ADHM/AdH/Herm. 002
▶Der Themenkatalog gibt sich selbst als präliminar (»zuerst«); was hatte er sich danach vorgenommen? Die Antwort darauf hängt davon ab, wie man einteilt. Rein äußerlich weisen die Themen auf Kap. 2–5; Kap. 1 hat offensichtlich eine Sonderstellung, ist aber der vom sehr Allgemeinen herkommende Anlauf zur Sache; Kap. 6 läßt sich einigermaßen plausibel an 5 anschließen. Also um Psychologie, Grammatik, Semantik und Syntax einfacher Aussagesätze (Urteile) ginge es. Man kann aber auch Kap. 4–9 oder 5–9 zur Einheit nehmen, je nach Gesichtspunkt. Die Kap. 1–4 (16 a 1–17 a 7) galten seit der antiken Kommentierung (von Aspasios, um 100 n. Chr., bis Joh. Damascenus) als die aristotelische Sprachphilosophie; vgl. H. Arens, Aristotle's Theory of Language and its Tradition. Texts from 500 to 1750. Amsterdam/Philadelphia 1984. – Die zu bearbeitenden Termini sind fast alle bei Platon in ihrem spezielleren Sinn als terminus technicus vorgeklärt: όνομα und ῥῆμα als Nominal- resp. Verbalform spätestens seit Krat., 425 a (aufgenommen 431 b), und der λόγος als ein »großes und schönes Gefüge« aus ihnen, Satz, Aussage, Urteil, sinnvolle Rede, ebendort. Variert wird dies bei Tht., 206 cd und bei Soph., 261 d auf die prinzipielle Frage gebracht, ob alle (Wörter) unter einander zusammenstimmen oder keines, oder ob sie sich teils zusammenfügen lassen, teils aber nicht. Die darauf folgende Analyse von Wort»arten« (denn die platonische Einteilung entspricht der modernen Bedeutung des Wortes nur in Umrissen) und deren Verknüpfung zu sinnvollen – oder nicht-sinnvollen – Sätzen, die etwas kundtun wollen, und deren Wahrheits- bzw. Falschheits-Relation zu den bezeichneten Sachverhalten ist unbestritten das Vorbild nicht nur der aristotelischen Hermeneutik, sondern aller folgenden Grammatik und Semiotik. Innerhalb dieser Untersuchung sind auch Behauptung (φάσις) und Verneinung (ἀπόφάσις) schon vorgeformt (Soph., 263 e).