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-ing

aus AufEinWort, der freien Forschung
Wrtndng

in-g ahd.-deu. Zusammenziehung zu -ig

Das l in -ling l + ing des Wortbildungselement -ing ist erst zweitrangig angetreten (wohl ähnlich zu Ableitungen, die zum Wortstamm gehörendes -l- enthalten, vergleiche etwa ahd. hālingon, hālingun ‘heimlich’, ītalingūn ‘vergeblich’, zu Hehl bzw. eitel, zeigen die in früher Zeit gleichermaßen nachweisbaren Umstandswörter ahd. -ingū̌n, -ingon (z. B. ahd. arawingūn, ardingū̌n ‘umsonst, grundlos’, fāringūn ‘plötzlich, aus dem Hinterhalt’), mhd. (selten) -ingen.

-ing[1]

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-ing, eine Endsilbe verschiedener Hauptwörter, deren Abstammung aber noch nicht in allen Fällen ganz ausgemacht ist. Sie bedeutet,

  1. Ein Land, ein Feld, eine Gegend;
    • in welcher Bedeutung sie nur noch in den eigenthümlichen Nahmen verschiedener, besonders Oberdeutscher Länder und Örter, übrig ist, wo sie jetzt ingen lautet.
      • Lotharingen, Lotharii Land.
      • So auch Thüringen, Tübingen, Kitzingen, Memmingen
      • u.s.f.
    • In Schweden gibt es gleichfalls noch viele Nahmen der Örter auf -inge,
      • und Frisch rechnet auch die Nahmen der Örter auf -in,
        • wie Stettin, Cöslin, Lenin, Küstrin u.s.f. dahin.
        • Hier stammet sie ohne Zweifel aus dem Angels. und Wallisischen -inge, ein Feld, her.
    • Die Schweizerische Mundart verwandelt dieses -ingen gemeiniglich in -ikon;
      • Pfessikon für Pfessingen, Vlikon für Vlingen.
    • Es ist sehr wahrscheinlich,
      • daß auch verschiedene Deutsche Hauptwörter auf -ung gleichfalls mit zu dieser Endung gehören,
        • die man bisher irrig für Verbalia gehalten hat,
        • zumahl da die Endung ing auch in andern Fällen in ung übergehet.
      • Dergleichen sind z.B.
        • die Waldung, eine waldige, mit Wald bewachsene Gegend,
        • die Holzung, eine mit Holz bewachsene Gegend,
        • die Hutung, eine zur Hut, d.i. Weide, bestimmte Gegend,
        • die Feldung, ein Feld,
        • die Freyung, eine befreyte Gegend,
        • die Stallung, eine mit Ställen bebauete Gegend,
        • und andere mehr.
        • Thie Heiminge ist bei dem Ottfried das Vaterland, die Heimath.
  2. Einen jungen Menschen, und in weiterer Bedeutung, einen Sohn, einen Nachkommen,
    • wo es mit Enkel noch zu dem in Ober- und Niedersachsen üblichen Enke zu gehören scheinet, S. diese Wörter.
      • Die meisten dieser Wörter sind jetzt veraltet.
      • Ein Edelknabe hieß
        • bey den Angelsachsen Aethiling,
        • bey dem Ottfried Ediling,
        • im Engl. Adeling.
        • Kipping bedeutete im Angels. des Kippi Sohn,
        • Bryning des Bryn Sohn,
        • Skioldingim Schwed. Skiolds Sohn,
        • und Yngling des Ynge Sohn.
        • Carls des Großen Nachkommen sind in der Fränkischen Geschichte unter dem Nahmen der Carolinger,
        • so wie Meroväi unter dem Nahmen der Merowinger bekannt.
    • Die Endung der Lat. Beywörter auf -inus scheinet damit verwandt zu seyn.
      • Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Wallisischen engi, gebären, her,
        • welches denn auch das Stammwort von Enke und Enkel seyn würde.
        • Im Schwedischen gehet das -ing hier oft in -ung über.
  3. In noch weiterer Bedeutung,
    • ein einzelnes Ding, ein Individuum von der Art, welche das vorstehende Hauptwort bedeutet.
      • Der Häring, Lat. Halec.
      • Gelbing und Gelbling, ein gelbes Ding, gelbes Thier.
      • Henning bedeutet im Nieders. einen Hahn.
      • Die Halsing ist bey den Jägern ein Halsband. S. auch die Kimming,
      • der Bücking, Nieders. für Bückling
      • u.s.f.
    • In einigen gehet -ing in -ung über;
      • wie in Halsung für Halsing, Hornung
      • u.s.f.
    • In andern ist -ig und ing nahe verwandt;
      • König, ehedem Köning,
      • Honig, im gemeinen Leben Honing,
      • Pfennig, in gemeinen Leben Pfenning,
      • Bottig, Botting
      • u.s.f.
    • Im Schwed. gibt es auch Abstracta auf ing,
      • Sanning, die Wahrheit,
      • Faegring, die Schönheit,
      • welche ehedem Sannind, Faegrind lauteten.

Siehe auch -ling, welche Endung mit dieser genau verwandt ist, und -ung.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1376-1377.Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000248592, Lizenz: Gemeinfrei, Faksimiles: 1376 | 1377, Kategorien:Lexikalischer Artikel