-keit
-keit | heit, h⇔k | Als Nebenform zu –heit gibt es die Endung –keit, was nach Grimm in Folge eines Mißverständnisses entstanden ist.
Ursache dafür sind die Egw., die auf –ig enden.
Nach Grimm entstand infolge eines Mißverständnisses als Nebenform zu –heit die Endung –keit, welches Ursache dafür sei, daß die Egw., die auf –ig enden mit der Endung -keit anstelle von -heit wortgebildet wurden.
Wenn -ag, -ig, -ic mit der Endung –heit zusammengesetzt wurden, um ein Hptw. zu bilden, lautete die Form z.B. einig heit, einigheit’'.
Ein mhd. g wurde laut Grimm jedoch, wenn es im Auslaut stand, zu c, d, i oder ‚'k.
Aus obigem einig-heit wurde einic-heit. Dieses so entstandene c-h (eini-ch-eit) wird sprachlich zusammengezogen und wie ein angehauchtes k gesprochen oder wie ein richtiges ch (einicheit) gelesen, so dass es so aussah, als sei die Endung nicht –heit, sondern –cheit. Bereits mhd. wurde aus dem Mißverständnis -cheit die Endung ‚'–keit.
Im Deutsch gibt es an sich kein c, wie es auch ursprünglich kein q und v in der deutschen Aussprache gibt und c und q daher wie k, oder c auch in manchen Fällen wie z ausgesprochen werden.
Da sich die auf -c auslautenden Worte auf -g angehoben haben, lassen sich die Worte mit -keit wieder in -heit wandeln, oder so belassen, sind von der Wortendung her gleichbedeutend.
Zusammenfassung: Aus der Verknüpfung von -heit mit Eigw. auf ahd. -ag, -ī̌g, mhd. -ic, -ec entsteht -ec-heit zu -e-keit im Mhd. die Wortendungsform -keit (ahd. ēwī̌gheit, mhd. ēwicheit, ēwekeit, nhd. Ewigkeit; mhd. ītelicheit, ītelkeit, nhd. Eitelkeit). Später verbreitete sich diese Erscheinung auf andere Endungen und sogar auf mitteldeutsche Mundarten aus, in denen die Wandlungen von -ig nie mit einem abschließenden k-Laut ausgesprochen. In einigen nordischen Mundarten des Mitteldeutschen, wie dem Nortmittelfränkisch, fehlt -keit jedoch noch oder wurde erst vor kurzem aus dem Hochdeutschen eingeführt.
Siehe auch: Hinweise zur Wortendung -heit, -keit
-keit[1]
- welche Hauptwörter aus Beywörtern bildet,
- das Abstractum derselben,
- und nach einer sehr gewöhnlichen Figur
- auch aus dem Abstracto wieder ein Concretum zu bezeichnen.
- und nach einer sehr gewöhnlichen Figur
- Sie kommt in der Bedeutung mit der Ableitungssylbe -heit völlig überein,
- das Abstractum derselben,
Auf -bar.
- Die Brauchbarkeit, Dankbarkeit, Dienstbarkeit, Ehrbarkeit, Fehlbarkeit, Fruchtbarkeit, Kostbarkeit, Mannbarkeit, Schiffbarkeit, Nutzbarkeit, Sichtbarkeit, Unsichtbarkeit, Mittelbarkeit, Theilbarkeit, Untheilbarkeit, Unlaugbarkeit, Strafbarkeit u.s.f.
Auf -er.
- Die Bitterkeit, Heiterkeit, Munterkeit, Finsterkeit, Tapferkeit, Heiserkeit, Lauterkeit,
- Alberkeit, wofür auch Albernheit üblich ist,
- das Oberdeutsche Oberkeit für Obrigkeit,
- das Nieders. Düslerkeit
- u.s.f.
- Von bitter, heiter u.s.f.
- Für Sicherkeit ist Sicherheit,
- und für Sauerkeit ist Säure eingeführet,
- so wie von denjenigen Beywörtern,
- wo die Sylbe er zum Stamme gehöret,
- die Abstracta gleichfalls auf -e gemacht werden;
- die Leere, Schwere.
Auf -ig.
- Abschüssigkeit, Anmuthigkeit, Anständigkeit, Barmherzigkeit, Billigkeit, Bündigkeit, Ewigkeit, Fertigkeit, Flüchtigkeit, Freudigkeit, Freygebigkeit, Geschäftigkeit, Gütigkeit, Gefälligkeit, Gültigkeit, Holdseligkeit, Kaltblütigkeit, Lässigkeit, Mannigfaltigkeit, Muthwilligkeit, Mühseligkeit, Mäßigkeit, Mündigkeit, Obrigkeit, Offenherzigkeit, Schwierigkeit, Streitigkeit, Seligkeit, Thätigkeit, Widrigkeit, Zufälligkeit u.s.f.
Auf -lich.
- Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Friedlichkeit, Höflichkeit, Häuslichkeit, Köstlichkeit, Sinnlichkeit, Peinlichkeit, Pünctlichkeit, Unpäßlichkeit, Abscheulichkeit, Zärtlichkeit, Bedenklichkeit, Deutlichkeit, Erheblichkeit, Glaublichkeit, Häßlichkeit, Beweglichkeit, Betrüglichkeit, Heimlichkeit, Sterblichkeit, Göttlichkeit, Herrlichkeit u.s.f.
Auf -sam.
- Seltsamkeit, Heilsamkeit, Furchtsamkeit, Friedsamkeit, Arbeitsamkeit, Bedachtsamkeit, Empfindsamkeit,[3] Genügsamkeit, Wachsamkeit, Einsamkeit, Grausamkeit, Langsamkeit, Sparsamkeit, Wirksamkeit u.s.f.
- welche gleichfalls nur allein das -keit annehmen,
- aber vorher durch die Sylbe -ig verlängert werden müssen.
- Dauerhaftigkeit, Gewissenhaftigkeit, Herzhaftigkeit, Lasterhaftigkeit, Nahrhaftigkeit, Schalkhaftigkeit, Wahrhaftigkeit, Standhaftigkeit, Plauderhaftigkeit, Zaghaftigkeit u.s.f. Bodenlosigkeit, Gottlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Fruchtlosigkeit, Lieblosigkeit, Gedankenlosigkeit, Herrenlosigkeit, Ehrlosigkeit, Grundlosigkeit, Kraftlosigkeit, Sinnlosigkeit, Sprachlosigkeit, Trostlosigkeit u.s.f.
- Bey den Beywörtern auf -los
- ist das -ig vielleicht aus dem -e euphonico entstanden, die weiche Aussprache des -s zu erhalten,
- für Gottlosekeit u.s.f. wie noch häufig im gemeinen Leben einiger Gegenden gesprochen wird,
- und welches Frisch in seiner Ausgabe der Sprachlehre Bödickers so gern für die echte und wahre Schreibart ausgeben möchte,
- selbst in den eigentlichen Beywörtern auf ig; Gütekeit für Gütigkeit.
- In den Beywörtern auf -haft
- schreibt sich dieses -ig aus der Oberdeutschen Mundart her,
- welche den Beywörtern auf -haft so gern ein unbedeutendes -ig anhänget,
- glaubhaftig, für glaubhaft;
- welche Schreib- und Sprechart auch im Hochdeutschen ihre Freunde hat.
- ist das -ig vielleicht aus dem -e euphonico entstanden, die weiche Aussprache des -s zu erhalten,
Diesem Beyspiele folgen auch einige andere Beywörter, welche das keit annehmen,
- vorher aber durch die Sylbe -ig verlängert werden.
- Frömmigkeit, Süßigkeit, Gerechtigkeit, Kleinigkeit, Feuchtigkeit, Reinigkeit, Mattigkeit, Dreistigkeit, Festigkeit, Nettigkeit,
- Helligkeit im gemeinen Leben für die Helle,
- Seichtigkeit u.s.f.
- Besonders wenn sie sich auf einen weichen Mitlauter endigen;
- Geschwindigkeit, Müdigkeit, Blödigkeit, Sprödigkeit, Behendigkeit u.s.f.
- Von fromm, süß, gerecht, blöde, spröde u.s.f.
- Indessen ist solches keine allgemeine Regel,
- weil viele das -heit annehmen, wenn sie sich gleich auf einen weichen Mitlauter endigen,
- wie Trägheit, Feigheit, Bosheit, Weisheit, von träge, feige, böse, weise.
- In grob, blind, gesund u.a. lautet der Consonant schon hart,
- daher Grobheit, Blindheit, Gesundheit, der Regel gemäß sind.
- Für Feinigkeit sagt man lieber Feinheit.
- weil viele das -heit annehmen, wenn sie sich gleich auf einen weichen Mitlauter endigen,
- S. von diesem Gebrauche der Sylbe -ig mein Magazin B. 1, St. 3, S. 78 f.
In der Bedeutung
- kommen die Hauptwörter auf -keit mit denen auf heit vollkommen überein, n
- ur daß die vorher gehende Ableitungssylbe dabey nicht aus der Acht gelassen werden muß.
- Es macht Abstracta, welche eine Eigenschaft, eine Fertigkeit bedeuten
- und figürlich wieder zu Concretis werden können,
- Dinge zu bezeichnen, welche diese Eigenschaft an sich haben.
- Sich an Kleinigkeiten belustigen, an kleinen unerheblichen Dingen.
- Feuchtigkeiten, feuchte Körper. Gütigkeiten, gütige Handlungen.
- und figürlich wieder zu Concretis werden können,
Indessen vertragen doch nicht alle der obigen Beywörter diese Sylbe,
- woran theils die Natur der Sache,
- theils der Wohlklang,
- theils aber auch bloß der unterlassene Gebrauch, Schuld sind.
- Die Beywörter auf -ig, welche von Partikeln herkommen, lassen sich nicht auf diese Art in Hauptwörter verwandeln.
- Für Damahligkeit, Baldigkeit, (im Oberd. sagt man Bälde,)
- Heutigkeit, Dortigkeit, Hiesigkeit u.s.f. muß man umschreiben, wenn man den Begriff auszudrucken hat.
- Eben dieß gilt auch von
- Wunderbarkeit, Väterlichkeit, Mündlichkeit, Ehelichkeit, Königlichkeit, Kümmerlichkeit, Bürgerlichkeit, Ziemlichkeit
- und hundert andern mehr.
- Für Gnädigkeit, Allmächtigkeit, Andächtigkeit, Günstigkeit, Hungerigkeit, Mächtigkeit, Wollüstigkeit, Spitzigkeit, Lebendigkeit, Adeligkeit, Gehorsamkeit u.a.m.
- sind die kürzern Gnade, Allmacht,[4] Andacht, Gunst, Hunger, Macht, Wollust, Spitze, Leben, Adel und Gehorsam,
- wenigstens in der edlern Schreibart, üblicher;
- obgleich in dem lehrenden Vortrage, wo die schärfste Bestimmung nöthig ist,
- auch jene gebraucht werden können,
- wenn der Verstand es erfordert,
- und die vielfache Bedeutung der letztern eine Zweydeutigkeit verursachen könnte.
- sind die kürzern Gnade, Allmacht,[4] Andacht, Gunst, Hunger, Macht, Wollust, Spitze, Leben, Adel und Gehorsam,
Anm.
Aus allem erhellet,
- daß diese Ableitungssylbe in den meisten Fällen ihren Ursprung dem Wohlklange zu verdanken hat,
- indem das gelindere -h nach den Buchstaben r, g, ch und dem weichen s fast von selbst in das härtere k übergehet.
- Daher findet man es auch in den ältesten Schriften so selten,
- ja fast nicht eher, als bis man auf den Wohlklang zu merken anfing.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1541-1543. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000026086X; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 1541 | 1542 | 1543; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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