Zum Inhalt springen

GDSG/Einwanderung/13

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 18. Juni 2024 um 15:19 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „▷Für das fünfte europäische Volk sehe ich die Litthauer an, deren die Geschichte fast geschweigt, denen aber ihre kostbare Sprache gewähr leistet. Dicht an der Ostseeküste von der Weichsel bis zur Düna, seitwärts zur Wilna hin durch Preußen, Samogitien, Kurland und Liefland strecken sich die überbleibsel einer Völkerschaft, die niemals Einfluß auf die Weltbegebenheiten gewonnen, sich stets unter dem Druck mächtigerer…“).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

▷Für das fünfte europäische Volk sehe ich die Litthauer an, deren die Geschichte fast geschweigt, denen aber ihre kostbare Sprache gewähr leistet. Dicht an der Ostseeküste von der Weichsel bis zur Düna, seitwärts zur Wilna hin durch Preußen, Samogitien, Kurland und Liefland strecken sich die überbleibsel einer Völkerschaft, die niemals Einfluß auf die Weltbegebenheiten gewonnen, sich stets unter dem Druck mächtigerer Nachbarn befunden hat. Ihre Sprache steht in drei zweigen bedeutsam von einander ab; darunter ist der Altpreußische ganz ausgestorben, nur aus einem einzigen Denkmal spärlich zu erkennen. Der Litthauische lebt in Ostpreußen und Samogitien, dort reiner, hier mit polnischen Wörtern vermengt, der Lettische in Kurland und Liefland: aus diesen Verschiedenheiten zieht die Sprachforschung nur Gewinn, altertümlich und formich erscheint zumal der litthauische Dialekt im engeren Sinn, kaum eine andere Sprache in Europa steht dem Sanskrit näher[1], auszerdem findet große Ähnlichkeit mit der deutschen und slavischen Zunge statt. Diese beiden werden durch die Litthauische gewissermaßen vermittelt, was nur nicht so aufzufassen ist, als sei das Litthauische, wie man früher wol angenommen hat, aus ihnen gemischt worden, da es vielmehr selbständige Eigentümlichkeit besitzt, die nur an Deutsche und Slavische rührt. Ebenso wenig aber haben die slavische und deutsche Sprache ihre urverwandten Bestandteile aus der Litthauischen entlehnt, sondern zwischen allen dreien waltet warme in der Geschichte der europäischen Sprachen höchst folgenreich dastehende Gemeinschaft ob. Wahrscheinlich hatte auch die getische Sprache einen nicht zu übersehenden Verband mit der Litthauischen; es ist ungemein merkwürdig, daß der preuszische Litthauer den polnischen, d. h. den Samogeten Gudas oder Guddas nennt. Unserm Mittelalter hieß er Sameite, woraus nachher Schamaite entsprang, was sich alles zurückführt auf Samogeta.

◀Für das fünfte europäische volk sehe ich die Litthauer an, deren die geschichte fast geschweigt, denen aber ihre kostbare sprache gewähr leistet. dicht an der ostseeküste von der Weichsel bis zur Düna, seitwärts zur Wilna hin durch Preuszen, Samogitien, Kurland und Liefland strecken sich die überbleibsel einer völkerschaft, die niemals einflusz auf die weltbegebenheiten gewonnen, sich stets unter dem 170 druck mächtigerer nachbarn befunden hat. Ihre sprache steht in drei zweigen bedeutsam von einander ab; darunter ist der altpreuszische ganz ausgestorben, nur aus einem einzigen denkmal spärlich zu erkennen. der litthauische lebt in Ostpreuszen und Samogitien, dort reiner, hier mit polnischen wörtern vermengt, der lettische in Kurland und Liefland: aus diesen verschiedenheiten zieht die sprachforschung nur gewinn, alterthümlich und formich erscheint zumal der litthauische dialect im engeren sinn, kaum eine andere sprache in Europa steht dem sanskrit näher, auszerdem findet grosze ähnlichkeit mit der deutschen und slavischen zunge statt. diese beiden werden durch die litthauische gewissermaszen vermittelt, was nur nicht so aufzufassen ist, als sei das litthauische, wie man früher wol angenommen hat, aus ihnen gemischt worden, da es vielmehr selbständige eigenthümlichkeit besitzt, die nur an deutsche und slavische rührt. ebenso wenig aber haben die slavische und deutsche sprache ihre urverwandten bestandtheile aus der litthauischen entlehnt, sondern zwischen allen dreien waltet warme in der geschichte der europäischen sprachen höchst folgenreich dastehende gemeinschaft ob. wahrscheinlich hatte auch die getische sprache einen nicht zu übersehenden verband mit der litthauischen; es ist ungemein merkwürdig, dasz der preuszische Litthauer den polnischen, d. h. den Samogeten Gudas oder Guddas nennt. unserm mittelalter hiesz er Sameite, woraus nachher Schamaite entsprang, was sich alles zurückführt auf Samogeta.▷

  1. ↑ Das Litauische stammt über das Ur-Baltoslawische von der indogermanischen Grundsprache ab. Von den baltischen Sprachen lebt neben dem Litauischen nur noch die lettische Sprache. Beide Sprachen werden dem Ostbaltischen zugeordnet. Die Trennung des Lettischen und Litauischen voneinander wird für das frühe Mittelalter (7./8. Jahrhundert) datiert. Von der verwandten ausgestorbenen altpreußischen Sprache, die als westbaltische Sprache gilt, gibt es noch einige Schriftdenkmäler. Das Litauische zeichnet sich durch viele erhaltene altertümliche grammatische Formen aus, die sich zum Teil auch im Sanskrit oder in anderen alten indogermanischen Sprachen wiederfinden. Deswegen gilt das Litauische als die (in vieler Hinsicht) konservativste lebende indogermanische Sprache. Die oberflächlichen (typologischen) Ähnlichkeiten zum Sanskrit sind hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass beide Sprachen im Vergleich zu modernen, aber auch den meisten älteren indogermanischen Sprachen die Grundstruktur einer vermuteten indogermanischen Ursprache besonders gut bewahren. Die Ankunft der Balten im heutigen Siedlungsgebiet wird in das dritte Jahrtausend vor Christus datiert. Die Untersuchung von Gewässernamen hat gezeigt, dass das baltische Siedlungsgebiet sich einst von der Weichsel bis Moskau und Kiew erstreckte – allerdings darf man von einer nur dünnen Besiedlung ausgehen. Baltische Völkerschaften wurden hier später von den expandierenden Slawen assimiliert. Die Gründung eines litauischen Staates erfolgte im Mittelalter durch Mindaugas. Über die Rolle des Litauischen in diesem Staat ist wenig bekannt. Als Schriftsprache diente eine ostslawische Sprache, das sogenannte Kanzleislawische (Ruthenisch), in Kyrillica, allerdings angereichert mit litauischem Vokabular. Später war das Litauische infolge der Vereinigung des Großfürstentums Litauen mit dem Königreich Polen(Union von Krewo) vermehrt polnischen Einflüssen ausgesetzt.