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ÜdSAC/Buch III • Kapitel 5

aus AufEinWort, der freien Forschung

Seite 185–185

5. Da aber, so wie es in der gesamten Natur etwas gibt, was Materie für jede Gattung ist – dies ist das, was alle jene Dinge dem Vermögen nach ist –, ein anderes aber die Ursache und Wirkendes ist, indem es alles bewirkt, wie die Kunst sich zu ihrem Material verhält, ist notwendig, dass es diese Unter­schiede auch in der Seele gibt; und die eine Vernunft ist von solcher Beschaffenheit, indem sie alles wird, und die andere, indem sie alles bewirkt, wie eine Art Zustand, so wie das Licht. Denn auf gewisse Weise macht auch das Licht die dem Vermögen nach seienden Farben zu Farben der Wirklichkeit nach. Und diese Vernunft ist abgetrennt, unaffiziert und unvermischt, da sie ihrer Substanz nach Wirklichkeit ist; das Wirkende ist nämlich immer ehrwürdiger als das Leidende und das Prinzip (ehrwürdiger) als die Materie. Das wirkliche Wissen ist dasselbe wie sein Gegenstand, doch im Einzelnen ist das dem Vermögen nach seiende Wissen der Zeit nach[Anm. Hrsg. 1] früher, insgesamt aber nicht einmal der Zeit nach. Im Gegenteil: Es ist nicht so, dass sie (die bewirkende Vernunft) zu einer Zeit denkt und zu einer anderen Zeit nicht denkt. Wenn sie abgetrennt ist, ist sie nur das, was sie eigentlich ist, und nur dieses ist unsterblich und ewig. – Doch wir erinnern uns nicht, weil dieses unaffiziert, die affizierbare Vernunft aber vergänglich ist – und ohne dieses denkt nichts.


  1. ↑ 430a19 –21 » ... der Zeit nach« Der Satz »Das wirkliche Wissen ist dasselbe wie sein Gegenstand, doch im Einzelnen ist das dem Vermögen nach seiende Wissen der Zeit nach früher, insgesamt aber nicht einmal der Zeit nach« taucht in identischer Form am Beginn des siebten Kapitels auf (431a1–3). Da er den Satz hier in III 5 als entbehrlich empfindet, hat Ross ihn in seiner editio maiorvon 1961 gestrichen. Dies lässt allerdings das anschließende adversative »Im Gegenteil« (ἀλλὰ) ohne inhaltlichen Anschluss an das vorhergehende Textstück. Die Streichung ist daher nicht gut zu rechtfertigen. Der Satz macht in beiden Kontexten guten Sinn.