Über Trugschlüsse und deren Auflösung
Aristoteles: Sophistische Widerlegungen. Heidelberg 1883, S. 1-3.
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Ich werde über die sophistischen Widerlegungen sprechen und über die, welche nur scheinbar Widerlegungen, aber in Wahrheit Fehlschlüsse und keine Widerlegungen sind, indem ich der Natur der Sache nach mit den ersteren beginne.
Dass nun manche derselben wirklich logisch-richtige Schlüsse sind, andere aber nicht, sondern solche nur zu sein scheinen, ist klar. So wie dies bei andern Dingen in Folge einer gewissen Aehnlichkeit stattfindet, so verhält es sich auch bei den Begründungen. So benehmen sich manche Menschen gut; bei andern scheint es nur so, indem sie sich gehörig aufblasen und zurecht richten. Ebenso sind Manche schön durch ihre Schönheit; Andere scheinen nur so, indem sie sich aufputzen. Auch bei leblosen Dingen findet sich das Gleiche; manches von ihnen ist echtes Silber oder Gold; anderes ist keines von beiden, aber hat ein solches Aussehen, wie z.B. das Geräthe aus Messing oder aus einer Mischung von Zinn und Silber, oder das von einer goldgelben Farbe. In derselben Weise ist auch der eine Schluss und die eine Widerlegung wirklich eine solche; andere sind es nicht, aber scheinen dem Unerfahrenen es zu sein, da die Unerfahrenen nur so, wie Entfernte, von Weitem hinsehen. Der wirkliche Schluss besteht aus gewissen Vordersätzen und sagt etwas von diesen Verschiedenes, aber vermittelst derselben mit Nothwendigkeit aus: und die wirkliche Widerlegung ist ein Schluss, welcher das Entgegengesetzte von einem gezogenen Schlusssatze[1] ergiebt. Manche Widerlegungen leisten dies nicht, aber scheinen es zu leisten, indem sie dabei von mancherlei Gesichtspunkten ausgehen, unter welchen der Gesichtspunkt, welcher sich auf die Worte stützt, der natürlichste ist und am meisten vorkommt. Da man nämlich bei den Disputationen die Dinge, über welche man streitet, nicht selbst herbeinehmen kann, sondern statt deren sich der Worte, als Zeichen der Dinge bedient, so meint man, dass das, was bei den Worten sich ergiebt, auch bei den Dingen gelten müsse, ähnlich wie bei dem Rechnen mit den Rechensteinen. Allein mit den Worten verhält es sich hierbei nicht, wie mit den Gegenständen; die Zahl der Worte und die Menge der Begriffe ist begrenzt, aber die Zahl der Dinge ist unbegrenzt. Deshalb muss derselbe Begriff und das eine Wort mehrere Dinge bezeichnen. So wie nun die, welche in der Behandlung der Rechensteine nicht besonders bewandert sind, von den Kennern irre geführt werden, ebenso machen auch die in der Bedeutung der Worte Unerfahrenen bei dem Begründen Fehlschlüsse, sowohl wenn sie selbst sprechen, wie wenn sie Andere hören. Aus diesen und anderweit zu besprechenden Gründen kommt zwar scheinbar ein Schluss oder eine Widerlegung zu Stande, aber nicht in Wirklichkeit.
Da nun Manchem mehr daran liegt, weise zu scheinen, als es zu sein und dabei es nicht zu scheinen (denn die sophistische Weisheit ist nur eine scheinbare, keine wirkliche, und der Sophist verdient sich Geld mit scheinbarer, aber nicht mit wirklicher Weisheit), so erhellt, dass solche Leute nothwendig lieber so scheinen wollen, als trieben sie das Geschäft eines Weisen, als dass sie es wirklich trieben, aber dabei den Schein davon nicht hätten. Das Geschäft des Wissenden ist aber, um dieses neben jenes zu stellen, der Art, dass er von den Dingen, die er kennt, nichts Unwahres sagt und dass er vermag, die falschen Behauptungen eines Anderen aufzudecken, d.h. dass er theils selbst Rechenschaft abzulegen, theils sie von Andern abzunehmen im Stande ist. Wer nun den Sophisten machen will, muss jene besagte Art des Disputirens zu erlangen suchen; denn sie ist für seinen Zweck dienlich, weil eine solche Geschicklichkeit ihm den Schein eines Weisen geben wird, worauf es bei ihm abgesehen ist.[2]
Dass es nun eine solche Art von Begründungen giebt und dass die, welche man Sophisten nennt, eine solche Geschicklichkeit erstreben, ist klar, und ich werde nun darüber sprechen, wie viele Arten der sophistischen Begründungen es giebt, aus wie vielen Erfordernissen der Zahl nach diese Geschicklichkeit sich zusammensetzt und wie viele Theile diese Untersuchung hat und von dem, was sonst noch zu dieser Kunst erforderlich ist.
[3] Es giebt vier Arten von mündlichen Erörterungen, die belehrende, die dialektische, die erprobende und die streitsüchtige. Die belehrenden Erörterungen stützen sich auf die eigenthümlichen obersten Grundsätze der betreffenden Wissenschaft und nicht auf das, was dem Antwortenden als glaubwürdig gilt; (denn der Lernende muss vertrauen); die dialektischen stützen den Beweis ihres Gegensatzes auf das, was glaubwürdig ist; die, welche den Gegner auf die Probe stellen wollen, auf das, was der Antwortende billigt, und auf das, was der, welcher vorgiebt, die Wissenschaft inne zu haben, nothwendig wissen muss. (In welcher Weise dies geschieht, ist anderwärts auseinandergesetzt worden.) Die streitsüchtigen Begründungen endlich stützen sich auf scheinbare, aber nicht wirklich glaubwürdige Sätze, oder auf nur scheinbare Beweise. Ueber die beweisenden Begründungen habe ich in den Analytiken gehandelt; über die dialektischen und die auf Prüfung des Gegners abzielenden anderwärts; über die nur auf Kampf und Streit abzielenden Erörterungen werde ich aber jetzt sprechen.
[3] Ich habe zuerst die vielerlei Ziele Derjenigen anzugeben, welche nur des Kampfes und Wetteifers wegen disputiren. Dieser Ziele sind fünf, nämlich die Widerlegung, das Falsche, das Unglaubwürdige, der Sprachfehler und fünftens die Verleitung des Gegners zu leerem Geschwätz. (Dies besteht darin, dass der Antwortende genöthigt wird, vielmal dasselbe zu sagen.)[3]
Entweder wollen die Sophisten diese Ziele wirklich erreichen, oder doch wenigstens scheinbar. Am meisten trachten sie danach, den Gegner scheinbar widerlegt zu haben; an zweiter Stelle suchen sie darzuthun, dass der Gegner Falsches behauptet habe; drittens suchen sie ihn zu unglaubwürdigen Behauptungen zu verleiten; viertens suchen sie ihn zu Sprachfehlern zu veranlassen (dies geschieht dadurch, dass der Antwortende in Folge der Erörterung zur Begehung grober Sprachfehler gebracht wird); endlich suchen sie ihn zu nöthigen, dass er vielemal dasselbe sagt.
[4] Die Widerlegung kann der Sophist auf zweierlei Art erreichen; die eine stützt sich auf die Ausdrucksweise, die andere benutzt dieses Mittel nicht. Der Mittel, wo durch die Ausdrucksweise der Schein einer Widerlegung gewonnen wird, sind sechs an Zahl; nämlich die Gleichnamigkeit, die Zweideutigkeit, die Verbindung, die Trennung, die Betonung und die Form der Rede. Die Richtigkeit dieser Aufzählung lässt sich sowohl induktiv, wie durch Schlüsse beweisen, wenn irgend ein besonderer Fall herbeigenommen wird. Desgleichen dadurch, dass man nur auf so viele Arten mit denselben Worten und Reden Verschiedenes ausdrücken kann.
Die Gleichnamigkeit wird in solchen Reden benutzt, wie z.B. dass die Wissenden lernen, denn die Schüler lernen das auswendig Hergesagte; das Lernen bezeichnet nämlich zweierlei; einmal das Einsehen, indem von dem Gewussten Gebrauch gemacht wird, und zweitens das Erwerben des Wissens. Ferner, dass das Uebel das Gute ist; wenn das, was sein muss, ist gut, und das Uebel muss sein. Das »muss« bezeichnet nämlich zweierlei; einmal das Nothwendige, was bei den Uebeln sehr oft vorkommt (denn manches Uebel ist nothwendig), und zweitens sagt man auch von dem Guten, dass es geschehen muss. Ferner gehören hierher die Reden, dass Sitzen und Stehen dasselbe sei; ebenso Krank- und Gesund-sein; denn wer aufsteht, steht, und wer gesund geworden, ist gesund, aufstehen könne aber nur der Sitzende und gesund werden nur der Kranke.[4]
Hier bezeichnet der Ausdruck, dass der Kranke irgend etwas thue oder erleide, nicht immer dasselbe, sondern bald, dass der jetzt Kranke oder Sitzende etwas thue oder erleide, bald derjenige, der vorher krank gewesen ist. Allerdings sind beide, der krank Seiende und der Kranke geheilt worden, aber gesund ist nicht der krank Seiende, sondern der Kranke, nämlich der nicht jetzt, sondern Vorher-Kranke.
Die Zweideutigkeit wird in solchen Reden benutzt, wie z.B.: Lass mich die Feinde ergreifen. Ferner: Was einer erkennt, erkennt das? Denn in diesem Satze kann das »erkennt« sowohl auf die erkennende Person, wie auf den erkannten Gegenstand bezogen werden. Ferner: Was einer sieht, sieht das? Nun sieht er die Säule, also sieht die Säule. Ferner: Also was Du sagst, es sei, das sagst Du zu sein? Nun sagst Du, der Stein sei, also sagst Du, dass Du ein Stein seiest. Ferner kann der Schweigende sprechen? Denn das »der Schweigende kann sprechen« bedeutet zweierlei, einmal, dass der Sprechende schweigt und zweitens, das der Vortrag schweigt.
Es giebt sonach drei Weisen, in denen die Gleichnamigkeit und die Zweideutigkeit benutzt werden kann; die eine ist die, wo die Rede oder das Wort im eigentlichen Sinne Mehreres bedeutet; z.B. das Wort Adler oder Hund; zweitens wenn man so zu sprechen gewöhnt ist; drittens, wenn Worte verbunden Mehreres bedeuten getrennt aber nur eine Bedeutung haben, wie z.B. das Buchstabenwissen; denn hier bezeichnet jedes dieser Worte getrennt nur Eines, aber beide zusammen Mehreres; nämlich einmal, dass die Buchstaben selbst ein Wissen haben, und zweitens, dass ein Anderer das Wissen von ihnen hat.
Die Gleichnamigkeit und die Zweideutigkeit stützt sich also auf diese Wendungen; auf der Verbindung beruhen dagegen folgende Fälle, z.B. dass der Sitzende zu gehen und der Nicht-Schreibende zu schreiben vermöge. Hier bedeutet es nicht dasselbe, ob man getrennt oder verbunden aussagt, dass der Sitzende zu gehen und der Nicht-Schreibende zu schreiben vermöge; denn man kann diese Worte auch so verbinden, dass der Nicht-Schreibende[5] schreibe und sie bedeuten dann, dass derselbe, während er nicht schreibt, schreibe. Verbindet man aber die Worte nicht in dieser Art, so bedeuten sie, dass jemand, auch wenn er nicht schreibt, doch das Vermögen zu schreiben habe. Ferner: Er lernt jetzt die Wissenschaften, da er lernte, was er weiss. Ferner, dass der, welcher nur Eines tragen kann, Vieles tragen kann.
Die Trennung wird benutzt, wenn man z.B. sagt: Die Fünf ist zwei und drei, also ist die Fünf gerade und ungerade. Ferner: Das Grössere ist gleich; denn es ist eben so viel und noch etwas dazu. Dieselbe Rede bedeutet nämlich getrennt nicht immer dasselbe, wie verbunden, so: durch mich ist der Freie der Knecht geworden; und: der göttliche Achilleus liess der fünfhundert Männer hundert.
Die Benutzung der Betonung kann bei mündlichen Erörterungen nicht leicht geschehen, wohl aber in Schriften und Gedichten. So berichtigen Manche auch den Homer, wenn ihm vorgeworfen wird, dass er Verkehrtes spreche mit den Worten: »Wie vom Regen verfaulende Baumstämme«, indem sie dies durch die Betonung verbessern und aus dem »wie« ein »nie« machen. Ebenso ist es bei der Stelle, welche den Traum des Agamemnon betrifft, weil Zeus gesagt: Gieb ihm, was er zu haben sich wünscht, indem Zeus nämlich nicht selbst gesagt habe: Wir geben, was er gebeten, sondern dem Traumgotte es zu geben aufgetragen habe. So verhält es sich also mit der Betonung.
In der Form des Ausdruckes kann die Widerlegung geschehen, wenn Verschiedenes in gleicher Weise sprachlich ausgedrückt wird; z.B. wenn das Männliche weiblich und das Weibliche männlich ausgedrückt wird; oder wenn dies mit dem zwischen beiden Stehenden so geschieht und wenn weiter dass Beschaffene als ein Grosses, oder das Grosse als ein Beschaffenes, oder das Bewirkende wie ein Erleidendes, oder ein Zustand wie ein Wirken, oder sonst in einer Weise, wie es früher gesondert worden, bezeichnet wird; denn es kommt vor, dass etwas, was kein Thätiges ist, wie ein Thätiges in der Sprache behandelt wird, so wird z.B. das Gesunden in sprachlichem Ausdruck wie das Schneiden und das Hausbauen behandelt, obgleich[6] jenes eine Beschaffenheit oder ein gewisses Verhalten bezeichnet und dieses ein Thun. Ebenso verhält es sich in den übrigen hierher gehörenden Fällen.
[10] Das Grosse zerfällt in das Getrennte und in das Stetige; ferner in ein solches, was aus Theilen besteht, die eine bestimmte Lage gegen einander haben, und in ein solches, wo dies nicht der Fall ist. Ein getrenntes[10] Grosse ist z.B. die Zahl und das Wort; ein stetiges Grosse ist z.B. die Linie, die Fläche, der Körper; und neben diesen auch die Zeit und der Raum. Denn die Theile einer Zahl haben keine gemeinsame Grenze, wo die Theile derselben sich berührten; so berührt z.B., wenn die Fünfen die Theile der Zehn sind, die eine Fünfe in keiner gemeinsamen Grenze die andere Fünfe, sondern beide sind getrennt; auch die Drei und die Sieben berühren sich in keiner gemeinsamen Grenze. Ueberhaupt wird man bei keiner Zahl eine gemeinsame Grenze ihrer Theile auffinden; vielmehr bleiben diese immer getrennt, so dass deshalb die Zahl zu den getrennten Grössen gehört. Ebenso gehört auch das Wort zu den getrennten Grössen. Das Wort ist offenbar eine Grösse, denn es wird nach kurzen und langen Sylben abgemessen, ich meine nämlich das gesprochene Wort. Seine Theile berühren sich in keiner gemeinsamen Grenze; denn es besteht keine solche, an welcher die Sylben sich berührten, vielmehr ist jede für sich getrennt. Dagegen ist die Linie eine stetige Grösse, denn man kann eine gemeinsame Grenze angeben, wo ihre Theile sich berühren, nämlich den Punkt; und bei der Fläche die Linie, denn die Theile der Fläche berühren sich in einer gemeinsamen Grenze. Ebenso kann man bei den Körpern eine gemeinsame Grenze angeben, nämlich die Linie oder die Fläche, wo die Theile eines Körpers einander berühren. Auch die Zeit und der Raum sind von dieser Beschaffenheit; die gegenwärtige Zeit berührt die vergangene und die kommende. Ebenso gehört der Raum zu den stetigen Grössen, denn die Theile eines Körpers haben einen Raum inne und berühren sich in einer gemeinsamen Grenze, und deshalb berühren sich auch die Theile des Raumes, welche die einzelnen Theile des Körpers einnehmen, in derselben gemeinsamen Grenze, in welcher die Theile des Körpers sich berühren. Deshalb dürfte auch der Raum zu den stetigen Grössen gehören, denn seine Theile berühren sich in einergemeinsamen Grenze.
Ferner ist manches Grosse aus Theilen zusammengesetzt, welche eine bestimmte Lage gegen einander haben, und anderes Grosse aus Theilen, welche keine solche bestimmte Lage haben. So haben die Theile einer Linie eine bestimme Lage gegen einander; denn jeder Theil[11] derselben hat seine bestimmte Lage, und man kann bei jedem Theile unterscheiden und angeben, wo er in der Fläche liegt und mit welchen von den übrigen Theilen er sich berührt. Ebenso haben auch die Theile einer Fläche eine bestimmte Lage gegen einander; denn man kann von jedem in gleicher Weise angeben, an welchem er liegt und welche Theile einander berühren. Das Gleiche gilt von den Theilen eines Körpers und des Raumes. Dagegen wird bei einer Zahl Niemand zeigen können, wie die Theile derselben eine Lage zu einander haben oder wo sie liegen, und welche Theile einander berühren; und eben so wenig wird dies bei der Zeit geschehen können, da kein Theil derselben beharrt; was aber nicht beharrt, wie könnte das wohl eine bestimmte Lage haben? vielmehr könnte man eher sagen, dass die Zeit eine gewisse Ordnung habe, weil ein Theil der Zeit der frühere, der andere der spätere ist. Eben dasselbe gilt für die Zahl, weil die Eins eher gezählt wird als die Zwei und die Zwei eher als die Drei; so dass die Zahl zwar eine gewisse Ordnung hat, aber man schwerlich eine Lage bei ihr annehmen kann. Auch mit dem Worte verhält es sich so, da kein Theil desselben beharrt, sondern er wird ausgesprochen und das Ausgesprochene kann man nicht mehr erfassen; folglich haben auch die Theile des Wortes keine Lage zu einander, weil kein Theil bleibend ist. Sonach besteht manches Grosse aus Theilen, welche eine Lage gegen einander haben, anderes aus Theilen, die keine Lage haben.
Diese genannten Gegenstände allein gelten eigentlich als Grössen; alles andere gilt nur nebenbei als gross; denn nur in Hinsicht auf jene Grössen nennt man es gross; so nennt man z.B. das Weisse gross, weil es eine grosse Fläche bedeckt, und eine Handlung oder eine Bewegung gross, wenn sie eine lange Zeit umfasst; denn keines von diesen Dingen wird an und für sich gross genannt. Wenn z.B. Jemand von einer Handlung angeben will, wie gross sie ist, so bestimmt er sie der Zeit nach, indem er sie einjährig oder sonst wie nennt; und wenn Jemand angeben will, wie gross ein Weisses sei, so bestimmt er es nach der Oberfläche; so gross wie diese ist wird er auch sagen, dass das Weisse sei. Sonach gelten nur die oben genannten Gegenstände als eigentlich[12] und an sich gross; alles andere dagegen gilt nicht an sich selbst als gross, sondern wenn es geschieht, nur nebensächlich so.
Ferner hat das Grosse kein Gegentheil; denn bei den bestimmten Grössen steht offenbar denselben nichts als Gegentheil gegenüber; z.B. dem Zweielligen oder Dreielligen oder der Fläche oder einem anderen solchen; ihnen steht nichts als Gegentheil gegenüber; man müsste denn behaupten wollen, das Viele sei das Gegentheil von dem Wenigen und das Grosse das Gegentheil von dem Kleinen. Allein diese gehören nicht zu dem Grossen, sondern mehr zu den Beziehungen, denn kein Gegenstand wird an sich gross oder klein genannt, sondern nur in Vergleich zu einem anderen; so nennt man z.B. einen Berg klein und ein Hirsenkorn gross, weil dieses grösser und jener kleiner ist, als die andern seiner Gattung. Deshalb ist hier eine Beziehung auf Anderes vorhanden, da, wenn Etwas an sich gross oder klein genannt würde, der Berg wohl nicht klein und das Hirsenkorn nicht gross genannt werden würde. Ebenso sagt man, dass in einem Dorfe viel Menschen seien und in Athen wenige, obgleich deren hier vielmal mehr sind all dort; und dass in einem Hause viel Menschen, und in dem Theater wenige seien, obgleich diese um vieles mehr sind, als jene. Auch das Zweiellige und das Dreiellige und jedes andere solches bezeichnet ein Grosses, aber das Grosse und Kleine bezeichnet kein Grosses, sondern mehr eine Beziehung; denn man betrachtet es nur in Bezug auf ein anderes als gross oder klein; offenbar gehören sie also zu den Beziehungen. Aber mag man sie als Grössen annehmen oder nicht, so haben sie doch kein Gegentheil; denn wie möchte man ein Gegentheil von Etwas angeben, was nicht an und für sich genommen werden kann, sondern nur auf Anderes bezogen wird? Wenn ferner das Grosse und das Kleine Gegentheile sein sollen, so folgte, dass ein und dasselbe Ding des Entgegengesetzten fähig wäre, und dass es sein eigenes Gegentheil wäre. Denn es kommt vor, dass dasselbe Ding zugleich gross und klein ist, denn in Bezug auf dieses ist es klein und in Bezug auf jenes andere ist ebendasselbe gross. So ergiebt sich, dass dasselbe Ding in demselben Zeitpunkte sowohl gross, wie klein ist und also gleichzeitig das Entgegengesetzte[13] annimmt. Allein nichts kann zugleich das Entgegengesetzte, wie das Ding annehmen; dies kann nehmlich das Entgegengesetzte annehmen, allein es ist doch nicht zu gleicher Zeit krank und gesund, und ebenso ist es nicht zu gleicher Zelt weiss und schwarz; ebenso giebt es von den übrigen Kategorien keine, die gleichzeitig das Entgegengesetzte annähme. Auch ergäbe sich, dass das Grosse und das Kleine jedes sein eigenes Gegentheil wäre. Denn wenn das Grosse das Gegentheil des Kleinen ist, ein und dasselbe Ding aber zugleich gross und klein ist, so würde es sein eigenes Gegentheil sein. Allein es ist unmöglich, dass etwas sein eigenes Gegentheil sein kann, und demzufolge ist also das Grosse nicht das Gegentheil des Kleinen und das Viel nicht das Gegentheil des Wenigen. Daher würden sie, auch wenn man sie nicht für Beziehungen, sondern für Grössen erklären wollte, doch kein Gegentheil haben.
Am meisten scheint das Gegentheilige bei dem Raume vorhanden zu sein; denn man setzt das Oben als das Gegentheil von dem Unten, indem man in Bezug auf die mittlere Gegend etwas Unten nennt, weil die Mitte von den Enden der Welt am meisten absteht. Auch scheint man die Definition anderer Gegentheile von diesem zu entnehmen, denn Gegentheil wird als das definirt, was innerhalb einer Gattung am meisten von einander absteht.
Das Grosse scheint auch kein Mehr oder Weniger anzunehmen, so z.B. das Zweiellige nicht; denn kein Gegenstand ist mehr zweiellig, als der andere. Dies gilt auch für die Zahlen; denn die Drei ist z.B. nicht mehr Drei als die Fünfe und die Fünfe ist nicht mehr Fünfe als die Drei. Auch ist kein Zeitraum mehr Zeitraum als ein anderer; überhaupt wird das Mehr oder Weniger von keiner der erwähnten Bestimmungen ausgesagt. Sonach ist das Grosse auch des Mehr oder Weniger nicht fähig.
Am Eigenthümlichsten ist es dem Grossen, dass es als gleich oder ungleich ausgesagt wird. Jede von den genannten Grossen wird gleich oder ungleich genannt; so wird ein Körper gleich oder ungleich genannt und ein Zeitraum gleich oder ungleich; ebenso wird jedes von den andern vorgenannten Grossen gleich oder ungleich genannt. Von den übrigen Kategorien ausser dem Grossen dürfte das Gleich und Ungleich wohl nicht viel[14] ausgesagt werden; so wird z.B. ein Zustand wohl nicht oft so genannt werden, sondern vielmehr ähnlich, und ebenso das Weiss selten gleich oder ungleich, sondern ähnlich. Sonach dürfte es dem Grossen am meisten eigenthümlich sein, dass es gleich oder ungleich genannt wird
[7] Die auf die Ausdrucksweise sich stützenden Widerlegungen gehen also von diesen Gesichtspunkten aus; dagegen giebt es von den nicht auf die Ausdrucksweise sich stützenden Widerlegungen sieben Arten; die erste stützt sich auf das Nebensächliche, die zweite auf das überhaupt Gesagte oder auf das nicht-überhaupt, sondern in Beziehung auf ein wie, oder wo, oder wenn, oder ein im Verhältniss Gesagte; die dritte benutzt die Unbekanntschaft mit den sophistischen Widerlegungen; die vierte das dem Gegenstande Zukommende, die fünfte benutzt bei ihrem Beweis den im Anfang aufgestellten Satz als zugestanden; die sechste benutzt einen Nicht-Grund als Grund, die siebente macht mehrere Fragen zu einer.
Ein Fehlschluss vermittelst des Nebensächlichen ist dann vorhanden, wenn man behauptet, dass irgend etwas sowohl der Sache selbst, wie dem von ihr Ausgesagten zukomme; denn derselben Sache kann Vieles zukommen, und es ist nicht nothwendig, dass Alles, was dem von ihr Ausgesagten zukommt, auch der Sache selbst zukomme. Ist z.B. Koriskos von dem Menschen verschieden, so wird gefolgert, dass er auch von sich selbst verschieden sei, weil er ein Mensch ist; oder wenn Koriskos ein anderer ist, als Sokrates, Sokrates aber ein Mensch ist, so behaupten sie, man habe zugegeben, Koriskos sei von dem Menschen verschieden, weil es sich getroffen hat, dass derjenige ein Mensch ist, der als von Koriskos verschieden erklärt worden ist.
Ein Fehlschluss, welcher sich auf das überhaupt, oder auf das nur beziehungsweise und nicht eigentlich Ausgesagte stützt, ist vorhanden, wenn etwas beschränkt Gesagtes so genommen wird, als sei es überhaupt gesagt, z.B. wenn das Nicht-Seiende vorstellbar ist, das Nicht-Seiende deshalb sein soll; denn das Etwas-sein ist nicht dasselbe wie das Sein überhaupt. Oder umgekehrt,[7] wenn gefolgert wird, das Seiende sei nicht-seiend, wenn es etwas von dem Seienden nicht ist, z.B. kein Mensch. Aber es ist nicht dasselbe, überhaupt nicht zu sein, oder nur dieses Einzelne nicht zu sein; es scheint nur deshalb so, weil beide Ausdrucksweisen einander sehr nahe stehen und das Etwas-sein wenig von dem Ueberhaupt-sein verschieden scheint und ebenso das Etwas-nicht-sein von dem Ueberhaupt-nicht-sein. Ebenso verhält es sich mit den Schlüssen, welche sich auf das nur beziehungsweise und das überhaupt Gesagte stützen. Wenn z.B. der Indier, der ganz schwarz ist, an den Zähnen weiss ist, so soll er weiss und auch nicht-weiss sein; oder wenn Beides irgendwie statt hat, so soll deshalb das Entgegengesetzte zugleich in dem Gegenstande enthalten sein. Manche dieser Fehlschlüsse kann jeder leicht als solche erkennen, z.B. wenn einer zugestanden erhält, dass der Aethiopier schwarz sei und weiter fragte, ob er an den Zähnen weiss sei, und man anerkennte, dass er hier weiss sei, und jener nun folgerte, der Aethiopier sei sowohl schwarz als nicht-schwarz und meinte, er habe mittelst der Ausdehnung des gefragten Satzes richtig geschlossen. Bei manchen Fehlschlüssen wird jedoch dies oft nicht bemerkt, wenn nämlich aus einem nur beschränkt Gesagten auch dasselbe überhaupt zu folgen scheint und wenn aus den Fragen nicht leicht ersehen werden kann, was als das Hauptsächliche zu behandeln ist. Letzteres kommt bei Gegenständen vor, denen das Entgegengesetzte in gleichem Verhältniss einwohnt; hier möchte man zugeben, dass überhaupt Beides, oder Keines von dem Gegenstande auszusagen sei. Ist z.B. ein Gegenstand halb weiss und halb schwarz, so fragt es sich, ob er weiss, oder ob er schwarz zu nennen ist.
Die dritte Art der sophistischen Widerlegungen beruht darauf, dass nicht festgehalten wird, was ein Schluss und was eine Widerlegung ist, sondern diese mit Weglassung eines Theiles des Gesagten erfolgen. Denn die wahre Widerlegung besteht in einem Schlusssatze, der das Entgegengesetzte ist von demselben und einem, was der Gegner behauptet, und welcher sich nicht blos auf den Namen, sondern auf die Sache bezieht, und welcher auch nicht gleichnamige Worte benutzt, sondern Worte, die dasselbe bezeichnen. Der Schlusssatz muss ferner[8]sich auf das stützen, was zugegeben ist, er muss sich nothwendig ergeben, er darf das zu Beweisende dabei nicht schon als ein Bewiesenes benutzen, er muss sich auf dasselbe und in Bezug auf dasselbe richten und in gleicher Weise und für dieselbe Zeit sich ergeben, wie der vom Gegner aufgestellte Satz. Nach diesen verschiedenen Richtungen kann nun auch eine falsche Widerlegung über etwas aufgestellt werden. Manche lassen etwas von dem, was verhandelt worden, weg und gelangen so zu dem Schein einer Widerlegung; wie z.B. dass ein und dasselbe ein Doppeltes und nicht ein Doppeltes sei; denn die Zwei ist das Doppelte von der Eins, aber nicht das Doppelte von der Drei; oder dass ein und dasselbe das Doppelte und nicht das Doppelte von sich selbst sei. Dies gilt indess nicht für dieselbe Eigenschaft; denn es ist wohl das Doppelte in der Länge, aber nicht in der Breite. Oder wenn die Widerlegung zwar denselben Gegenstand und in derselben Beziehung und in gleichem Sinne betrifft, aber nicht für dieselbe Zeit; deshalb ist sie nur eine scheinbare Widerlegung. Man könnte diese Art der Widerlegungen wohl auch zu denen rechnen, welche sich auf die Ausdrucksweise stützen.
Die sophistischen Widerlegungen, welche den erst zu beweisenden Satz bei ihrem Schlusse schon als einen bewiesenen ansetzen, können eben so und so vielfach geschehen, wie dieser Fehler überhaupt geschehen kann. Der Schein der Widerlegung entsteht dadurch, dass man nicht übersehen kann, was dasselbe ist und was verschieden ist.
Die sophistischen Widerlegungen, welche sich auf das Beifolgende stützen, erfolgen, weil man meint, dass das Beifolgende oder Ausgesagte sich auch umkehren lasse. Wenn nämlich, im Fall das Eine ist, nothwendig auch das Andere ist, so meint man, dass wenn Letzteres ist, nothwendig auch das Erstere sei. Daher kommen auch die Irrthümer in den Meinungen, welche sich auf Sinneswahrnehmungen stützen; denn man hat schon oft die Galle für Honig gehalten, weil die gelbe Farbe auch mit dem Honig verbunden ist; ebenso meint man, dass weil die Erde, wenn es regnet, feucht wird, es auch, wenn die Erde feucht ist, geregnet habe. Allein dies ist nicht nothwendig. Auch von den rednerischen Begründungen[9] gehören die Beweise, welche sich auf Zeichen stützen, zu denen, die das Beifolgende benutzen. Wenn sie z.B. beweisen wollten, dass der Betreffende ein Ehebrecher sei, so benutzten sie das Beifolgende, nämlich dass er ein Stutzer sei, oder dass man ihn des Nachts hat herumstreichen sehen. Indess findet sich dergleichen bei Vielen, aber deshalb sind sie keine Ehebrecher. Aehnliches findet sich auch bei den Beweisen durch Schlüsse, wie z.B. bei dem Ausspruch des Melissos, dass das All unbegrenzt sei. Er nahm an, dass das All ungeworden sei (weil aus dem Nicht-Seienden nichts entstehen könne), das Gewordene aber habe einen Anfang gehabt; sei also das All nicht geworden, so habe es auch keinen Anfang, also sei es unbegrenzt. – Allein dies folgt nicht nothwendig; denn wenn auch alles Gewordene einen Anfang hat, so ist doch nicht Alles, was einen Anfang hat, geworden, und zwar so wenig, wie, wenn der Fiebernde warm ist, nothwendig der Warme fiebern muss.
Die Widerlegungen, welche einen Nicht-Grund als einen Grund benutzen, geschehen, wenn der Nicht-Grund so hinzugenommen wird, als wenn mittelst dessen die Widerlegung zu Stande gekommen sei. Dergleichen kommt bei den auf das Unmögliche führenden Schlüssen vor, da man bei ihnen einen der Vordersätze als falsch darlegen muss. Wenn also zu den Fragen, welche für den unmöglichen Schlusssatz nothwendig sind, auch etwas mit hinzugenommen wird, so wird es oft scheinen, als habe die Widerlegung auf Grund dieses Zusatzes sich ergeben, wie z.B., wenn die Widerlegung zeigen will, dass die Seele und das Leben nicht dasselbe sei, und sie dies so folgert: Wenn das Entstehen das Gegentheil des Untergehens ist und ein bestimmtes Entstehen das Gegentheil eines bestimmten Untergehens; und wenn der Tod ein bestimmtes Untergehen und das Gegentheil von Leben ist, so folgt, dass das Leben ein Entstehen und Leben gleich Entstehen ist. Da dies aber unmöglich ist, so ist auch die Seele und das Leben nicht dasselbe. – Allein dies ist kein richtiger Beweis, denn jener unmögliche Schlusssatz ergiebt sich auch dann, wenn man das Leben nicht für dasselbe mit der Seele erklärt, da nur das Leben das Gegentheil vom Tode, als einem Untergehen ist, und das Entstehen das Gegentheil vom Untergehen. Dergleichen[10] Begründungen sind also nicht überhaupt logisch unrichtig, aber wohl in Bezug auf den vorliegenden Satz. Der gleichen wird selbst von den Fragenden oft nicht bemerkt.
Dieser Art sind also die Begründungen, welche sich auf das Mitfolgende und auf eine Nicht-Ursache stützen; die Widerlegungen aber, welche sich darauf stützen, dass mehrere Fragen zu einer gemacht werden, entstehen dann, wenn der Gefragte dieses Mehrere nicht bemerkt und als wäre nur Eines gefragt, auch nur eine Antwort giebt. In manchen Fällen lässt sich leicht ersehen, dass es mehrere Fragen sind und dass deshalb keine Antwort darauf zu geben ist, z.B. auf die Frage, ob die Erde das Meer sei, oder der Himmel? In anderen Fällen ist dies weniger ersichtlich, und der Gefragte gilt dann, wie bei Fragen, die nur Eines betreffen, wenn er nicht antwortet, als einer, der einverstanden ist, oder er wird scheinbar widerlegt; so z.B. bei der Frage: Ist dieser und jener ein Mensch? Wird dies bejaht, so folgert der Sophist, dass wenn jemand diesen und jenen schlägt, er einen Menschen und nicht die Menschen schlage. Ferner: Wenn von Mehreren Einiges gut, Anderes nicht gut ist, ist da Alles gut oder nicht gut? Welches von beiden man hier auch antwortet, immer lässt sich daraus eine Widerlegung oder etwas Falsches scheinbar ableiten; denn sagt man, dass von den Nicht-guten Einiges gut sei, oder von den Guten Einiges nicht-gut, so ist das falsch, oder wenn man etwa noch der Antwort etwas hinzufügt, so kann sogar eine wahre Widerlegung sich ergeben; wie z.B. wenn jemand zugiebt, dass in gleicher Weise Eines und Vieles weiss, und nackend und blind genannt werde; weil, wenn ein Blindes das ist, was kein Gesicht hat, obgleich es nach seiner Natur es haben müsste, auch mehrere Blinde die seien, welche kein Gesicht, haben, obgleich sie es nach ihrer Natur haben müssten. Also sagt der Sophist, werden, wenn Eines ein Gesicht hat, das Andere aber nicht, beide entweder Sehende, oder Blinde sein, was doch unmöglich ist.
[11] Man muss also die scheinbaren Schlüsse und Widerlegungen entweder so, wie hier geschehen, eintheilen,[11] oder alle auf die Unwissenheit dessen, was eine wahre Widerlegung ist, zurückführen und in dieser Weise beginnen; denn alle diese besprochenen Arten von Widerlegungen lassen sich auf den Begriff der Widerlegung zurückbringen. Erstens kann dies geschehen, wenn sie nicht richtig schliessen, weil der Schlusssatz aus den aufgestellten Vordersätzen folgen muss, und zwar mit Nothwendigkeit und nicht blos scheinbar. Dann kann die Zurückführung auch in Bezug auf die einzelnen Bestimmungen geschehen, welche in dem Begriffe der Widerlegung enthalten sind. Von denen, die auf der Ausdrucksweise beruhen, stützt sich ein Theil auf das Doppelsinnige, z.B. auf die Gleichnamigkeit, oder auf einen zweideutigen Satz, oder auf die gleiche Beziehungsform (denn man ist gewöhnt, dies alles wie ein Dieses zu nehmen), dagegen beruhen die Widerlegungen vermittelst der Verbindung, oder der Trennung der Worte, oder mittelst der Betonung darauf, dass die Rede nicht denselben Sinn beibehält, oder dass das Wort nicht gleich betont wird; obgleich dies ebenso hätte geschehen sollen, wie ja auch die Sache dieselbe bleiben muss, wenn eine Widerlegung oder ein Schluss zu Stande kommen soll. Ist z.B. ein Satz für den Umwurf zugestanden, so darf der Schlusssatz nicht auf den Mantel, sondern muss auf den Umwurf lauten; da zwar auch der Satz für den Mantel wahr ist, aber der Schluss nicht dahin führt; vielmehr bedarf es dann auch einer Frage, dass er dasselbe im Umwurf bedeute, wenn nach dem Grunde dafür gefragt wird.
Die auf das Nebensächliche gestützten Widerlegungen erkennt man ebenfalls durch die Definition des Schlusses; denn auch die Widerlegung muss so definirt werden mit der Ausnahme, dass sie auf das Entgegengesetzte lauten muss, da die Widerlegung ein Schluss auf das Entgegengesetzte ist; kann also von dem Nebensächlichen kein Schluss auf den Gegenstand selbst abgeleitet werden, so kann dies auch mit keiner Widerlegung geschehen. Denn wenn, sofern jene Bestimmungen sind, nothwendig dieses sein muss, und dieses zufällig weiss von Farbe ist, so folgt dies »Weiss« nicht nothwendig aus dem Schlusse. Auch wenn die Winkel des Dreiecks zweien rechten gleich sind und dem Dreieck nebenbei zukommt, dass es eine[12] Figur, oder das Erste, oder das Grundlegende ist, so folgt keineswegs aus diesem Schlusse, dass das Dreieck eine Figur oder das Erste oder das Grundlegende ist, denn der Beweis stützt sich nicht darauf, dass das Dreieck eine Gestalt, oder das Erste ist, sondern darauf, dass es ein Dreieck ist. Aehnliches gilt für andere solche Fälle. Ist also die Widerlegung ein Schluss, so wird die auf das Nebensächliche gestützte Widerlegung keine gültige Widerlegung sein. Auf diese Weise werden auch die Handwerker und überhaupt die Sachverständigen von den der Sache Unkundigen widerlegt, indem sie ihre Schlüsse gegen die Kundigen auf Nebensächliches stützen. Wenn diese nun dies nicht unterscheiden können, so geben sie es entweder auf Befragen zu, oder werden auch, wenn sie dies nicht thun, als widerlegt angesehen.
Die Widerlegungen, welche sich fälschlich auf das Beziehungsweise und überhaupt Gültige stützen, sind daran erkenntlich, dass die Bejahung und Verneinung nicht denselben Gegenstand betrifft. Denn von dem nur irgendwie Weissen ist die Verneinung das irgendwie-nicht-Weisse, und von dem Weiss überhaupt das nicht-Weiss überhaupt. Wenn also der Fragende das Zugeständniss, dass der Gegenstand irgendwie weiss sei, als ein solches nimmt, was das Weiss überhaupt zugesteht, so macht er zwar keine Widerlegung, aber erreicht den Schein einer solchen, weil der Gegner nicht weiss, was eine Widerlegung ist.
Am leichtesten erkennbar sind die, welche schon früher als die gegen den Begriff der Widerlegung verstossenden aufgeführt worden; deshalb haben sie auch diesen Namen erhalten; denn der Schein der Widerlegung wird hier dadurch erreicht, dass etwas in deren begründenden Sätzen weggelassen wird, und wer so die Eintheilung der Widerlegungen machen will, der muss allen solchen Widerlegungen die gemeinsame Bezeichnung »der Weglassung von Etwas bei der Begründung« geben.
Die Widerlegungen, welche das zu Beweisende als bewiesen benutzen, und die, welche einen Nicht-Grund als einen Grund aufnehmen, offenbaren sich durch den Begriff des Schlusses als falsch; denn der Schlusssatz muss sich dadurch ergeben, dass gerade diese Vordersätze den Grund dafür bilden, was bei den aus einem Nicht-Grund abgeleiteten Schlusssätzen nicht der Fall ist. Ebenso darf[13] der Schlusssatz sich nicht auf den im Anfange aufgestellten und erst zu beweisenden Satz stützen, welches die nicht innehalten, welche sich auf eine solche Benutzung des erst zu beweisenden Satzes stützen.
Die auf das Mitfolgende sich stützenden Widerlegungen bilden einen Theil der das Nebensächliche benutzenden, denn das Mitfolgende ist ein Nebensächliches und unterscheidet sich von dem eigentlichen Nebensächlichen nur dadurch, dass letzteres blos für einen Gegenstand benutzt werden kann; z.B. bei dem Satze, dass das Gelbe und der Honig, oder das Weisse und der Schwan dasselbe seien, während das Mitfolgende immer für Mehreres benutzt werden kann. Die in einer einzelnen Bestimmung einander Gleichen werden dabei als solche behandelt, die sich auch selbst einander gleich sind, und dadurch vollzieht sich die auf das Mitfolgende gestützte Widerlegung. Sie ist aber nicht in allen Fällen eine wahre; z.B. wenn das Weisse bei einem Gegenstande nur ein Nebensächliches ist; denn der Schnee z.B. und der Schwan sind im Weiss einander gleich. Ebenso wenn man, wie in der Begründung des Melissos, dass das »Geworden-sein« und das »einen Anfang-haben« ein und dasselbe sei; oder wenn man das einander Gleich-Gewordene auch als dieselbe Grösse habend annimmt. Denn Melissos folgert, dass, weil das Gewordene einen Anfang habe, auch das, was einen Anfang habe, geworden sei; als wenn beides, das »einen Anfang- Haben«, das »Gewordene« und das »Begrenzte«, dasselbe sei. Ebenso geschieht es bei dem Gleich-Gewordenen; weil Dinge, welche dieselbe und eine Grösse annehmen, einander gleich werden, so soll auch das Gleich-Gewordene dieselbe Grösse haben. Es wird also hier das Mitfolgende zum Schlusse benutzt. Da nun die auf das Nebensächliche sich stützende Widerlegung in der Unkenntniss der wahren Widerlegung besteht, so erhellt, dass dies auch für die auf das Mitfolgende sich stützende gilt. Es ist dies auch noch anderwärts zu beachten.
Die Widerlegungen, wo mehrere Fragen in eine gezogen worden sind, beruhen darauf, dass man den Begriff des Vordersatzes nicht zergliedert und sondert; denn ein Vordersatz sagt Eines von Einem aus; denn dieselbe Definition gilt sowohl für das Einzelne, wie für den Gegenstand[14] überhaupt; so gilt die des Menschen überhaupt auch für den einzelnen Menschen, und dasselbe findet auch für andere Gegenstände statt. Wenn nun der einzelne Vordersatz derjenige ist, welcher Eines von Einem aussagt, so wird eine gleich gefasste Frage auch überhaupt einen Vordersatz abgeben. Nun geht der Schluss aus Vordersätzen hervor, und die Widerlegung ist ein Schluss, also muss auch die Widerlegung aus Vordersätzen hervorgehen. Ist nun der Vordersatz die Aussage Eines von Einem, so erhellt, dass auch diese Art der Widerlegung in einer Unkenntniss der wahren Widerlegung besteht, denn der Vordersatz scheint nur ein solcher zu sein, ist es aber nicht wirklich. Hat also der Gefragte die Antwort auf die Frage so, als wäre sie eine, gegeben, so kommt die Widerlegung wirklich zu Stande; hat er aber nicht geantwortet und dadurch scheinbar zugestimmt, so ist auch die Widerlegung eine scheinbare.
Somit fallen alle Gesichtspunkte unter die Unkenntniss der wahren Widerlegung, und zwar weil bei denen, welche auf der Ausdrucksweise beruhen, der Gegensatz, in welchem das Eigenthümliche der Widerlegung besteht, nur ein scheinbarer ist und weil die übrigen den Begriff des Schlusses nicht einhalten.
[15] Die Täuschung entsteht bei den auf der Zweideutigkeit der Worte oder der Rede beruhenden Schlüssen dadurch, dass man die verschiedenen Bedeutungen des Mehrdeutigen nicht zu sondern vermag (denn Manches lässt sich nicht leicht sondern, wie z.B. das Vieldeutige der Worte, sowie das Eine, das Seiende und das Dasselbige). Bei den auf der Verbindung oder Trennung beruhenden Widerlegungen geschieht sie, weil man meint, die Rede habe, sei sie verbunden oder getrennt, keinen verschiedenen Sinn, wie dies ja auch meistentheils der Fall ist. Gleiches gilt für die auf die Betonung sich stützenden Widerlegungen; denn die Rede mit erhobener oder mit nachlassender Stimme scheint überhaupt nicht Verschiedenes zu bezeichnen oder wenigstens in vielen Fällen nicht.
Die Widerlegungen, welche sich auf die Form des Ausdrucks stützen, täuschen durch die Gleichheit der Sprachform;[15] indem es sich da schwer unterscheiden lässt, was in gleichem und was in verschiedenem Sinne gemeint ist, und da der, welcher dies vermag, der Erkenntniss des Wahren ziemlich nahe ist und am meisten versteht, durch Zunicken es zu unterstützen, dass der Gegner alles von einem Gegenstande Ausgesagte als ein Selbstständiges auffasse und wie Eines verstehe; denn dem Einen und dem selbstständigen Dinge scheint am meisten auch das »Dieses« und das »Seiende« mitzufolgen. Deshalb muss man dieses Mittel zu denen zählen, welche sich auf die Ausdrucksweise stützen, weil erstens die Täuschung leichter geschieht, wenn man etwas in Gemeinschaft mit anderen Personen, als wenn man es für sich allein prüft (denn die Prüfung mit Anderen geschieht mittelst der Worte, aber die für sich allein geschehende nicht minder auch mittelst Erwägung der Sache selbst); und dann täuscht man sich wohl auch für sich selbst, wenn man die Untersuchung nur auf die Worte richtet; auch entspringt ja jede Täuschung aus einer Aehnlichkeit und die Aehnlichkeit liegt in der Ausdrucksweise. Bei den Widerlegungen, die sich auf ein Nebensächliches stützen, geschieht die Täuschung, wenn der Gegner nicht unterscheidet, was dasselbe und was verschieden ist, und was Eines und was Vieles ist, und dass nicht alles das, was den von einem Gegenstande ausgesagten Beschaffenheiten zukommt, auch dem Gegenstande selbst zukommt. Ebenso verhält es sich bei den auf das Mitfolgende gestützten Widerlegungen, da das Mitfolgende ein Theil des Nebensächlichen ist. Auch scheint es in vielen Fällen so, und es wird auch behauptet, dass, wenn Dieses von Diesem sich nicht trennt, auch das Andere von dem Anderen sich nicht trennt. Bei den auf Weglassung von Etwas aus der Rede und auf dem »irgend wie« und dem »überhaupt« beruhenden Widerlegungen geschieht die Täuschung, weil sie nur bei etwas Kleinem sich vollzieht; denn da das »ein« und das »in gewisser Weise« und das »wie« und das »jetzt« das in der Rede darauf Folgende noch nicht erkennen lassen, so giebt man leicht die Zustimmung zu dem Satze überhaupt. Aehnlich ist es bei denjenigen Widerlegungen, welche den anfangs aufgestellten Satz als einen bewiesenen benutzen und welche sich auf einen Nicht-Grund stützen und welche mehrere Fragen wie[16] eine stellen. In allen diesen Arten geschieht die Täuschung durch eine Kleinigkeit, indem man aus diesem Grunde es mit den Begriffen der Vordersätze und des Schlusses nicht so genau nimmt.
[17] Nachdem ich ermittelt habe, in wie vielerlei Weisen die scheinbaren Schlüsse zu Stande kommen, so habe ich damit auch ermittelt, wie die sophistischen Schlüsse und Widerlegungen zu Stande kommen dürften. Zu einem sophistischen Schluss und einer solchen Widerlegung rechne ich nämlich nicht blos den scheinbaren Schluss und die scheinbare Widerlegung, sondern auch die, welche zwar die logischen Regeln einhalten, aber nur scheinbar den Gegenstand betreffen. Es sind dies die, welche nicht in Bezug auf den Gegenstand widerlegen und die Unwissenheit des Antwortenden darlegen, was das Geschäft der prüfenden Kunst ist, die einen Theil der Dialektik bildet und welche etwas Falsches zu schliessen vermag, weil der Antwortende aus Unwissenheit die Begründung zugiebt. Dagegen lassen die sophistischen Widerlegungen, selbst wenn sie ihren entgegengesetzten Satz durch einen Schluss beweisen, nicht erkennen, ob der Gegner unwissend ist, weil sie auch den Kundigen durch solche Begründungen in Schwierigkeiten verwickeln.
Dass nun diese Art der Widerlegungen auf demselben Verfahren beruht, ist klar; denn durch alle die Mittel, welche bei den Zuhörern den Schein erzeugen, als sei aus den gefragten Vordersätzten der Schlusssatz richtig abgeleitet worden, wird auch bei den Antwortenden diese Meinung entstehen, und die falschen Schlüsse werden deshalb ebenfalls durch alle diese Mittel, oder doch durch mehrere derselben zu Stande gebracht, da auch der Nicht-Gefragte glauben wird, er habe das zugegeben, was er auf Befragen zugeben würde. Nur bei einigen Widerlegungen trifft es sich, dass das noch Nöthige gefragt und so das Falsche offenbar gemacht wird, wie dies bei den auf der Ausdrucksweise ruhenden und auf die Sprachfehler gerichteten Widerlegungen der Fall ist. Wenn nun die falschen Schlüsse für den entgegengesetzten[17]Satz zu den scheinbaren Widerlegungen gehören, so ist klar, dass die Schlüsse auf das Falsche sich auf eben dieselben Mittel stützen werden, durch welche der scheinbare Schluss zu Stande kommt. Die scheinbare Widerlegung stützt sich aber auf einzelne Theile des Wahrhaften; denn wenn Einzelnes weggelassen wird, so verwandelt sich die Widerlegung in eine scheinbare, wie dies bei denen geschieht, die sich auf etwas stützen, was aus der Begründung nicht folgt, so wie bei denen, welche zu dem Unmöglichen führen, und bei Widerlegungen, die zwei Fragen zu einer machen und damit gegen den Begriff des Vordersatzes verstossen; ferner bei denen, welche das Nebensächliche als ein An-sich benutzen, oder bei der Art derselben, welche sich auf das Mitfolgende stützt; ferner bei denen, wo der Schluss nur für die Worte, aber nicht für die Sache sich ergiebt; ferner bei denen, welche ihren Gegensatz nicht so allgemein wie den zu widerlegenden Streitsatz fassen und ihn nicht auf dasselbe, und nicht in Bezug auf dasselbe richten und so gegen einzelne oder gegen alle diese Erfordernisse verstossen; ferner bei denen, welche in ihrem Schlusssatze sich auf einen Obersatz stützen, der doch erst bewiesen werden soll. Damit wären die Weisen dargelegt, in welchen die Fehlschlüsse entstehen; in noch weiteren Weisen dürfte dies nicht geschehen, vielmehr werden alle in den hier angegebenen Verfahrungsweisen sich bewegen.
Die sophistische Widerlegung ist nun keine Widerlegung überhaupt, sondern nur eine Widerlegung in Bezug auf eine bestimmte Person, und dasselbe gilt für den sophistischen Schluss. Denn wenn der Fragende gerade nicht zugestanden bekommt, dass das zweideutige Wort nur Eines bedeutet und dass das in gleichen Sprachformen ausgedrückte Mehrere nur dieses Bestimmte bedeutet, und wenn nicht bei den übrigen Arten Aehnliches geschieht, so kommt weder eine Widerlegung, noch ein Schluss zu Stande, und zwar weder überhaupt, noch in Bezug auf den Gefragten. Gesteht dieser es ihm aber zu, so werden sie zwar gegen diesen Zugestehenden Widerlegungen sein, aber nicht überhaupt; denn es ist ihm nicht etwas zugestanden, was in Wirklichkeit nur einen Sinn hat, sondern was nur so scheint, und darauf ist die Widerlegung gestützt.
[18] Die Frage, wie viele der Dinge überhaupt sind, wo die Gefragten widerlegt werden können, darf man nicht erheben, wenn man nicht die Wissenschaft von allen Dingen besitzt; dies kann aber durch keine Kunst erreicht werden, denn die Wissenschaften sind wohl unbegrenzt und folglich auch die Beweise. Auch giebt es wahre Widerlegungen, da bei allem, was sich beweisen lässt, derjenige, welcher das Gegentheil des Wahren behauptet, auch widerlegt werden kann. Hat z.B. jemand behauptet, dass die Diagonale des Quadrats und dessen Seiten durch ein gleiches Mass messbar seien, so würde er wahrhaft durch einen Beweis widerlegt werden, dass ein solches für beide gültiges Mass nicht besteht. Man müsste daher Alles wissen, da manche Widerlegungen sich auf die Grundsätze der Geometrie und die daraus gefolgerten Lehrsätze stützen können und andere auf die Sätze der Arzneikunst und wieder andere auf die Sätze anderer Wissenschaften. Aber auch die falschen Widerlegungen haben kein begrenztes Gebiet; denn in jeder Wissenschaft können auch falsche Schlüsse gezogen werden; so geometrische in der Geometrie und medicinische in der Medicin. Ich meine eben mit den Worten: »in jeder Wissenschaft« die in derselben vorhandenen obersten Grundsätze. Man kann also offenbar die Gesichtspunkte für alle Widerlegungen nicht erschöpfen, sondern man muss sich auf diejenigen beschränken, welche aus der Dialektik zu entnehmen sind; da die Gesichtspunkte bei dieser gleichmässig für alle Wissenschaften und jedes Vermögen gelten. Die Widerlegungen innerhalb einzelner Wissenschaften hat daher nur derjenige, welcher dieselben inne hat, zu prüfen und zu sehen, ob sie nur scheinbar eine Widerlegung sind, oder wenn sie wirkliche sind, weshalb dies der Fall ist; die Widerlegungen dagegen, welche aus gemeinsamen und nicht blos für eine Wissenschaft geltenden Gesichtspunkten entnommen sind, haben die Dialektiker zu prüfen. Kennt man hier die Mittel, durch welche sich glaubwürdige Schlüsse für jedwedes beschaffen lassen, so kennt man auch die Mittel für die glaubwürdigen Widerlegungen; denn die Widerlegung ist ein Schluss auf die Verneinung des durch einen vorgehenden Schluss dargelegten[19] Satzes, so dass ein oder zwei auf die Verneinung lautende Schlüsse die Widerlegung bilden. Nun kennen wir bereits die Zahl der Gesichtspunkte, welche die Widerlegungen überhaupt für sich benutzen, und wenn man diese kennt, so kennt man auch die Auflösung, d.h. die Aufdeckung der Fehler solcher Widerlegungen; denn die Einwürfe gegen ihre Mittel ergeben auch die Lösung. Wir haben nun auch die Anzahl der Mittel kennen gelernt, auf welche die scheinbaren Widerlegungen sich stützen, und zwar nicht die für irgend einen Einzelnen scheinbaren, sondern nur die für die in der Dialektik erfahrenen Personen, da die Mittel, durch welche die Widerlegungen für irgend welchen Einzelnen zu scheinbaren werden, unbegrenzt sind und deshalb nicht erschöpft werden können. Deshalb kann nur der Dialektiker die Zahl der Mittel übersehen, durch welche vermittelst der gemeinsamen Grundsätze die wirkliche und die scheinbare Widerlegung erreicht wird, sei die Widerlegung eine dialektische, oder eine nur scheinbar dialektische, oder eine nur versuchsweise zur Prüfung des Gegners angestellte.
[20] Es besteht also kein Unterschied in den Begründungen, wie Einige behaupten, nach denen es Begründung in Bezug auf die Worte und andere in Bezug auf den Sinn des erörterten Satzes geben soll. Vielmehr ist die Voraussetzung verkehrt, wonach die Begründungen, welche sich an die Worte halten, von denen verschieden sein sollen, die sich an den Sinn des Satzes halten, und es ist verkehrt, dass beide nicht dieselben seien. Denn was ist ein Streiten nicht nach dem Sinn anders, als dass man die Worte nicht in dem Sinne nimmt, in welchem der Gefragte sie eingeräumt hat und in welchem er sich einbildet, gefragt worden zu sein? Ein solches Streiten ist also ein Streiten um Worte, aber auch ein Streiten um den Sinn, wenn die weitere Ausführung von dem Fragenden nur auf den Sinn gestützt wird, welchen der Antwortende mit seiner Antwort gemeint hat. Wenn ferner bei einem doppelsinnigen Worte sowohl der Fragende wie der Gefragte meinen, das Wort habe nur einen Sinn, und die[20] Erörterung z.B. den Satz betrifft, dass Alles Eines sei, so wird auch eine solche Erörterung sich auf das Wort oder auf den von dem Gefragten damit verknüpften Sinn beziehen. Meint aber einer der Streitenden, dass das Wort vielerlei bedeute, so wird er die Erörterung nicht als eine auf den Sinn sich beziehende führen. Denn einmal beziehen sich solche Disputationen, wo die Worte eine mehrfache Bedeutung haben, auf die Worte und den Sinn; und sodann findet dies auch bei jeder andern Disputation statt; denn das: »nach dem Sinn« liegt nicht in der Begründung, sondern darin, wie der Antwortende das, was er zugegeben hat, gemeint hat. Auch wäre es dann statthaft, alle Disputationen nur für solche zu nehmen, welche blos die Worte betreffen, denn der Ausdruck »die Worte betreffen« heisst hier so viel als nicht den Sinn betreffen. Sollte dies nicht für alle Disputationen gelten, so müsste es dann noch welche geben, die weder auf die Worte, noch auf den Sinn sich bezögen, während doch Jene ihre Eintheilung als für alle Erörterungen gültig behaupten und dieselben nur in solche, welche Worte und in solche, welche den Sinn betreffen, eintheilen, ohne eine dritte Art aufzustellen. Indess sind von den Schlüssen, welche sich auf eine Zweideutigkeit stützen, nur einige auf die Worte gestützt, denn es ist eine verkehrte Behauptung, wie ich schon gesagt habe, dass alle auf die Ausdrucksweise gestützten Schlüsse solche seien, welche über die Worte aufgestellt würden; vielmehr beruhen manche Fehlschlüsse nicht darauf, dass der Antwortende sich zu ihnen irgendwie verhält, sondern darauf, dass schon die Frage ein Wort enthält, was mehrere Bedeutungen hat.
Ueberhaupt ist es verkehrt, die Widerlegungen zu untersuchen, ohne zuvor den Schluss besprochen zu haben; denn die Widerlegung ist eine Art des Schlusses, und deshalb muss man über den Schluss eher sprechen, als über die falschen Widerlegungen; da diese nur der scheinbare Schluss auf den Gegensatz sind. Der Fehler ist deshalb hier entweder in dem Schlusse oder in dem Gegensatze enthalten (denn letzterer muss vorliegen), oder auch in beiden, wenn die Widerlegung nur eine scheinbare ist. So liegt der Fehler bei dem Ausspruch, dass das Schweigende spreche, in dem aufgestellten Gegensatze und[21] nicht in dem Schlusse; dagegen bei dem Satze, dass jemand das, was er nicht hat, geben könne, in beiden, und bei dem Satze, dass das Gedicht des Homer eine Gestalt sei, weil es einen Kreis bilde, in dem Schlusse. Ist in keinem dieser beiden Stücke gefehlt, so ist der Schluss ein wahrer.
Um indess auf meinen Ausgangspunkt zurückzukehren, so könnte man auch fragen, ob die Begründungen in der Mathematik sich auf den Sinn beziehen oder nicht? Ob insbesondere, wenn der Antwortende meint, dass das Wort: Dreieck mehrere Bedeutungen habe und sein Zugeständniss sich nicht auf die Gestalt bezogen habe, an welcher bewiesen worden, dass deren Winkel zwei rechte enthalten, man sagen könne, der Beweis des Fragenden habe sich auf den Sinn, den der Antwortende mit dem Worte verbunden, bezogen, oder nicht bezogen?
Wenn ferner das Wort zwar vieldeutig ist, der Antwortende dies aber nicht weiss und auch nicht glaubt, sollte in diesem Falle derselbe nicht in Bezug auf den Sinn disputirt haben? Oder sollte man etwa anders fragen, als so, dass man dem Antwortenden die Wahl lässt, also in der Art, dass man früge: Kann der Schweigende sprechen oder nicht? Oder: Ist es nicht so, oder ist es so? Wenn hier nun der Antwortende sagte: Durchaus nicht, der Gegner aber bewiese, dass es der Fall sei, sollte da nicht die Disputation sich auf den Sinn bezogen haben, trotzdem sie zu denen gehören dürfte, welche die Worte betreffen? Es giebt daher keine besondere Art der Disputation, die sich nur auf den Sinn bezöge, aber wohl betreffen manche nur die Worte; zu dieser Art gehören jedoch nicht alle Widerlegungen, und zwar weder alle wirklichen, noch alle blos scheinbaren, da es auch scheinbare Widerlegungen giebt, die sich nicht auf den Ausdruck stützen, wie die, welche ein Nebensächliches wie ein Wesentliches benutzen und andere mehr.
Wenn man aber verlangt, dass ich, wenn ich behaupte, der Schweigende spreche, sagen sollte, wie dies theils so, theils anders zu verstehen sei, so ist dies zunächst verkehrt (denn mitunter scheint das Gefragte nicht vieldeutig, und es ist unmöglich da zu theilen, wo die Vieldeutigkeit nicht bemerkt wird); und wäre dies dann etwas Anderes als ein Belehren? Der Fragende müsste[22] dann seinen Gegner offenbar machen, wie die Sache sich verhielte, während der Gegner sie weder untersucht hat, noch weiss, noch vermuthet, dass die Frage zweideutig ist. Was hindert dann, dass auch bei nicht zweideutigen Worten dies geschehen müsste, z.B. bei der Frage, ob die Einheiten in den vierfachen Zahlen den zwiefachen Zahlen gleich seien? Denn die zwiefachen Zahlen sind bald so, bald so darin enthalten. Ferner bei der Frage: Ob für Gegentheile eine Wissenschaft bestehe oder nicht? denn es gehört auch das Gewusste und das Nichtgewusste zu den Gegentheilen. Wer also hier erst eine Erläuterung verlangt, scheint nicht zu wissen, dass das Lehren von dem Disputiren verschieden ist und dass der Lehrer nicht fragen, sondern selbst die Sache erklären, der Disputirende aber fragen muss.
[23] Auch liegt es dem, welcher etwas beweisen will, nicht ob, von dem Anderen eine Bejahung oder Verneinung zu verlangen, sondern dies kommt nur dem zu, welcher eine Prüfung vornimmt. Denn die prüfende Kunst gehört zur dialektischen Kunst; sie verhandelt nicht mit dem Kenner, sondern mit dem Unwissenden, der sich für einen Kenner ausgiebt. Wer nun in Bezug auf die Sache nur die allgemeineren Grundsätze benutzt, ist ein Dialektiker, und der, welcher dies nur scheinbar thut, ein Sophist. Der nur dem Streit dienende Schluss und der sophistische Schluss sind zum Theil scheinbare Schlüsse, mit welchen sich die auf die Probe stellende Dialektik beschäftigt, und wobei der Schlusssatz auch wahr sein kann; denn die Täuschung ist hier nur in dem Mittelbegriff oder in dem Grunde des Schlusssatzes enthalten; zum Theil sind beide aber Fehlschlüsse, die nur scheinbar die Grundsätze einer besonderen Wissenschaft benutzen, aber in Wahrheit das richtige Verfahren nicht einhalten. So sind die falschen Verzeichnungen keine dem Streit dienende Schlüsse (weil die Fehlschlüsse hier sich wirklich innerhalb der betreffenden Wissenschaft halten) und dies gilt auch, wenn die falsche Verzeichnung sich auf etwas Wahres bezieht, wie z.B. die Verzeichnung des Hippokrates, oder[23] die Quadratur des Kreises vermittelst der mondförmigen Abschnitte. Dagegen ist das Verfahren des Bryson, womit er die Quadratur des Kreises versuchte, ein sophistisches, selbst wenn damit die Quadratur des Kreises wirklich erreicht würde, weil seine Vordersätze nicht aus der geometrischen Wissenschaft entlehnt sind. Sonach giebt es zwei Arten der auf den Streit abzielenden Schlüsse; die eine hält die allgemeinen oder formalen Regeln nur scheinbar ein, die andere hält die Regeln der betreffenden Wissenschaft nur scheinbar ein, selbst wenn der Schluss ein richtiger ist. Denn er hält sich nur scheinbar an die Sache; ist also betrügerisch und unrecht. Denn so wie es im Wettkampfe eine Art Unrecht giebt und wie es in der Schlacht ein unrechtes Verfahren giebt, so ist bei dem Disputiren das auf den Streit abzielende Verfahren die unrechte Kampfweise. Dort ergreifen die, welche durchaus den Sieg gewinnen wollen, jedwedes Mittel und hier thun dasselbe die blos Streitsüchtigen. Solche Menschen, welche nur, um den Sieg zu gewinnen, das Disputiren betreiben, scheinen auch streitsüchtig zu sein, und die, welche nur des Ansehens wegen, damit sie Geld verdienen, streiten, sind Sophisten. Denn die Kunst der Sophisten will, wie ich schon gesagt, durch den Schein der Weisheit Geld erwerben, und deshalb streben sie nach scheinbaren Beweisen. Beide, die Streitsüchtigen und die Sophisten benutzen dieselben Begründungen, aber nicht des gleichen Zieles wegen. Auch kann dieselbe Begründung sophistisch und streitsüchtig sein, aber nicht in Beziehung auf Gleiches, da die streitsüchtige nur geschieht, um scheinbar den Sieg zu gewinnen, und die sophistische um des Scheines der Weisheit willen; da die sophistische Weisheit nur eine scheinbare, aber keine wirkliche Weisheit ist.
Der Streitsüchtige verhält sich zu dem Dialektiker ungefähr wie der, welcher falsche Verzeichnungen zu seinen Beweisen benutzt, zu dem Geometer; denn er macht aus denselben Gründen Fehlschlüsse gegen die Dialektik, aus denen der falsche Verzeichner dem Geometer entgegentritt. Der falsche Verzeichner ist aber kein Streitsüchtiger, weil er seinen Beweis an der falschen Figur doch aus den Grundsätzen und Schlusssätzen der Geometrie ableitet; der andere aber wendet zwar die[24] Regeln der Dialektik an, aber im Uebrigen ist er offenbar ein Streitsüchtiger. So ist z.B. der Beweis für die Quadratur des Kreises vermittelst der mondförmigen Abschnitte kein streitsüchtiger, wohl aber der von Bryson dafür aufgestellte Beweis. Jener Beweis lässt sich nicht für andere Wissenschaften, als die Geometrie benutzen, weil dieser Beweis auf den der Geometrie eigenthümlichen Grundsätzen beruht; dagegen richtet sich der Beweis des Bryson an die Menge, welche das Mögliche und Unmögliche bei jedem Dinge nicht zu unterscheiden vermag; denn für solche wird sein Beweis passen; oder er hat die Quadratur des Kreises wie Antiphon aufgestellt. Oder wenn Jemand leugnete, dass das Spazierengehen nach der Mahlzeit gut sei, und zwar aus den Gründen Zeno's gegen die Bewegung, so wäre seine Begründung keine ärztliche, da sie für vieles Andere auch passte.
Wenn nun die streitsüchtige Begründung sich ganz so zu der dialektischen verhielte, wie der falsche Verzeichner zu dem Geometer, so gäbe es in der Geometrie keine streitsüchtigen Begründungen; allein die dialektische Begründung ist auf keine bestimmte Gattung von Gegenständen beschränkt, auch beweist sie keinen Satz und stützt sich nicht auf die dem Gegenstande eigenthümlichen Gesetze; denn Alles kann nicht blos zu einer Gattung gehören, und selbst wenn dies möglich wäre, könnte alles Seiende nicht unter denselben obersten Grundsätzen stehen. Deshalb stellt keine jener Wissenschaften, welche über die besondere Natur ihrer Gegenstände Beweise führen, Fragen; bei ihnen ist es nicht erlaubt, irgend ein Stück blos auf das Zugeständniss zu stützen und der Schluss kann hier nicht aus beiden, d.h. aus Zugegebenen und obersten Grundsätzen sich ableiten. Dagegen bewegt sich die dialektische Wissenschaft in Fragen; denn würde sie etwas wirklich beweisen wollen, so würde sie, wenn auch nicht über Alles, doch nicht über die obersten und die jedem Gebiet eigenthümlichen Grundsätze Fragen stellen, da, wenn ihr das Betreffende nicht zugegeben würde, sie keine Unterlage mehr hätte, von wo aus sie die Erörterung gegen den Einwurf fortführen könnte. Das dialektische Verfahren stellt auch den Gegner auf die Probe. Diese Kunst gleicht nicht der Geometrie, vielmehr kann auch der Unwissende sie üben: denn auch der, welcher[25] von der Sache nichts versteht, kann den Unwissenden auf die Probe stellen, wenn dieser die Aufstellungen jenes zugiebt; dies kann er nicht vermöge seiner Wissenschaft und auch nicht vermöge des dem Gegenstande Eigenthümlichen, sondern vermöge anderer, dem Gegenstande zukommenden Bestimmungen, welche der Art sind, dass der, welcher sie kennt, die betreffende Wissenschaft selbst nicht zu kennen braucht und dass der, welcher sie nicht kennt, nothwendig auch der betreffenden Wissenschaft unkundig sein muss. Hieraus erhellt, dass es keinen Gegenstand giebt, über den die auf die Probe stellende Kunst sich nicht ausdehnen könnte; vielmehr erstreckt sie sich über Alles, da alle Wissenschaften auch von gewissen gemeinsamen Grundsätzen Gebrauch machen. Aus diesem Grunde macht jedermann von der dialektischen und auf die Probe stellenden Kunst Gebrauch, selbst solche thun dies, welche sie nicht kennen, da Alle bis zu einem gewissen Grade es versuchen, diejenigen, welche etwas zu verstehen vorgeben, zu beurtheilen. Sie benutzen dazu die für alle Wissenschaften geltenden gemeinsamen Grundsätze, welche sie dennoch kennen, wenn sie auch anscheinend über Dinge, die nicht zur Sache gehören, sprechen. Alle unternehmen deshalb Widerlegungen, da sie, ohne die dialektische Kunst gelernt zu haben, doch dasjenige innehaben, was, wenn kunstgemäss gebraucht, die Dialektik ausmacht und was vermöge der Kunst zu schliessen, den auf die Probe stellenden Dialektiker ausmacht. Da nun Vieles gleicher Art ist und von Allem gilt und nicht der Art ist, dass es eine besondere Natur oder eine besondere Gattung wäre, sondern so, wie z.B. die Verneinungen; da aber Anderes nicht solcher Art ist, sondern das den Dingen Eigenthümliche ausmacht, so kann man mittelst jener einen Weise über Alles auf die Probe stellen und es besteht auch eine Kunst der Art, die aber nicht so beschaffen ist, wie die beweisenden Wissenschaften. Deshalb verhält sich der Streitsüchtige nicht durchaus so, wie der, welcher eine falsche Verzeichnung benutzt, denn er benutzt nicht die Grundsätze eines bestimmten Gebiets zu seinen Fehlschlüssen, sondern streitet über alle Gattungen der Dinge.
Dies sind nun die Weisen und Gesichtspunkte der sophistischen Widerlegungen, und man kann daraus leicht[26] entnehmen, dass der Dialektiker dieselben in Betracht nehmen und auch selbst zu Stande zu bringen vermögen muss, denn die Lehre von den Schlüssen befasst auch diese ganze Untersuchung.
[27] So viel über die scheinbaren Widerlegungen; was aber die Darlegung, dass etwas Falsches behauptet worden, und die Verleitung des Gegners zu unglaubwürdigen Behauptungen anlangt (denn dies war das Zweite, wonach die sophistische Kunst strebt), so kommt dies zunächst dadurch am meisten zu Stande, dass in einer besonderen Weise gefragt wird und die Fragen gestellt werden. Denn das Fragen, was auf keinen bestimmten Satz sich richtet, geht auf dieses Ziel aus, da bei planlosem Sprechen leichter Fehler begangen werden, und ein planloses Sprechen ist vorhanden, wenn kein Satz zur Besprechung vorliegt. Sodann kann auch, selbst wenn ein bestimmter Satz zur Besprechung aufgestellt ist, vermittelst vielen Fragens, sowie durch die Aufforderung an den Gegner, doch das zu sagen, was er darüber meint, derselbe leicht zu unglaubwürdigen oder falschen Behauptungen verleitet werden. Wenn hierbei der Gefragte etwas in dieser Art behauptet, oder verneint, so kann der Sophist die Erörterung so leiten, dass solche Behauptung leicht zu widerlegen ist. Indess können die Sophisten gegenwärtig mit diesen Mitteln weniger schaden, als früher; denn die Gefragten verlangen jetzt von ihnen die Angabe, wie solches sich zu dem im Anfang aufgestellten Satze verhalte? Denn das elementare Mittel, den Gegner zur Behauptung von etwas Falschem oder Unglaubwürdigem zu bringen, besteht darin, dass die Frage nicht gleich für einen bestimmten Satz gestellt wird, sondern dass man vorgiebt, man früge nur, um zu lernen; die Untersuchung, welche dann der Gefragte unternimmt, giebt Gelegenheit zu Kunstgriffen.
Um das Falsche in den Behauptungen des Gegners darzulegen, bestellt ein eigenthümliches sophistisches Mittel darin, dass die Sophisten den Gegner zu solchen Behauptungen verleiten, wo sie viele Gründe für die Widerlegung[27] zur Hand haben. So zu verfahren, kann sowohl recht, als unrecht sein, wie ich früher dargelegt habe.
Um ferner den Gegner zu unglaubwürdigen Behauptungen zu veranlassen, dient es, dass man ermittelt, zu welcher Schule derselbe sich hält, und dann die Fragen auf das richtet, was da an Sätzen gelehrt wird, welche der Menge unglaubwürdig erscheinen; denn in jeder Schule finden sich dergleichen. Jenes elementare Mittel besteht dann darin, dass solche Sätze der einzelnen Schulen als Vordersätze benutzt werden. Der passende Schutz in solchem Falle ist dann der, dass man zeigt, wie das Unglaubwürdige nicht aus der Begründung folge; denn der streitende Sophist will immer auch dies.
Auch der Gegensatz des innerlich Gewollten und des offen Ausgesprochenen dient für dieses Ziel. Denn die Absichten stimmen oft nicht zu den Worten, vielmehr sprechen die Menschen in der anständigsten Weise, während sie innerlich das wollen, was ihnen Gewinn zu bringen scheint. So sagen sie, man müsse einen ehrenvollen Tod einem angenehmen Leben vorziehen, und man müsse eher als ein Gerechter darben, als wie auf schlechte Weise reich sein; aber innerlich wollen sie das Entgegengesetzte. Antwortet nun der Gefragte so, wie er es innerlich wünscht, so wird die öffentliche Meinung gegen ihn geltend gemacht, und spricht er dieser gemäss, so wird er auf die verheimlichten Absichten gedrängt. In beiden Fällen muss dann der Gefragte Unglaubwürdiges behaupten und entweder gegen die offen ausgesprochene oder gegen die heimliche, von ihm gehegte Meinung sprechen.
Am meisten wird dasjenige Mittel, um jemand zu unglaubwürdigen Behauptungen zu verleiten, benutzt, was auch Kallikles in dem geschriebenen Dialog Gorgias anwendet und was in früheren Zeiten als untrüglich galt, nämlich der Widerspruch zwischen dem Naturgemässen und dem Gesetzlichen, weil Natur und Gesetz Gegentheile seien und z.B. die Gerechtigkeit nach dem Gesetze etwas Schönes, aber nach der Natur nichts Schönes sei. Wenn also der Gegner der Natur gemäss spricht, so muss man ihm mit dem Gesetz entgegentreten, und wenn er dem Gesetz gemäss spricht, ihm die Natur vorhalten; auf beide Weisen muss er dann Unglaubwürdiges behaupten. Man nahm dabei damals an, dass das naturgemässe Handeln[28] das wahre sei, das gesetzliche Handeln aber nur das fordere, was der Menge gefalle. So konnten die Sophisten sowohl in früheren Zeiten, wie auch jetzt es dahin bringen, dass der Antwortende entweder widerlegt wurde oder Unglaubwürdiges behauptete.
Manche Fragen haben das Eigne, dass die Antwort nach beiden Alternativen unglaubwürdig ausfällt; z.B. die Fragen, ob man eher den weisen Männern oder eher dem Vater gehorchen solle? ferner: Ob man das Nützliche, oder das Gerechte thun solle? und ob man eher Unrecht erleiden, als einen Anderen beschädigen solle? Der Sophist muss dem Antwortenden in den Gegensatz zwischen der Meinung der Menge und der der Weisen verwickeln; spricht er also, wie die Kenner der Sache, so muss er auf die Meinung der Menge geleitet, und wenn er nach der Meinung der Menge spricht, auf die Meinung der Kenner geleitet werden. Denn nach diesen muss der Glückliche auch immer gerecht sein, während der Menge es verkehrt vorkommt, dass ein König nicht glücklich sei. Uebrigens ist die Verleitung zu solchen unglaubwürdigen Behauptungen derjenigen ganz gleich, welche in den Gegensatze von Natur und Gesetz verwickelt. Denn das Gesetz ist das, was die Menge billigt, während die Weisen der Natur und Wahrheit gemäss sich aussprechen.
[29] Um den Gegner zu unglaubwürdigen Behauptungen zu verleiten, sind also die hier angegebenen Mittel zu benutzen; was aber die Verleitung zu leerem Geschwätz anlangt, so habe ich bereits gesagt, was ich unter solchem Geschwätz verstehe. Alle solche Reden der Sophisten wollen das erreichen, wie z.B. dass, wenn es gleich ist, ob man etwas nach seinem Namen oder nach seinem Begriff bezeichnet, mithin das Doppelte dasselbe ist, wie das Doppelte der Hälfte, und, wenn es somit ein Doppeltes der Hälfte giebt, es dann auch ein Doppeltes von der Hälfte der Hälfte gebe; und wenn man dann hier wieder statt des Doppelten das Doppelte der Hälfte setzt, so wird letztere drei Mal ausgesagt werden, als das Doppelte der Hälfte von der Hälfte der Hälfte. Ferner: Giebt es[29] eine Begierde nach dem Angenehmen? Nun ist aber die Begierde ein Streben nach dem Angenehmen; also ist die Begierde nach dem Angenehmen ein Streben nach dem Angenehmen des Angenehmen.
Alle solche Reden bewegen sich in Beziehungen, bei denen nicht blos die Gattungen der Dinge, sondern diese auch in Bezug auf Etwas ausgesagt werden und zwar bezogen auf ein und dasselbe. So ist das Streben auch das Streben nach etwas und die Begierde auch die Begierde nach etwas, und das Doppelte ist das Doppelte von Etwas und auch das Doppelte von der Hälfte. Bei Gegenständen aber, deren Wesen nicht ganz in einer Beziehung besteht, wie z.B. bei den Richtungen des Gemüths oder bei den Leidenschaften oder bei sonst etwas der Art, wird in deren Begriffe noch dargelegt, dass sie in Bezug auf ein Bestimmtes ausgesagt werden. So ist z.B. das Ungerade eine Zahl, welche eine Mitte hat; nun giebt es aber ungerade Zahlen, also ist die Zahl eine Zahl, die eine Mitte hat. Ist ferner das Stumpfnäsige eine Hohlheit der Nase, und giebt es stumpfnäsige Nasen, so giebt es eine hohle Nase-Nase.
Mitunter scheint es so, als verleite man zu leerem Geschwätz, ohne dass es doch der Fall ist, indem man nicht noch besonders fragt, ob das Doppelte, für sich ausgesprochen, etwas bedeute oder nichts bedeute, und ob, wenn es etwas bedeutet, es dasselbe oder etwas Anderes bedeute, als der begriffliche Ausdruck, sondern gleich den Schlusssatz zieht. Hier scheint der Name, weil er derselbe bleibt, auch dasselbe zu bezeichnen.
[30] Was ein Sprachfehler ist, habe ich früher dargelegt. Ein solcher kann erstens wirklich begangen werden; zweitens kann es nur so scheinen, dass man einen begeht, ohne dass es doch geschieht, und drittens kann er begangen werden, ohne dass es so scheint, wie z.B. Protagoras sagte, dass der Zorn und der Helm Worte weiblichen Geschlechts seien; wer also der verderbliche Zorn und der Helm sagte, der beging nach ihm einen Sprachfehler, aber nicht nach der Meinung der übrigen[30] Menschen; wer dagegen: die verderblichen sage, der fehle nach ihm zwar scheinbar aber nicht wirklich. Es erhellt, dass man dies wohl auch durch Kunstgriffe erreichen kann; deshalb scheinen viele Reden der Sophisten einen Sprachfehler zu beweisen, ohne dass es wirklich der Fall ist, wie ja das Gleiche auch bei den Widerlegungen geschehen kann.
Beinah alle scheinbaren Sprachfehler werden entweder durch das Neutrum veranlasst, oder dadurch, dass gewisse Beugungen der Worte das Männliche oder Weibliche nicht ausdrücken, sondern das zwischen ihnen liegende Neutrum. So bezeichnet das »Dieser« das männliche Geschlecht und das »Diese« das weibliche; dagegen will das »Dieses« (als Neutrum) das zwischen jenen beiden Befindliche bezeichnen, oft aber bezeichnet es auch eines von jenen beiden; z.B. bei der Frage: Was ist dieses? Antwort: Dieses ist die Kalliope, oder das Holz, oder derKoriskos. Bei den männlichen und weiblichen Worten lauten die Beugungsfälle sämmtlich verschieden; dagegen ist es bei den zwischen ihnen stehenden Worten nur theilweise der Fall. Oft wird nun blos »dieses« (das Neutrum) eingeräumt, aber geschlossen wird dann, als hätte man »diesen« gesagt. Ebenso wird ein Beugungsfall statt eines andern benutzt, der Fehlschluss kommt dann dadurch zu Stande, dass das »Dieses« für mehrere Beugungsfälle gilt, denn das »Diesen« bezeichnet bald den Nominativ, bald den Accusativ, und es muss beide Bedeutungen wechselsweise annehmen. Wird es mit dem »er ist« verbunden, so ist das »Dieser« gemeint und mit dem »sein« verbunden, wird das »Diesen« gemeint; z.B. »der Koriskos ist« und »den Koriskos sein«. Auch mit den weiblichen Worten verhält es sich ebenso; desgleichen mit dem sogenannten »Geräthe«, was bald eine männliche, bald eine weibliche Benennung hat. Blos die Stücke, welche sich auf z oder b endigen, werden mit dem Neutrums-Namen des Geräthes belegt, wie das Holz und das Sieb; die Worte aber, die nicht so endigen, sind männlicher oder weiblicher Art, und auch von diesen bezieht man einige auf das Geräthe; so ist der Schlauch männlichen Geschlechts und die Bettstelle weiblichen Geschlechts. Daher wird sich auch bei diesen das »Ist« und das »Sein« in der gleichen Weise unterscheiden.[31]
In gewisser Weise gleicht die Benutzung der Sprachfehler denjenigen Widerlegungen, welche sich darauf stützen, dass Ungleiches doch dieselbe Bezeichnung führt; so wie dort der Sprachfehler in Bezug auf die Gegenstände selbst begangen wird, so geschieht es hier mit den Namen; so ist z.B. »Mensch« und »Weisses« sowohl ein Gegenstand, wie ein Name. Man muss daher suchen, den Sprachfehler aus den hier genannten Beugungen der Namen zu folgern.
Dies sind sonach die Arten und die Unterarten und die besprochenen Gesichtspunkte bei streitigen Erörterungen. Indess macht es einen grossen Unterschied, ob die Fragen hierbei so gestellt werden, dass der Kunstgriff nicht bemerkt werden soll, wie dies bei den dialektischen Fragen geschieht. Ich werde daher, anschliessend an das bisher Gesagte, dies zunächst besprechen.
[32] Ein Mittel zur sophistischen Widerlegung des Gegners besteht in der Länge derselben; denn es ist schwer, Vieles auf einmal zu übersehen. Um eine solche Länge zu erreichen, muss man die früher genannten Mittel benutzen. Ein anderes Mittel ist die Schnelligkeit der Rede; denn die hintennach Kommenden können weniger voraussehen. Auch der Zorn und der Wetteifer sind Mittel dafür, da alle, welche in Conflict gerathen, sich weniger in Acht nehmen können. Die Mittel, um den Antwortenden in Zorn zu versetzen, bestehen darin, dass man ihm merken lässt, man wolle ihm Unrecht thun und im Allgemeinen in einem unverschämten Benehmen. Ferner hilft es für das Widerlegen, wenn man mit den Fragen wechselt, insofern man für denselben Satz mehrere Gründe hat, oder wenn man Gründe sowohl für dessen Bejahung wie Verneinung hat; denn dann muss der Gegner gleichzeitig entweder auf Mehreres, oder auf das Entgegengesetzte Acht haben. Ueberhaupt kann alles das, was ich früher in Bezug auf das Verbergen des Zieles gesagt habe, auch für die streitsüchtigen Begründungen benutzt werden; denn man verbirgt etwas, damit es nicht bemerkt werde, und man will es vom Gegner nicht bemerkt haben, um ihn zu täuschen.[32]
Wenn aber der Gegner das verneint, wovon er glauben mag, dass der Fragende es zu seinem Beweise benutzen will, so muss dieser die Fragen auf das Entgegengesetzte richten, als wollte er dieses beweisen, oder er muss seine Fragen so stellen, dass der Gefragte nicht entnehmen kann, ob der Fragende die Bejahung oder die Verneinung benutzen will; denn der Gefragte wird weniger schwierig in seinen Zugeständnissen sein, wenn er nicht entnehmen kann, ob der Fragende die Bejahung oder die Verneinung benutzen will. Im Falle aber der Antwortende Einzelnes stückweise zugiebt, so darf der Fragende, welcher induktiv verfahren will, das Allgemeine nicht mehrmals zur Frage stellen, sondern er muss dies Allgemeine so, als wäre es bereits zugegeben, für seine Begründung benützen; denn mitunter glauben die Gefragten selbst, es zugestanden zu haben, und auch den Zuhörern scheint es so, weil sie die Induktion im Gedächtniss haben und die Fragen nicht für nutzlos gestellt halten.
In den Fällen, wo für das Allgemeine das Wort fehlt, muss man sich mit einem Aehnlichen für seine Zwecke zu helfen suchen, denn es wird oft nicht bemerkt, dass nur ein Aehnliches vorliegt. Auch muss man, um das Zugeständniss eines Satzes zu erlangen, das Entgegengesetzte daneben stellen und in dieser Weise fragen. Wenn z.B. der Fragende das Zugeständniss des Satzes braucht, dass man dem Vater in Allem gehorchen müsse, so muss er fragen, ob man den Eltern in Allem gehorchen müsse, oder in Allem nicht gehorchen? Und statt des »oft« muss man das »viel« benutzen und fragen, ob man den Eltern in Vielem oder in Wenigem zu Willen sein müsse? denn der Gegner wird, wenn er so wählen muss, sich eher für das »viel« entscheiden, weil, wenn man die Gegentheile nebeneinander stellt, diese dem Menschen grösser oder gross erscheinen und schlechter oder besser.
Am stärksten und häufigsten erzeugt jene am meisten sophistische Täuschung den Schein, dass man den Gegner widerlegt habe, wonach man, ohne einen Schluss gezogen zu haben, den Streitsatz gar nicht in eine Frage aufnimmt, sondern ihn als Schlusssatz ausspricht, als hätte man erwiesen, dass das und das nicht wahr sei, was der Gegner gesagt habe.[33]
Auch ist es ein sophistisches Verfahren, wenn man verlangt, dass der Gegner antworten solle, welcher Meinung er in Bezug auf den aufgestellten unglaubwürdigen Satz sei, indem man etwas Glaubwürdiges vorangeschickt hat, welches zum Beweise des unglaubwürdigen Satzes benutzt werden kann, und dann mit der Frage beginnt, ob er letzteres nicht für richtig halte? denn wenn die Frage etwas betrifft, was bejaht zur Widerlegung des Gegners führt, so muss der Antwortende sich entweder einer Widerlegung aussetzen, oder er muss etwas Unglaubwürdiges behaupten. Denn giebt er das Gefragte zu, so wird er widerlegt, und thut er dies nicht und sagt er, dass es ihm auch nicht so scheine, so spricht er etwas Unglaubwürdiges aus; antwortet er aber, dass es ihm so scheine, ohne jedoch die Frage zuzugeben, so führt auch dies zu einer Art von Widerlegung.
Ferner ist es, wie bei den rhetorischen Ausführungen, auch bei den sophistischen Widerlegungen rathsam, auf die Sätze des Antwortenden zu achten, welche entweder mit anderen von ihm ausgesprochenen in Widerspruch stehen, oder mit Sätzen, die er selbst als wahr oder sittlich anerkannt hat, oder die wenigstens einen solchen Schein für sich haben oder ihnen ähnlich sind, sei es, dass jene Sätze den meisten, oder allen von diesen letzteren Sätzen widersprechen. Wie nun die Antwortenden oft bei einer ihnen drohenden Widerlegung das Zweideutige benutzen, im Fall die Sache sich so gestaltet, dass sie widerlegt werden könnten, so müssen auch die Fragenden sich dieses Mittels gegen diejenigen bedienen, die ihnen mit Einwürfen kommen, und sie müssen, im Fall in dem einen Sinne das, was sie behaupten, sich ergiebt, in dem anderen Sinne aber nicht, sagen, dass sie es im ersten Sinne gemeint haben, wie Kleophon es in der Tragödie Mandrobulos thut. Auch muss der Fragende mitunter von der Begründung Abstand nehmen, um dem Gegner weitere Einwendungen abzuschneiden; antwortet man aber selbst und der Fragende merkt, dass er mit einem Beweisgrunde nicht durchkommen werde, so muss man, wenn er diesen Grund aufgeben will, ihm zuvorkommen und ihm zureden, dass er den Beweisgrund nicht fallen lasse. Mitunter muss der Fragende sich gegen[34] Anderes, was den Streitsatz nicht betrifft, wenden und diesen selbst fallen lassen, wenn er ihn mit nichts angreifen kann. So machte es Lykophron, als von ihm gefordert wurde, er solle die Leier prüfen. Wenn aber der Antwortende verlangt, dass der Fragende einen bestimmten Satz angreife und der Fragende billigerweise den Grund angeben muss, weshalb er von dem ursprünglich aufgestellten Satze abgehe, so muss er Einiges vorbringen, aber sorgfältig den allgemeinen Schlusssatz in seinen Widerlegungen verschweigen und nur das Entgegengesetzte behaupten, also das, was der Antwortende gesagt, verneinen und was jener verneint hat, bejahen; aber er darf nicht den Schlusssatz, zu welchem er gelangen will, bestimmter bezeichnen, z.B. dass es von Gegentheilen nur eine Wissenschaft gebe, oder dass es nicht blos eine davon gebe. Auch darf der Fragende den Schlusssatz seines Beweises bei seinen Fragen nicht voranstellen, und Manches darf er gar nicht in seine Fragen aufnehmen, sondern muss es so benutzen, als wäre es zugestanden.
[35] Ich habe somit gesagt, woher bei den streitsüchtigen Erörterungen die Fragen zu entnehmen sind und wie man zu fragen hat; nunmehr habe ich über die Antworten zu sprechen und anzugeben, wie man die Widerlegungen des Fragenden zu entkräften und was man dabei zu beobachten hat; ferner, zu was dergleichen Erörterungen nützlich sind.
Für die Philosophie sind sie aus zwei Gründen nützlich. Da nämlich diese Erörterungen meistentheils sich auf die Ausdrucksweise stützen, so gewähren sie erstens eine grössere Gewandtheit in Bezug auf zweideutige Ausdrücke; man lernt schärfer unterscheiden, in welchen Punkten die Sachen und die Worte zu denselben und in welchen sie zu verschiedenen Folgerungen führen. Zweitens nützen sie auch für die Untersuchungen, die man für sich allein anstellt; denn wenn man leicht von einem Andern durch Fehlschlüsse irre geführt wird und dies nicht bemerkt, so kann man Gleiches oft auch in den für sich[35] allein angestellten Untersuchungen durch sich selbst erleiden. Aber es dient auch drittens dem eignen Ansehn, wenn es bekannt ist, dass man die Fähigkeit besitzt, über Alles in Erörterungen einzutreten, und dass man in jedem Gebiete bewandert ist. Denn wenn man in einer solchen Erörterung die Sätze des Gegners nur tadelt und ihre Mängel durch nichts aufdecken kann, so geräth man leicht in den Verdacht, als ob man ärgerlich geworden und zwar nicht um der Wahrheit willen, sondern wegen der eigenen Unerfahrenheit.
Wie aber der Gefragte solchen streitsüchtigen Begründungen entgegenzutreten hat, ist klar, sofern ich im Vorgehenden die Ursachen richtig dargelegt habe, aus welchen die Fehlschlüsse hervorgehen und das Irreführende der Fragen deutlich aufgezeigt habe. Es ist aber nicht dasselbe, eine Begründung vorzunehmen und da ihre Fehler zu erkennen und aufzulösen, wie als Antwortender dem Fragenden schnell entgegenzutreten. Denn oft erkennt man selbst das nicht, was man weiss, wenn dasselbe umgestellt worden ist. Auch hier, wie in andern Dingen, hängt die Schnelligkeit und Langsamkeit der Entgegnung von der Uebung ab. Weiss man also etwas, aber giebt man nicht Acht, so kommt man oft zu spät und versäumt die rechte Zeit. Auch begegnet einem bei diesen Erörterungen mitunter dasselbe wie bei den mathematischen Figuren; auch hier kann man oft den Beweis in seine Theile zerlegen, aber diese nicht wieder zusammensetzen. Ebenso weiss man bei den sophistischen Widerlegungen oft, wohinaus die Begründung führen wird, und doch vermag man nicht, dieselbe zu wider legen.
[36] Sowie man einen nur glaubwürdigen Schluss manchmal einem wahren vorziehen muss, so muss man als erste Vorschrift, auch mitunter bei Auflösung der sophistischen Widerlegungen, mehr das Glaubwürdige als das Wahre benutzen. Ueberhaupt hat man Streitsüchtige nicht als solche, welche wahrhaft widerlegen, zu bekämpfen, sondern als solche, welche nur den Schein dessen erstreben, da man ja nicht anerkennt, dass sie wirkliche Schlüsse bilden,[36] und es daher genügt, den blossen Schein derselben aufzudecken. Wenn also die wahre Widerlegung in dem unzweideutigen Beweis des Entgegengesetzten aus bestimmten Vordersätzen bestellt, so braucht der Gegner bei Bekämpfung eines sophistischen Schlusses nicht über die Zweideutigkeit und Gleichnamigkeit im Allgemeinen zu sprechen, da er selbst keinen Schluss aufstellt; sondern er hat nur den verschiedenen Sinn der Sätze darzulegen, damit der gezogene Schluss sich als eine blos scheinbare Widerlegung ergebe. Man hat sich deshalb hier nicht vor der wirklichen Widerlegung, sondern vor der blos scheinbaren in Acht zu nehmen, da Fragen mit zweideutigen Worten und mehrfachem Sinne, sowie andere dergleichen verfängliche Mittel sowohl die wahre Widerlegung verdunkeln, wie nicht erkennen lassen, ob der Antwortende widerlegt ist, oder nicht; denn zuletzt ist es dann dem Widerlegten immer noch erlaubt, zu sagen, dass dasjenige nicht widerlegt worden sei, was er behauptet habe, da das betreffende Wort Verschiedenes bezeichne. Wenn er daher auch noch so sehr dasselbe wie der Gegner gemeint hat, so bleibt es doch ungewiss, ob er widerlegt worden, da man nicht wissen kann, ob er jetzt es ernstlich meint. Wären dagegen bei einer Frage die verschiedenen Bedeutungen vorher auseinandergelegt worden, so wäre die sophistische Widerlegung leicht erkannt worden. Das was früher die auf den Streit Ausgehenden mehr, als jetzt, verlangten, nämlich dass der Gegner blos mit Ja oder Nein das Gefragte beantworten solle, würde dann auch jetzt geschehen können. Da aber jetzt nicht mehr richtig gefragt wird, müssen die Befragten einen Theil der Frage in ihre Antwort mit aufnehmen, um den Mangel der Frage zu beseitigen; wird jedoch gehörig bei der Frage unterschieden, so muss allerdings der Antwortende darauf mit Ja oder Nein antworten. Wenn man annähme, dass die auf eine Zweideutigkeit sich stützende Widerlegung eine wahre Widerlegung sei, so könnte der Antwortende kaum der Widerlegung entgehen; denn bei sichtbaren Gegenständen muss er bald das Wort, was er gebraucht hat, verneinen, bald das, was er verneint hat, gebrauchen. Auch nützt das Mittel, womit Manche sich hier helfen wollen, nichts. Sie sagen nämlich nicht, Koriskos ist gebildet und ungebildet, sondern dieser Koriskos[37] ist gebildet und dieser Koriskos ungebildet. Allein die Rede bleibt dieselbe, ob ich »Koriskos«, oder »diesen Koriskos« gebildet oder ungebildet nenne, denn es bleibt immer bei der, beide zugleich treffenden Verneinung oder Bejahung. Indess bezeichnet der letztere Ausdruck doch wohl nicht dasselbe, und wohl auch der blosse Name vorher nicht; es ist also allerdings ein Unterschied vorhanden. Wollte man aber sich so helfen, dass man bei dem ersten einfach Koriskos sagte und bei dem andern das »ein« oder »dieser« hinzusetzte, so wäre dies verkehrt; denn diese Bezeichnung kommt auch dem ersten zu, und es kommt kein Unterschied heraus, mag man das »dieser« dem einen oder dem andern zusetzen.
Da indess, wenn der Antwortende die Zweideutigkeit nicht aufdeckt, es ungewiss bleibt, ob er widerlegt worden ist, oder nicht, so ist, da in den Disputationen diese Aufdeckung erlaubt ist, klar, dass es ein Fehler ist, wenn er diese Aufdeckung nicht vornimmt, sondern die Frage einfach zugiebt, und es gleicht dann seine Rede einer widerlegten, wenn auch nicht er selbst widerlegt worden ist. Indess kommt es oft vor, dass der Antwortende zwar die Zweideutigkeit bemerkt, aber zaudert, sie aufzudecken, wegen der Mienen derer, welche mit dergleichen Zweideutigkeiten sich wappnen, und weil er den Schein vermeiden will, als sei er über alles unzufrieden; auch glaubt er wohl nicht, dass daraus die Widerlegung entnommen werden dürfte, und so begegnet es ihm, dass etwas Unglaubwürdiges gegen ihn bewiesen wird. Ist also die Aufdeckung der Zweideutigkeit gestattet, so darf er, wie ich vorher gesagt habe, damit nicht zögern.
Wenn der Fragende aus zwei Fragen nicht eine machte, so würde auch der auf die Zweideutigkeit gestützte Fehlschluss nicht gelingen, sondern es würde sich entweder eine wahre Widerlegung oder gar keine ergeben. Denn was ist da für ein Unterschied zwischen dem Fall, wo gefragt wird, ob Kallias und Themistokles gebildet seien, und dem Fall, dass Beide denselben Namen führen, aber doch verschiedene Personen sind? Denn wenn der Name mehr als Eines bezeichnet, so ist auch mehr als Eines gefragt worden. Wenn es also unrichtig ist, auf zwei Fragen eine Antwort mit einfachem Sinn zu verlangen, so erhellt, dass Niemand auf eine zweideutige[38] Frage einfach zu antworten braucht, selbst wenn auch die Antwort für alle Bedeutungen derselben richtig wäre, für welchen Fall es Manche verlangen. Denn dies ist ebenso, als wenn man früge: Sind Koriskos und Kallias zu Hause, oder nicht zu Hause? mögen nun beide zu Hause sein oder nicht beide; denn in beiden Fällen sind es mehrere Sätze, und wenn man auch beide Fragen mit einer Antwort richtig beantworten kann, so wird dadurch die Frage doch nicht zu einer. Es ist ja möglich, dass man selbst zehntausend gestellte verschiedene Fragen mit einem Ja oder Nein richtig beantworten kann; allein deshalb darf man sie doch nicht mit einer Antwort beantworten, da das Zwiegespräch dadurch aufgehoben wird. Es ist dies ebenso, als wenn man verschiedenen Dingen denselben Namen gäbe. Darf man also auf mehrere Fragen nicht mit einer Antwort antworten, so erhellt, dass man auch zweideutige Fragen nicht mit Ja oder Nein beantworten darf; denn wenn dies geschieht, hat der Betreffende nicht geantwortet, sondern nur gesprochen. Trotzdem wird bei dem Disputiren dies verlangt, weil von dem Gefragten nicht immer bemerkt wird, was daraus gefolgert werden kann.
So wie nun nach dem Bisherigen manche Widerlegungen keine sind, aber den Schein solcher haben, so giebt es auf dieselbe Weise auch Auflösungen derselben, welche zwar solche zu sein scheinen, aber keine sind, und ich habe bereits gesagt, dass man diese scheinbaren Lösungen mitunter als die wirklichen bei dem streitsüchtigen Disputiren und bei Aufdeckung der Zweideutigkeiten benutzen solle. Auf Fragen, die etwas Wahrscheinliches betreffen, hat man mit den Worten: Es mag so sein, zu antworten; dann wird man sich am wenigsten einer sophistischen Widerlegung aussetzen; muss man aber etwas Unglaubwürdiges sagen, so muss man da besonders hinzufügen, dass es so scheine, denn dann wird weder eine sophistische Widerlegung erfolgen, noch etwas Unglaubwürdiges nachgewiesen werden können. Da bekannt ist, wie das erst zu Beweisende in den Vordersätzen als schon bewiesen aufgenommen zu werden pflegt, und Alle glauben, dass, wenn die Widerlegung nahe bevorsteht, man Einzelnes umstossen und nicht einräumen müsse, weil es erst zu beweisen sei und nicht als schon[39] bewiesen behandelt werden dürfe, so muss man, wenn der Fragende etwas behauptet, was zwar eine nothwendige Folge des Streitsatzes, aber falsch oder unglaubwürdig ist, von demselben Mittel Gebrauch machen; denn das, was nothwendig aus dem Streitsatze sich ergiebt, gehört ja auch zu dem Streitsatz selbst. Wenn ferner der Fragende das Allgemeine nicht mit einem bestimmten Namen, sondern vergleichsweise bezeichnet, so muss man geltend machen, dass er das Allgemeine nicht in dem Sinne nehme, wie es zugestanden und wie es von ihm zunächst aufgestellt worden sei; denn auch auf solche Weise wird oft eine sophistische Widerlegung herbeigeführt. Wenn aber alle diese Mittel nicht anwendbar sind, so muss man zu der Behauptung schreiten, dass der Beweis nicht richtig geführt sei, indem man dem Gegner unter Benutzung der früher von der Widerlegung angegebenen Definition entgegentritt.
Bei den im eigentlichen Sinne gebrauchten Worten muss man entweder einfach, oder mit Unterscheidung der einzelnen Fälle antworten; bei dem aber, was man noch in einem anderen Sinne verstehen kann, also wo nicht deutlich, sondern unvollständig gefragt worden, da kann eine Widerlegung zu Stande kommen; so kann z.B. bei der Frage: Ist das, was zu Athen gehört, Eigenthum von Athen? eine solche Widerlegung geschehen, wenn der Gefragte darauf mit Ja antwortet. Aehnlich stellt man Fragen, z.B. die andere Frage: Ob der Mensch zu den Geschöpfen gehört? Antwort: Ja; also schliesst der Fragende, ist der Mensch das Eigenthum der Geschöpfe. – Denn vom Menschen sagt man, er gehört zu den Geschöpfen, weil er ein Geschöpf ist und von dem Lysander sagt man, er gehört zu den Lacedämoniern, weil er ein solcher ist. Es ist also klar, dass man unklar gestellte Fragen nicht einfach zugestehen darf.
Wenn von zwei Bestimmungen, sofern die eine besteht, nothwendig auch die andere bestehen muss, umgekehrt aber aus dem Bestehen der letzteren nicht das der ersteren nothwendig folgt, so hat man in solchen Fällen eher das Geringere zuzugeben, da dem Fragen den es schwer fällt, aus mehreren Sätzen seinen Beweis zu führen. Wenn aber der Fragende einwendet, dass für[40] die eine Bestimmung ein Gegentheil bestehe, aber nicht für die andere, so muss der Antwortende, wenn dies richtig ist, behaupten, dass auch für letztere ein Gegentheil bestehe, nur fehle der Name dafür.
Es giebt Manches, wo die Menge, wenn der Antwortende es nicht zugesteht, sagen dürfte, dass er unwahr spreche; bei Anderem ist dies aber nicht der Fall, wie da, wo die Meinungen getheilt sind (so gilt es für die Menge nicht als ausgemacht, ob die Seelen der Thiere vergehen oder unsterblich sind). Wo es nun ungewiss ist, wie die alternative Frage von der Menge entschieden zu werden pflegt, da muss man eher so, wie die Sinnsprüche es thun antworten; denn Sinnsprüche nennt man sowohl die richtigen Aussprüche, wie die allgemeinen Verneinungen, z.B. dass für die Diagonale und die Seiten eines Quadrats kein gemeinsames Mass bestehe. Auch kann der Antwortende da, wo über eine Frage verschiedene Ansichten bestehen, der Widerlegung am leichtesten entgehen, wenn er in den Worten des Streitsatzes wechselt. Hier wird man sein Verfahren nicht für sophistisch halten, weil es unklar ist, auf welcher Seite die Wahrheit ist, und bei der Verschiedenheit der Ansichten wird er nicht als einer gelten, der Falsches behauptet, während der Wechsel in den Worten seinen Ausspruch unwiderlegbar machen wird.
Ferner muss der Antwortende in Bezug auf die Fragen, welche er voraussieht, im voraus Einwürfe machen und sie im voraus aufstellen; denn auf diese Weise wird er dem Fragenden am besten entgegentreten.
[41] Die wahre Auflösung besteht in der Aufdeckung des falschen Schlusses und in der Bezeichnung derjenigen Frage, vermittelst welcher das Falsche gefolgert worden ist. Der falsche Schluss ist aber ein doppelter (entweder ist es ein logisch richtiger, aber materiell falscher Schluss, oder der Schluss ist nur scheinbar ein Schluss, aber nicht wirklich). Eine wahre Auflösung befasst daher bei den blos scheinbaren Schlüssen auch die Aufzeigung der Frage, durch welche der Schein eines Schlusses vom Gegner erreicht[41] worden ist. Die Aufdeckung der logisch richtigen Schlüsse erfolgt somit durch Widerlegung, und die der nur scheinbaren Schlüsse durch Trennung und Theilung. Da nun die logisch richtigen Schlüsse entweder einen materiell richtigen, oder materiell falschen Schlusssatz haben, so lassen sich die letzteren in zwiefacher Weise auflösen; entweder kann man Etwas von dem Gefragten widerlegen, oder man kann zeigen, dass der Schlusssatz nicht wahr ist. Wenn der Fehler in den Vordersätzen liegt, so muss man das Falsche in diesen widerlegen, denn der Schlusssatz ist da richtig gezogen. Wer also die sophistischen Begründungen auflösen will, der muss zunächst prüfen, ob logisch richtig geschlossen ist, oder nicht; demnächst, ob der Schlusssatz materiell wahr ist, oder falsch. Man muss also durch Zertheilung oder durch Widerlegung die Auflösung vollführen, und zwar die Widerlegung entweder auf eine oder die andere der beiden vorhin angegebenen Weisen. Es ist aber ein grosser Unterschied, ob man beim Disputiren eine Begründung auflösen soll, oder ob dies ausserhalb des Disputirens geschehen soll; denn das Voraussehen des Kommenden ist schwer, dagegen in Musse das Geschehene zu übersehen, ist leichter.
[42] Bei denjenigen sophistischen Widerlegungen, welche sich auf die Gleichnamigkeit oder auf Zweideutigkeiten stützen, enthalten entweder die Fragen Worte mit mehreren Bedeutungen, oder der Schlusssatz ist zweideutig. So ist bei dem Satze, dass der Schweigende spreche, der Schlusssatz doppelsinnig, aber bei dem Satze, dass der Wissende nicht wisse, ist eine der Fragen zweideutig. Das, was durch das Doppelsinnige bezeichnet wird, ist bald wirklich vorhanden, bald nicht; denn das Zweideutige bezeichnet bald ein Seiendes, bald ein Nicht-Seiendes.
Wenn die Zweideutigkeit in dem Schlusssatze liegt, so ergiebt sich für den Sophisten keine Widerlegung, wenn er nicht die Zustimmung des Antwortenden für den Gegenstand erlangt, wie in dem Beispiele: Blinde sehen; denn ohne den Gegensatz wäre hier keine Widerlegung vorhanden. Wo dagegen die Zweideutigkeit in den[42] Fragen liegt, da braucht der Antwortende nicht im voraus das Zweideutige zu verneinen, weil die Begründung hier nicht auf diese Zweideutigkeit geht, sondern vermittelst ihrer erfolgt.
Bemerkt man gleich im Anfange das Zweideutige der Worte oder der Rede, so muss man antworten, dass das Gefragte in gewissem Sinne wahr sei, in einem anderen Sinne aber nicht; z.B. auf die Frage, ob der Schweigende rede, dass es in gewissem Sinne der Fall sei, in einem anderen Sinne aber nicht; ebenso ist auf die Frage, ob man das Schuldige thun solle, zu antworten, dass man Manches davon thun solle, Manches aber nicht thun solle, da das Schuldige zweideutig sei. Bemerkt man aber die Zweideutigkeit nicht sogleich im Anfange, so muss man am Schlusse die Frage zurecht stellen; so hat man z.B. auf die Frage, ob der Schweigende spreche, zu antworten: »Nein, aber dieser Schweigende spricht«. Auch da, wo bei der Begründung die Zweideutigkeit in den Vordersätzen liegt, ist so zu verfahren. So ist auf die Frage: Weiss einer auch das, was er weiss? zu antworten: Ja, aber nicht derjenige, welcher es nur so und so weiss. Denn es ist nicht dasselbe, ob man überhaupt es nicht weiss oder ob die in einer bestimmten Art Wissenden es nicht wissen. Ueberhaupt muss man den Fragenden, auch wenn sein Schluss allgemein lautet, so bekämpfen, dass das, was er gesagt hat, nicht die Sache, sondern nur den Namen derselben betreffe, und daher auch keine Widerlegung geschehen sei.
[43] Es ist auch klar, wie man die sophistischen Widerlegungen, welche sich auf die Trennung und Verbindung der Worte stützen, aufzulösen hat. Bezeichnet nämlich der Satz, je nachdem man seine Worte trennt oder verbindet, Verschiedenes, so muss der Antwortende das Gegentheil vom Schlusssatz behaupten. Alle solche Begründungen stützen sich auf die Verbindung oder Trennung der Worte; z.B. bei der Frage: Womit du sahst, dass dieser Mensch geschlagen wurde, wurde damit derselbe geschlagen? Ferner: Womit er geschlagen wurde,[43] hast du damit ihn gesehen? Solche Fragen haben auch etwas von zweideutigen Fragen an sich, aber trotzdem gehören sie zu den auf der Verbindung der Worte beruhenden Fragen; denn das, was sich auf die Trennung der Worte stützt, kann nicht als zweideutig gelten, weil es nicht mehr dieselbe Rede bleibt, wenn sie getrennt wird; da ja nicht einmal dasselbe Wort, oros und horos wegen der verschiedenen Aussprache dasselbe bedeutet. Geschrieben ist es zwar dasselbe Wort, da es mit denselben Buchstaben in beiden Fällen und gleich geschrieben wird, obschon man auch da noch ein besonderes Zeichen hinzufügt; aber gesprochen sind beide nicht ein und dasselbe Wort, und deshalb beruht auch der, auf die Trennung der Worte sich stützende Schluss auf keinem Doppelsinn. Hieraus erhellt, dass nicht alle sophistischen Widerlegungen auf einem Doppelsinn der gebrauchten Worte beruhen, wie von Manchen behauptet wird.
Der Antwortende muss also die Worte der Frage trennen, denn: Mit den Augen sehen, dass jemand geschlagen wird, ist nicht dasselbe, als wenn man sagt, man sehe, dass jemand mit den Augen geschlagen werde. Der Art ist auch die Frage des Euthydemos: Kennst du, während du in Sizilien bist, jetzt im Piraeos liegende Schiffe. Ferner: Kann man als ein Guter ein Schlechter sein. Es kann aber ein Guter ein schlechter Schuster sein; also wird ein guter Schuster ein schlechter Schuster sein. Ferner ist es gut, das zu lernen, was zu wissen gut ist? Nun ist das Lernen des Bösen ein Gutes, also ist das Böse ein Gutes-Lernen. Allein es giebt ein Böses und auch ein Lernen des Bösen, also ist das Lernen des Bösen etwas Böses, aber es ist gut, dass man das Böse kennen lerne. Ferner: Ist es jetzt wahr, dass Du geboren bist? Antwort: Ja; also bist Du jetzt geboren. Allein, wenn man die Worte der Frage sondert, so bedeutet sie etwas Anderes; denn man kann in Wahrheit jetzt sagen, dass Du geboren bist, aber nicht, dass Du jetzt geboren bist. – Ferner die Frage: Wirst Du das auch so thun, wie Du es kannst und was Du kannst? Antwort: Ja. Nun spielst Du die Zither jetzt nicht, obgleich Du sie spielen kannst, also spielst Du die Zither, wenn Du sie nicht spielst. Allein man kann die Zither nicht in der Zeit spielen, wo man sie nicht spielt,[44] aber wenn man sie nicht spielt, hat man doch das Vermögen, es zu thun.
Manche lösen diesen Fall auch in anderer Weise. Denn wenn der Antwortende zugegeben habe, dass er die Zither spielen könne, so folge nach ihrer Meinung nicht dass er sie, auch wenn er sie nicht spielt, spiele; denn, er habe nicht ganz so zugegeben, dass er es thue, wie er es thun könne; es sei vielmehr nicht das selbe, ob man sage, dass man es könne und dass man durchaus es thue, wie man es könne. Indess ist dies keine gute Lösung; denn für Schlüsse, die sich auf dieselben Gründe stützen, muss auch die Lösung dieselbe sein, während diese letztere Lösung auf alle Gefragten und nicht auf alle Fragestellungen passt; denn sie richtet sich gegen den Fragenden und nicht gegen seine Begründung.
[45] Sophistische Widerlegungen, welche sich auf die Betonung stützen, giebt es weder geschriebene, noch gesprochene, mit Ausnahme einiger wenigen Fälle, wie z.B. bei folgender Rede: Ist das, was Du zerstörst, nicht ein Haus? Antwort: Ja. Ist nun das Nicht-zerstören die Verneinung des Zerstörens? Antwort: Ja. Nun hast Du aber gesagt, dass das, was Du zerstörst, ein Haus sei, also ist das Haus eine Verneinung. Hier ist klar, wie diese Begründung zu lösen ist, indem die schärfere und die schwächere Aussprache eines Wortes nicht dasselbe bedeutet.
[45] Es ist auch klar, wie man den sophistischen Widerlegungen, welche sich darauf stützen, dass Verschiedenes in der Sprache gleich behandelt wird, entgegenzutreten hat; dazu hat man nämlich die verschiedenen Gattungen der Kategorieen zu benutzen. Hier hat z.B. der Eine auf Befragen zugegeben, dass von dem, was ein selbstständiges Ding bezeichnet, keines von einem anderen Dinge ausgesagt werde; der Andere hat aber gezeigt, dass[45] etwas von den Beziehungen, oder von den Grossen auch von anderen Dingen ausgesagt werde und dabei nach der Ausdrucksweise etwas Selbstständiges bezeichne, wie dies z.B. in folgender Begründung der Fall ist: Ist es wohl möglich, dass man dasselbe zugleich thut und gethan hat? Antwort: Nein. Aber es ist doch möglich, dass man dasselbe und in Bezug auf dasselbe zugleich sieht und gesehen hat. Ferner: Ist einer von den leidenden Zuständen auch ein thuender Zustand? Antwort: Nein. Nun werden aber die Ausdrücke: Es wird zerschnitten, es wird verbrannt, es wird wahrgenommen in gleicher Weise gesprochen und bezeichnen alle ein Leiden. Ferner werden die Worte: Sprechen, Laufen, Sehen in gleicher Weise eines wie das andere gesprochen; nun ist aber das Sehen ein Wahrnehmen, und somit ist ein und dasselbe zugleich ein Leiden und ein Thun. – Wenn nun auch hier jemand zugiebt, dass es unmöglich sei, dass ein und dasselbe zugleich thue und gethan habe aber für das Sehen und Gesehen-haben dies als möglich zugiebt, so ist er deshalb doch noch nicht widerlegt, sofern er nur das Sehen nicht als ein Handeln, sondern nur als ein Leiden anerkennt. Denn eine hierauf gerichtete Frage ist zur Widerlegung noch nöthig. Indess wird von dem Gegner angenommen, dass der Gefragte dies zugestanden habe, weil er eingeräumt hat, dass das Schneiden ein Thun und das Geschnitten-haben ein Gethan-haben sei und dass Gleiches bei Allem gelte, was ebenso sprachlich behandelt werde; denn der Zuhörende setzt dann das Uebrige selbst hinzu, als wenn es sprachlich ebenso gemeint sei. Allein Manches wird nicht sprachlich gleich gemeint, sondern scheint nur so, wegen der Ausdrucksweise. Es ergiebt sich hier dasselbe, wie bei den zweideutigen Worten, da bei solchen der Antwortende, welcher die Zweideutigkeit nicht kennt, meint, die Sache und nicht das Wort verneint zu haben. Deshalb gehört hier zur Widerlegung noch die Frage, ob der Antwortende das zweideutige Wort in ein und demselben Sinne meine; nur wenn er dies zugiebt, kommt die Widerlegung zu Stande.
Diesen ähnlich sind folgende Redensarten: Ob derjenige das, was er hatte und nachher nicht mehr hat, verloren habe? Denn der, welcher nur einen Würfel[46] verliert, wird nicht mehr zehn Würfel haben. Allein ein Ding, was man nicht mehr hat, aber früher hatte, dieses hat man allerdings verloren; hat man aber nicht mehr so viel oder so viele, wie früher, so ist es nicht nothwendig, dass man ebenso viel verloren habe. Der, welcher nach dem fragt, was man hat, bezieht dies auf die Anzahl; denn die Zehn gehört zu den Grössen. Wenn also gleich im Anfange der Fragende gefragt hätte, ob, im Fall Jemand nicht mehr so Vieles habe, wie früher, er so Vieles verloren habe, so würde dies Niemand zugegeben haben, sondern nur, dass er entweder ebenso Vieles oder etwas davon verloren habe. – Ebenso ist es mit der Behauptung, dass Jemand das gebe, was er nicht habe; denn er habe nicht blos einen Würfel. Allein er hat nicht ein Ding gegeben, was er nicht hatte, sondern wie er es nicht hatte, nämlich den einen Würfel; denn das »blos« bezeichnet weder ein selbstständiges Ding, noch eine Beschaffenheit, noch eine Grösse, sondern ein Verhältniss zu Anderem, z.B. dass es nicht mit Anderem gemeinsam geschehen sei. Es ist ebenso, als wenn Jemand früge: Kann man das geben, was man nicht hat? und wenn dies nicht eingeräumt wird, er früge: Ob man das schnell geben könne, was man nicht schnell habe und er bei dessen Bejahung nun folgerte, dass man das gäbe, was man nicht habe. Dies ist offenbar kein Schluss, denn das »schnell« bezeichnet nicht das Geben einer Sache, sondern nur die Art des Gebens; und deshalb kann man allerdings etwas in einer Art geben, wie man es nicht hat, z.B. wenn man es gern hat und ungern weggiebt.
Dem ähnlich sind auch solche Schlüsse, wie die folgenden: Kann man wohl mit einer Hand schlagen, wenn man sie nicht hat? Oder: Kann man wohl mit einem Auge sehen, wenn man es nicht hat? Antwort: Allerdings, denn man hat nicht blos eine Hand und nicht blos ein Auge. Manche lösen diesen Fall so, dass sie sagen, auch der habe ein Auge oder sonst Eines, welcher deren mehrere habe. Manche lösen den Satz, dass einer, was er hat, bekommen habe, in der Weise, dass er es so habe, wie er es bekommen; denn jener habe blos ein Steinchen gegeben und dieser habe blos ein Steinchen von jenem bekommen. Andere wollen jedoch die Frage damit beseitigen, dass sie sagen, es sei sehr[47] wohl möglich, dass man das habe, was man nicht bekommen habe; so habe man süssen Wein bekommen, habe aber, da er währenddem verdorben sei, saueren. Indess gehen diese Lösungen, wie ich schon früher bemerkt habe, sämmtlich nicht gegen die Rede, sondern gegen die Person. Denn wenn dies eine wahre Lösung wäre, so könnte der, welcher denjenigen Satz zugiebt, dessen Unwahrheit die richtige Lösung darthut, den sophistischen Schluss nicht auflösen, und dies gilt auch für die anderen Fälle. Wenn z.B. die wahre Auflösung darin besteht, dass man das Gefragte nur theilweise zugiebt und theilweise nicht, so gelangt, wenn man die Frage unbeschränkt zugiebt, der Fragende in solchem Falle zu einem richtigen Schlusssatz, und es gelingt die von ihm unternommene Widerlegung. Wenn also selbst mit Beibehaltung dessen, worin nach der Auflösung des Antwortenden der Fehler liegen solle, kein widerlegender Schlusssatz sich ergiebt, so ist dann auch diese Auflösung eine falsche. Nun können in allen den vorerwähnten Beispielen alle Vordersätze zugegeben werden, und dennoch kann man nicht sagen, dass der Schluss sich daraus ergebe.
Auch folgende Fälle sind dieser Art: Was geschrieben ist, das hat Jemand geschrieben; nun steht jetzt geschrieben, dass Du sitzest; dies ist falsch; aber es war richtig, als es geschrieben wurde; also hat man etwas Falsches und zugleich Wahres geschrieben. Indess bezeichnet das »falsch« oder »wahr«, was eine Rede oder Meinung sein soll, keinen selbstständigen Gegenstand, sondern nur eine Beschaffenheit; derselbe Grund gilt auch für die Meinung. Ferner: Ist das, was der Lernende lernt, dasjenige, was er lernt? Antwort: Ja; aber er lernt doch das Langsame schnell. Also hat die Frage nicht den Gegenstand des Lernens, sondern die Art des Lernens gemein. Ferner: Betritt man das, was man durchgeht? Antwort: Ja. Er geht aber den ganzen Tag durch, also betritt er den Tag. – Hier ist aber nicht der Gegenstand, sondern die Zeit des Gehens in der Frage gemeint; wie man ja auch bei dem: Einen Becher trinken, nicht meint, dass man den Gegenstand trinke, sondern nur aus demselben. Ferner: Weiss Einer das, was er weiss, entweder durch Belehrung oder durch eigene Auffindung? Antwort: Ja. Aber was dann einer theils gelernt, theils selbst aufgefunden hat, das ist[48] keines von Beiden. – Allein hier wird einmal alles zusammen, und dann wieder jedes einzeln gemeint. Ferner, dass es noch einen dritten Menschen gebe, neben dem Menschen an sich und neben dem einzelnen Menschen. – Allein der Mensch und alles Gemeinsame bezeichnet nicht ein bestimmtes Dieses, sondern etwas Beschaffenes, oder Bezogenes, oder ein nur Seiendes, oder sonst etwas dergleichen. Es ist ebenso, wie mit dem Koriskos und dem gebildeten Koriskos bei der Frage, ob sie dieselben oder verschieden sind; das eine bezeichnet einen diesen, das andere einen so beschaffenen; man kann also letzteren nicht für sich als selbstständig heraussetzen. Indess macht nicht das Heraussetzen schon den dritten Menschen, sondern nur das Einräumen, dass er so einer, wie dieser einzelne Mensch sei; denn das: »Kallias-Sein« und das: »Mensch-Sein«, bezeichnet nicht das: »dieser einzelne Sein«. Auch macht es keinen Unterschied, wenn jemand sagt, das Herausgesetzte werde nicht als ein dieses, sondern als ein Beschaffenes gemeint, denn das »neben den Vielen« wird Eines sein, wie z.B. der Mensch. Es ist also klar, dass man nicht zugeben darf, dass das als ein Gemeinsames von allen Ausgesagte ein Dieses sei, sondern es sei ein Beschaffenes, oder ein Bezogenes, oder ein Grosses, oder sonst etwas der Art.
[49] Ueberhaupt stützt sich bei den sophistischen Widerlegungen, welche die Ausdrucksweise benutzen, die Auflösung auf den Gegensatz dessen, worauf die Widerlegung sich gründet. Stützt sich also diese auf eine besondere Verbindung der Worte, so geht die Auflösung auf Trennung dieser Worte, und stützt sich jene auf deren Trennung, so diese auf deren Verbindung. Beruht ferner die Widerlegung auf einer scharfen Betonung, so liegt die Auflösung in der schwachen Betonung und umgekehrt. Beruht die Widerlegung auf der Gleichnamigkeit, so liegt die Lösung in der Angabe des entgegengesetzten Wortsinnes ; folgert z.B. der Fragende, dass also ein Lebendiges spreche, so muss man dies bestreiten, indem man klar legt, in welcher Weise hier das Lebendige zu verstehen[49] ist. Hat der Fragende aber ein Lebloses aufgestellt und in seinem Schluss es als lebendig erwiesen, so muss man darlegen, wie dieses Leblose zu verstehen sei. Aehnliches gilt für die Zweideutigkeiten. Stützt sich aber die Widerlegung auf die Gleichheit des sprachlichen Ausdrucks, so liegt die Auflösung in dem Entgegengesetzten. Auf die Frage, ob jemand wohl das, was er nicht hat, geben könne, muss man entgegnen, dass dies nicht für den Gegenstand, aber für die Art des Gebens statt haben könne, wie z.B. den einen Würfel. Wenn ferner die Frage lautet: Weiss man das, was man weiss, entweder durch Belehrung, oder durch Auffindung? so entgegne man, dass man nicht alles, was man weiss, entweder blos durch Auffindung oder blos durch Belehrung wisse; und auf die Frage, ob jemand das betritt, was er begeht, muss man entgegnen, dass der darauf gestützte Schluss die Zeit und nicht den betretenen Ort betreffe. Auch bei den übrigen Fällen dieser Art hat man so zu verfahren.
[50] Für die auf das Nebensächliche sich stützenden sophistischen Widerlegungen giebt es nur eine Art der Lösung für alle. Denn da es unbestimmt ist, ob das dem Nebensächlichen Zukommende auch von der Sache selbst ausgesagt werden könne und dies zwar in einzelnen Fällen statt hat und behauptet wird, bei anderen Fällen aber nicht, so muss man entgegnen, dass das dem Nebensächlichen Zukommende nicht nothwendig auch der Sache allemal zukomme; doch muss man Beispiele dafür zur Hand haben. Die hier folgenden Fälle stützen sich sämmtlich auf das Nebensächliche; nämlich: Weisst Du, was ich Dich fragen werde? Kennst Du den Vorübergehenden oder den Verhüllten? Ist die Bildsäule Dein Werk? Ist der Hund Dein, Vater? Ist das Wenigemal-Wenig wenig?
Es ist klar, dass in allen diesen Fällen das für das Nebensächliche Geltende nicht auch für den Gegenstand selbst gilt. Nur wenn das Nebensächliche und der Gegenstand selbst dem Wesen nach dasselbe und eine sind, so kommt alles, was jenem zukommt, auch diesem zu;[50]nun ist aber für das Gut sein dessen Gut sein und das Gefragtwerden nicht dasselbe. Ferner ist es für den Herankommenden oder für den Verhüllten nicht ein und dasselbe, ein Herankommender und ein Koriskos zu sein. Wenn ich daher auch den Koriskos kenne und den Herankommenden nicht kenne, so wird doch derselbe Gegenstand nicht von mir zugleich gekannt und nicht gekannt. Ebenso ist, wenn diese Sache mein ist und die Sache ein Werk ist, deshalb die Sache noch nicht mein Werk, sondern mein Besitzthum, oder meine Sache, oder sie ist sonst wie mein. Ebendies gilt auch für die anderen Fälle.
Manche lösen diese Fälle dadurch, dass sie die Frage aufheben. Sie behaupten nämlich, dass man denselben Gegenstand sowohl wissen oder kennen, wie nicht wissen oder nicht kennen kann. Wenn man also den Herankommenden nicht kenne, aber den Koriskos kenne, so behaupten sie, dass man denselben Gegenstand sowohl kenne, wie nicht kenne, nur nicht in Beziehung auf ein und dieselbe Bestimmung. Indess muss, wie ich schon gesagt habe, für alle Begründungen, die sich auf dieses Mittel stützen, auch ein und dieselbe Art der Lösung statt finden; dies würde aber nicht der Fall sein, wenn derselbe Satz nicht für das Wissen oder Kennen, sondern für das Sein oder für ein sonstiges Verhalten aufgestellt wird; z.B. wenn gesagt wird: Wenn dieser Hund Vater ist, so ist er dein Vater. Wenn auch in manchen Fällen es wahr und möglich ist, dass man denselben Gegenstand kennt und nicht kennt, so ist doch hier diese Auflösung nicht anwendbar. – Auch kann ja eine Begründung an mehreren Fehlern leiden, und es ist dann die Offenlegung irgendwelches einzelnen Fehlers noch keine Lösung, da man sehr wohl darlegen kann, dass der Gegner Falsches geschlossen habe, ohne dass man doch gezeigt hat, durch was dies geschehen; wie z.B. bei des Zeno Beweis, dass es keine Bewegung gebe. Selbst wenn jemand hier versuchte, die Unmöglichkeit des von Zeno Behaupteten darzulegen, so wäre dies doch keine Lösung, selbst wenn er tausendmal dies bewiesen hätte, da dies keine Lösung ist. Diese hat nämlich die falsche Stelle des Schlusses offen zu legen, wodurch er falsch wird; ist also nicht logisch richtig vom Gegner geschlossen worden, gleichviel ob er einen wahren oder falschen Satz damit begründen[51] will, so liegt die Lösung doch allein in der Offenlegung des logisch mangelhaften Verfahrens. Wenn nun auch diese von Manchen behauptete Lösung mitunter zutreffen mag, so würde dies doch nicht einmal bei dem obigen Beispiel der Fall sein, denn der Betreffende weiss, dass Koriskos Koriskos ist und dass der Herankommende ein Herankommender ist. Indess ist es wohl möglich, dass man ein und denselben kennt und nicht kennt; z.B. dass man weiss, dass er von heller Farbe ist und nicht weiss, dass er gebildet ist; in dieser Weise kann man denselben Gegenstand zugleich kennen und nicht kennen, nur nicht in Beziehung auf dieselbe Bestimmung, da gegen kennt man den Herankommenden und den Koriskos, nämlich man weiss, das jener herankommt und dieser Koriskos ist.
Aehnlich ist der Fehler derer, welche den früher erwähnten Fall dahin lösen, dass jede Zahl auch wenig sei. Ist nämlich überhaupt nicht richtig geschlossen worden, so fehlen sie darin, dass sie dies bei Seite lassen und den Schlusssatz für einen wahren erklären, da Alles ebensowohl viel, wie wenig sei.
Andere wollen solche Beweise, wie z.B., dass der Vater, oder der Sohn, oder der Sklave deiner sei, damit widerlegen, dass sie einen Doppelsinn in denselben behaupten. Allein offenbar muss bei einer Widerlegung, welche sich auf die Mehrdeutigkeit stützt, das Wort, oder die Rede im eigentlichen Sinne mehrdeutig sein; wenn aber jemand sagt, dieser sei das Kind von jenem, so gebraucht er diese Worte, wenn jener der Herr desselben ist, nicht im eigentlichen Sinne, es ist also hier keine Zweideutigkeit vorhanden, sondern der sophistische Schluss stützt sich auf die falsche Benutzung eines blos Nebensächlichen, oder auf eine falsche Verbindung der Worte; denn der Beweis lautet: Ist dieser da dein? Ja; es ist aber dieser ein Kind, also ist es dein Kind. Hier ist allerdings dieser Mensch nebensächlich der deine und auch ein Kind, aber nicht dein Kind.
Ebenso ist es bei dem Schluss, dass von den Uebeln eines ein Gut sei, weil die Klugheit eine Kenntniss der Uebel sei; denn dass dieses eines jener sei, ist nicht eine zweideutige Rede, sondern bezeichnet das Zugehören. Aber selbst wenn diese Ausdrucksweise zweideutig wäre (denn man sagt ja auch, dass von den Geschöpfen eines der[52] Mensch sei, ohne dass er deshalb denselben zugehören solle), so wäre, wenn etwas zu den Uebeln mit der obigen Ausdrucksweise gerechnet wird, dies auch nur vermittelst eines anderen Umstandes ein Uebel, aber nicht als solches ein Uebel. Der falsche Schluss liegt also in der Vertauschung des Beziehungsweisen und des Ansich. Indess kann allerdings der Satz, dass ein Gut eines von den Uebeln sei, wohl zweideutig sein, aber nicht bei jener Ausdrucksweise, sondern eher dann, wenn der Gegenstand der gute Sklave eines Schlechten wäre; indess wäre wohl auch hier keine Zweideutigkeit vorhanden; denn wenn etwas gut ist und diesem gehört, so ist es nicht ein von diesem ausgesagtes Gut. Ebenso wenig ist der Ausspruch zweideutig, dass der Geschöpfe eines der Mensch ist; denn es ist keine Zweideutigkeit, wenn man etwas unter Weglassung einzelner Worte andeutet, z.B. wenn man auch nur die Hälfte des Anfangs von der Iliade sagt, also, gieb mir: Singe O Göttin den Zorn, statt: gieb mir die Iliade.
[53] Diejenigen Beweise der Sophisten, welche sich darauf stützen, dass etwas eigentlich und an sich, oder in einer Beschränkung durch wohin, oder wie, oder wo, oder in einer Beziehung und nicht an sich gemeint wird, müssen dadurch aufgelöst werden, dass man untersucht, wie der widerlegende Schlusssatz sich zu einer wirklichen Verneinung der Thesis verhält, und ob er einen Mangel dieser Art enthält. Denn das Gegentheilige und das sich Widersprechende, ebenso die Bejahung und Verneinung können an sich ein und demselben Gegenstand nicht einwohnen; dagegen steht nichts entgegen, dass jedes von beiden in irgend einer Beschränkung oder blos beziehungsweise und in gewisser Beschaffenheit demselben Gegenstand einwohnt oder auch, dass das eine unbeschränkt und das andere in gewisser Weise ihm zukommt, so dass, wenn das eine überhaupt, das andere aber beschränkt gemeint ist, die Widerlegung nicht statt hat. Man muss also bei dem Schlusssatz der Widerlegung in Betracht nehmen, wie sich derselbe zu einer wirklichen Verneinung der Thesis verhält.[53]
Alle hierher gehörigen Widerlegungen verhalten sich aber so, z.B.: Kann das Nicht-Seiende sein? – Nein! – Aber es ist doch ein Nicht-Seiendes! – Eben so wird auch das Seiende nicht-sein, denn es wird nicht-sein etwas von dem Seienden. Ferner: Kann derselbe Mensch zugleich wahr schwören und falsch schwören? Und kann derselbe Mensch demselben anderen Menschen zugleich glauben und nicht-glauben? –
Allein das »Etwas sein« und das »Sein überhaupt« ist nicht dasselbe; das Nicht-Seiende aber ist nicht ein solches überhaupt, wenn es doch etwas ist. Ebenso wenig schwört der, welcher dieses oder in dieser Weise wahr schwört, überhaupt wahr, und wer geschworen hat, dass er falsch schwören werde, schwört wahr, wenn er nur dieses falsch beschwört, aber er schwört nicht an sich wahr. Ebenso glaubt der Ungläubige nicht überhaupt nicht, sondern er glaubt nur etwas nicht. Ebenso verhält es sich mit dem Ausspruch, dass derselbe Mensch zugleich lüge und die Wahrheit sage, weil man aber nicht leicht übersehen kann, ob man das »die Wahrheit-Sagen« oder das »Lügen« als das im Allgemeinen Gültige zugestehen soll, so scheint der Fall schwierig zu lösen. Indess kann ja Jemand sehr wohl an sich ein Lügner sein, und doch in einer gewissen Weise oder bei einem einzelnen Punkte die Wahrheit sagen; ebenso kann er bei einigen Dingen wahrhaft sein und doch nicht-wahrhaft überhaupt.
Ebenso verhält es sich mit den Aussprüchen, welche durch Beziehungen, oder durch: wo, oder: wenn beschränkt sind; sie stimmen alle in diesem Punkte überein. Z.B. ist die Gesundheit oder der Reichthum ein Gut? Wird dies bejaht, so entgegnet der Fragende, dass der Reichthum oder die Gesundheit für den Unverständigen und für den, welcher keinen rechten Gebrauch davon macht, kein Gut sei; also sei der Reichthum und die Gesundheit ein Gut und auch nicht ein Gut. Ferner: Ist das »Gesund sein« oder »die Macht im Staate Haben« gut? Aber manchmal ist es doch besser, sie nicht zu haben; sonach ist also ein und dasselbe demselben Menschen gut und auch nicht gut. – Allein es kann sehr wohl ein an sich Gutes für diesen Menschen nicht gut sein, oder es kann für ihn zwar gut sein, aber nicht jetzt, oder nicht an diesem Orte.[54] Ferner: Ist das, was der Kluge nicht mag, ein Uebel? Nun will er aber das Gute nicht verlieren, also ist das Gute ein Uebel. Allein es ist nicht dasselbe, ob ich sage: das Gute ist ein Uebel, oder der Verlust des Guten ist ein Uebel. Aehnlich verhält es sich mit dem Ausspruch über den Dieb; denn wenn der Dieb schlecht ist, ist nicht auch das Nehmen schlecht; er will also nicht das Schlechte, sondern das Gute, denn ein Gutes zu nehmen ist gut. Auch die Krankheit ist ein Uebel, aber nicht das Verlieren der Krankheit. Ferner: Ist nicht das Gerechte dem Ungerechten und das gerechter-Weise dem ungerechter-Weise vorzuziehen? Allein das ungerechter-Weise-Sterben ist doch vorzuziehen? Ferner: Ist es recht, dass jeder das Seine habe? Was aber der Richter nach seiner Meinung zuspricht, das ist nach dem Gesetz gültig, wenn seine Meinung auch falsch ist. Somit ist ein und dasselbe zugleich gerecht und ungerecht. Ferner: Wem soll man Recht geben, dem, der Gerechtes sagt, oder dem, der Ungerechtes sagt? Allein auch der, dem Unrecht geschehen ist, kann mit Recht sagen, was er Ungerechtes erlitten hat; dies war aber Ungerechtes. Indess ist deshalb, weil man eher ein Unrecht leiden soll, das Unrecht dem Recht nicht vorzuziehen, sondern man soll überhaupt recht handeln, was aber nicht ausschliesst, dass etwas mit Recht, oder mit Unrecht geschehen kann. Ebenso ist es recht, dass man das Seinige habe und unrecht das Fremde zu haben; deshalb kann aber der richterliche Ausspruch für letzteres dennoch gerecht sein, wenn der Richter dabei nach seiner Ueberzeugung entschieden hat; denn wenn etwas nur in dieser oder jener Weise gerecht ist, so ist es noch nicht unbedingt gerecht. Ebenso kann man sehr wohl mit Recht Ungerechtes sagen, denn wenn es recht ist, es zu sagen, so ist es deshalb nicht nothwendig, dass das Gesagte ein Gerechtes ist; ebenso wie es nützlich sein mag, etwas zu sagen, ohne dass dieses selbst ein Nützliches ist. Ebenso verhält es sich mit dem Gerechten, und deshalb siegt nicht der, welcher Unrechtes aussagt, wenn auch das von ihm Ausgesagte wirklich Unrechtes ist, denn er sagt nur das, was er mit Recht sagen darf, obgleich es an sich und wenn man es erleidet, ein Unrecht ist.
[55] Denjenigen Widerlegungen, welche gegen den Begriff der Widerlegung verstossen, muss man, wie ich früher angedeutet habe, in der Weise entgegentreten, dass man bei dem vom Gegner auf das Entgegengesetzte des Streitsatzes gezogenem Schlusse untersucht, ob er denselben Gegenstand betrifft, von welchem der Streitsatz handelt, und ob er rücksichtlich eben desselben und in Beziehung auf eben denselben lautet, und so fort, und ob er auch die gleiche Zeit betrifft. Wird gleich anfangs der Satz aufgestellt, es sei unmöglich, dass etwas das Doppelte und auch nicht das Doppelte sei, so muss man dies nicht zugeben, sondern es für möglich erklären, nur nicht in der Weise, dass daraus die Widerlegung abgeleitet werden kann. Alle diese Widerlegungen stützen sich auf solche Mittel, z.B.: Wer jegliches kennt, dass es jegliches ist, kennt der den Gegenstand? und gilt dies auch ebenso für den, der jegliches nicht kennt? Nun kennt man aber den Koriskos als den Koriskos; man weiss aber nicht, dass er gebildet ist; also kennt man ein und dasselbe und kennt es auch nicht. Ferner: Ist das Vierellige grösser, als das Dreiellige? Nun kann aber der Länge nach aus dem Dreielligen ein Vierelliges werden, und das Grosse ist grösser als das Kleine, folglich ist ein und dasselbe grösser und kleiner als es selbst.
[56] Wenn man bei den Widerlegungen, welche sich darauf stützen, dass der im Anfang aufgestellte Satz bei der Bildung des Schlusses als ein zugegebener behandelt wird, gefragt wird, so darf man, wenn man dies gleich anfänglich bemerkt, den Satz nicht zugeben, selbst wenn er glaubwürdig ist; man muss vielmehr die Wahrheit sagen und den Fehler des Schlusses angeben. Hat man aber diesen Fehler nicht gleich bemerkt, so muss man, vermittelst der Fehlerhaftigkeit solcher Beweise, die Unkenntniss von sich auf den Fragenden schieben und ihm vorhalten, dass er nicht richtig disputirt habe, weil die Widerlegung sich nicht auf die Benutzung des aufgestellten[56] Streitsatzes, als eines bereits zugestandenen, stützen dürfe; oder man kann auch sagen, dass man den Satz nicht zugegeben habe, damit davon bei dem Beweise Gebrauch gemacht werden könne, sondern nur als einen Satz, gegen den vom Gegner diese Widerlegung gerichtet werden würde, also nicht in dem Sinne, wie es bei sophistischen Widerlegungen geschieht.
[57] Bei den Widerlegungen, welche sich darauf stützen, dass das in dem Schlusssatz Ausgesagte sich als Folge mit ergebe, muss auf die Begründung selbst hingewiesen werden; denn diese falsche Behandlung des Ausgesagten kann in zweifacher Weise geschehen; einmal, wenn das, was von dem Theile gilt, auch von dem Ganzen behauptet wird, z.B. wenn das vom Menschen Geltende auch von dem Geschöpfe behauptet wird, und zweitens in Bezug auf die Gegensätze, wenn behauptet wird, dass, wenn Eines mit dieser Eigenschaft verbunden sei, das Entgegengesetzte dann mit der entgegengesetzten Eigenschaft verbunden sei. Darauf stützt sich auch jene Begründung des Melissos; da nämlich das Gewordene einen Anfang hat, so möchte er behaupten, dass das Nicht-Gewordene keinen Anfang habe; ist also der Himmel nicht geworden, so sei er grenzenlos. Allein dies ist kein Beweis, weil die Verbindung umgekehrt wird.
[57] Wenn die Widerlegung sich darauf stützt, dass zu dem Schlusse noch etwas hinzugenommen worden ist, so muss man prüfen, ob das Unmögliche, auch wenn der Zusatz weggenommen wird, sich dennoch ergebe. Ist dies der Fall, so muss man dies aufdecken und sagen, dass man den Zusatz nicht als seine eigene Meinung zugegeben habe, sondern nur, damit es der Gegner zu seinem Beweise benutzen könne, dieses sei aber von ihm nicht geschehen.
[57] Gegen die Widerlegungen, dass mehrere Fragen wie eine gestellt werden, muss man gleich im Beginn diesen Unterschied geltend machen. Die Frage ist nur dann eine, wenn auch eine Antwort auf sie gegeben werden kann; also darf man nicht mehrere Antworten auf eineFrage geben, auch mehrere Fragen nicht mit einer Antwort erledigen; vielmehr muss man eine Frage nur mit einer Antwort bejahen oder verneinen. Wie nun bei verschiedenen Dingen, die einen Namen haben, der Antwortende keine Widerlegung erleidet, wenn beiden oder keinem dieser Dinge die betreffende Eigenschaft zukommt und er einfach antwortet, obgleich die Frage keine einfache ist, so ist es auch hier der Fall. Ist nämlich das Mehrere bei dem einen Dinge vorhanden, oder die eine Eigenschaft bei mehreren Dingen, so trifft den Antwortenden keine Widerlegung, wenn er auch den Fehler begeht und nur einfach antwortet. Wenn aber die betreffende Eigenschaft nur dem einen Dinge anhaftet, dem anderen aber nicht, und wenn mehrere Eigenschaften mehreren Dingen zukommen, aber bald so, dass beides beiden zukommt, bald so, dass dies nicht statt hat, so muss man sich hier in Acht nehmen; z.B. in folgenden Fällen: Wenn das Eine gut und das Andere schlecht ist und man auf die Frage, ob beide gut oder schlecht sind, einfach antwortet: gut, oder einfach: schlecht, so kann der Gegner folgern, dass man in Wahrheit sagen könne, ein und dasselbe sei gut und schlecht, und dann wieder, es sei weder gut, noch schlecht; denn nicht jedes von beiden ist beides, so dass es sowohl gut und schlecht, wie weder gut noch schlecht wäre. – Wenn ferner man zugiebt, dass das Eine mit sich selbst dasselbe und von dem Anderen verschieden sei, so folgt, da die beiden nicht mit anderen, sondern mit sich selbst dieselben und auch von einander verschieden sind, dass dieselben Dinge zugleich mit sich dieselbig und verschieden sind. Ferner, wenn das Gute schlecht wird und das Schlechte zufällig gut ist, so werden es zwei; von zwei einander nicht-gleichen Dingen ist aber jedes sich selbst gleich; also sind sie einander gleich und auch nicht-gleich.[58]
Solche Widerlegungen fallen auch noch unter andere Auflösungen; denn das: Beide und das: Alles haben mehrfache Bedeutungen; es folgt also bei solchen Schlüssen nur, dass man nur denselben Namen, aber nicht denselben Gegenstand zugleich bejaht oder verneint, was keine Widerlegung ergiebt. Wird dagegen nicht blos eine Frage über Mehreres gestellt, sondern eine Frage über jedes Einzelne und diese bejaht oder verneint, so ergiebt sich nichts Unmögliches.
[59] Rücksichtlich derjenigen sophistischen Ausführungen, welche den Antwortenden dazu verleiten sollen, dass er dasselbe mehrmals sagt, erhellt, dass der Antwortende nicht zugeben darf, dass Begriffe, die zu den Beziehungen gehören, getrennt und für sich etwas bezeichnen, wie z.B. das Doppelte ohne die Hälfte des Doppelten, weil anscheinend das eine in dem anderen enthalten ist; denn die Zehn ist ja auch in der »Zehn weniger Eins« und das Thun in dem Nicht-Thun enthalten, und überhaupt die Bejahung in der Verneinung. Aber deshalb sagt jemand mit den Worten, dass dieses Ding nicht weiss sei, nicht, dass es weiss ist. – Auch das Doppelte bezeichnet wohl überhaupt nichts, so wenig wie das Halbe; und selbst wenn es etwas bezeichnete, so doch nicht dasselbe, als wenn es verbunden ausgesagt wird. Auch das Wort: Wissenschaft, als das Allgemeine, bedeutet nicht dasselbe, wie mit einer Art verbunden, z.B. wie in dem Wort: Arzneiwissenschaft; jenes ist vielmehr die Wissenschaft des Wissbaren. Bei den Bezeichnungen, durch welche die Dinge dem Anderen bekannt gemacht werden, muss man geltend machen, dass derselbe Ausdruck für sich und in der Begründung des Sophisten nicht dasselbe bezeichne. So bezeichnet das Hohle, als ein Gemeinsames, sowohl bei der Nase, wie bei den Beinen dasselbe; als ein Hinzugefügtes kann es aber sehr wohl Verschiedenes bedeuten, je nachdem es der Nase, oder den Beinen hinzugefügt wird; bei der Nase bedeutet es das Hohlnäsige, bei den Beinen das Krummbeinige, und es ist gleich, ob ich sage: stumpfe Nase oder hohle Nase. Auch[59] darf man solchen Ausdruck nicht sogleich zugeben, da er falsch ist; denn das Stumpfe ist nicht eine hohle Nase, sondern eine Beschaffenheit der Nase, wie ein Zustand derselben. Deshalb ist es nichts Verkehrtes, wenn man sagt, dass die Stumpfnase eine Nase ist, welche eine Hohlheit an sich hat.
[60] Was die Sprachfehler anlangt, so habe ich bereits früher gesagt, woraus sie sich scheinbar ergeben; wie aber dergleichen aufzulösen sind, ergiebt sich aus den Begründungen des Sophisten selbst. Alle solche Reden wollen nämlich das herbeiführen, was die nachfolgenden Beispiele ergeben. Also: Was Du richtig nennst, ist das auch richtig? Antwort: Ja. Nun nennst Du etwas einen Stein, also ist es »einen Stein«. – Allein das »den Stein Nennen« gebraucht nicht den Nominativ, sondern den Accusativ und sagt auch nicht »dieses«, sondern »diesen«. Fragte also jemand: Ist das, was Du richtig einen nennst, ein »diesen«, so würde der Fragende nicht der Sprachregeln gemäss sprechen. Ebensowenig der, welcher sagte: Die, deren Dasein Du behauptest, ist das dieser, indem er damit das Holz meint, oder überhaupt etwas von alle dem meint, was weder etwas Männliches noch Weibliches bezeichnet, da das Einzelne hier gleichgültig ist Deshalb ist es auch kein Sprachfehler, wenn das, von dem Du sagest, es sei, ein Dieses (Neutrum) ist, nennst Du es also das Holz (Accusativ), so ist es auch das Holz (Nominativ). Der Stein aber und das »Dieser« hat einen männlichen Namen. Wenn aber jemand sagte: Ist Dieser nicht Diese? und dann auf das Nein des Gefragten, sagte: Was ist es denn? und: Ist dieser nicht Koriskos und man dann folgerte, dass das »Dieser« eine »Diese« sei, so wäre dies kein richtiger Schluss auf einen begangenen Sprachfehler, und selbst wenn das Wort: Koriskos ein Weibliches bezeichnete, brauchte der Antwortende dies nicht zuzugeben, da es hätte vorausgesagt werden müssen. Wenn dies aber weder geschehen ist, noch der Antwortende es zugegeben hat, so ist ein Schluss weder in der Sache, noch in Bezug auf den Gefragten[60] begründet. Ebenso muss auch in dem obigen Beispiele vorher gefragt werden, ob »etwas einen Stein Nennen« ein »Dieses« bedeute. Ist dies nicht geschehen und auch nicht eingeräumt worden, so kann der Schluss auf einen Sprachfehler nicht gezogen werden, obgleich es so scheint, weil, trotz des verschiedenen Lautes der Beugungsfälle, sie doch dasselbe bedeuten sollen. Ferner: Kann man in Wahrheit sagen, dass »Dieser« es ist, welchen Du »Diesen« nennst? Antwort: Ja. – Nun nennst Du ihn »diesen« Schild, also ist er »diesen« Schild. – Allein dies ist nicht nothwendig, wenn nicht das »Dieser« den Schild, sondern »der Schild« bedeutet, und »den« Schild »diesen« Schild. Auch wenn das, was Du mit diesen bezeichnest, ein Dieser ist, Du also ihn z.B. einen Menschen nennst, so ist dieser doch nicht »einen« Menschen, denn dieser ist nicht »Menschen«; denn ich habe schon gesagt, dass der, den ich »dieser« nenne, dieser ist und nicht »diesen«; denn man würde nicht richtig sprechen, wenn man die Frage so stellte. – Ferner: Kennst Du dieses? – Ja. – Aber dieses ist ein Stein, also kennst Du »ein Stein«. – Allein das »Dieses« in dem »kennst Du dieses« bedeutet nicht dasselbe, wie in »dieses ist ein Stein«, sondern im ersten Falle bedeutet es ein »diesen« und in dem anderen Falle ein »dieser«. Ferner: Wessen Wissenschaft Du besitzt, weisst Du das? – Ja. – Nun hast Du Wissenschaft des Steins, also weisst Du »des Steins«. – Allein Du sagst bald »des Steins«, bald »den Stein«, während nur zugegeben ist, dass man das wisse, dessen Kenntniss man habe, also nicht, dass man dessen wisse, sondern dass man »das wisse«, mithin man nicht des Steines wisse, sondern den Stein.
Somit erhellt aus dem Gesagten, dass dergleichen Reden einen Sprachfehler durch Schlüsse nicht beweisen, sondern nur zu beweisen scheinen, und es erhellt, wodurch dieser Schein entsteht und wie man solchen Reden entgegenzutreten hat.
[61] Man muss auch beachten, dass alle sophistischen Begründungen bald leichter, bald schwerer in Demjenigen[61] zu durchschauen sind, wodurch sie den Hörer täuschen, obgleich sie oft einander gleich sind; denn ein Schluss ist dem anderen gleich, wenn sie beide sich auf gleichartige Gründe stützen. Allein derselbe Schluss soll nach der Meinung des Einen auf ein Nebensächliches sich stützen, aber nach der Meinung des Anderen auf die Ausdrucksweise und nach der Meinung eines Dritten wieder auf Anderes, weil es nicht gleich klar sei, in welchem Punkte der Fehler enthalten sei. So wie bei den Schlüssen, welche sich auf die Mehrdeutigkeit der Worte stützen (welches Mittel das gebräuchlichste für die Fehlschlüsse ist), manches jedwedem klar ist (denn auch die lächerlichen Begründungen stützen sich beinahe alle auf die Ausdrucksweise; z.B.: der Mann wurde zu dem Sitz getragen. Ferner: Wo wurde hingestellt? – Antwort: An die Segelstange. Ferner: Welche von den beiden Kühen gebiert von vorn? Antwort: Keine, sondern beide von hinten. Ferner: Ist der Boreas (Nordwind) rein? Antwort: Keineswegs, denn er hat den Armen und den gekauften Sklaven umgebracht. Ferner: Ist er Euarchos? Antwort: Keineswegs, sonder Appollonides; und von dieser Art sind auch die meisten anderen Fehlschlüsse), so bleibt anderes selbst dem Erfahrensten verborgen. Eine Bestätigung dafür ist, dass man hierbei oft nur über Worte streitet, z.B. ob das Seiende und das Eine für alles dasselbe bedeuten, oder Verschiedenes. Manche meinen, beide Worte bezeichneten dasselbe; Andere lösen die Begründung des Zeno und Parmenides dadurch auf, dass sie behaupten, das Seiende und das Eine seien zweideutig. Auch von den sophistischen Widerlegungen, die sich auf das Nebensächliche oder eines der anderen Mittel stützen, werden manche leichter, manche schwerer zu durchschauen sein; auch ist es bei allen diesen Begründungen nicht überall gleich leicht, die Gattung zu erkennen, zu welcher sie gehören, und ob die sophistische Widerlegung logisch richtig ist oder nicht.
Eine verschmitzte Begründung ist die, welche am meisten wegen ihrer Auflösung in Verlegenheit setzt, denn sie ärgert am meisten. Diese Verlegenheit ist hier von zweierlei Art; entweder weiss man bei den Begründungen, die einen logisch richtigen Schluss enthalten, nicht, welche von den gestellten Fragen man anzugreifen[62] hat, oder man weiss bei den blos streitsüchtigen nicht, wie man den aufzustellenden Streitsatz ausdrücken soll. Deshalb nöthigen bei den logisch richtigen Schlüssen die verschmitzten Begründungen zu genauerer Untersuchung. Eine solche Begründung ist dann am verschmitztesten, wenn sie mittelst sehr glaubwürdiger Sätze eine sehr glaubwürdige Behauptung widerlegt. Denn wenn der Antwortende auch einen Gegenschluss bildet, indem er das Gegentheil jenes Schlusssatzes mit als Vordersatz ansetzt, so werden doch diese Schlüsse sich alle gleich verhalten, da sie alle aus glaubwürdigen Sätzen einen gleich glaubwürdigen Satz widerlegen, oder begründen, so dass man darüber in Verlegenheit gerathen muss. Am verschmitztesten ist ein solcher Schluss, weil die Verneinung seines unwahrscheinlichen Schlusssatzes gleiche Glaubwürdigkeit hat, wie die Vordersätze des sophistischen Schlusses, so dass er in Verbindung mit einem dieser Vordersätze zu einem Schlusse führt, der ebenso unwahrscheinlich ist, wie der Schlusssatz des fragenden Gegners. Die zweite Stelle nach diesen in der Verschmitztheit nimmt derjenige Schluss ein, bei dem beide Vordersätze in Glaubwürdigkeit sich gleich stehen; denn der Zweifel, welchen von beiden Vordersätzen man hier widerlegen solle, ist hier für beide gleich stark. Die Schwierigkeit ist hier gross, weil man widerlegen soll und doch nicht klar ist, was man widerlegen soll.
Von den streitsüchtigen Schlüssen ist zunächst derjenige am verschmitztesten, bei dem es schon unklar ist, ob er ein logisch richtiger Schluss ist, oder nicht und ob er sich auf etwas Falsches stützt, oder durch Trennung des Verbundenen aufzulösen ist; zweitens derjenige Schluss von den übrigen, bei dem es zwar klar ist, dass er sich auf eine Trennung, oder eine Wegnahme stützt, aber bei dem es nicht klar ist, welche von den Fragen behufs der Lösung zu widerlegen, oder zu trennen ist, oder ob dies bei dem Schlusssatze, oder bei einem der Vordersätze geschehen muss.
Mitunter ist die nicht logisch schliessende Begründung einfältig, nämlich, wenn die angemeldeten Vordersätze offenbar unglaubwürdig, oder falsch sind; mitunter aber verdient sie keine Verachtung. Denn wenn die Begründung etwas von solchen Fragen weglässt, auf denen[63]die Begründung beruht und durch welche sie geschehen muss, und wenn sie dies nicht hinzunimmt und nicht zu zu dem logischen Schluss gelangt, so ist sie allerdings einfältig; wenn sie aber etwas nicht eigentlich dazu Gehöriges nur weglässt, was aber die Vordersätze glaubwürdiger gemacht hat, so ist sie nicht in gleicher Weise verächtlich, denn der Schluss der Widerlegung ist hier richtig, aber der Fragende hat nicht gut gefragt.
So wie nun die Lösung eines sophistischen Schlusses bald gegen die Begründung desselben, bald gegen die Person des Fragenden, bald gegen keines von beiden zu richten ist, ebenso hat der Sophist seine Fragen und seinen Schluss entweder gegen den aufgestellten Satz, oder gegen den Antwortenden oder gegen die Zeitfrist zu richten, wenn die Lösung mehr Zeit braucht, als für die Erörterung behufs der Lösung noch übrig ist.
[64] Aus wie vielen und welchen Umständen bei den Disputationen die Fehlschlüsse entstehen, und wie man das Falsche aufdeckt und bewirkt, dass der Gegner Unglaubwürdiges behauptet; ferner, aus welchen Fragen der Schluss sich ergiebt, und wie man zu fragen hat und welche Ordnung man hierbei zu befolgen hat, endlich wozu alle dergleichen Begründungen nützlich sind und wie überhaupt die Antworten einzurichten sind und wie man die Begründungen und die Schlüsse aufzulösen hat, über dieses Alles mag das Bisherige hierauf gesagt sein. Denen, welche sich dessen erinnern, was ich im Anfange mir vorgesetzt, habe ich jetzt nur noch Einiges hierüber zu sagen und dann meine Untersuchung abzuschliessen.
Meine Absicht ist gewesen, die Mittel aufzufinden, durch welche man über einen aufgestellten Streitsatz aus den möglichst wahrscheinlichen Annahmen Schlüsse aufzustellen vermag; dies ist zwar das Geschäft der Dialektik an sich, und der auf die Probe stellenden dialektischen Kunst. Da aber wegen deren Verwandtschaft mit den sophistischen Begründungen dazu auch gehört, dass man einen Andern nicht blos dialektisch auf die Probe zu stellen vermag, sondern auch, dass man als ein Wissender[64] sich zu benehmen vermag, so habe ich nicht blos die genannte Thätigkeit zum Gegenstand meiner Untersuchung genommen, nämlich die Fähigkeit zur Führung der Rede als Fragender, sondern auch das Geschick, mit gleichen Mitteln die Rede als Antwortender aufzunehmen und den aufgestellten Satz zu vertheidigen. Den Grund dafür habe ich schon angegeben, da ja auch Sokrates auf diese Weise zwar Fragen stellte, aber nicht als Antwortender auftrat, weil er eingestand, dass er nichts wisse. Deshalb habe ich in dem Vorgehenden auch dargelegt, für wie Vieles und aus wie Vielem dieses Antworten geschehen und woher man das Nöthige dazu in Genüge entnehmen kann. Ferner habe ich dargelegt, wie man zu fragen und in welcher Ordnung man die Fragen zu stellen hat und wie man zu antworten und die Schlüsse des Fragenden aufzulösen hat. Ebenso habe ich über das, was sonst auch zu derselben Untersuchung der Begründungen gehört, Aufschluss gegeben. Ausserdem bin ich auch die Fehlschlüsse durchgegangen, wie ich schon vorher bemerkt habe.
Dass somit der genügende Abschluss für das, was ich mir vorgesetzt, erreicht worden, ist klar; doch dürfen wir nicht das übersehen, was in Bezug auf die Ausbildung dieser Lehre bisher geschehen ist. Alles, was die Wissenschaften überhaupt aufgefunden haben, ist theils schon von Anderen früher aufgefunden und dann von den Nachfolgern übernommen und theilweise vermehrt worden, theils ist es erst neuerlich aufgefunden. Das im Anfange Aufgefundene pflegt im ersten Fortgang nur wenig zuzunehmen, denn »der Anfang ist wohl vor Allem das Grösste«, wie man sagt, und deshalb auch das Schwerste. Je mehr er an Vermögen das Kräftigste ist, um so kleiner ist er an Umfang und daher am schwersten zu erkennen. Ist aber der Anfang gefunden, so ist das Hinzufügen des Uebrigen und das Vermehren leicht, wie dies ja auch bei der Lehre über die Redekunst und so ziemlich auch bei den übrigen Künsten allen Statt gehabt hat. Die, welche die Anfänge auffanden, brachten diese im Allgemeinen nur wenig weiter; aber die jetzt in diesen Künsten hochgeachteten Männer haben dieselben gleichsam durch Ueberlieferung von Vielen übernommen, welche sie stückweise weiter geführt hatten, und so haben auch sie selbst dieselben[65] vermehrt; Tisias trat ein nach den Ersten; dann Thrasymachos nach Tisias, dann Theodoros nach diesem, und so haben Viele viele Stücke zusammengetragen. Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn jetzt eine solche Kunst einen reichen Inhalt hat. Vor der hier geschehenen Untersuchung war aber nicht etwa schon Manches vorgearbeitet und Anderes nicht, sondern es war durchaus nichts vorhanden; denn auch der Unterricht, welchen die um Lohn Lehrenden über die streitsüchtigen Begründungen ertheilten, glich dem, wie Georgias die Sache behandelte. Sie liessen die bei den Rednern und bei den Sophisten vorkommenden Wendungen auswendig lernen, auf welche nach ihrer Meinung sowohl die Redner, wie die Sophisten bei ihren Erörterungen meistentheils gerathen waren. Der Unterricht der bei ihnen lernenden Schüler war daher schnell, aber unwissenschaftlich, denn sie unternahmen nicht einen Unterricht in der Kunst selbst, sondern in dem mittelst der Kunst bereits Ausgeführten. Es war ebenso, als wenn jemand verkündete, dass er eine Kunst lehren wolle, welche jeden Schmerz an den Füssen beseitige, dann aber nicht die Schuhmacherkunst lehrte, noch die Mittel, wodurch man dies erreichen könnte, sondern nur viele Arten des mannigfachen Schuhwerkes vorlegte. Ein solcher hat wohl für den Bedarf Abhilfe gebracht, aber die Kunst hat er nicht gelehrt. Bei der Redekunst war wohl Vieles und Altes, was darüber gesagt worden war, vorhanden, aber über die Kunst zu schliessen wusste man durchaus nichts zu sagen, sondern man musste sie durch gewohnheitsmässige Uebung zu gewinnen suchen und lange Zeit sich damit abmühen. Wenn Ihr nun bei näherer Betrachtung meint, dass meine Darstellung, für welche nur solche Anfänge vorlagen, sich so ziemlich neben die Bearbeitungen jener Wissenschaften stellen kann, welche durch Ueberlieferung von Einem zu dem Anderen gewachsen sind, so bleibt für Euch und für die, welche meine Lehre gehört haben, nur übrig, dass wegen des in der Darstellung Uebergangenen Nachsicht geübt, für das aber, was ich aufgefunden habe, mir viel Dank bewahrt bleibe.
Ende.[66]