Epikur

Epikur (altgriechisch Ἐπίκουρος Epíkouros; * um 341 v. Chr. auf Samos; † 271 oder 270 v. Chr. in Athen) war ein griechischer Philosoph, Begründer des Epikureismus und der epikureischen Schule. Diese im Hellenismus parallel zur Stoa entstandene philosophische Schule hat durch die von Epikur entwickelte hedonistische Lehre seit ihren Anfängen zwischen Anhängern und Gegnern polarisierend gewirkt. Sie war und ist durch ein verbreitetes Missverständnis des epikureischen Lustbegriffs Fehldeutungen ausgesetzt. Da sich Epikur und seine Anhänger häufig in einem Garten versammelten, wird seine Schule nach dem griechischen Wort für Garten (κῆπος) auch Kepos genannt.
Epikur wurde um 341 v. Chr. auf der ägäischen Insel Samos geboren. Sein Geburtstag, der 20. Tag des Monats Gamelion, wurde später nach seinem testamentarischen Wunsch alljährlich von seinen Schülern gefeiert.[1] Sein Vater Neokles war als Kolonist (Kleruch) von Athen sowie Attika nach Samos umgesiedelt worden, wo er als Elementarlehrer und Landwirt ein nur geringes Einkommen fand. Die Überlieferung von Epikurs Lebenslauf ist mit Lücken und Unsicherheiten behaftet, die sich unter anderem daraus ergeben, dass sein wichtigster Biograph, Diogenes Laertios, erst aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert stammt.
Schon als 14-Jähriger fand Epikur zur Philosophie. Ursächlich für seine Studienanfänge, so heißt es, seien Zweifel über die Beschaffenheit des Chaos gewesen, jenes „gähnenden Abgrunds“, von dem nach Hesiod alle Dinge abgeleitet sind, was ihm seine Lehrer nicht befriedigend erklären konnten.[2] Der Platoniker Pamphiles und der Demokriteer Nausiphanes waren seine ersten Lehrer. Pamphiles machte jedoch keinen besonders guten Eindruck auf Epikur, da er sich vor allem durch rhetorische Prahlerei hervortat, die Epikur der Rhetorik insgesamt entfremdete. Nachhaltiger sah er sich auf den Atomismus des Demokrit verwiesen, den er sich zu eigen machte.
Mit 18 Jahren kam Epikur im Jahr 323 v. Chr. nach Athen, wo er als Ephebe im Gymnasion eine zweijährige vormilitärische Ausbildung absolvierte, die durch die Mündigkeitserklärung und die Aufnahme in die Bürgerliste abgeschlossen wurde. Im selben Jahr war Alexander der Große in Babylon verstorben und die Athener lehnten sich gegen die makedonische Vorherrschaft auf. Sie erlitten schwere Niederlagen, in deren Folge auch Neokles, Epikurs Vater, als athenischer Kolonist seinen Besitz auf Samos an die makedonischen Besatzer unter Perdikkas verlor. Neokles floh nach Kolophon bei Ephesos ins Exil, wohin Epikur seinem Vater bald nachfolgte. Als 319 v. Chr. Samos an Athen zurückgegeben wurde, erhielt Neokles eine finanzielle Entschädigung für den Verlust seines Grundbesitzes.
Über die nachfolgenden Jahre fehlt jegliche Kunde von Epikur. Vielleicht war er 311–306 v. Chr. Lehrer der Philosophie zuerst in Mytilini auf Lesbos, später in Lampsakos am Hellespont. In dieser Zeit könnte er mit Metrodoros von Lampsakos, dessen Bruder Timokrates, Hermarchos aus Mytilene,[3] Idomeneus, Leonteus und dessen Frau Themista, Kolotes und Polyainos seine treuesten Jünger gewonnen haben. Im Jahre 306 v. Chr. zog Epikur nach Athen, wo nach dem Sturz des Demetrios von Phaleron die Attische Demokratie wieder aufzuleben schien. Dort erwarb er für 80 Minen jenen Garten (Kepos), in dem er seine Schule gründete. Der Kepos diente seinen aus Menschen aller Gesellschaftsschichten stammenden Anhängern als Versammlungsort, und er lebte dort mit seinen Schülern (anfänglich sollen es 200 gewesen sein), die teilweise von weither zu ihm kamen, ohne individuellen persönlichen Besitz. Im scharfen Gegensatz zu den herrschenden Sitten nahm er auch Ehepaare, Frauen (Hetären) und Sklaven als Schüler bei seinen Symposien auf.
Behauptungen über Schwelgereien und sonstige Exzesse der Epikureer stammen nicht aus glaubwürdigen Quellen, zumindest soweit es um Angehörige der Schule geht. Sie stehen im Widerspruch zur Lehre Epikurs, der seine Gäste am Eingang des Gartens mit folgender Inschrift begrüßte: „Tritt ein, Fremder! Ein freundlicher Gastgeber wartet dir auf mit Brot und mit Wasser im Überfluss, denn hier werden deine Begierden nicht gereizt, sondern gestillt.“ Die sinnlichen Begierden, deren Berechtigung nur eingeschränkt akzeptiert wurde (siehe unten), sollten sich auf die kleinen, leicht erreichbaren Freuden richten: „Schicke mir ein Stück Käse, damit ich einmal gut essen kann.“
Etwa 35 Jahre lang, bis zu seinem (wohl durch Nieren- oder Harnsteine verursachten) Tod im Jahr 271 oder 270 v. Chr.,[4] blieb Epikur der geistige Mittelpunkt des Gartens, in dessen Schutz freundschaftliche Beziehungen besonders gepflegt wurden. Da Metrodoros vor Epikur verstorben war, ging die Leitung des Kepos nach dessen Tod auf Hermarchos über.
Epikurs Schule strebte keinen politischen Einfluss an und fand – von Ausnahmen abgesehen – kaum Zugang zu den Reichen und Mächtigen. Dennoch hielt sich der Kepos, zuletzt noch von dem Stoiker Mark Aurel gefördert, bis über das 2. Jahrhundert n. Chr. hinaus.

Von den zahlreichen Werken Epikurs (mindestens 40 Abhandlungen, darunter 37 Bücher seines Hauptwerks Peri physeos (Über die Natur)) ist nur ein geringer Teil erhalten. Vollständig überliefert sind drei große Lehrbriefe:
- Brief an Menoikeus zur Ethik[5]
- Brief an Herodot zu Erkenntnistheorie und Naturphilosophie
- Brief an Pythokles zu Astronomie und Meteorologie
Außerdem sind zwei Sammlungen von Lehrsätzen überliefert:
- Die Kyriai doxai – 40 Hauptlehrsätze zum Auswendiglernen
- Das Gnomologium Vaticanum Epicureum – eine 1888 in einem Codex der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek entdeckte Zitatsammlung mit Aussprüchen Epikurs und wichtiger Schüler
Fragmente weiterer Schriften, auch aus Epikurs Hauptwerk Peri physeos (Über die Natur), wurden unter den Herculanensischen Papyri aus der Villa dei Papiri in Herculaneum gefunden.[6]
Wegen der großen Überlieferungslücken stützt sich die Rekonstruktion seiner Lehre auch auf Texte seiner Anhänger (Lukrez, Horaz) sowie auf Angaben von Marcus Tullius Cicero, Plinius dem Jüngeren und Seneca. Dabei ist zu beachten, dass Cicero ein scharfer Gegner des Epikureismus war. Wichtige Sekundärquellen über Epikur und seine Lehre sind:
- Diogenes Laertios, De vitis et dogmatibus clarorum philosophorum (Leben und Meinungen berühmter Philosophen) Buch X, unter anderem mit den oben genannten Briefen und dem umstrittenen Brief an Pythokles sowie einer Auflistung von 41 ausgewählten wichtigen Werken Epikurs.
- Lukrez: De rerum natura (ein Lehrgedicht, das die Naturphilosophie Epikurs wiedergibt)
- Marcus Tullius Cicero: De natura deorum (Vom Wesen der Götter); De finibus bonorum et malorum (Über das höchste Gut und das größte Übel); De fato (Über das Fatum)
- Plutarch: Placita philosophorum, Contra Colotem
- Diogenes von Oinoanda, der Verfasser einer umfangreichen Inschrift, in der die Lehre Epikurs dargestellt wird.
- Philodemos von Gadara, ein epikureischer Philosoph, dessen Schriften ebenfalls in der Bibliothek der Villa dei Papiri in Herculaneum gefunden wurden.
Epikur selbst hat umfassend Vorsorge getroffen, im Bewusstsein seiner Anhänger präsent zu sein und zu bleiben. Er verfügte testamentarisch einen Festkalender, nach dem in seiner Schule der alljährliche Totenkult für ihn und seine Angehörigen zu begehen war. Nicht nur sein Geburtstag wurde gefeiert, sondern es gab auch einen jährlichen Gedenktag für seine Brüder, ein monatliches Erinnerungsmahl (am 20. Tag des Monats) für ihn und seinen Freund Metrodor und einen Gedenktag für seinen Freund Polyainos.[48] An diesen Festtagen wurden Schriften verlesen, die zur Nachahmung vorbildlicher Philosophen anspornten. Epikur soll seine Schüler angehalten haben, sich immer so zu verhalten, als schaute er, Epikur, ihnen gerade zu.[49]
Epikurs Forderung des Festhaltens an der Orthodoxie wirkte sich nachhaltig auf den Unterricht in seiner Schule und auf das Leben seiner Anhänger aus: Betonung der Autorität und des Auswendiglernens und eine beichtartige Praxis des Bekennens und Bereuens von Fehlern mit Tadel und „Zerknirschung“ (syntribḗ) gehörten zu den prägenden Elementen des epikureischen Wegs. Dies führte dauerhaft zu einer ungewöhnlichen Geschlossenheit und relativen Einheitlichkeit der Epikureergemeinschaft und ihrer Lehre. Außenstehenden antiken Beobachtern fiel auf, dass sich die Epikureer dadurch von den anderen, mit ihnen rivalisierenden philosophischen Schulen und Richtungen unterschieden. So verglich der Philosoph Numenios im 2. Jahrhundert die Schule Epikurs mit einem von jeglichen Parteikämpfen oder Bürgerkriegen freien Staat.[50] Diese Grundhaltung trug dazu bei, dass Epikurs Schule hinsichtlich ihrer Kontinuität sowohl die Platonische Akademie als auch den Peripatos des Aristoteles übertraf; Traditionsbrüche scheinen nicht vorgekommen zu sein, im Lauf eines halben Jahrtausends kam es zu keinen grundsätzlichen Änderungen. Das nachdrückliche Bekenntnis zur Orthodoxie hatte aber auch zur Folge, dass das in anderen Schulen ermutigte eigenständige Forschen und Nachdenken eine vergleichsweise geringe Rolle spielte.
Allerdings zeigen einzelne Quellenaussagen, dass es im Lauf der Jahrhunderte dennoch zu Meinungsverschiedenheiten über Einzelpunkte gekommen ist, etwa hinsichtlich der Bewertung der Rhetorik oder der Einschätzung des Zorns. Akzentverschiebungen und Entwicklungen, auch bedingt durch die Auseinandersetzung mit Kritikern und fremden Traditionen, sind stellenweise erkennbar; in den Gemeinden von Kos und Rhodos scheint eine Neigung zu einer gewissen Eigenständigkeit gegenüber der Mutterschule in Athen bestanden zu haben.[51] Am Gesamtbild einer außerordentlichen Treue der Epikureer zur ursprünglichen Lehre ihres Schulgründers ändert dies jedoch nichts.

Im Römischen Reich waren die Voraussetzungen für eine Ausbreitung des Epikureismus von vornherein ungünstig, da weder die Lustlehre Epikurs noch seine Skepsis gegenüber politischer Betätigung mit traditionellen römischen Wertvorstellungen vereinbar schien. Bezeichnenderweise waren an der berühmten Gesandtschaft griechischer Philosophen nach Rom im Jahre 155 v. Chr. die Platoniker, die Peripatetiker und die Stoiker beteiligt, nicht aber die Epikureer. Eine mehr als oberflächliche Epikurkenntnis scheint es damals in Rom noch nicht gegeben zu haben. Allerdings waren in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Rom bereits zwei griechische Epikureer aktiv, die wegen der anstößigen Lustlehre als Verführer der Jugend ausgewiesen wurden. Ab dem späten 2. Jahrhundert v. Chr. begannen sich einzelne Römer dem Epikureismus zuzuwenden, darunter Titus Albucius, der zeitweilig (um 120 v. Chr.) in Athen lebte und entgegen der epikureischen Lehre eine politische Karriere nicht verschmähte.
Marcus Tullius Cicero erwähnt einige römische Autoren, die sich im 1. Jahrhundert v. Chr. mit ihren Schriften um die Verbreitung der Lehren Epikurs in lateinischer Sprache bemühten. Nach Ciceros Angaben waren sie dabei sehr erfolgreich; er behauptete sogar (wohl stark übertreibend), sie hätten ganz Italien für sich gewonnen.[52] Gerade in der Popularität Epikurs in breiten, relativ ungebildeten Bevölkerungsschichten sah Cicero einen Beweis für die Fragwürdigkeit des von ihm verworfenen Epikureismus. Diese Volkstümlichkeit Epikurs entsprach eigentlich nicht der Haltung des eher elitär eingestellten Philosophen selbst; Epikur hatte eine breite Massenwirkung seiner Lehre nicht angestrebt oder für wünschenswert gehalten.
Neben dem populären, wohl die Lehren vereinfachenden Epikureismus gab es in Rom auch einen anspruchsvolleren, der sich an Gebildete wandte und um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. in gehobeneren Schichten Einfluss gewann. Aus solchen Kreisen stammten die Epikureer, die in Ciceros Schriften als Gesprächspartner auftreten. Der prominenteste Vertreter dieser Richtung war der Dichter Lukrez, ein überzeugter, begeisterter Epikureer. Er konstatierte ganz im Gegensatz zu Cicero die mangelnde Attraktivität der Lehre fürs Volk[53] und erhob den Anspruch, die Naturlehre Epikurs erstmals in gültiger lateinischer Form vorzulegen. Damit gab er zu verstehen, dass er den gängigen „Vulgärepikureismus“ für eine Verfälschung hielt und sich an einen exklusiven Leserkreis wenden wollte, da nur eine philosophisch gesinnte Elite aus seiner Sicht ein geeignetes Zielpublikum für einen authentischen Epikureismus bilden konnte. Sein Lehrgedicht De rerum natura war und blieb die einflussreichste literarische Darstellung des Epikureismus in lateinischer Sprache. Während Lukrez ganz im Sinne Epikurs den traditionellen Götterglauben verwarf, meinte er Epikur als dem Entdecker der Wahrheit die Verehrung zu schulden, welche die Menschen den Göttern zu erweisen pflegten. Er nannte ihn sogar ausdrücklich (metaphorisch) einen „Gott“.
Gegen Ende der republikanischen Zeit und in der frühen Kaiserzeit fand dieser anspruchsvollere Epikureismus in der kulturellen Führungsschicht weithin Anklang. Für epikureisches Gedankengut sehr aufgeschlossen waren die bedeutenden Kulturförderer Titus Pomponius Atticus und Gaius Maecenas sowie möglicherweise Gaius Iulius Caesar, zu dessen Umgebung viele Epikureer gehörten. Vergil stand dem Epikureismus zumindest zeitweilig nahe,[54] Horaz brachte ihm große Sympathie entgegen und bezeichnete sich selbst als ein „Schwein aus der Herde Epikurs“.[55] Diese berühmte Äußerung war allerdings selbstironisch gemeint und ist nicht im Sinne eines Bekenntnisses zur philosophischen Schule zu verstehen; gegenüber dem epikureischen (und jedem anderen) Dogmatismus betonte Horaz seine Eigenständigkeit.
In den politisch und kulturell maßgeblichen Kreisen konnte der Epikureismus allerdings nur partiell aufgenommen werden, da Epikurs Ablehnung kultureller Güter und/oder seine prinzipiell negative Haltung zu politischem Engagement mit den Neigungen vornehmer Römer kollidierte. Bei der Aufnahme des Epikureismus in der politischen und kulturellen Führungsschicht Roms war somit Konsequenz von vornherein ausgeschlossen; sogar ein leidenschaftlicher Epikureer wie der Dichter Lukrez verstieß gegen die epikureische Orthodoxie, denn Epikur hatte vom Wert der Dichtkunst eine sehr ungünstige Meinung.
Philosophen anderer Richtungen, vor allem Platoniker und Stoiker, und die Christen bekämpften den Epikureismus. Besonders die Leugnung der Unsterblichkeit und der göttlichen Vorsehung erregte Anstoß. Der Platoniker Plutarch verfasste drei antiepikureische Schriften. Seneca hingegen setzte sich, obwohl er als Stoiker Epikurs Philosophie für falsch hielt, intensiv und verständnisvoll mit dem epikureischen Weg zur Erlangung der Seelenruhe auseinander, denn dieses Anliegen war auch für ihn von zentraler Bedeutung. Für die antiken Kirchenväter war Epikur der philosophische Gegner schlechthin. Seine Lehre, die polytheistisch war und menschengestaltige Götter annahm, zugleich aber die Vorsehung bestritt und die Gottesfurcht austilgen sollte, erschien ihnen wie ein Gegenentwurf zum Christentum. Nur seiner Ethik – abgesehen von der Lustlehre – konnten manche Christen Positives abgewinnen, da sie auf Seelenfrieden abzielte. Christliche Polemiker unterstellten Epikur und seinen Anhängern eine Fülle von Ausschweifungen und Perversionen.
Noch im frühen 3. Jahrhundert war die epikureische Tradition im Römischen Reich lebendig, doch schon bald darauf setzte ihr Niedergang ein. In der Spätantike akzentuierte sich die Gegnerschaft der damals maßgeblichen geistigen Strömungen, des Neuplatonismus und des Christentums, zur Lehre Epikurs. Bei den Christen wurde der Name Epikurs zum Schimpfwort; man verunglimpfte theologische Gegner und unasketisch gesinnte Christen, indem man ihnen eine epikureische Lebenseinstellung vorwarf. Der Kirchenvater Augustinus von Hippo polemisierte gegen Epikur, hatte aber ein zwiespältiges Verhältnis zu ihm. Er bezeichnete ihn – wohl das bekannte Wort des Horaz aufgreifend und umwertend – als „Schwein“, gestand ihm aber zu, einzelne Wahrheiten erkannt zu haben. Ferner stellte er fest, dass zu seiner Zeit – er schrieb dies im Jahre 410 – die epikureische Tradition bereits abgestorben sei.[56] Schon 362/363 hatte Kaiser Julian in einem Brief mit Befriedigung konstatiert, dass das epikureische Schrifttum großenteils untergegangen war.[57] Obwohl der Epikureismus von seinen spätantiken Gegnern nicht als aktuelle Bedrohung, sondern als ein Konzept vergangener Zeiten wahrgenommen wurde, ging die Auseinandersetzung mit ihm weiter.
Auch in Alexandria waren Epikureer während der gesamten Antike sehr präsent und hinterließen mannigfache Spuren. Bereits zu Lebzeiten Epikurs scheint es nach einer Passage in Plutarchs De latenter vivendo Anhänger in Alexandria gegeben zu haben. Der Epikureer Kolotes von Lampsakus widmete einem der ersten Ptolemäerkönige gar eines seiner Werke. Im 2. Jahrhundert v. Chr. sind die Beziehungen der Epikureer Philonides aus Laodikeia, Basilides und Protarch zu alexandrinischen Geometern bemerkenswert. Auch Philodemos von Gadara weilte vor seinem Gang nach Athen zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. längere Zeit in Alexandria, wie die Neulesung und Neubewertung eines Papyrus aus Herculaneum zeigen. Mehrere in Ägypten gefundene Papyri aus verschiedenen Jahrhunderten sprechen ebenso für die Vitatität des Epikureismus in Ägypten und Alexandria wie die Polemiken in Alexandria wirkender Autoren (Philon, Clemens, Origenes). Besonders ist hier die Schrift De natura (περὶ φύσεως) des Dionysius von Alexandria zu nennen, welche die einzig erhaltene Polemik gegen die Physik Epikurs aus christlicher Sichtweise darstellt (zumindest das erste Buch des Werkes war gegen die Epikureer gerichtet). Die Schrift deutet auf epikureische Kontroversen mit Christen im Alexandria des 3. Jahrhunderts hin. Nach der konstantinischen Wende verlor der Epikureismus in Alexandria wie auch in anderen Teilen des Reichs immer mehr an Bedeutung, bis er im 5. Jahrhundert endgültig verschwand. Möglicherweise gab es in Alexandria neben individuellen Epikureern auch mehr oder weniger organisierte Zirkel von Epikureern.[58]

In der lateinischsprachigen Welt des Mittelalters waren keine Texte Epikurs bekannt. Vom Gedicht des Lukrez existierten nur wenige Handschriften sowie Auszüge in Florilegien. Die mittelalterlichen Gelehrten bezogen ihr Wissen über Epikur von Cicero, Servius und Seneca sowie den Kirchenvätern. Gängig waren topische Verdammungsurteile, die sich vor allem auf den Materialismus und die Lustlehre bezogen. Vereinzelt gab es aber auch positivere Äußerungen, die an einzelne Stellen der vorliegenden antiken Quellen anknüpften, wo Epikurs praktische Lebensweisheit gewürdigt wurde. Diese überwiegend sehr negative, aber doch auch teilweise ambivalente Bewertung Epikurs im Mittelalter spiegelt sich bei Dante Alighieri. In seiner „Göttlichen Komödie“ versetzt er Epikur und alle Epikureer wegen ihrer Leugnung der Unsterblichkeit in die Hölle,[59] aber im Convivio[60] zählt er den epikureischen Garten zu den antiken Schulen, die nach seiner Ansicht in der Lage waren, Lebensweisheit zu vermitteln.
Im Sprachgebrauch des Hoch- und Spätmittelalters verstand man unter einem „Epikureer“ gewöhnlich nicht einen Anhänger einer bestimmten philosophischen Lehre, sondern einen Menschen, den man als „Sklaven der Lust“ betrachtete.

Einen wichtigen Anstoß zur Wiederbelebung des Interesses am historischen Epikur und seiner Lehre gab die Auffindung einer Handschrift von Lukrez’ Gedicht durch den Humanisten Poggio Bracciolini im Jahr 1417. Poggio war von diesem Werk fasziniert. Schon 1418 schrieb der Humanist Bartolomeo da Montepulciano, ein Freund Poggios, ihm sei eine große Zahl von Personen bekannt, die sich dem Epikureismus verschrieben hätten.[61] Aufsehen erregte der als eigenwillig bekannte Humanist Lorenzo Valla mit seiner Schrift „Über die Lust“ (De voluptate), die er 1431 veröffentlichte; zwei Jahre später ließ er eine überarbeitete Fassung unter dem Titel „Über das wahre und das falsche Gut“ (De vero falsoque bono) drucken. In diesem Werk lässt Valla einen Stoiker, einen Epikureer und einen Christen ihre Ansichten vortragen; zwar gewinnt dabei der Christ, doch ist die Sympathie des Autors für epikureische Positionen unverkennbar. Ab 1433 lag eine lateinische Übersetzung der Philosophenleben des Diogenes Laertios vor, die 1472 erstmals gedruckt wurde. Sie trug wesentlich zur Kenntnis Epikurs in gebildeten Kreisen bei, zumal da Diogenes Epikur besonders eingehend behandelt. Meist bemühten sich die Renaissance-Humanisten um eine differenzierte Einschätzung des Epikureismus.
Die gängige mittelalterliche Verwendung des Ausdrucks „Epikureer“ als Schimpfwort für ausschweifende, „tierisch“ lebende Menschen setzte sich in der Frühen Neuzeit fort. Martin Luther beschimpfte seine theologischen Gegner gern auf solche Weise. Auch gegen den Humanisten Erasmus von Rotterdam richtete er den Vorwurf des Epikureismus. Erasmus reagierte mit einer differenzierten Würdigung der epikureischen Lustlehre, die von ihren Gegnern verzerrt wiedergegeben werde.[62]
Im 17. Jahrhundert ging die Verbreitung des Epikureismus zunächst von Frankreich aus. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei die Rehabilitierung der epikureischen Philosophie durch den französischen Philosophen Pierre Gassendi. In seinem Kampf gegen die Autorität des Aristoteles griff Gassendi auf Epikurs Atomtheorie zurück; die Ethik Epikurs versuchte er mit christlichen Vorstellungen zu verbinden. An Gassendi knüpfte Walter Charleton an; er veröffentlichte in den fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts Schriften, die viel zur Popularisierung epikureischen Gedankenguts in England beitrugen. Auch Thomas Hobbes erhielt über Gassendi Anregungen aus dem Epikureismus. Hobbes lehnte zwar die Atomtheorie ab, teilte aber Epikurs Religionskritik und seinen Materialismus. Wie Epikur verwendete er das Konzept des Gesellschaftsvertrags. Im Gegensatz zu dem antiken Denker fasste er aber den Gesellschaftsvertrag nicht als Realität, sondern als gedankliches Konstrukt auf. In Deutschland betätigte sich Christian Thomasius eifrig als Verteidiger Epikurs.
Einer der produktivsten Verfechter des Atomismus war der irische Physiker und Chemiker Robert Boyle (1627–1691), der ihn in zahlreichen Veröffentlichungen, wie The Origins of Forms and Qualities (1666) (deutsch: Die Ursprünge der Formen und Eigenschaften) und Experiments, Notes, etc. about the Mechanical Origin and Production of Divers Particular Qualities (1675) (deutsch: Experimente, Notizen usw. über die mechanische Entstehung und Erzeugung verschiedener besonderer Eigenschaften) vertrat. Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts wurde der epikureische Atomismus von den englischen Naturwissenschaftlern weitgehend als das beste Modell zur Erklärung der physikalischen Welt akzeptiert, aber er war so stark modifiziert worden, dass Epikur nicht mehr als sein ursprüngliches Vorbild angesehen wurde.[63]
Im 18. Jahrhundert fand Epikur besonders bei Materialisten wie Julien Offray de La Mettrie und Paul Henri Thiry d’Holbach Anklang. Holbach leugnete allerdings im Gegensatz zu Epikur die Willensfreiheit.[64] In Preußen bezeichnete sich König Friedrich II. als eifrigen Schüler Epikurs und stellte bedauernd fest, er müsse sich als Herrscher „mit diesen großen Geschäften befassen und gegen die Vorschriften unseres heiligen Epikur verstoßen“.[65] Christoph Martin Wieland setzte sich in seinen Romanen Agathon und Aristipp und weiteren Werken intensiv mit dem Ideal einer epikureischen Lebensführung auseinander.
Im frühen 19. Jahrhundert trug der Einfluss des Gedankenguts der Aufklärung zu einem positiven Epikur-Bild bei. Thomas Jefferson schrieb in einem Brief vom 31. Oktober 1819, er sei Epikureer. Die authentische, unverfälschte Lehre Epikurs enthalte die Gesamtheit dessen, was in der antiken Moralphilosophie vernunftgemäß sei.[66] Auch Georg Büchner affirmierte in Dantons Tod Epikurs Lehre von der „Lust“ (Hedone) als Letztziel eines jeden Menschen: „Es gibt nur Epikureer, und zwar grobe und feine, Christus war der feinste; das ist der einzige Unterschied, den ich zwischen den Menschen herausbringen kann. Jeder handelt seiner Natur gemäß, d. h. er tut, was ihm wohltut.“ In Philosophenkreisen stieß im 19. Jahrhundert besonders die Ethik Epikurs auf Interesse, doch auch die Naturlehre fand Beachtung.
Epikurs ethische Lehren hatten auch einen indirekten Einfluss auf die Philosophie des Utilitarismus im England des neunzehnten Jahrhunderts.[63]
Karl Marx befasste sich als junger Mann eingehend mit Epikurs Lehren. Seine 1841 erschienene Dissertation trug den Titel Die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie.[67] Marx betrachtete Demokrit als rationalistischen Skeptiker, dessen Erkenntnistheorie in sich widersprüchlich war, Epikur hingegen als dogmatischen Empiriker, dessen Weltanschauung in sich konsistent und praktisch anwendbar war. Im Unterschied zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Epikur für unoriginell gehalten hatte, sah Marx in Epikurs Naturphilosophie einen Fortschritt gegenüber Demokrit. Zur Staatstheorie meinte er, bei Epikur finde sich „zuerst die Vorstellung […], dass der Staat auf einem gegenseitigen Vertrage der Menschen, einem contrat social […] beruhe“.[68]
Friedrich Nietzsches Verhältnis zu Epikur wandelte sich im Verlauf seiner philosophischen Entwicklung stark. Anfangs äußerte er sich bewundernd über den antiken Denker, der eine Befreiung von der Furcht vor den Göttern und von religiösen Schuldvorstellungen herbeigeführt habe. Als aber später das Prinzip des Willens zur Macht in Nietzsches Denken eine wachsende Bedeutung erhielt, wertete er Epikurs Lehre negativ als Ausdruck von Schwäche, Nachgiebigkeit und mangelnder Bereitschaft, sich gegen Widerstände durchzusetzen und nach Machtbesitz zu streben. Außerdem warf er ihm eine philosophische Skepsis vor, die eine Folge von Epikurs Mangel an Willen zum Wissen (einer Form des Willens zur Macht) sei. Epikur sei ein „typischer décadent“, dessen Dekadenz Nietzsche als Erster erkannt zu haben meinte.[69]
Im 20. Jahrhundert beriefen sich Wilhelm Reich, Erich Fromm und vor allem Herbert Marcuse in ihren Darlegungen zum Lustprinzip auf Epikur. Sie kritisierten aber seine negative Einstellung zur politischen Aktivität und seinen Verzicht auf Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen. Marcuse hielt diese Zurückhaltung für einen verfehlten Minimalismus und meinte, Epikur sei seinen Weg nicht zu Ende gegangen.[70]
Der britische Evolutionsbiologe, Philosoph und Schriftsteller Julian Huxley prägte Anfang der 1960er Jahre den Begriff des evolutionären Humanismus, dessen Vorläufer auch bis zu Epikur zurückreichen (Lehre vom atomaren Aufbau der Welt, vom Aufstieg und Untergang der Arten, der Unendlichkeit des Weltalls, der Sterblichkeit der Seele, dem Gesellschaftsvertrag und dem individuellen Streben nach Glück als Dreh- und Angelpunkt einer menschengerechten Ethik und Politik).[71]
Der Asteroid (5954) Epikouros, der am 19. August 1987 entdeckt wurde, ist nach Epikur benannt.
Diogenes Laertios schreibt[72], Epikur habe über dreihundert Bücher verfasst (die Laertios den drei Kategorien Kanonik/Wissenschaftslehre, Physik/Naturbeschreibung und Ethik zuordnet) und nennt die seiner Meinung nach 41 wichtigsten der Werke Epikurs:
- Über die Natur (Peri physeos, 37 Bücher)
- Von den Atomen und dem Leeren
- Von der Liebe
- Auszug aus den Büchern gegen die Physiker
- Gegen die Megariker
- Schwierige Fragen
- Hauptlehren (Kyriai doxai)
- Vom Wählen und Meiden
- Vom Endziel
- Vom Kriterium (Beurteilungsgrund) oder Kanon (Richtschnur)
- Chairedem
- Von den Göttern
- Von der Frömmigkeit
- Hegesianax
- Von den Lebensweisen (4 Bücher)
- Vom Rechthandeln
- Neokles an Themista
- Gastmahl
- Eurylochos an Metrodor
- Vom Sehen
- Vom Winkel des Atoms
- Vom Tastsinn
- Vom Schicksal
- Ansichten über die Affekte an Timokrates
- Prognostikon
- Mahnschrift (Protreptikos)
- Von den Bildern (Idolen)
- Von der Vorstellung
- Aristobulos
- Von der Musik
- Von der Gerechtigkeit und den anderen Tugenden
- Von Geschenken und Dank
- Polymedes
- Timokrates (3 Bücher)
- Metrodor (5 Bücher)
- Antidor (2 Bücher)
- Ansichten über die Südwinde an Mithras
- Kallistolas
- Vom Königtum
- Anaximenes
- Briefe
- Diogenes Laertius: X. Buch. Epikur. Herausgegeben von Klaus Reich und Hans Günter Zekl, übersetzt von Otto Apelt. Meiner, Hamburg 1968 (griechischer Text und deutsche Übersetzung)
- Epikur: Wege zum Glück. Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 2005, ISBN 3-7608-4115-5
- Epikur: Briefe, Sprüche, Werkfragmente. Übersetzt und herausgegeben von Hans-Wolfgang Krautz. Reclam, Stuttgart 1980, ISBN 3-15-009984-6 (griechischer Text, deutsche Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort)
- Epikur: Philosophie der Freude. Eine Auswahl aus seinen Schriften. Übersetzt, erläutert und eingeleitet von Johannes Mewaldt. Kröner, Stuttgart 1973, ISBN 3-520-19805-3
- Epikur: Von der Überwindung der Angst. Dreisprachige Ausgabe: Griechisch / Lateinisch / Deutsch. Eine Auswahl aus seinen Schriften, den Fragmenten und doxographischen Berichten. 2., überarbeitete Auflage, Aschendorff, Münster 2004, ISBN 3-402-02262-1
- Epikur: Brief an Menoikeus. In: Ders.: Von der Überwindung der Furcht. Katechismus, Lehrbriefe, Spruchsammlung, Fragmente. Übersetzt und mit einer Einführung und Erläuterungen versehen von Olof Gigon. Patmos Verlagsgruppe / Artemis & Winkler Verlag, München 1991, ISBN 3-7608-3555-4
- Epikur: Ausgewählte Schriften. Übersetzt und herausgegeben von Christof Rapp. Kröner, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-520-21801-8
- Epikur: Über das Glück. Übersetzt von David Vitali und Séverine Gindro mit einem Vorwort von Ludwig Marcuse, Diogenes, Zürich 2011, ISBN 978-3-25724162-4
- Jan Erik Hessler: Epikur, Brief an Menoikeus. Edition, Übersetzung, Einleitung und Kommentar (= Schwabe Epicurea. Band 4). Schwabe, Basel 2014, ISBN 978-3-7965-3213-9.
Übersichts- und Gesamtdarstellungen in Handbüchern
- Michael Erler: Epikur. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike. Band 4). Teilband 1, Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, S. 29–202 (maßgebliche Gesamtdarstellung von Leben und Werk mit umfangreicher Bibliographie)
- Richard Goulet: Épicure de Samos. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 3, CNRS Éditions, Paris 2000, ISBN 2-271-05748-5, S. 154–181
- Gisela Striker: Epikur. In: Otfried Höffe (Hrsg.): Klassiker der Philosophie. Band 1, Verlag C. H. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37944-3, S. 95–115
- Hans von Arnim: Epikuros 4. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI,1, Stuttgart 1907, Sp. 133–155.
Einführungen
- Heinz-Michael Bartling: Epikur: Theorie der Lebenskunst. Junghans, Cuxhaven 1994, ISBN 3-926848-39-1.
- Michael Erler: Epikur. In: Friedo Ricken (Hrsg.): Philosophen der Antike. Band 2, Kohlhammer, Stuttgart 1996, ISBN 3-17-012720-9.
- Martin Euringer: Epikur. Antike Lebensfreude in der Gegenwart. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017957-8.
- Carl-Friedrich Geyer: Epikur zur Einführung. 3., unveränderte Auflage. Junius, Hamburg 2015, ISBN 978-3-88506-328-5.
- Malte Hossenfelder: Epikur. Beck, München 1991, 3. aktualisierte Auflage 2006, ISBN 3-406-54122-4.
Untersuchungen
- Javier Aoiz, Marcelo D. Boeri: Theory and practice in Epicurean political philosophy: security, justice and tranquility. Bloomsbury Academic, London 2023.
- Elizabeth Asmis: Epicurus’ Scientific Method. Cornell University Press, Ithaca 1984.
- Malte Hossenfelder: Epikureer. In: Peter Schmitter (Hrsg.), Sprachtheorien der abendländischen Antike. Tübingen, Gunter Narr Verlag, 1991, S. 217-237, ISBN 3-87808-672-5.
- Katharina Held: Hēdonē und Ataraxia bei Epikur. Mentis, Paderborn 2007, ISBN 3-89785-578-X.
- Phillip Mitsis: Epicurus’ Ethical Theory. The Pleasures of Invulnerability (Cornell Studies in Classical Philology, Band 48). Cornell University Press, 1988.
- Überarbeitete und erweiterte französische Fassung: L’Éthique d’Épicure. Les Plaisirs de l’invulnérabilité (Les Anciens et Les Modernes, Études de Philosophie, Band 21) mit einem Vorwort übersetzt von Alain Gigandet und einer neuen Bibliographie von Francesco Verde. Classiques Garnier, 2014.
- Überarbeitete und erweiterte italienische Fassung der französischen Fassung: La teoria etica di Epicuro. I piaceri dell’invulnerabilità (Studia Philologica, Band 22), herausgegeben und übersetzt von Enrico Piergiacomi. L’Erma di Bretschneider, 2019.
- Überarbeitete und erweiterte französische Fassung: L’Éthique d’Épicure. Les Plaisirs de l’invulnérabilité (Les Anciens et Les Modernes, Études de Philosophie, Band 21) mit einem Vorwort übersetzt von Alain Gigandet und einer neuen Bibliographie von Francesco Verde. Classiques Garnier, 2014.
- Jan Maximilian Robitzsch: Epicurean justice: nature, agreement, and virtue. Cambridge University Press, Cambridge 2024, ISBN 9781009429467. – Rezension von Jesús Muñoz Morcillo, Bryn Mawr Classical Review 2025.03.44
- Giulia Scalas: La Théorie épicurienne du vivant: l’âme avec le corps. (Les anciens et les modernes – études de philosophie, 54). Classiques Garnier, Paris 2023. – Rezension von Franco Andrés Lucarelli, Bryn Mawr Classical Review 2024.01.23
Populärwissenschaftliche Darstellungen
- Séverine Gindro, David Vitali (Hrsg.): Epikur – Über das Glück. Diogenes 2011, ISBN 978-3-257-24162-4.
- Florian Russi: Epikur. Der Philosoph der Freude (= Philosophie für unterwegs. Band 1). Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2018. ISBN 978-3-95462-873-5.
- Heinrich Schmidt: Epikurs Philosophie der Lebensfreude. Leipzig 1927 (= Kröner Taschenbuch. Band 11).
- Josef M. Werle: Epikur für Zeitgenossen. Ein Lesebuch zur Philosophie des Glücks. Goldmann, München 2002, ISBN 3-442-07741-9.
Rezeption
- Kilian Josef Fleischer: Dionysios von Alexandria, De natura (περὶ φύσεως). Übersetzung, Kommentar und Würdigung. Mit einer Einleitung zur Geschichte des Epikureismus in Alexandria, Brepols, Turnhout 2016, ISBN 978-2-503-56638-2.
- Gero Guttzeit: Epikur. In: Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 8). Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02468-8, Sp. 413–424.
- Howard Jones: The Epicurean Tradition. Routledge, London/New York 1992, ISBN 0-415-07554-8 (behandelt die Epikur-Rezeption bis zum Ende des 17. Jahrhunderts).
- Howard Jones: Epicurus and Epicureanism. In: Anthony Grafton u. a. (Hrsg.): The Classical Tradition. Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts)/London 2010, ISBN 978-0-674-03572-0, S. 320–324 (Übersichtsdarstellung der Epikur-Rezeption bis zur Gegenwart).
- Dorothee Kimmich: Epikureische Aufklärungen. Philosophische und poetische Konzepte der Selbstsorge. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-12175-9 (ausführliche Darstellung der Rezeption bis zum 20. Jahrhundert).
- Hans Joachim Krämer: Epikur und die hedonistische Tradition. In: Gymnasium. Band 87, 1980, S. 294–326 (behandelt die Epikur-Rezeption bis zum 20. Jahrhundert).
- Gianni Paganini, Edoardo Tortarolo (Hrsg.): Der Garten und die Moderne. Epikureische Moral und Politik vom Humanismus bis zur Aufklärung. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2004, ISBN 3-7728-2261-4.
- James Warren: Facing death: Epicurus and his Critics. Oxford University Press, Oxford 2004, Paperback 2006.
- Literatur von und über Epikur im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Epikur in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- David Konstan: Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Tim O’Keefe: Eintrag in James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy.
- Vincent Cook: Epicurus & Epicurean Philosophy. Abgerufen am 18. Februar 2010.
- Epicurus.info: Epicurean Philosophy Online. Abgerufen am 18. Februar 2010.
- epikur-wuerzburg.de: Würzburger Zentrum für Epikureismusforschung. Abgerufen am 8. März 2020.
- Epikur – Der Philosoph der maximalen Lust (MP3; 20,7 MB) Podcast zur Sendung Radiowissen am 14. Mai 2014
- ↑ Zur Datierung der Geburt siehe Erler (1994) S. 64f. Nach der Chronik des Apollodoros war das Geburtsjahr das dritte Jahr der 109. Olympiade, unter dem Archon Sosigenes; Diogenes Laertios 10,14.
- ↑ Diogenes Laertios X 2; Holger Sonnabend: Epikur. In: Kai Brodersen (Hrsg.): Große Gestalten der griechischen Antike, München 1999, S. 408.
- ↑ Fritz Jürß, Reimar Müller, Ernst Günther Schmidt: Griechische Atomisten. Texte und Kommentare zum materialistischen Denken der Antike, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1973, S. 61.
- ↑ Nach der Chronik des Apollodoros war das Todesjahr das zweite Jahr der 127. Olympiade, unter dem Archon Pytharatos; Diogenes Laertios 10,15.
- ↑ (Text in deutscher Übersetzung (Memento vom 11. Januar 2007 im Internet Archive))
- ↑ Stefan Schorn: Epikuros. In: Manfred Landfester (Hrsg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 2). Metzler, Stuttgart/Weimar 2007, ISBN 978-3-476-02030-7, S. 228–232.
- ↑ ausführlicher hierzu siehe L. Kugelmann in Antizipation: Eine begriffsgeschichtliche Untersuchung, Göttingen 1986, S.110 ff.
- ↑ Erler (1996) S. 42.
- ↑ vgl. Hossenfelder, S. 27.
- ↑ Erler (1996) S. 42.
- ↑ Erler (1996) S. 50.
- ↑ Erler erläutert: „Mag man darin auch einen Mangel an Eindeutigkeit sehen, so wird dieser doch aufgewogen durch den Beitrag, den die bloße Existenz von Erklärungsmöglichkeiten für die Seelenruhe des Menschen leistet.“ (Erler [1996] S. 47).
- ↑ Brief an Menoikeus, zitiert nach Olof Gigon 1991, S. 200
- ↑ Bartling 1994, S. 77, und ihm folgend Euringer 2003, S. 54, haben hervorgehoben, dass der griechische Begriff „hedone“ im Sinne Epikurs nicht einheitlich mit „Lust“ ins Deutsche zu übertragen ist, sondern dass (analog der Unterscheidung von katastematischer und kinetischer Lust bei Epikur, siehe nachfolgend: „Das epikureische Lustprinzip“) auch „Lebensfreude“ und entsprechende Äquivalente je nach Sinnzusammenhang nötig sind.
- ↑ Cicero, De finibus, zitiert nach Nickel 2005, S. 40
- ↑ Krautz 1980, zitiert nach Euringer S. 70
- ↑ vgl. Euringer S. 64f.; Nickel 2005, S. 149/173; abweichend: Hossenfelder, S. 68ff.
- ↑ Heinrich Dörrie: Überlegungen zum Wesen antiker Frömmigkeit, in: Pietas. Festschrift für B. Kötting, Münster 1980, S. 13.
- ↑ zit.n. Nickel 2005, S. 117
- ↑ zitiert nach Hossenfelder S. 95
- ↑ vgl. Hossenfelder, S. 95; Werle, S. 325; Euringer, S. 63f.
- ↑ zitiert nach Hossenfelder, S. 29
- ↑ 29. Hauptlehrsatz, zitiert nach Nickel 2005, S. 129
- ↑ Brief an Menoikeus, zitiert nach Nickel 2005, S. 119 f.
- ↑ George K. Strodach .: Introduction, The Art of Happiness. Penguin Classics, New York City 2012, ISBN 978-0-14-310721-7 (englisch).
- ↑ Bartling, S. 29; Euringer, S. 54; Werle, S. 299
- ↑ Statt „Tetrapharmakos“ (weibl.), wie Bartling, S. 29, begründet herleitet, steht hier die grammatisch weniger irritierende Form „Tetrapharmakon“.
- ↑ 11. Hauptlehrsatz, zit.n. Nickel 2005, S. 126f.
- ↑ Gnomologium Vaticanum Nr. 9, zitiert nach Nickel 2005, S. 135; zur Deutung vgl. Werle, S. 325; Nickel 2005, S. 171f.; anderer Auffassung ist Rudolf Schottlaender, Epikureisches bei Seneca. Ein Ringen um den Sinn von Freude und Freundschaft (1955). In: Gregor Maurach (Hrsg.), Seneca als Philosoph. Darmstadt, 2. Auflage 1987, S. 181f.
- ↑ 31. Hauptlehrsatz, zit. n. Nickel 2005, S. 129
- ↑ zit.n. Nickel 2005, S. 131
- ↑ Plut. mor. 1128ff.
- ↑ 14. Hauptlehrsatz, zitiert nach Nickel 2005, S. 126
- ↑ 27. Hauptlehrsatz, zitiert nach Nickel 2005, S. 129
- ↑ Die Überlieferungsfragmente 41 (Diog. Laert. 10,119) und 127 (Clem. Alex. Strom. 2, 138, 3 / 4) lassen diese Einstellung deutlich hervortreten. Nickel 2005, S. 186, kommentiert: „Der Verzicht auf Ehe und Kinder hat seinen Grund in der Verweigerung einer lustfeindlichen Fürsorge für Ehefrau und Kinder.“
- ↑ Gnomologium Vaticanum, Nr. 58, zitiert nach Nickel 2005, S. 141
- ↑ De finibus bonorum et malorum I, 62; zit. n. Werle, S. 86
- ↑ Gnomologium Vaticanum 31, zitiert nach Nickel 2005, S. 137: „Gegen alles Mögliche kann man sich Sicherheit verschaffen, angesichts des Todes aber bewohnen wir Menschen alle eine Stadt ohne schützende Mauern.“
- ↑ Maximilian Forschner, Über das Glück des Menschen, Darmstadt 1993, S. 40
- ↑ Bartling, S. 8, mit zustimmendem Rückbezug auf Pierre Hadot, Philosophie als Lebensform. Geistige Übungen in der Antike, 2. Auflage Berlin 1987, S. 107
- ↑ Maximilian Forschner, Über das Glück des Menschen, Darmstadt 1993, S. 41
- ↑ Bartling, S. 60 f. und S. 73–76
- ↑ Zit. n. Nickel 2005, S. 122.
- ↑ Dietrich Lemke: Die Theologie Epikurs. Versuch einer Rekonstruktion. München 1973, S. 78–85.
- ↑ Zu den Einzelheiten von Epikurs Theologie siehe Dietrich Lemke: Die Theologie Epikurs. Versuch einer Rekonstruktion, München 1973; Jaap Mansfeld: Aspects of Epicurean Theology, in Mnemosyne 46, 1993, S. 172–210; Marianne Wifstrand Schiebe: Sind die epikureischen Götter 'thought-constructs'?, in: Mnemosyne 56, 2003, S. 703–727; Daniel Babut: Sur les dieux d’Epicure, in: Elenchos 26, 2005, S. 79–110.
- ↑ Lemke S. 82–85; Erler (1994) S. 152.
- ↑ Reinhold F. Glei: Et invidus et inbecillus. Das angebliche Epikurfragment bei Laktanz, De ira dei 13,20-21, in: Vigiliae Christianae 42 (1988), S. 47–58; Arthur Stanley Pease (Hrsg.): M. Tulli Ciceronis De natura deorum. Libri secundus et tertius, Cambridge (Mass.) 1958, S. 1232 f.
- ↑ Erler (1994) S. 206 f.
- ↑ „Tue alles so, als ob Epikur es sähe“ (Seneca, Epistulae morales 25,5).
- ↑ Numenios, Fragment 24; ähnlich äußerte sich Seneca, Epistulae morales 33,4.
- ↑ Erler (1994) S. 210–212.
- ↑ Cicero, Tusculanae disputationes 4,3,7: Italiam totam occupaverunt; vgl. De finibus 1,7,25.
- ↑ Lukrez, De rerum natura 4,18-20.
- ↑ Erler (1994) S. 370–372.
- ↑ Horaz, Epistulae 1,4,16.
- ↑ Augustinus, Epistulae 118,12.
- ↑ Julian, Briefe 48, hrsg. Bertold K. Weis, München 1973, S. 148.
- ↑ Zum Komplex Epikureismus in Alexandria siehe Kilian J. Fleischer: Dionysios von Alexandria, De natura (περὶ φύσεως). Übersetzung, Kommentar und Würdigung. Mit einer Einleitung zur Geschichte des Epikureismus in Alexandria, Brepols, Turnhout 2016.
- ↑ Inferno 10,13-15.
- ↑ Convivio 4,22.
- ↑ Howard Jones: The Epicurean Tradition, London 1989, S. 143.
- ↑ Jones (1989) S. 163–165.
- ↑ a b Howard Jones: Epicurus and Epicureanism, in Grafton, Anthony; Most, Glenn W.; Settis, Salvatore (eds.), The Classical Tradition. The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, London 2010, ISBN 978-0-674-03572-0, S. 320–324 (englisch).
- ↑ Zu dieser Epikur-Rezeption siehe Winfried Schröder: Naturphilosophische Spekulation im Dienste einer praktischen Zielsetzung. Neo-Epikureismus in der Aufklärung. In: Gianni Paganini, Edoardo Tortarolo (Hrsg.): Der Garten und die Moderne. Epikureische Moral und Politik vom Humanismus bis zur Aufklärung, Stuttgart-Bad Cannstatt 2004, S. 343–359.
- ↑ Dorothee Kimmich: Epikureische Aufklärungen. Darmstadt 1993, S. 228 f.
- ↑ LETTER: Thomas Jefferson to William Short. Abgerufen am 2. November 2023.
- ↑ In: Karl Marx, Friedrich Engels: Gesamtausgabe, Bd. 2, Dietz, Berlin/DDR 1975, S. 879–962.
- ↑ Die deutsche Ideologie, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke, Bd. 3, Dietz, Berlin/DDR 1969, S. 125.
- ↑ Dorothee Kimmich: Epikureische Aufklärungen. Darmstadt 1993, S. 237–240.
- ↑ Siehe dazu Hans Joachim Krämer: Epikur und die hedonistische Tradition. In: Gymnasium 87, 1980, S. 294–326, hier: 323 f.
- ↑ Michael Schmidt-Salomon: Bioethik im Evolutionären Humanismus. In: Dossier Bioethik. Bundeszentrale für politische Bildung, Lizenz: CC BY-NC-ND 3.0 DE, 9. Juli 2018, abgerufen am 15. April 2020.
- ↑ Diogenes Laertios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen, Band 2, Übersetzer: Otto Apelt, Felix Meiner-Verlag, Leipzig 1921, S. 200–201
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Epikur |
| KURZBESCHREIBUNG | griechischer Philosoph, Begründer des Epikureismus |
| GEBURTSDATUM | um 341 v. Chr. |
| GEBURTSORT | auf Samos |
| STERBEDATUM | um 270 v. Chr. |
| STERBEORT | Athen, Griechenland |
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- Vertreter des Atheismus
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- Gestorben im 3. Jahrhundert v. Chr.
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