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WTH/Zur Logik des Diskurses

aus AufEinWort, der freien Forschung
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Die Konsenstheorie der Wahrheit sieht sich zwei zentralen Einwänden ausgesetzt. Den ersten möchte ich kurz, den anderen muß ich ausführlicher behandeln.

Da wir in praktischen Diskursen nicht, wie bei der Überprüfung von Wahrheitsansprüchen, auf Erfahrungen mit einer äußeren, objektivierten Wirklichkeit rekurrieren und gar nicht ersr den Versuch machen können, den mit Geboten verknüpften Geltungsanspruch als eine Relation zwischen Sprache und äußerer Natur aufzufassen, begegnet eine Konsensrheorie der Richtigkeit nicht den gleichen Einwänden wie eine Konsensrheorie der Wahrheit. Es scheint auf der Hand zu liegen, daß praktische Fragen, die sich in Ansehung der Wahl von Normen stellen, nur durch einen Konsensus unter allen Beteiligten und allen potentiell Betroffenen entschieden werden können. Normen regeln legitime Chancen der Bedürfnisbefriedigung; und die interprerierten Bedürfnisse sind ein Stück innerer Natur, zu der jedes Subjekt, soweit es sich zu sich wahrhaftig verhält, einen privilegierten Ztgang hat. Eine Konsenstheorie der Richtigkeit setzt sich eher dem Zweifel aus, ob praktische Fragen überhaupt wahrheitsfähig, ob die Richtigkeit von Geboten oder Verboten überhaupt ein diskursiv einlösbarer Geltungsanspruch ist und nicht vielmehr etwas bloß Subjektives.

  1. ↑ R. M. Martin: Truth and its illicit Surrogates. In: Neue Hefte für Philosophie, 1972, H. 2/3, S. 101.
  2. ↑ Vgl. die Differenzierungen, die T. A. McCarthy gegenüber dem hier vorgeschlagenen Wahrheitskriterium vornimmt: A Theory of Communicative Competence. In: Phil. Soc. Sc. 3 (1973) S. 135–156. Zusatz 1983: Die Rede von Wahrheitskriterium ist irreführend. Die Konsenstheorie erklärt die Bedeutung des Wahrheitsbegriffs, allerdings mit Bezugnahme auf eine Prozedur – nicht zwar der Wahrheitsfindung, aber der Einlösung von Wahrheitsansprüchen.
  3. ↑ Eine an Dewey angelehnte Formulierung von R. M. Martin, s.o. Anm. 31.
  4. ↑ K. Lorenz, a. a, O., S. 115.
  5. ↑ St. Toulmin: The Uses of Argument. Cambridge 1964.
  6. ↑ In wissenschaftlichen Diskursen sind im allgemeinen nur "gemessene" Daten erwünscht, wobei "Messen" die systematische Transformation von handlungsbezogenen Erfahrungen in diskursiv verwendbare Daten bedeutet. Vgl. dazu V. Cicourel: Messung und Methode in den Sozialwissenschaften, Frankfurt a. M. 1969.
  7. ↑ 38 Vgl. M. G. Singer: Generalization in Ethics. London 1963.
  8. ↑ H. G. Furth: Piaget and Knowledge. Englewood Cliffs 1969.
  9. ↑ 40 C. F. v. Weizsäcker: Die Einheit der Natur. München 1971. S. 338 f.
  10. ↑ Vgl. das Kapitel über Wahrheitsfähigkeit praktischer Fragen. In: Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus. Frankfurt a. M. 1973.