Definitionsarten
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Allgemein wird unterschieden:[27]
- Realdefinitionen: Sollen das Wesen einer in der Realität vorhandenen Sache erfassen. Eine Realdefinition ist der Versuch, alles, was jemand von einem Prädikator stets als dessen Bedeutung unausgesprochen geläufig ist, ausdrücklich zu beschreiben.[28] Ein Messer „ist ein Schneidewerkzeug, bei dem eine geschärfte, längliche Klinge an einem Ende einen Griff besitzt, der normalerweise in seiner Länge der Breite der Hand entspricht“. In Mathematik und Logik haben Realdefinitionen eine große Bedeutung,[29] in den Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften werden sie dagegen nicht verwendet.
- Nominaldefinitionen führen neue Begriffe ein und legen deren Bedeutung durch Definitionen fest. In den Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften besitzen Nominaldefinitionen keinen allgemein gültigen und zeitlos geltenden Wahrheitsanspruch. Ihre Aufgabe ist es nicht, das Wesen von Objekten zu bestimmen, sondern den wissenschaftlichen Sprachgebrauch festzulegen.[30] Eine Definition kommt zustande, indem bereits bekannten Worten ein neues, bisher unbekanntes Wort gleichgesetzt wird (auch tautologische Definition genannt). So ist der Schimmel die Nominaldefinition für „weißes Pferd“.[31] Auch „Unter ‚AWT‘ wird im nachfolgenden Text 'Arbeitswerttheorie' verstanden“ ist eine Nominaldefinition.
- Begriffsexplikationen sollen den allgemein üblichen Gebrauch eines Ausdrucks erläutern. Sie überführen vage und wenig exakte Begriffe der Umgangssprache in einen exakt bestimmten wissenschaftlichen Begriff. Es wird ein inexakter Ausdruck (oder Begriff) einem exakten gegenübergestellt und durch diesen ersetzt.[32] Beispielsweise ist die zoologische Definition der Fische (lateinisch Pisces) „ein im Wasser lebendes Wirbeltier, das ein Kaltblüter ist und während des Lebens durch Kiemen atmet“ (Begriffsexplikation). Die in der Umgangssprache vorhandene Definition als „im Wasser lebendes Tier“ ist unpräzise und umfasst auch Wale, Seehunde und Delphine, die zoologisch nicht zu den Fischen gehören.
- Mathematische Definitionen sind diejenigen, die für ein komplexes Zeichen nach bestimmten Regeln neue Zeichen setzen, etwa[33]
- {\displaystyle M:=\sum _{i\in A, \atop i>5}i}.
- Das neue Zeichen {\displaystyle M} ist identisch mit dem komplexen Zeichen {\displaystyle \sum _{i\in A, \atop i>5}i} und wird durch es mathematisch definiert.
- Operationale Definitionen ordnen einen Begriff einer messbaren Größe zu.[34] Operationale Definitionen des Alltags sind unter anderem Bauanleitungen, Gebrauchsanleitungen oder Kochrezepte. Im Alltag wird beispielsweise das Alter definiert als „Zeitraum zwischen der Geburt und dem Tag der Datenerhebung“.
- Legaldefinitionen legen einen Rechtsbegriff in einer Rechtsnorm fest. Der Gesetzgeber kann mit ihrer Hilfe regeln, wie ein unbestimmtes Tatbestandsmerkmal zu verstehen ist.[35] So werden in § 90 BGB Sachen als „körperliche Gegenstände“ definiert, was unter anderem im Eigentumsherausgabeanspruch des § 985 BGB von Bedeutung ist.
- Disjunktive Definitionen bestehen in der Aufzählung ihrer Merkmale, die durch das eine Alternative ausdrückende Wort „oder“ miteinander verbunden sind: „Eine Zueignung begeht, wer eine Sache ihrer Substanz nach oder ihrem Wert nach seinem Vermögen einverleibt.“[36] Eine konjunktive Definition besteht in der Aufzählung ihrer Merkmale, die durch das einen Sachzusammenhang kennzeichnende Wort „und“ miteinander verbunden sind, z. B.: „Skandinavien besteht aus den Staaten Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden.“
Es gibt mithin nicht lediglich eine einheitliche Definition, sondern es kommt auf den Zweck an, für den eine Definition gelten soll. So muss die Legaldefinition lediglich dem Gesetzeszweck dienen, und wenn zu befürchten ist, dass der Gesetzgeber einen Begriff anders versteht als der Normadressat. Dadurch ist der lebensmittelrechtliche Begriff „Lebensmittel“ zum Zwecke der Lebensmittelüberwachung weiter gefasst als der biologische.