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ÜdSAC/Buch II • Kapitel 12

aus AufEinWort, der freien Forschung

Seite 145–149

12. Es muss allgemein für alle Wahrnehmung festgehalten werden, dass die Wahrnehmung das ist, was die wahrnehmbaren Formen ohne die Materie aufzunehmen fähig ist, so wie das Wachs das Siegelzeichen des Ringes ohne das Eisen und das Gold aufnimmt und das goldene bzw. eherne Siegelzeichen erfasst, jedoch nicht insofern es Gold oder Erz ist. Ebenso erleidet auch die Wahrnehmung eines jeden von dem, das Farbe oder Geschmack oder Schall hat, aber nicht insofern jedes (als eines von diesen) bezeichnet wird, sondern insofern es von einer bestimmten Beschaffenheit ist und der Proportion gemäß. Wahrnehmungsorgan aber ist primär das, in |dem sich ein solches Vermögen befindet. Nun ist es zwar dasselbe, aber dem Sein nach verschieden. Denn das Wahrgenommene dürfte zwar wohl ein Ausgedehntes sein, jedoch ist weder das, was es heißt, wahrnehmungsfähig zu sein, noch die Wahrnehmung etwas Ausgedehntes, sondern eine bestimmte Proportion und Vermögen von jenem (Organ). Hieraus wird auch klar, warum das Übermaß der wahrnehmbaren Gegenstände die Wahrnehmungsorgane zerstört. Wenn die Bewegung nämlich stärker ist als das Wahrnehmungsorgan, wird die Proportion aufgelöst – hierin aber bestand die Wahrnehmung –, so wie auch der Zusammenklang und die (richtige) Spannung, wenn die Saiten zu heftig angeschlagen werden. Auch (wird klar,) warum die Gewächse nicht wahrnehmen, obwohl sie einen seelischen Teil haben und auch etwas von den tastbaren Gegenständen erleiden; sie werden ja auch kalt und warm. Ursache dafür ist nämlich, dass sie keine (zur Wahrnehmung befähigende) Mitte haben und auch kein solches Prinzip, das in der Lage ist, die Formen des Wahrnehmbaren aufzunehmen, sondern sie erleiden zusammen mit der Materie. Man könnte aber die Schwierigkeit aufwerfen, ob das, was nicht fähig ist zu riechen, vom Geruch etwas erleiden könnte bzw. das, was nicht fähig ist zu sehen, von der Farbe, und ebenso auch bei den anderen. Wenn aber das, was man riechen kann, Geruch ist, (und) der Geruch, wenn er überhaupt etwas bewirkt, das Riechen bewirkt, so ist nichts von dem, was nicht fähig ist zu riechen, in der Lage, etwas vom Geruch zu erleiden. Dasselbe gilt auch für die anderen (Wahrnehmungsgattungen) und sogar für die, die dazu fähig sind (wahrzunehmen), außer insofern ein jedes fähig ist wahrzunehmen. Dies wird aber zugleich mit Folgendem klar: Denn weder Licht noch Dunkelheit, noch Schall oder Geruch bewirken irgendetwas in Bezug auf die Körper, sondern die (Körper), in denen sie sich befinden, so wie die mit Donner verbundene Luft das Holz spaltet. Aber die tastbaren Gegenstände und die Gerüche wirken (auf die Körper ein). Denn wenn nicht, wovon würde sonst das Unbeseelte erleiden und verändert werden? Wirken also auch jene (nicht tastbaren Wahrnehmungsgegenstände auf die Körper) ein bzw. ist nicht vielleicht jeder Körper fähig, etwas vom Geruch und Schall zu erleiden, und die (Körper), die es erleiden, sind (lediglich) unbestimmt und unbeständig wie Luft? Sie riecht nämlich, so als hätte sie etwas erlitten. Was also ist das Riechen über das Erleiden von etwas hinaus? Oder ist etwa das Riechen ein Wahrnehmen, die Luft dagegen wird, wenn sie schnell affiziert worden ist, wahrnehmbar?