibung E. auch der ahd. umlaut des A in E wird durch AI AE vermittelt, das man in den ältesten denkmälern noch antrift, z. b. caensincli f. gensincli, und das selbst unser nhd. ä enthält. an der kürze dieser AI AE E läszt sich so wenig zweifeln als an der des gebrochnen goth. AI. das ags. fries. AE E in gräf fovea stäf baculus däl vallis fries. gref stef del vollenden den beweis.

4) die goth. sprache geneigt skr. A in I abzustufen, die lat. in E zu schwächen, und aus aham asti madhjas dasan macht jene ik ist midja taihun, diese ego est medius decem. da nun die hochdeutsche und noch mehr die niederdeutsche sprache zendische und gothische richtung vereinigt, d. i. sowol A umlautet als I bricht; so ergeben 287 sich in ihnen allzuviel E, die wenigstens durch die aussprache e und ë günstig von einander gehalten werden.

5) in der slav. sprache herscht die wandlung des A in O vor, obgleich sie nicht auf dem wege des altn. umlauts durch U ergeht; I und U pflegen ihr aber häufig ganz zu entgleiten und nur jeriert nachzuklingen. dies hängt mit feiner ausbildung des consonantismus zusammen.

6) die keltischen sprachen schlieszen sich in vervielfältigung und practischem gebrauch der brechungen oder umlaute auffallend an die hochdeutsche, wozu auch die menge der diphthonge in beiden stimmt. man sollte meinen, dasz in diesem betracht einflusz des keltischen idioms auf die benachbarten Angelsachsen, Friesen und Franken stattgefunden haben könne, zumal die inneren Deutschen (Altsachsen Alamannen Baiern) in spaltung der laute enthaltsamer scheinen.

7) vocalischer wollaut hängt von reinheit der drei kürzen und vom gleichmasz der diphthonge ab. da in unsrer sprache das diphthongische verhältnis hauptsächlich aus dem gesetz der ablaute erhellt, welchem sich die betrachtung ein andermal zuwenden wird; so will ich hier die einfachste, alle schönheit des lauts bedingende grundlage der trilogie A I U näher ins auge fassen.

Jeglichem ohr wird aggvus, itan mehr behagen als enge, essen, aber auch una, tulipa mehr als üne, tülipe und silva filu ufar mehr als hülä polü hüper. unter allen europäischen sprachen, was die anmut der vocale betrift, scheinen mir die lateinische litthauische und gothische vorzuragen, und namentlich die griechische und slavische hinter sich zu lassen; noch gröszere lautreinheit gewährt in asiatischer heimat das sanskrit.

Beispiele zweisilbiger und dreisilbiger wörter, nach allen möglichen combinationen, sollen zeugen. ich gestatte mir nur für die letzte, d. h. die flexionssilbe, einigemal unsichere quantität; zugezogne composita sind eingeklammert.

1) lat. ala mala alga talpa parca. litth. galas labas badas sawas sapnas alga banda tarnas wardas. goth. dvala mala sama ana hana fara aba daga ahma ahva taglam valda barna marka.

2) lat. cinis sitis ignis piscis gliscit. litth. didis iltis pikkis smiltis blindis szirdis. goth. divis þivi hilis milip visip blindis spinnis vilpi.

3) lat. humus tubus lupus pullus currus multus fundus murmur. litth. sunus suwu gullu durru grubbus suntu mudrus. goth. sunus munum skulum bundum tunpus huhrus.

4) lat. alit agit apis pandit scandit. litth. dalis szalis dravis akis dalgis balsis angis naktis. goth. alis halis anis faris framis agis hatis basi nati vatin gavi havi gaggis landis fahsis ahmin batists balgis bagmis vasti frastis.

5) lat. malus apud latus agunt pandunt. litth. alu malu laku allus saldus dangus garsus aglus. goth. magu magup skadus valus sakkus handu aglu aggvus.

6) lat. mina illa crista. litth. ilgas smilgas silpnas pilnas piktas tinklas dirwa kirnas diržas pirsztas. goth. qima hina ina iba skipam bida hita imma blinda trimpa vilva stibna mitaþ spinnand fiskam.

7) lat. pilus simul minus cicur littus nimbus firmus circum. litth. skinu immu skirru linnus iszkus kittur. goth. filu miluks spivum divum sibun sidus vitum kintus hliftus.

8) lat. cuba cubant juglans bulla funda. litth. bludas rumba dumblas durnas dugnas. goth. fula vula guma suman muna nuta ufar dumba vulfa runsa fuglam.

9) lat. puppis pulvis dulcis turris. litth. krutis rukis ugnis usnis bluźnis guszis. goth. kuni funin lubi trudis sutis fullis ubils ugkis runsis unsis.

10) litth. amaras parakas nagabas wabalas sakalas wakaras adata patalas gatawas asaba wasara aszara allasas sarmata. goth. dvalana Amala Hanala managans allana grabada habandans abraba balþaba Bastarna (andstandan).

11) lat. nitidi hispidis. litth. kikillis kirminis pintinnis (didpilwis). goth. minnizin himinis kindinis stiviti.

12) lat. cumulus tumulus lupulus tumultus nummulus cucullus. litth. (nubundu) (sugruwu), goth. (undrunnum).

13) litth. aklatis amalis. goth. Amalin Hanalin managists habandins (andbahti).

14) litth. (apkalbu) (apkassu).

15) lat. animi habilis agilis. litth. dagillis arikis (atilsis) knabbinnis. goth. agisis aqizi gadiliggs atiskis Attilin avistris barniski.

16) lat. annulus patulus angulus angustus. litth. (pabundu) (pargruwu). goth. (andrunnun).

17) lat. maria anima aquila amita armilla pallida madila candida habitans tranquilla mantissa. litth. barimas katilas arimmas asilas labimmas dangiszkas (atbilda) akstinnas. goth. alida valida arida varida gramida tavida agida ragina lagida matida batiza Attila balvida aldiza þvastiba (andbindan).

18) lat. animus asinus agitur habitus tacitus madidus callidus pallidus candidus marcidus ambitus malignus maximus tranquillus patribus. litth. dabinu labinu grandinu garsinu (pagirra) (atimmu) addinczus. goth. asilus aggilus andizuh.

19) lat. tabula facula macula matula glandula. litth. akrutas rapukkas (apkunas) kalmusas baltummas gardummas. goth. magula harduba agluba handugans (gamunands).

20) lat. tabulis. litth. allutis. goth. magulin aftumist valdufni fastubni.

21) lat. nitida. litth. bimbirras brinkinnu kibbirgs kiklikas (isz drimba). goth. himina mikila hrisida sivida kindina plinsida minniza (invindans).

22) lat. igitur nitidus hispidus cincinnus tintinnum litth. ilginu kirkinu (iszrittu). goth. (invitum).

23) litth. dimźakas. goth. nimada stilada gibada vigana gibandan sitandan izvara spinnada blindana.

24) lat. figulus circulus stimulus vitulus titulus singulum. litth. (iszdumbu).

25) litth. pilnatis (didgalwis) (pirmkartis.) goth. gibandin silandin sitandin rinnandin (iddaljin) igqaris.

26) lat. (incassum) (infantum).

27) lat. singulis circuli stimuli. goth. midumin glitmuni.

28) lat. pilula inula vitula fistula virgula singula. litth. didummas itumpas ilgummas. goth. miduma hinduma (bibundans).

29) lat. lupula jugula. litth. surummas. goth. (unhulpa).

30) lat. lupuli tutudi pupugi. goth. hulundi (unsuti) þusundi.

31) litth. ubbagas. goth. trudada huljada juggata vulþaga unsara sunjaba (unbarnahs).

32) lat. culmini stupidis ultimis. goth. Vulfilins hulistris.

33) goth. unsaris ugkaris.

34) goth. ulbandus.

35) lat. culmina fulmina. litth. buwimmas lupikkas kuniszkas sudirgsta. goth. hugida juhiza tulgida sutiza ubizva Vulfila (usfilma) (usqiman) (uslipa) (ussigvan).

36) lat. studium cubitus mutilus stupidus cupidus lumbricus funditus ultimus. litth. suninku.

Alle diese formeln sind wollautend, die schönsten aber welche jeden der drei vocale aufzeigen, zumal 18, 20, 28, 33, 35; doch scheinen auch 17, 19 und 13, 23 lieblich.

Das latein meidet in dreisilbigen A der penultima (auszer in fremden wörtern wie Palladis baccaris balsamum), darum mangeln ihm 10, 13, 14, 23, 25, 26, 31, 34. dem litthauischen gehn ab 12, 14, 16, 24, 26, 27, 30, 32, 33, 34, dem gothischen 12, 14, 16, 22, 26, 29, 36, woraus wieder grosze einstimmung dieser beiden einleuchtet; vollständigere bekanntschaft würde noch einzelne formeln nachweisen, alle drei Sprachen entbehren 14 und 26. ich habe die mangelnden wenigstens in zusammensetzungen aufgezeigt.

Die viersilbigen zu sammeln, wäre bei ihrer manigfaltigkeit schwer; es mag an wenigen genügen. lat. animula animitus mancipium carbunculus nitiditas nitibundus mutilandus cubiculum dulcissimum luscinia; fünf silben haben calidissima, taciturnitas aliquantulum, sechs silben, hat curculiunculus. litth. dabinimmas drawininkas luddininkas apatinnis. goth. ubilaba gadiliggans unsaramma managiza ufarassus gudjinassus hafanana; nimmt man zusammensetzungen mit, so vergröszert sich die zahl: usagida insandida usvalida urrinnandin garunnana bigitandans andhulida und man gelangt leicht auch auf fünfsilbige: 291 anakumbida andhulidana lukarnastapa. Ulfilas bietet ganze sätze dar, in welchen nur die drei kurzen vocale walten, z. b. Joh. 7, 45 uslagida ana ina handuns; Joh. 7, 49: atiddja du imma in naht sums visands.

Keine andere europäische zunge vermag diesen einfachsten wollaut in solcher reinheit; aber die ahd. mundart kommt der goth. zunächst, ja sie überbietet sie noch durch häufigere bewahrung des ableitenden A, wogegen sie freilich das A der flexion oft in U oder O wandelt und der brechung mehr umfang gestattet: ana sama, stilli miti, hugu sunu, aki apuh, inan plintan pipar filu ipu pirum sciluf, upar wuntar sumar humpal, upil chunni, adala danana wahtala sualawa, mihhilin himilisc chisilinc silapar mittuli, katilinc mammunti stantanti sagitun, sumarum fugalum Fugalinc chuningis hugita wunscili jungirin tuttuli. die formeln 14, 22, 24, 26, 36 werden ahd. thunlich: hasalum adalum Adalunc, acharum, himilum wibilum distilum digitum, hiruzum fingarum wintarum hugitum tumphilum; viersilbig: amisala nahtigala samanunca und in zusammensetzungen: gihugita ungimacha unfirslagan gitubili intnagili antlingita. Die ahd. mundart liebt, in drei und mehrsilbigen wörtern, den vocal der vorletzten mit dem der letzten silbe auszugleichen, z. b. aus pittar zu bilden pitturu pittirî oder für hungarita zu schreiben hungirita. auf den wurzelvocal kann dies nur in so weit einflieszen als dessen brechung aufgehoben wird: degan gidigini, wëtar giwitiri, fogal fugili; aber statt wunscili könnte nie gesagt werden winscili, für hantilîn nie hintilîn.

Der gr. sprache sind alle U in Y getrübt und viele A in E oder O geschwächt, dennoch hat sie eine grosze zahl reinlautender A und I bewahrt und die formeln 1, 2, 6, 10, 13, 17 lassen sich im überflusz nachweisen: ἄρα παρά μάλα κακά κατά αλλά Παλλάς άνδρα μακρά, τίσι τισί σφίσι, τίνα τινά φίλα, τάλαντα ἅρματα φάρμακα ἀγλαά άμαξα, ἀνακτι ἀνδράσι πάρδαλις ἀγαθές, άγρια ἀσπίδα πατρίδα μάστιγα μάλιστα τάχιστα κάλλιστα, seltner schon 11, 23, 35: κίβισις, λιπαρά στιβαρά, κίδαρις κιθαρίς.

Erwägt man nun ferner, dasz in der lat. litth. und goth. sprache zu jenen drei kürzen noch lange vocale und diphthonge treten und sich nach schöner folge abstufen; so erreicht der vocalismus in ihnen seinen gipfel.

Zugleich musz aber nicht verkannt werden, dasz es dem geistigen fortschritt der sprache angemessen war, von solcher höhe herabzusteigen und auf kosten des lauts eine noch gröszere manigfaltigkeit geschwächter, gebrochner, getrübter töne zu erzeugen, was hauptsächlich durch E und O, so wie durch vielfache umlaute und assimilationen bewirkt wurde. indem die wörter weniger in den sinn fallen, werden sie anspruchsloser und für die abstraction taugender.

Schon in dieser hinsicht ist der griechischen sprache eine höhere vollendung und verfeinerung als der lateinischen beizulegen. sie hat die glücklichste mitte getroffen und von dem ursprünglichen wollaut nur so viel aufgegeben, als nöthig war, um die freiste beweglichkeit zu entfalten.

Insofern kann auch die französische sprache gewandter und behender als die italienische, die englische ausdrucksvoller als die schwedische heiszen, obgleich unter allen romanischen und deutschen zungen die italienische und schwedische meisten wollaut behielten, darum die singbarsten blieben. Der keltische vocalismus trägt, neben vortheilhafter anlage, deutliche spuren früher pflege an sich. Dem litthauischen ist bis auf heute seine alte reinheit zuständig; diese sprache hat sich auch geistig beinahe nicht geregt: wenig mehr verarbeitet mag die lettische sein. Bei unvergleichbar stärkerer ausbildung scheint den Slaven noch eine fülle vocalischen wollauts eigen.

Der deutschen sprache aufschwung hat nicht die gunst der griechischen erfahren, sondern ist langsam und mit unterbrechungen vorgeschritten. unsere errungenschaft würde zur althochdeutschen anmut des lauts zurückkehren weder können noch wollen, so wenig als die englische zur angelsächsischen. immer aber bricht, wenn auch weniger in abgeleiteten als zusammengesetzten wörtern, die althergebrachte trilogie durch, z. b. mittag schifmann umfang umfall misgunst manigfalt dahinunter, selbst in anomalien wie nachtigall und bräutigam.

Aber in der geschichte dieser vocale, der ursprünglichen trilogie und der allmälich hinzutretenden brechung und beumlautung scheint mir wieder ein zeugnis der urgemeinschaft zu liegen. Auch die finnische sprache ist klangreich und wollautig; auszer dem AI U hat sie E O und daneben Ä Ö Y entwickelt, und trübe vocale stehn in zwei drei und viersilbigen wörtern immer zusammen, z. b. höylä höylätän hörhöläinen nytkiä nytkimätöin, wie sich die reinen suchen: matala matalus, matka matkustus matkustaminen; allein es findet kein übergang aus dem reinen in den trüben statt, keine rückkehr aus dem trüben in den reinen, daher z. b. ranta littus räntä pluvia nivosa, rastas turdus rästäs stillicidium, harma canus härmä pruina, harka dictum mordax härkä taurus, rupen incipio rypen voluto me ganz unverwandt sind. weder ist also unser gewöhnlich fühlbarer umlaut, noch jene ahd. assimilation der vocale in dreisilbigen wörtern vergleichbar, da diese nicht in die wurzelsilbe dringt.

Zum schluss will ich voraussagen, wohin erst folgende untersuchungen zielen, und was einen unverkennbaren zug unserer sprache kund gibt. in den übrigen, zumal den älteren ist der vocalismus manchem wechsel und mancher schwächung ausgesetzt; aber die wirkung bleibt eine blosz phonetische, die flexion begleitende. die deutsche sprache hingegen strebt diesen vocaltausch dynamisch zu verwenden. unser ablaut, an sich dem skr. guna höchst ähnlich, wird dadurch ganz etwas anderes, dasz sich aus ihm ein wunderbares, die flexion aller starken verbalwurzeln beherschendes, und von da aus in alle theile der sprache strömendes gesetz entfaltete. Brechung und umlaut, die anfangs auch nur phonetische bedeutung hatten, sind uns ebenfalls unerläszliche hebel der flexion geworden. unter allen unsern mundarten hat die hochdeutsche diese richtung am deutlichsten an sich getragen. Solcher kraft und wirksamkeit des deutschen vocalismus an die seite zu stellen wüste ich nur eine noch auffallendere dynamische anwendung des keltischen consonantismus, dessen spur sich anderwärts namentlich auch bei Slaven und Griechen, doch in weit geringerem masze zeigt.

  1. ↑ Anm. KF: Es ist entgegengesetzt. Der Selbstlaut entspricht einem Eintonlaut, welcher angestimmt entweder durch Mitlaut in dessen Schwebezustand verändert, begrenzt oder wieder stimmlich in Tonlage schwebend gehalten, verändert oder geendet wird.
  2. ↑ Drei Geschlechter: masculinum femininum neutrum, drei numeri: singularis dualis pluralis, drei personae: erste zweite dritte, drei genera: activum medium passivum, drei tempora: praesens praeteritum futurum, drei declinationen durch A I U.
  3. ↑ Anm. KF: Die Angaben der Dreiheiten ist falsch, es sind jeweils mindestens Vierheiten. vgl. genus
  4. ↑ Anm. KF: bislang einerlei Nachweis dieser Lehre auffindbar.
  5. ↑ beachtenswerth die spaltung der goth. praep. ana und in, die beide das gr. v und lat. in ausdrückt.