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WTH/Zur Logik des Diskurses/12

aus AufEinWort, der freien Forschung
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▶Wichtiger ist freilich der andere Aspekt. Das gewählte Sprachsy- stem entscheidet auch darüber, welche Klassen von Erfahrungen in einen gegebenen Argumentationszusammenhang als Evidenz ein- gehen dürfen, d. h. welche Art von Backing zugelassen ist. Denn Beobachtungs- und Befragungsdaten wie auch Bedürfnisinterpre- tationen (d.h. die im Umgang mit der äußeren und der inneren Natur erworbenen Erfahrungen), die wir in Argumente einführen möchten, sind natürlich interpretierte Erfahrungen und deshalb vom kategorialen Rahmen des gewählten Sprachsystems abhängig.[1]Obgleich keine deduktiven Beziehungen zwischen den in Warrant und Backing auftretenden Aussagen bestehen, zieht nun ein Argument aus der Berechdgung, von B zu W überzugehen, seine konsenserzielende Kraft. Diese Berechtigung hat man mit Hilfe des Induktionsprinzips (für die Begründung von nomologischen Hypothesen) und mit Hilfe des Universalisierungsprinzips[2] (für die Begründung von Handlungsnormen) zu erklären versucht. lnduktion dient als Brückenprinzip, um den logisch diskontinuierlichen Übergang von einer endlichen Anzahl singulärer Aussagen (Daten) zu einer universellen Aussage (Hypothese) zu rechtfertigen; Universalisierung dient als Brückenprinzip, um den Übergang von deskriptiven Hinweisen (auf Folgen und Nebenfolgen der Normenanwendung für die Erfüllung allgemein akzeptierter Bedürfnisse) zur Norm zu rechtfertigen. Die Rolle der Brückenprinzipien ist eng mit der der Begründungssprache verknüpft. Wenn wir das für Argumentationen verwendete Sprachsystem, die llcgründungssprache, die ja in gewisser Weise der Erfahrung vorausgeht, zugleich als Resultat von erfahrungsabhängigen Bildungsprozessen auffassen, läßt sich nämlich erklären, warum bei der Begründung von Behauptungen Induktion möglich und bei derBegründung von Geboten bzw. Bewertungen Universalisierung nötig ist.

  1. ↑ In wissenschaftlichen Diskursen sind im allgemeinen nur "gemessene" Daten erwünscht, wobei "Messen" die systematische Transformation von handlungsbezogenen Erfahrungen in diskursiv verwendbare Daten bedeutet. Vgl. dazu V. Cicourel: Messung und Methode in den Sozialwissenschaften, Frankfurt a. M. 1969.
  2. ↑ 38 Vgl. M. G. Singer: Generalization in Ethics. London 1963.