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Werk:Compendium/IX

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▷Capitulum IX

▷Sunt igitur haec pauca facilia et sufficientia speculationi tuae, cum sis simplex. Quod si subtiliora indagare proponis, de elementis ad partes soni respice et litteras illas partes designantes, quarum aliae sunt vocales, aliae mutae, aliae semivocales, aliae liquidae, et quomodo ex illis fit syllabarum et dictionum combinatio, ex quibus oratio, ac quod oratio est intentum. Ita quae a natura sunt, procedunt ab elementis ad intentum naturae. Oratio enim est rei designatio seu definitio. Hoc quaternario ab imperfecto ad perfectum pervenitur. Et quae de hoc philosophice tractari possunt, sufficienter in progressu artis huius venari poterunt. Nam in natura reperiuntur combinationes pulchrae et ornatae et hominibus gratae. Sic et <in> dicendi arte et vocum concordantia quaedam contrario se habent modo in utraque.

Diese wenigen Worte sind für deine Betrachtung leicht verständlich und hinreichend, da du selbst einfach bist. Wenn du dem genauer nachspüren möchtest, dann blicke von den Elementen auf die Teile des Tones zurück und auf die Buchstaben, welche diese Teile bezeichnen, von denen die einen Vokale, die anderen Konsonanten – noch andere Halbvokale und Liquiden sind. Beachte ferner, wie aus diesen die Verbindung von Silben und Wörtern entsteht, daraus die Rede und daß schließlich die Rede das Beabsichtigte ist. Was also von Natur ist, schreitet von den Elementen zu dem von der Natur Beabsichtigten fort. Die Rede ist die Bezeichnung oder Begriffsbestimmung der Sache. Durch diesen Quaternar gelangt man vom Unvollkommenen zum Vollkommenen. Was man darüber philosophisch abhandeln kann, läßt sich zur Genüge im Fortschritt dieser Kunst erjagen. Denn in der Natur finden sich schöne, anmutige und dem Menschen angenehme Verbindungen; ebenso in der Redekunst und dem Zusammenklang der Worte. Manche verhalten sich in beiden in gegensätzlicher Weise.▷Facit igitur homo suas considerationes circa talia et scientiam rerum facit ex signis et vocabulis, sicut deus mundum ex rebus, et ultra de ornatu et concordantia et pulchritudine atque vigorositate et virtute orationis artes addit vocabulis naturam imitando. Ita grammaticae addit rhetoricam, poesim, musicam, logicam et alias artes, quae omnes artes signa sunt naturae. Sicut enim mens sonum in natura repperit et artem addidit, ut omnia signa rerum in sono poneret, ita concordantiae, quam in natura repperit, in sonis artem addidit musicae omnes concordantias designandi. Et ita de reliquis.

Der Mensch stellt seine Betrachtungen über dergleichen an und bildet sich, so wie Gott die Welt aus den Dingen bildet, aus den Zeichen und Worten seine Wissenschaft von den Dingen; darüber hinaus fügt er Schmuck und Übereinstimmung, Schönheit, Kraft und Tugend der Kunst der Rede zu den Worten hinzu, indem er die Natur nachahmt. Ebenso fügt er der Grammatik die Rhetorik bei, die Dichtkunst, Musik, Logik und die anderen Künste, welche Künste alle Zeichen der Natur sind. Denn so wie der Geist den Ton in der Natur vorfindet und die Kunst hinzufügt, um alle Zeichen der Dinge in Tönen niederzulegen, so fügt er dem Zusammenklang, den er in der Natur vorfindet, in den Tönen die Kunst der Musik hinzu, um alle Harmonien zu bezeichnen. So ist es mit allem.▷Considerationes enim, quas otiosi sapientes in natura esse reppererunt, conati sunt per aequalitatem rationis in communem artem perducere; ut quando experti sunt certarum notarum concordantias ex habitudine illarum ad pondera malleo|rum concordantes notas[1] in incude facientium pervenerunt, et demum in organis et chordis proportionabiliter magnis et parvis idem invenerunt et concordantias atque discordantias in natura in artem deduxerunt. Et hinc haec ars, cum apertius naturam imitetur, gratior est et conatum naturae concitat et adiuvat in motu vitali, qui est concordantiae seu complacentiae motus, qui laetitia dicitur. Fundatur igitur omnis ars in consideratione per sapientem in natura reperta, quam praesupponit, quia causam eius propter quid ignorat; sed invento addit artem per speciem similitudinis dilatando, quae est ratio artis naturam imitantis.

Die Überlegungen, welche die betrachtenden Weisen in Verbindung mit der Natur darin gewonnen haben, haben sie mittels der Gleichheit des Wesenssinnes in die allgemeine Kunst hinüberzuführen versucht; so wie wenn sie auf Grund der Gewohnheit die Erfahrung gemacht haben, daß die Harmonien bestimmter Noten den Tönen entsprechen, welche die Schmiede erzeugen, sobald sie mit den Hämmern auf den Amboß schlagen. Daraufhin fanden sie auf Orgeln und Saiten, auf großen und kleinen, dasselbe in der Weise des Verhältnisbezuges und führten die Harmonien und Disharmonien der Natur in die Kunst über. Darum ist diese Kunst, weil sie die Natur offenbar nachahmt, angenehmer. Sie regt den Trieb der Natur an und hilft bei der lebendigen Bewegung, welche die von Übereinstimmung und Wohlbehagen ist, die man Freude nennt. Jede Kunst gründet also in den Betrachtungsergebnissen, welche der Weise im Anschluß an die Natur, welche er voraussetzt, da er den Grund, um dessentwillen sie ist, nicht kennt, in dieser gefunden hat. Zum Gefundenen indes fügt er die Kunst hinzu, indem er sie durch die Eigengestalt des Ähnlichkeitsbildes erweitert, welche der Wesenssinn der Kunst ist, die die Natur nachahmt.◀▷

  1. ↑ fol.172v