Ähre
ähr + -e ‘scharf, spitz, kantig’
f. Blüten- und Fruchtstand des Getreides und verschiedener Gräser, ahd. ahir (8. Jh.), ehir (9. Jh.), mhd. eher, äher, asächs. ehir, mnd. ār(e), mnl. aer, nl. aar, aengl. ēar (nordhumbr. æhher, eher), engl. ear, dazu mit grammatischem Wechsel anord. schwed. ax, got. ahs ‘Ähre’ sind verwandt mit lat. acus ‘Granne, Spreu’, griech. áchnē (ἄχνη, aus *ak̑snā), akostḗ (ἀκοστή) ‘Gerste’ (eigentlich ‘die Grannige’), russ. ost’ (ость) ‘Spitze, Granne’ und führen auf ie. *ak̑es-, *ak̑s-, eine s-Erweiterung der unter Ecke (s. d.) aufgeführten Wurzel ie. *ak̑-, *ok̑- ‘scharf, spitz, kantig’ (s. auch Ahorn).
Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. Aar, Are, und im Holländ. Are. Viele rechnen es mit zu dem Geschlechte, zu welchem ären, pflügen, Arbeit in Ansehung seiner ersten Sylbe, Ärnde, Jahr, und noch andere gehören. Allein wenn man bedenket, daß dieses Wort in allen alten Mundarten in der Mitte eine starke Aspiration hatte, wie aus dem Angels. Aechir, woraus nachmahls Ear zusammen gezogen worden, dem Gothischen Ahs, dem heutigen Dänischen Ax, und dem alten Alemann. Ahir (denn diese sprachen das h wie das heutige ch aus) und dem heutigen Oberschwäbischen Aher erhellet; so wird man Wachtern gerne beyfallen, wenn er behauptet, daß in dieser Benennung zunächst auf die Agen, Acheln oder Grannen an den Fruchtähren gesehen worden, und daß man daher dieses Wort auch zu Agen, Ahle, Ecke, und so vielen andern dieses Geschlechts rechnen müsse. Bey den Wenden in Krain bedeutet Ersh, Korn, Dinkel.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 189. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000014591; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 189;
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- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 189. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000014605; Lizenz: Gemeinfrei Faksimiles: 189
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