AAGMW/Anfangsgründe der Baukunst. (4)
86. Zu Zeichnung der Ordnungen einen Maaßstab zu verfertigen.
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1. Theilet den Modul AB in 3 gleiche Theile. [Fig. 9]
2. Richtet in A nach Belieben ein Perpendicul AC auf (§. 70.Geom.), und theilet es in 10 gleiche Theile (§. 154. Geom.).
3. Ziehet durch alle Theilungspuncte Parallellinien mit AB (§. 67. Geom.).
4. Endlich ziehet von 30 bis 20, von 20 bis 10, von 10 bis 0 Linien; so ist 1.1 =
{\displaystyle {\tfrac {1}{30}}} , 2.2 = {\displaystyle {\tfrac {2}{30}}}, 3.3 = {\displaystyle {\tfrac {3}{30}}} u. s. w.
Der Beweis ist einerley mit dem Beweise der 53 Aufgabe in der Geometrie (§. 163.).
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87. Eine jede Ordnung zu zeichnen.
1. Spannet das Papier auf das Reißbrett, und ziehet nach der Länge und Breite an dessen Seiten die beiden Linien AB und BC. [Fig. Arch. Tab VII]
2. Traget aus D in 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. die Höhen der Glieder, z. E. eines Postements, und aus F beiderseits gegen B und C in 1. 2. 3. 4. ihre Breiten oder Auslaufungen.
3. Ziehet auf die Linie AB durch Theilungspuncte 1. 2. 3. 4. 5. 6. u. s. w. lauter Perpendicularlinien.
4. Ziehet andere an die Theilungspuncte 1. 2. 3. 4. der Linie BC, welche an den vorigen Auslaufungen abschneiden.
5. Zeichnet endlich zwischen zwey und zwey derselben Linien die Figuren der dahin gehörigen Glieder.
88. Die platten Glieder werden nach dem Lineal, die runden aber im Kleinen nach der freyen Hand ausgezogen. Gleichwie auch die Blätter und Schnörkel an den Capitälen mit freyer Hand gezeichnet werden, sonderlich im Kleinen.
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89. Die Triglyphen mit ihren Zapfen in das Hauptgesimse der Dorischen Ordnung einzuzeichnen. [Fig. 11]
1. Weil die Axe der Säule, wenn sie continuiret wird, mitten durch einen Triglyph gehet; so traget [
658 ] auf die Linie, daran ihr die Auslaufungen bemerket (§. 87.), beiderseits die halbe Breite eines Schlitzes dreymal, ferner die ganze, und endlich noch einmal die halbe Breite eines Schlitzes (§. 82.).
2. Hingegen auf die andere Linie, darauf ihr die Höhen der Glieder gezeichnet, traget die äussere und die innere Höhe des ganzen Triglyphs, die Höhe der Zapfen, des Plättleins, der Hohlkehle und des Oberplättleins, nebst ihren gehörigen Ausladungen auf die vorige Linie (§. 82.); so könnet ihr (§. 87.) den ganzen Triglyph mit seinen Zapfen ausziehen.
3. Traget die Höhe des Triglyphs aus dem Ende seiner Breite auf die Breitenlinie; so habet ihr den Anfang des anderen Triglyphs, weil die Zwischentiefe eine vollkommenes Quadrat seyn soll.
4. So ihr euch nun ferner die halbe Tryglyphsbreite auf diese Linie zeichnet; und könnet ihn nach vorher beschriebener Maasse zeichnen, u. s. w.
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90. Die Kälberzähne in die unterste Platte des Karniesses der Dorischen Ordnung einzuzeichnen. [Fig. 12]
1. Weil die continuirte Axe der Säule mitten durch einen Zahn gehet; so traget auf die Linie der Auslaufungen beiderseits erstlich die halbe Zahnbreite 1
{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}} , hernach wechselsweise die Breite der [659] Zwischentiefe 2, und eines ganzen Zahnes 3, an dem Ende des Gesimses aber die Zahnbreite 3 zweymal hinter einander.
2. Auf die Linie der Höhen traget die innere Höhe des Zahnes 3 und die äussere 4.
So könnet ihr (§. 87.) die Kälberzähne ausziehen.
91. Einen Schnörkel zu zeichnen. [Fig: 13]
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1. Theilet die Höhe AB in 8 gleiche Theile, davon ist der fünfte OP der Diameter des Schneckenauges.
2. Beschreibet aus dem Mittel der Linie OP einen Circul, und darein ein Quadrat.
3. Theilet die Seiten durch die Linien der 1. 3. und 2. 4. in 2 gleiche Theile; jede aber von diesen Linien in 6 gleiche Theile.
4. Beschreibet aus den Puncten 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. die Quadranten BC, CA, AD, DE, EF, FH, HI, IK, KL, LM, MN, NO.
92. Die Kragsteine in die untere Platte des Karniesses der Ionischen Ordnung einzuzeichnen. [Fig. 14]
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1. Weil die continuirte Axe der Säule mitten durch einen Kragstein gehet; so traget erstlich beiderseits die halbe Breite eines Kragsteines 5, hernach wechselsweise
die Breite [
660 ] der Zwischentiefe 20. und die Breite eines Kragsteines 10. auf die Linie der Auslaufungen.
2. Hingegen auf die Linie der Höhen traget aus dem Anfange der Platte die Höhe eine Plättleins 1; so könnet ihr den Kragstein ausziehen. Nur müsset ihr
3. noch dem Karnießlein über der Platte auch seine gehörige Ausladung über den Kragstein geben.
93. Auf eben solche Weise werden die Kragsteine an dem Karniesse der Corinthischen Ordnung gezeichnet, nur daß über das Karnießlein noch die Hohlkehle mit ihrer gehörigen Ausladung kommet, und der Kragstein ausgeschnitzet oder ausgehauen wird. In der Römischen Ordnung hat es eben diese Bewandniß. Die kleineren unteren geben sich leichte, wenn man den oberen die Ausladung giebet. Nur ist der einzige Unterscheid, daß der obere Kragstein die völlige Höhe der Platte hat.
94. Eine jede Säule geschickt zu verjüngen.
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1. Theilet die ganze Axe der Säule in drey gleiche Theile und lasset die Säule in dem untersten dritten Theile beständig einen Modul dicke. [Fig. Arch. Tab. II]
2. Bey dem Ende desselben beschreibet auf dem Diametro der Säule ABeinen halben Circul, dessen Mittelpunct C in der Axe der Säule ist.
3. Theilet die
{\displaystyle {\tfrac {2}{3}}} von der Axe in so viele gleiche Theile, als euch beliebet, in H, I etc. und richtet die Linien HF, IG etc. perpendicular auf.
[
661 ] 4. Ziehet aus E, dem Ende des verjüngten Schaftes, die Linie EL mit DC parallel.
5. Theilet den Bogen AL in so viel Theile, als der Theil der Axe HD getheilet worden.
6. Ziehet durch alle Theilungspuncte des Bogens mit der Axe Parallellinien, und merket die Puncte F, G etc. wo sie die Linien HF, IG etc. durchschneiden.
7. Durch die Puncte A, F, G, E ziehet eine krumme Linie; so ist der Schaft geschickt verjünget.
95. Gekuppelte Säulen werden genennet, welche man so nahe neben einander stellet, bis die Theile, so die größte Ausladung haben, das ist, in der Toscanischen und Dorischen die Fußgesimse, in den übrigen die Capitäle, an einander stossen.
96. Unter gekuppelten Säulen kan entweder kein Postement gebrauchet werden, oder man muß beide auf eines setzen.
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97. Wenn Säulen oder Pfeiler unter einem Hauptgesimse in einer Reihe neben einander gestellet werden, nennet man das Werk eine Colonnade oder Säulenstellung, ingleichen Säulenlaube. [Fig. 17]
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98. Wenn man zwischen den Säulen oder Pilastern Bogen wölbet, so heisset [
662 ] das Werk eine Arcade oder Bogenstellung. [Fig. 18]
99. Die Säulenweite (Intercolummnium) ist das Maaß des Abstandes der Axen zweyer neben einander gesetzten Säulen oder Pilastern, das ist, die Perpendicularlinie AB, welche von der Axe einer Säule CD bis zu der Axe einer anderen EF gezogen wird. [Fig. 17]
100. Alle Säulenweiten sollen gegen den Modul ihrer Säule eine geschickte Verhältniß haben (§. 16.).
101. Vitruvius (lib. 3. c. 2.) erzählet fünferley Säulenweiten, daraus der ganze Unterschied der Gebäude bey den Alten entstanden. Es waren nemlich ihre Säulenweiten 5, 6, 6
{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}} , 8 und 10 Modul. Im ersten Falle hieß das Werk Pycnostylon, dicksäulig; im andern Systylon, nahesäulig; im dritten Eustylon, schönsäulig; im vierten Diastylon, weitsäulig; und endlich im fünften Araestylon, rarsäulig. Es ist aber in der Dorischen Ordnung bey Erwählung der Säulenweite sonderlich auf die Eintheilung der Triglyphen, und in den übrigen auf die Vertheilung der Kragsteine an dem Karniesse des Hauptgesimses fleißig Acht zu haben; massen jederzeit die Axe einer Säule mitten durch einen Triglyph und Kragstein gehen muß, weil beide Köpfe der Balken vorstellen. Eben so hat man bey der Säulenweite auf die Vertheilung der Kälberzähne in dem Karniesse des Hauptgesimses zu sehen. Es müssen aber in einer Colonnade die Säulen vor den Thüren weiter von einander gesetzet werden, als zu den Seiten.
102. Eine Bogenstellung zu zeichnen.
[663
]
1. Wenn kein Postement gebraucht wird; so machet die Höhe des Bogens in den niedrigen Ordnungen 16, in den hohen 20 Modul. Sind aber Postemente vorhanden; so gebet der Höhe in dem ersten Falle 20, in dem andern Falle 24 Modul. Die Breite wird der halben Höhe gleich gemachet. [Fig. 18]
2. Theilet die Höhe in vier gleiche Theile, und mit dem vierten Theile beschreibet über der Breite der Eröffnung einen halben Circul.
3. Ueber diesem beschreibet aus eben dem Mittelpuncte der halben Breite in der Weite der Glieder des Bogens (§. 103.) noch andere halbe Circul; so bekommet ihre den Bogen.
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4. Darein zeichnet den Schlußstein folgender Gestalt: Machet die untere Breite AB einen Modul, und ziehet aus dem Mittelpuncte des Bogens durch Aund B zwey gerade Linien, welche den Schlußstein determiniren, der in der Toscanischen Ordnung schlecht bleibet, in den übrigen aber oben mit den Gliedern des Capitäls gezieret wird, die ins Gevierte herum gehen. [Fig. 16]
5. An das Ende des Bogens zeichnet ferner den Kämpfer, und wenn die Säulen keine Postemente haben, unten einen doppelten Untersatz, deren Höhe zusammen 2 Modul hält, der obere aber halb so hoch ist, als der untere, weil dergleichen unter die Säulen darneben kommet. Sind aber Postemente unter den Säulen; [
664 ] so bekommet der Nebenpfeiler unten die Glieder des Fußgesimses.
6. Die Säulen nebst dem Hauptgesimse darüber zeichnet nach der 21 Aufgabe (§. 87.).