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AAGMW/Anfangsgründe der Baukunst. (8)

aus AufEinWort, der freien Forschung
Die 4. Aufgabe.
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<figcaption></figcaption></figure>

129. Eine einfache Eckenzierde an ein Fenster zu zeichnen.

Auflösung.

Wenn ihr das Fenster im Lichten aufgerissen; so

1. ziehet auf den Seiten des Reißbrettes zwey Theilungslinien AB und BC.

2. Wo die Höhe des Fensters aufhöret, traget auf- und niederwärts aus Din 1. 2. 3. 4. die Höhen der Glieder des Rahmens.

3. Wo aber die Breite des Fensters aufhöret, traget eben selbige Höhen aus E in 1. 2. 3. 4. und abermals aus 1. in 5. 6. 7. 8.

4. Ziehet diesen Theilungspuncten mit Hülfe der Reißschiene Linien, wie die Figur ausweiset. So sind die Eckenzierden fertig.

Die 5. Aufgabe.
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<figcaption></figcaption></figure>

130. Eine doppelte Eckenzierde zu zeichnen.

Auflösung.

1. Zeichnet erst wie vorhin das Fenster im Lichten, [

681] und ziehet an den Seiten des Reißbrettes, wie gewöhnlich, die Theilungslinien ABund BC.

2. Wo die Höhe des Fensters aufhöret, traget aus D niederwärts die Höhen der Glieder des Rahmens in 1. 2. 3. 4. und aufwärts die erste Platte zweymal in 1 und 1, und hernach weiter die übrigen Glieder 2. 3. 4.

3. Wo aber die Breite des Fensters aufhöret, traget einwärts aus E in 1. 2. 3. 4. eben die Höhen der Glieder des Rahmens, ingleichen auswärts theils aus E in 1. 2. 3. 4. theils aus 1 in 5. 6. 7. 8. wie in der vorigen Aufgabe.

4. Ziehet aus diesen Theilungslinien nach der Reißschiene gerade Linien, welche die verlangte gedoppelte Eckenzierde formiren.

Die 3. Erklärung.

131. Die Thüre ist eine Eröffnung in der Mauer, dadurch man in das Gebäude oder in dessen Zimmer und Gemächer gehen kan.

Der 1. Zusatz.

132. Derowegen muß keine Thüre unter 6’ seyn.

Der 2. Zusatz.

133. Weil man aber im Durchgehen zur Seite nicht anstossen soll (§. 14.), und der Mensch in seiner Kleidung nicht völlig halb so breit, als lang ist; so reimet sich am besten für die Breite zur Länge der Thüre die Proportion, wie 1 zu 2 (§. 17. 20.)

[682]
Anmerkung.

134. Die Hausthüren in kleinen Gebäuden werden wenigstens 4’ bis 4

{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}’; in mittelmäßigen 5’ bis 6’; in gar grossen 7’ bis 8’ breit. Hingegen die Gemachthüren sind in kleinen Häusern 3’, 3 {\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}’ bis 4’; in mittelmäßigen 4’ bis 4 {\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}’; in grossen nicht leicht 5’ bis 6’ breit. Endlich die Breite der Kirchthüren ist 5’ bis 8’; eines Stadtthores wenigstens 10’; eines Thorweges 6’; an sehr grossen Gebäuden 10’ bis 12’. Weil die Hausthüren im Lichten oben mit Fenstern im Lichten gleich kommen muß, so giebet sich die Höhe von selbst, und die Breite wird gefunden, wenn man sie halbiret.
Der 5. Lehrsatz.

135. Die Hauptthüre soll mitten an des Gebäude geleget werden, und zu beiden Seiten sollen in gleicher Weite gleich viel Fenster von ihr abstehen. Von den Ecken stehen die Fenster weiter weg als von einander von der Thüre aber können sie weiter und weniger abstehen.

Beweis.

Es ist alles klar aus der Euryrthmie (§. 21. 22).


Der 6. Lehrsatz.

136. Wenn die Fenster mit Frontons geziehret werden, müssen dreyeckichte und runde zu beiden Seiten auf einerley Art abwechseln. Eben diese Abwechselung muß mit den Eckzierden in Acht genommen werden.

Beweis.

Es ist abermal aus der Eurythmie klar (§. 21. 22).

Der 7. Lehrsatz.

137. Wenn neben der Hauptthüre noch [

683] andere Nebenthüren entweder in das Gebäude selbst, oder nur in darunter angelegte Gewölber gemachet werden; so ist die Hauptthüre die gröste, und kommet in die Mitten, die andern werden zu beiden Seiten in gleicher Grösse und in gleicher Weite von der Hauptthüre geleget.


Beweis.

Es ist abermals aus der Eurythmie klar (§. 21. 22.).

Der 8. Lehrsatz.

138. Die Brustlehne oder die Mauer von dem Boden des Gemaches bis an das Fenster im Lichten muß nicht über drey Schuh hoch seyn.

Beweis.

Man muß das Fenster so einrichten, daß man bequem an demselben liegen kann (§. 124.) Nun lieget man bequemer, wenn man den Leib etwas krümmen muß, als wenn man sich fast aufgerichtet auflehnet. Derowegen muß man das Fenster im Lichten nicht weiter von dem Boden weg seyn, als daß man den Leib noch etwas krümmen muß, wenn man sich in dasselbe legen will, und also niemals über, sondern vielmehr immer etwas unter drey Schuh (§. 14.) W. Z. E.

Zusatz.

139. Ja wenn man in dem Fenster bequem liegen soll, so muß die Mauer vor den Fenstern viel dünner seyn, als zwischen ihnen; zumal da hierdurch auch eine unnöthige Last weggenommen [

684] wird, wodurch sonst der Bogen über dem unteren Fenster beschweret würde.
Die 6. Aufgabe.

140. Eine Mauer zu übertünchen.

Auflösung.

1. Wenn die Mauer recht ausgetrocknet, so bewerfet sie zu dreyen unterschiedenen malen mit Mörtel.

2. Wenn das Bewerfen getrocknet, überziehet sie mit zärterem Mörtel, der aus Kalk und zärterem Sande, als der erste, zubereitet worden, oder mit Gips, gleichfalls zu drey unterschiedenen malen.

Der 9. Lehrsatz.

141. Die Figur der Zimmer muß ein rechtwinkelichtes Vierecke seyn.

Beweis.

Man hat in den Zimmern oder Gemächern Tische, Bänke, Betten, Schränke und andere dergleichen Dinge zu setzen. Damit nun dieses füglich geschehen könne, muß ihre Figur ein rechtwinklichtes Vierecke sein (§. 14.).

Zusatz.

142. Damit die Länge des Gemaches zu der Breite ein geschicktes Verhältnis habe; so machet sie entweder wie 1 zu 1, das ist ein völliges Quadrat, oder wie 2 zu 3, oder wie 1 zu 2, in grossen Sälen wie 1 zu 3. (§. 17. 20.).

Der 10. Lehrsatz.

143. Die Zimmer sollen weder allzuhoch, noch allzuniedrig seyn.


[685]
Beweis.

Denn allzuhohe Zimmer sind im Winter schwer zu heitzen, und also dem Beutel beschwerlich, wo das Holz theuer ist. Allzuniedrige Zimmer werden ungesund befunden, weil die Ausdünstungen aus den Körpern der Menschen und anderer in ihnen sich befindlichen Sachen sich nicht genug zertheilen können.


Der 11. Lehrsatz.

144. Stuben und Kammern soll man dielen; Säle und Vorgemächer aber pflastern, oder mit einem Aestriche versehen.


Beweis.

Denn die Pflaster und Aestriche werden kälter, als die Dielen; welches im Winter unbequem.


Die 4. Erklärung.

145. Wenn eine Decke über einem Zimmer in geometrische Figuren eingetheilet wird, welche man mit erhabenen Rahmen einfasset, so heisset es eine Felderdecke.


Die 7. Aufgabe.

146. Eine Felderdecke von Gips zu machen.


Auflösung.

1. Stecket den Raum zwischen den Balken mit gespaltenem Holze aus.

2. Ueberklebet die Decke mit Leimen, darunter viel Stroh getreten worden.

3. Stecket hin und wieder, indem sie noch naß ist, kleine eckigte Stücke Ziegel darein. [

686] 4. Wenn die Decke getrocknet, so traget den Gips auf, und

5. theilet sie nach den Regeln der Eurythmie in Felder. Nemlich mitten muß ein grosses Feld gemachet werden, welches in seiner Länge und Breite nach der Länge und Breite des Zimmers proportioniret ist. Z. E. wenn das Zimmer ein Quadrat ist: so ist das mittlere Feld gleichfalls ein Quadrat, oder Circul, oder eine Sechseck u. s. w. Ist die Figur des Zimmers eine Seite grösser als die andere, so muß auch im mittleren Felde die Länge grösser als die Breite seyn; z. E. es muß eine elliptische Figur oder ein rechtwinkelichtes Vierecke, oder eine aus Bogen und geraden Linien zusammengesetzte Figur seyn. An die Ecken, und unterweilen mitten an den Seiten, müssen andere kleinere Felder angeordnet werden, dergestalt, daß diejenigen einander gleichen, welche in der Decke einander entgegenstehen.

6. Damit die Felder sich wohl zusammen schicken; so setzet die Nebenfelder aus solchen Linien zusammen, die sich nach den Linien des Hauptfeldes richten. Wenn nemlich das Hauptfeld einen erhabenen Bogen hat, muß das Nebenfeld einen ausgehöleten ihm entgegenkehren. Sind die Linien im Hauptfelde zurücke gezogen, so ziehet man sie im Nebenfelde heraus: sind sie aber in jenem herausgeführet, so ziehet man sie in diesem zurücke, u. s. w. Eben dieses verstehet sich von den Eckenfeldern und Nebenfeldern [

687] in der Mitten der Seiten. Die Eckenfelder aber werden gegen die Ecken des Zimmers mit zwey auf einander perpendicular stehenden geraden Linien geschlossen in den rechtwinkelichten Zimmern, in anderen bekommen sie den Winkel oder die Rundung des Zimmers.

7. Fasset die Felder mit Rahmen ein, die ihr nach Gutbefinden aus den Gliedern einer Ordnung zusammengesetzet.

8. Führet unten in der Decke um das ganze Zimmer ein Gesimse.


Anmerkung.

147. In die Felder gehören Gemählde. Damit sie dauerhaft sind, müssen sie in den Gips gemahlet werden, weil er noch naß ist, welches die Italiäner al fresco mahlen nennen.


Die 5. Erklärung

148. Eine Decke, die nach einem Circul oder elliptischen Bogen aus Ziegeln oder gehauenen Steinen gemauret wird, nennen wir ein Gewölbe.


Die 6. Erklärung.

149. Ein Tonnengewölbe ist, welches ganz nach einem Bogen fortgeführet wird, und ein Stück von einem ausgehöleten Cylinder vorstellet. Ein Creutzgewölbe ist, welches nach vier Bogen aufgeführet wird, die einander mitten durchkreutzen. Wenn in dem Creutzgewölbe mitten ein viereckichtes Feld übrig bleibet; so nennet man es ein Muldengewölbe. Bleibet aber mitten ein Circul übrig; so heisset es ein Spiegelgewölbe.

[688]
Der 12. Lehrsatz.

150. Die Gewölber müssen eine starke Widerlage haben, das ist, auf starken Mauren oder Pfeilern ruhen.


Beweis.

Die Steine, daraus die Gewölber zusammengesetzet werden, sind unten schmal, oben breit wie die Keile: oder man kan sie zum wenigsten ansehen, als wenn sie aus keilförmigen Steinen bestünden. Da sie nun vermöge ihrer Schwere nach Perpendicularlinien gegen den Horizont zu niederdrucken, und doch nicht durchfallen können, treiben sie nicht anders als Keile nach der Seite. Derowegen müssen die Mauren oder Pfeiler, darauf sie ruhen, ihnen genug Widerstand thun können, und folgends stark oder dicke seyn.

Anmerkung.

151. Man hat aus der Erfahrung angemerket, daß die Gewölber um so viel gewaltiger treiben, je gedruckter der Bogen ist, und folgends auch eine um so viel stärkere Widerlage erfordern. Insgemein schreibet man, sie zu finden, folgende Regel vor.

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<figcaption></figcaption></figure>

1. Theilet den Bogen ACDB in drey gleiche Theile.

2. Verlängert die Sehne des dritten Theils DB bis in E, und machet BEderselben gleich.

3. Richtet auf AB ein Perpendicul BG auf, und

4. lasset von E auf BG ein Perpendicul EF fallen.

So ist EF die Dicke der Widerlage, oder die Dicke der Mauer, darauf der gewölbete Bogen ruhen soll.

Ihr könnet aber die Grösse der Linie EF auf dem verjüngten Maaßstabe finden, wenn ihr die Linie AB von demselben aufgetragen, und den Radium des Bogens ACDB von ihm abgenommen.

[689]
Der 13. Lehrsatz.

152. Die Zimmer müssen eine Communication mit einander haben, deren Gebrauch eine Verknüpfung mit einander hat.


Beweis.

Der Grund dieser Regel ist die Bequemlichkeit. Z. E. die Studierstube leget man an das Schlafgemach, daß man aus diesem bald in jene kommen kan.


Der 14. Lehrsatz.

153. Der Gebrauch des einen Zimmers soll nicht im geringsten den Gebrauch des andern hindern.


Beweis.

Auch dieses erfordert die Bequemlichkeit. Z. E. es schicket sich nicht die Kinderstube bey der Studierstube, weil das Schreyen und Lermen der Kinder das Studiren hindert.


Der 15. Lehrsatz.

154. Jedes Zimmer muß an den Ort geleget werden, wo man am meisten Vortheile, hingegen am wenigsten Hinderung für den Gebrauch desselben findet.


Beweis.

Auch dieses will die Bequemlichkeit haben. (§. 14.). Z. E. wenn das Haus von hinten zu gegen Morgen lieget, hingegen von vorne auf einer Gasse, da den ganzen Tag über viel Gehens oder Fahrens ist; so leget man die Studierstube lieber hinten aus, weil das helle Morgenlicht zum Studiren angenehm, und die Stille im Hofe [

690]demselben gleichfalls zuträglich, hingegen das Poltern auf der Strassen hinderlich ist.


Die 8. Aufgabe.

155. Einen Camin zu bauen.


Auflösung.

1. Machet die Breite im Lichten zu der Höhe wie 3 zu 2, oder auch wie 4 zu 3, zu der Tiefe aber wie 2 zu 1, damit der aufsteigende Rauch ganz in den Schlund der Feuermauer fahre. Es bekommet aber die Breite in kleinen Gemächern 3, in grossen 5, in Schlafkammern 4, in kleinen Sälen 5

{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}, in grossen 6 Schuhe.

2. Machet hinten an der Mauer unweit von dem Heerde ein Luftloch, welches ihr nach Gefallen eröffnen und verschliessen könnet, damit das Feuer einen freyen Zufluß von der äusseren Luft hat und also nicht rauchet.

3. Machet ferner oben an dem Schlunde des Rauchfangs ein eisernes Blech, durch welches ihr ihn verschliessen könnet, so bald die Flamme verlöschet.

4. Verkleidet ihn auf die Art, wie die Fenster und Thüren (§. 127.) nach dem Modul aus

{\displaystyle {\tfrac {1}{5}}}, {\displaystyle {\tfrac {1}{7}}} oder {\displaystyle {\tfrac {1}{8}}} der Breite im Lichten, und lasset über dem Gesimse an dem Schlunde ein Feld zu einem Gemählde; oben an der Decke machet ein neues Gesimse.


Die 9. Aufgabe.

156. Einen Heerd zu bauen.


[691]
Auflösung.

1. Damit man nicht müde wird, wenn man auf den Heerd langen soll; so machet ihn nicht über 2

{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}Schuh hoch.

2. Weil er groß oder klein seyn muß, nachdem man viel oder wenig zu kochen und zu braten hat; so machet ihn in gemeinen Gebäuden 3 bis 4, in grossen 5 bis 6 Schuhe breit, und in jenen 4

{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}, höchstens 6, in diesen 6, höchstens 8 Schuhe lang.

3. Damit man von allen Seiten ungehindert dazu kommen und das Feuer überall brauchen kan; so lasset ihn nur auf Einer Seite anstehen. Wo er aber anstehet, führet eine Brandmauer auf, damit das Feuer keinen Schaden thun kan.

4. Endlich damit der Heerd immer rein kan gehalten werden, und von den übrigen Funken kein Schaden zu besorgen; machet innerhalb dem Heerde ein Aschenloch, welches ihr mit einem eisernen Bleche verschliessen könnet.


Die 7. Erklärung.

157. Die Treppe wird im Gebäude genennet, darauf man aus einem Stockwerke in das andere kommen kan.


Der 1. Zusatz.

158. Der Bequemlichkeit halber soll die Haupttreppe bald in die Augen fallen, wenn man in das Gebäude kommet, und von unten bis auf den Boden in Einem fortgehen, durch kein Vorgemach durchgeführet, und nur lebendigem Lichte überall gleich erleuchtet werden.


[692]
Der 2. Zusatz.


159. Damit man die Treppe bequem steigen kan; müssen die Stufen wenigstens 4″ höchstens 6

{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}bis 7″ hoch, und einen Schuh breit, nicht unter 4′ und nicht über 5′, in grossen nicht über 9′ lang seyn, auch nach 6 oder 9, höchstens nach 11 oder 13 Stufen einen Absatz bekommen.


Die 8. Erklärung.


160. Eine Wendeltreppe wird genennet, welche um eine Spindel rings herum gehet.


Zusatz.


161. Weil sie zum Steigen und Hinauftragen unbequem sind, soll man Wendeltreppen nirgends als in der höchsten Noth brauchen.


Die 10. Aufgabe.


162. Eine Treppe mit Ruheplätzen zu zeichnen.


Auflösung.


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<figcaption></figcaption></figure>

Es sey z. E. eine Treppe zu zeichnen, die 2 Ruheplätze hat, und in dem ersten Flügel 6 Stufen, in dem andern 5, in dem dritten 7. Die Länge einer Stufe sey 6′.

1. Ziehet auf dem Reißbrette gewöhnlicher massen die beiden Linien ABund AD.

2. Traget aus G bis L die Breite des Ruheplatzes 6′ und aus H bis in G die Breite der Stufen sieben mal.

3. Abermals traget auf der Linie BA aus I in F die Breite des Ruheplatzes 6′, aus F in E die Breite der Stufe 1′ fünfmal, und aus E in D wiederum die Breite des Ruheplatzes 6′.

[

693] 4. Leget die Reißschiene an F, und ziehet die Linie ah; gleichergestalt durch E die Linie ei, durch G die Linie mn, durch L die Linie ok, durch H die Linie dg, und durch O die Linie er.

5. Endlich leget die Reißschiene an alle Theilungen der Linien HG und EFnach einander; so könnet ihr die Stufen vollends ausziehen. W. Z. T. W.


Die 11. Aufgabe.

163. Eine Wendeltreppe zu zeichnen.


Auflösung.

1. Addiret die halbe Dicke der Spindel zu der Länge der Stufe.

2. Beschreibet mit der Summe einen Circul.

3. Theilet seine Peripherie in so viel gleiche Theile, als ihr Stufen haben sollet; so

4. könnet ihr aus dem Mittelpuncte des Circuls die Stufen gegen die Theilungspuncte in der Peripherie ziehen.


Der 16. Lehrsatz.

164. Dächer müssen weder allzuhoch, noch allzuniedrig seyn.


Beweis.

Wenn die Dächer sehr hoch sind, so wird dadurch das Gebäude mit einer unnöthigen Last beschweret, und bey entstehender Feuersnoth in grössere Gefahr gesetzet. Hingegen wenn sie zu niedrig sind, bleibet im Winter der Schnee lange darauf liegen, und der Regen kan nicht wohl abfliessen; wovon das Dach verfaulet.


[694]
Anmerkung.


165. Die bequemsten Dächer nach unseren Witterungen sind, deren Durchschnitt entweder ein gleichseitiger Triangel ist, oder ein anderer Triangel, der die halbe Grundlinie zu seiner Höhe hat. Kupfer und Ziegel sind zum Decken am besten.


Die 12. Aufgabe.


166. Den Durchschnitt eines französischen Daches à la mansarde genannt zu zeichnen.


Auflösung.


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<figcaption></figcaption></figure>1. Auf der schmalen Seite des Gebäudes AE beschreibet einen Circul.

2. Theilet denselben in 4 Theile in B, C, D.

3. Ziehet die Sehnen AB, BC, CD und DE. So ist der verlangte Durchschnitt fertig.


Die 9. Erklärung.


167. Die Feuermauer oder der Schorstein ist das Theil des Gebäudes, wodurch man den Rauch aus der Küchen und dem Ofen abführet.


Der 17. Lehrsatz.


168. Die Schorsteine müssen über den Forst nach den Regeln des Eurythmie herausgeführet werden.


Beweis.


Wenn der Schorstein niedriger ist als der Forst, und der Wind bläset über das Dach herüber; so jaget er den Rauch zurücke, und lässet ihn nicht heraussteigen. Eben dieses geschiehet, wenn er von der Seite, wo die Feuermauer stehet, stark wider das [

695] Dach bläset, indem er zurücke prallet, und also sich dem Aufsteigen des Rauches widersetzet. Wenn die Sonne scheinet, so werden die Dachziegel sehr warm, und von dieser Wärme dehnet sich die Luft um die Feuermauer mehr aus, als die über dem Dache (§. 45. Aerom.). Da sie nun keinen bequemern Raum findet, wo sie hinweichen kan, als den Schorstein; so widersetzet sie sich abermals dem aufsteigenden Rauche, und treibet ihn zurück. Derowegen muß in allen diesen Fällen die Feuermauer rauchen. Da nun ihre gröste Tugend ist, das sie nicht rauchet, so ist allerdings nöthig, daß sie über den Forst des Hauses herausgeführet werde. Welches das erste war.

Da nun aber die Eurythmie überall in Acht zu nehmen (§. 22.); so muß man sie auch hier nicht vergessen. Welches das andere war.


Die 10. Erklärung.

169. Ein Grundriß wird genennet, in welchem die Dicke der Mauren und Schiedmauren, nebst ihren Eröffnungen, Thüren und Fenstern, ingleichen den Treppen, und folgends die Eintheilung des ganzen Platzes in seine Gemächer vorgestellet wird.


Die 13. Aufgabe.

170. Einen Grundriß zu einem Gebäude zu machen.


Auflösung.
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<figcaption></figcaption></figure>

1. Spannet das Papier auf das Reißbrett.

[

696] 2. Traget aus dem Mittel C der Linie AB beiderseits die halbe Breite der Thüre, über dieses die Weite der nächsten Fenster von der Thüre, die Breiten der Fenster und ihre Weiten von einander und von den Ecken, und die Dicke der Schiedmauren, in gehörigen Orten.

3. Hingegen auf AD traget aus dem willkührlich angenommenen Puncte E die Dicke der Mauer, die Länge der Zimmer, und die Dicke der Schiedmauren zu Ende derselben, ingleichen die Breiten der Gemachthüren in gehörigem Orte.

4. Wenn ihr nun beiderseits an die Theilungspuncte die Reißschiene anleget, und gerade Linien ziehet; so werden ihre Durchschnitte den gehörigen Riß geben.

5. Zeichnet ihr nun auch die Treppe hinein (§. 162. 163.), und schattiret den Riß aus, wie es die Figur zeiget; so ist geschehen, was man verlangete.


Die 11. Erklärung.

171. Der Aufriß wird derjenige genennet, darinnen die Vörderseite des Gebäudes vorgestellet wird, mit ihren Fenstern, der Thüre, dem Dache, und dem zugehörigen Gesimse.


Die 14. Aufgabe.
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<figcaption></figcaption></figure>

172. Einen Aufriß von einem Gebäude zu machen.

Auflösung.


1. Spannet das Papier auf das Reißbrett, und

[

697] 2. traget auf die Linie AB alle die Eintheilungen, die ihr in der vorhergehenden Aufgabe darauf getragen.

3. Hingegen auf die Linie AD traget aus dem willkührlich angenommenen Puncte E die Höhen aller Theile, als der Fenster, der Thüre und Stockwerke u. s. w.

4. Ziehet durch die Theilungspuncte beider Linien AB und AD gerade Linien nach der Reißschiene; so geben sich die vornehmsten Theile des Risses. Wenn ihr nun

5. die Fenster und Thüren mit ihren Gesimsen anfangs im Grossen zeichnet (§. 127. seqq.), und die grossen Risse vor euch leget; so

6. könnet ihr nach den Regeln der Zeichenkunst auch die gehörigen Gesimse in den Aufriß zeichnen.


Ende der Baukunst.


Anmerkungen (Wikisource)

[✐ | ✎]
  1. Vorlage: wechselsweite