AAGMW/Anfangsgründe der Baukunst. (6)
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104. Das FRONTON oder der Giebel KLM stellet die Figur vor, welche die Stützsparren an dem Ende des Daches formiren. [Fig. 17]
105. Ein Fronton zu zeichnen.
1. An dem Karniesse des Hauptgesimses zeichnet [
669 ] den Karnieß oder Rinnleisten mit dem Oberplättlein blind.<figure class="mw-halign-right">

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2. Richtet auf das horizontale Hauptgesimse die Höhe des Frontons ML auf. [Fig. 17]
3. Ziehet von dem Ende des Oberplättleins K in L gerade Linien, und
4. ferner mit diesen, in der Weite der Höhen aller Glieder des Karniesses, Parallellinien (§. 67. Geom.); so ist geschehen, was man verlangte.
106. In dem horizontalen Karniesse des Hauptgesimses läßt man, wenn ein Fronton gemacht wird, das oberste Glied mit dem Oberplättlein weg, weil es zu dem Ende gemacht wird, damit der Regen abrinnen kann.
107. Eine Giebelzinne ist ein kleines Postement, welches an den Ecken und der Spitze des Frontons aufgerichtet wird, damit man Statüen darauf setzen kan.
108. Die Giebelzinnen bekommen kein Fußgesimse, weil es von dem Giebel oder Fronton verdecket wird. Das obere Gesimse, welches aus wenigen Gliedern bestehen muß, damit sie nicht zu klein, und wenn sie von weitem gesehen werden in einander fallen, wird wie in anderen Postementen zu der Höhe des Würfels proportioniret.
109. Wenn man Säulen oder Pilaster über einander stellet, so müssen die oberen zärter, die unteren stärker seyn; und die oberen müssen auf den unteren fest aufstehen.
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Denn die unteren haben mehr zu tragen, als die oberen, indem sie diese zugleich mit tragen, und also müssen sie stärker seyn. Welches das erste war.
Und weil die oberen hindern sollen, daß die auf ihnen ruhende Last nicht weichen kan; so müssen sie auch selbst nicht weichen können, und dannenhero auf den unteren fest aufstehen. Welches das andere war.
110. Die Dorische Ordnung kommt über die Toscanische, die Ionische über die Dorische, die Römische über die Ionische, die Corinthische über die Römische; wiewohl man auch einerley Ordnungen über einander setzen kan, z. E. inwendig in einer Kirche die Corinthische über Corinthische.
111. Der obere Modul wird kleiner gemacht als der untere.
112. Vitruvius macht den oberen Modul
{\displaystyle {\tfrac {3}{4}}} , Palladius, Scamozzi und Serlius {\displaystyle {\tfrac {4}{5}}}, {\displaystyle {\tfrac {5}{6}}}, {\displaystyle {\tfrac {6}{7}}}, Goldmann nach dem Exempel der heiligen Baukunst {\displaystyle {\tfrac {2}{3}}} des unteren. Am natürlichsten kommet Scamozzi,der den gleichdicken Schaft der Obersäule dem verjüngten der unteren gleich machet: denn so ist es, als wenn die über einander stehende Säulen in einem Stücke fortgiengen. Und in diesem Falle bekommt nach Goldmanns Einrichtung der Ordnungen, dem wir gefolget, der Obermodul {\displaystyle {\tfrac {4}{5}}} oder 24 Minuten von dem unteren.
113. Damit die Einrichtung der Triglyphen, [
671 ] Kragsteine und Kälberzähne nicht verderbet wird; so muß die untere Säulenweite sich durch den oberen Modul genau dividiren lassen.
114. Es sey z. E. die unter Säulenweite 8 Modul, oder 240 Minuten: der obere Modul
{\displaystyle {\tfrac {4}{5}}} von dem unteren, nemlich 24. Weil nun 240 sich durch 24 genau dividieren läßt; so kan der obere {\displaystyle {\tfrac {4}{5}}} von dem unteren bekommen. Hingegen wenn ich den oberen {\displaystyle {\tfrac {3}{4}}} des unteren machte; so käme 10 {\displaystyle {\tfrac {1}{3}}} heraus, wenn ich 8 dadurch dividirete. Derowegen müste ich die ganze untere Säulenweite von 8 Moduln in 12 gleiche Theile theilen, und {\displaystyle {\tfrac {1}{12}}} für den oberen Modul annehmen.
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Das Gebäude hat drey Haupt-Theile, den Grund, darauf seine Last ruhet; die Mauer, welche es einschliesset; das Dach, welches es bedecket.
116. Jedes Gebäude muß demnach einen festen Grund bekommen, der nach der Last des Gebäudes proportioniret wird.
117. Den Grund zu einem Gebäude zu legen.
1. Wenn der Boden locker ist, so treibet geflammete eichene Pfähle hinein: im morastigen aber Pfähle von erlenem Holze.
2. Machet eine Lage von Bruchsteinen, die nahe an einander liegen, damit die Feuchtigkeit und der Kalk dem Holze nicht schade.
3. Giesset darüber Mörtel, und ebnet ihn mit der Schaufel.
4. Auf diese Unterlage führet die übrige Mauer aus Steinen und Mörtel auf, welche erst wohl austrocknen muß, ehe ihr weiter darauf mauret.
[
673 ] 5. Im Wasser rammelt vorher um den ganzen Platz, wo der Grund hinkommen soll, doppelte Pfähle ein, und pumpet aus dem mittleren Raume das Wasser heraus.
118. Die Mauren müssen in jedem Stockwerke um etwas eingezogen werden.
Denn die Mauer in dem untern Stockwerke muß die Last des oberen zugleich mit tragen. Derowegen muß die untere dicker, als die obere seyn. Und also muß man die Mauren in jedem Stockwerke einziehen. W. Z. E.
119. Weil die Mauer in jedem Stockwerke nach senkrechten Linien gleich aufgeführet wird: so wird von innen in jedem Stockwerke ein Absatz gemachet, und folgends die Last des Gebäudes durch den Grund gleich vertheilet.
120. Eine Mauer aufzuführen.
1. Nehmet mittelmäßige Bruchsteine, und verbindet sie mit reichlicher Speise aus einem Theile Kalk und zwey Theilen Sand.
2. Und damit die Ecken etwas stärker gemachet werden; so führet sie von Ziegeln oder Quadersteinen auf, die sich mit verwechselten Fugen wegen ihrer regulären Figur durch den Mörtel besser verbinden lassen.
3. Mauret auch in der übrigen Mauer zuweilen [
674 ] drey Schichten Ziegel. Oder mauret lauter Ziegel mit verwechselten Fugen über einander.
121. Das Fenster ist eine Eröffnung in der Mauer, dadurch das Licht in das Gebäude hineinfället.
122. Derowegen wird die Mauer von dem Fenster schräge eingeschnitten, und das Fenster wird höher als breit gemacht, damit das Licht nicht gehindert wird, durch das Zimmer sich auszubreiten.
123. Wenn die Fenster nicht allzubreit sind, sollen sie viereckicht gemacht werden; sonst aber muß sie oben mit einem Bogen schliessen.
Wenn ein viereckigtes und rundgewölbtes Fenster einerley Höhe haben; so ist jenes im Lichten grösser, als dieses. Demnach giebet es auch im Zimmer mehr Licht. Und daher soll man das Fenster viereckicht machen, wenn es nichts anders hindert (§. 121.). Welches das erste war.
Allein wenn das Fenster sehr breit ist, als wie die Kirchenfenster; so würde der Fenstersturz brechen, oder wenigstens das Ansehen haben, als wenn er brechen wolte, wenn es viereckicht gemacht würde. Derowegen muß man es in einem solchen Falle mit einem Bogen überwölben. Welches das andere war.
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124. Ein Fenster muß so breit seyn, daß zwey Personen gemächlich neben einander in demselbigen liegen können.
Denn man pfleget sich öfters mit einer anderen Person an das Fenster zu legen, und sich umzusehen.
125. Derowegen müssen die Fenster in vornehmen Gebäuden breiter, als in gemeinen gemachet werden: nemlich in gemeinen niemals unter 3 und nicht über 4, in vornehmen niemals über 6 Schuhe, und ist die geschickteste Proportion der Breite zu der Höhe wie 1 zu 2, oder nach dieser wie 2 zu 3. (§. 17. 20.), wiewohl man nach Erforderung der Umstände der Höhe über diese Proportion etwas unvermerktes zusetzen kan.
126. Die oberen Fenster müssen eben so breit wie die unteren gemachet, und gleich über die unteren gesetzet werden; die viereckichten müssen mit einem Bogen überwölbet werden.
Alles erfordert die Festigkeit des Gebäudes, die man zu beobachten hat (§. 12.).
127. Ein Fenster zu verzieren.
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Machet entweder einen blossen Rahmen um das Fenster, indem ihr die Glieder des Architrabs parallel mit seinen Seiten herumführet; oder machet über den Rahmen noch einen Frieß und Karnieß ohne ein Fronton, oder mit einem Fronton.