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Pluralismus (Philosophie)

aus AufEinWort, der freien Forschung

Als Pluralismus bezeichnet man in der Philosophie Positionen, die eine Vielzahl grundlegender und irreduzibler Ebenen oder Erkenntnisformen in der Welt annehmen. Pluralismen unterscheiden sich damit zum einen von monistischen Theorien, wie etwa dem Physikalismus, der die Ebene des physischen Geschehens für die einzig grundlegende hält. Pluralistische Theorien unterscheiden sich jedoch auch vom Dualismus, der von zwei grundlegenden Ebenen ausgeht – dem Physischen und dem Geistigen bzw. Mentalen.

Pluralistische Theorien variieren oft sehr stark in ihren metaphysischen und ontologischen Hintergrundannahmen. Während ontologische Pluralismen eine Vielzahl von grundlegenden Entitäten in der Welt postulieren, lehnen relativistische Pluralismen die Idee einer Ontologie ab und behaupten eine Vielzahl von Beschreibungssystemen oder Sprachspielen. „Pluralismus“ kann daher in der Philosophie nicht als eine einheitliche Position wahrgenommen werden.

Logischer Pluralismus

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Ontologischer Pluralismus

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Relativistischer Pluralismus

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Pragmatischer Pluralismus

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Pluralismus als allgemeine Haltung

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Pluralismus bedeutet praktisch, Erkennen und Gelten-lassen einer Vielheit, seien es Anschauungen, Religionen und Kulturen, Lebensweisen und Gebräuche. Der Pluralismus von Weltanschauungen bedeutet das Vorhandensein ganz unterschiedlicher politischer oder religiöser Überzeugungen innerhalb einer Ethnie oder eines Staates. Dieses Gelten-lassen der Pluralität kann verschiedene Formen annehmen. Wird das Andere nur tolerant hingenommen, vielleicht als verschieden gesehen, umgedeutet und assimiliert, oder wirklich als ein Anderes erkannt, als gleichberechtigt begriffen und aktiv geschützt. Monismus als Gegenbegriff zum Pluralismus ist die Überzeugung, dass alles aus einem umfassenden Prinzip übernatürlicher oder natürlicher Art abzuleiten, in einem Ganzen zu erklären und zu werten ist: Religion und Staat, Erziehung und Wissenschaft, öffentliches und privates Leben. Es sind Manifestationen des einen Geistes, des einen Gottes, der einen Gesellschaftsidee. In diesem Monismus liegen der Wahrheitsanspruch und die Ausschließlichkeit, die sich zur Intoleranz gegen andere Überzeugungen, zum Dogmatismus und Fundamentalismus und im Extrem zum aggressiven Totalitarismus steigern können. Da in diesem System alle abweichenden Auffassungen als Negation des einen und unbedingt herrschenden Prinzips wirken müssen (siehe Absolutheitsanspruch), besteht kein echter Platz für Freiheitsrechte und Individualismus.

Sandkühler (1996) erläutert: „Nicht nur in der Welt der sozialen Interessen und der Werte, sondern auch in der Welt der Ideen und der Erkenntnis – Weltbilder, Theorien und Wissenschaften eingeschlossen – gibt es den ‚Streit der Kulturen‘, weil Perspektivität ein nicht hintergehbares Apriori, eine allgemeine und notwendige Bedingung von Erfahrung, Erkenntnis und Theoriebildung ist. So stellt sich das Problem der Koexistenz (und der Inkommensurabilität) von Kulturen bereits für die Erkenntnistheorie, und schon hier, vor allem Politischen, geht es um Freiheit und Ordnung, das Einzelne des einzelnen und das allgemeine Gesetz.“[12] „In der Philosophie und anderen Formen der Weltbildkonstruktion hat sich Pluralismus zwar weitgehend als Selbstverständlichkeit gegen Systemansprüche und Monismen bzw. Dualismen durchgesetzt; er wird aber nur in wenigen Philosophien explizit theoretisch (ontologisch, epistemologisch, methodologisch) begründet.“ ... „Pluralismus ist freilich auch mit der skeptischen Frage konfrontiert, ob er sich nicht zwangsläufig in den Schrecken der Beliebigkeit und des Relativismus verkehrt. Wer die Frage bejaht, sieht im Konzept des Pluralismus die philosophische Steigerung eines alltäglichen Irrationalismus zum ontologischen, epistemologischen und methodologischen anything goes.“[13]

Der Pluralismus ist aus kritisch-rationalistischer Sicht eine allgemeine wissenschaftliche Erkenntnishaltung. Grundsätzlich wird eine Pluralität von Theorien, die wechselseitig in einem Verhältnis der Kritik stehen, akzeptiert und der dogmatische Wahrheitsanspruch jeder einzelnen Theorie zurückgewiesen. „Und wer gegen den Pluralismus ist, sollte wissen, wovon er spricht, und prüfen, ob er wirklich auf all das verzichten will, was er als Antipluralist ablehnen zu müssen glaubt.“[14]

Siehe auch

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Einzelnachweise

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  1. ↑ Immanuel Kant: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. In: Wilhelm Weischedel (Hrsg.): Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik 2. Immanuel Kant Werkausgabe in zwölf Bänden (= Band 12). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, S. 409.
  2. ↑ Immanuel Kant: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1983, S. 411.
  3. ↑ Immanuel Kant: Vorlesungen über Logik. In: Preußische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Gesammelte Schriften (= Band 24). Reimer, Berlin, 1966, S, 428.
  4. ↑ Immanuel Kant: Reflexionen. In: Preußische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Gesammelte Schriften (= Band 15). Reimer, Berlin 1923, S. 395 ff.
  5. ↑ John Dupré: The Disorder of Things. Harvard University Press, Harvard 1993
  6. ↑ Heil / Mele (Hrsg.): Mental Causation, Oxford University Press, 1995, ISBN 0-19-823564-X
  7. ↑ Nelson Goodman: Ways of Worldmaking. Hackett, Indianapolis 1978. (deutsch) Weisen der Welterzeugung. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1984
  8. ↑ William James: Pragmatismus: ein neuer Name für einige alte Denkweisen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-12999-7
  9. ↑ Hilary Putnam: Ethics without Ontology. Harvard University Press, Harvard 2004, S. 21, ISBN 0-674-01851-6.
  10. ↑ Hilary Putnam (2004), S. 48.
  11. ↑ Hilary Putnam: truth and convention. In: Hilary Putnam: Realism with a Human Face. Harvard University Press, Harvard 1990. ISBN 0-674-74945-6.
  12. ↑ Hans Jörg Sandkühler: Einheit des Wissens: zur Debatte über Monismus, Dualismus und Pluralismus. Schriftenreihe / Zentrum Philosophische Grundlagen der Wissenschaften, Band Nr. 17. Universitäts-Buchhandlung, Bremen 1996, ISBN 3-88722-360-8, S. 23.
  13. ↑ Hans Jörg Sandkühler: Einheit des Wissens: zur Debatte über Monismus, Dualismus und Pluralismus. 1996, S. 9.
  14. ↑ Helmut Spinner: Pluralismus als Erkenntnismodell. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1974, ISBN 3-518-07632-9, S. 241.
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