platonischer Dialog
Platonischer Dialog ist die Bezeichnung für die literarisch gestalteten Dialoge, in denen der griechische Philosoph Platon (428/427–348/347 v. Chr.) seine Philosophie dargelegt hat. Fast alle Werke Platons sind in Dialogform abgefasst. Es sind fiktive Gespräche von zwei bis vier Diskutierenden. Die Dialoge enthalten zwar Platons authentisches Gedankengut, aber weil er Vertreter unterschiedlicher Positionen zu Wort kommen lässt und selbst nicht als Gesprächspartner auftritt, lässt sich seine eigene Auffassung den Texten nur indirekt entnehmen. Die Frage, ob oder inwieweit er sich mit einzelnen Ansichten, die er seinen literarischen Figuren in den Mund legte, identifiziert hat, ist daher oft schwer zu entscheiden. Hinzu kommt, dass manche Äußerungen scherzhaft, ironisch, übertrieben oder nur andeutend sind. Die in der dialogischen Darbietungsform liegende Herausforderung für den Leser ist für Platons Auffassung vom philosophischen Diskurs charakteristisch.
Übersicht
Alle Dialoge Platons, die in der Antike bekannt waren, sind erhalten geblieben. Das Corpus Platonicum (die Gesamtheit der ihm traditionell zugeschriebenen Werke) enthält neben den sicher echten Dialogen auch einige, deren Echtheit umstritten ist, und einige sicher unechte.[1]
Für die Echtheitsfrage ergeben sich nach der heutigen Mehrheitsmeinung der Forscher folgende Annahmen:
- 24 Dialoge sind sicher echt: Charmides, Euthydemos, Euthyphron, Gorgias, Ion, Kratylos, Kritias, Kriton, Laches, Lysis, Menexenos, Menon, Nomoi („Die Gesetze“), Parmenides, Phaidon, Phaidros, Philebos, Politeia („Der Staat“), Politikos („Der Staatsmann“), Protagoras, Sophistes („Der Sophist“), Symposion („Das Gastmahl“), Theaitetos, Timaios.
- Bei fünf Dialogen ist die Authentizität umstritten: Alkibiades I,[2] Hippias maior,[3] Hippias minor (die Echtheit gilt heute als sehr wahrscheinlich, ist aber nicht definitiv gesichert), Kleitophon[4] und Theages.[5]
- Sicher unecht sind: Alkibiades II, Epinomis, Anterastai (lateinisch Amatores), Hipparchos, Minos, Über das Gerechte (lateinisch De iusto), Über die Tugend (lateinisch De virtute), drei unter dem unpassenden Titel Demodokos überlieferte Gespräche (Demodokos 2–4), Sisyphos, Halkyon („Der Eisvogel“), Eryxias und Axiochos.